Tag 166 - Über den Stuart Highway
December 8, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 39 °C
Arnd:
Heute beginnt der anstrengendste Teil unserer Reise. Wir müssen von Darwin aus irgendwie in dichter besiedelte Gebiete kommen. Ursprünglich wollte ich gern einen Zug nehmen, The Ghan, der von Darwin nach Adelaide fährt. Das ist ein touristischer Luxuszug. Leider fährt er im Hochsommer nicht, weil es da nicht genügend Touristen ins Zentrum von Australien verschlägt. Die einzige Alternative ist der Bus.
In Australien gibt es auch einen Greyhound und die fahren in fast alle Regionen. Nur Perth, ganz im Westen ist wohl auch für den Bus einfach zu abgelegen. Es gibt einen Bus, der durchs Zentrum von Australien über Alice Springs bis nach Adelaid fährt. Die Straße hat einen Namen, es ist der Stuart Highway. Das wäre die schnellste Route nach Melbourne. Man kann aber auch erstmal diese Route nehmen und dann nach den ersten 1000 km umsteigen und in Richtung Ostküste fahren. Da wir jetzt doch ein bisschen Zeit haben, haben wir uns für die Ostküste entschieden.
Man fährt erstmal 14 Stunden auf dem Stuart Highway. Ankunft um Mitternacht in Tennant Creek. Dort muss man 3 Stunden auf den Anschluss warten. Und der braucht dann 18 Stunden bis nach Townsville im Nordosten. Insgesamt fahren wir 2500 km.
Allein diese Fahrt kostet einzeln mindestens 600 A$ (Australische Dollar), etwa 380€. Es gibt von Greyhound aber auch Zeitkarten, mit denen man unbeschränkt fahren kann. Das haben wir uns jetzt gekauft für 90 Tage, kostet 790 A$. 90 Tage gilt auch unser Visum. Wir können damit die gesamte Strecke bis Melbourne fahren und auf dem Rückweg noch die Tour durchs Zentrum machen und den Berg Uluru besuchen.
Los ging es in Darwin um 9:55. Der Bus war ziemlich leer. Noch in Darwin fuhr der Bus auf einen Betriebshof. Es wurde noch ein Anhänger mit Fracht angehängt. Auch im Bauch des Busses gab es viele Pakete, der Greyhound bringt hier auch die Post in die Ortschaften.
Die Straße verlief längere Zeit in der Nähe der Eisenbahn. Deren Errichtung hat schon früh angefangen, aber erst 2004 ist das letzte Teilstück fertig geworden. Ich hatte gedacht, dass die hauptsächlich für den Transport von Gütern verwendet wird, es gibt im Zentrum von Australien einige Minen und nur dieser Touristenzug könnte den Aufwand für diese Bahnstrecke sicher nicht rechtfertigen. Deshalb hatte ich erwartet, einige Güterzüge zu sehen. Ich habe aber keinen gesehen.
Ich hatte erwartet, dass die Landschaft nicht allzu weit hinter Darwin anfängt trocken zu werden. Weit gefehlt, bis die Sonne unterging fuhren wir durch eine grüne baumbestandene Landschaft.
Besonders angetan haben es mir die Termitenhügel. Ich wollte unbedingt ein paar schöne Fotos davon machen. Aber der Bus fährt 100 km/h, die Landschaft fliegt vor dem Fenster vorbei. Ich habe mittlerweile Einstellungen an meiner Kamera, mit denen ich trotzdem einigermaßen brauchbare Bilder machen kann. Aber das Ergebnis ist immer zufällig. Man muss ziemlich viele Bilder machen, damit ein paar brauchbare dabei sind.
Wenn ich die Kamera einschalte, halte ich sie in eine Richtung, peile oben drüber und warte auf ein Motiv. Dann muss ich genau im richtigen Moment auslösen. Die schönsten Motive flogen aber immer dann vorm Fenster vorbei, wenn ich die Kamera gerade nicht eingeschaltet hatte. Immer wieder konnte man auch Rinder erspähen. Rinderzucht ist das einzige, was man in dieser Landschaft machen kann.
So nah am Äquator wird es abends früh dunkel und das geht auch sehr schnell, keine lange Dämmerung. Als es dunkel war, haben wir versucht, etwas zu schlafen.
Hea-Jee:
Endlich ist der Tag gekommen, an dem wir mit dem Bus den Kontinent durchqueren. 36 Stunden im Bus zu verbringen – das machte mir einerseits Sorgen, andererseits war ich auch ein bisschen aufgeregt. Für alle Fälle haben wir Brot, Obst und Wasser für die Fahrt gekauft. Und schon seit früh am Morgen bin ich ständig zur Toilette gegangen, um meinen Darm so gut es geht zu leeren.
Ich weiß nicht mehr, woher ich das hatte, aber ich hatte mir diesen Bus als sehr bequem und luxuriös vorgestellt. Aber was war das? Er war ungefähr so eng wie der Sitz bei Malaysia Billigairlines, von dem Arnd gesagt, es sei der engste gewesen, in dem er je gesessen hat. Und obwohl wir die ganze Nacht fahren sollten, ließen sich die Sitze nur ein kleines Stück nach hinten lehnen. Für mich als kleine Person ging es, aber für Arnd mit seinen langen Beinen musste das ziemlich anstrengend sein.
Zum Glück gab es hinten im Bus eine Toilette, in der man zumindest das kleine Geschäft machen konnte. Aber da der Bus alle paar Stunden anhielt und man dann die Toilette aufsuchen konnte, haben wir die Bordtoilette möglichst nicht benutzt. Manchmal hielten wir sogar über 40 Minuten an, sodass man sich etwas Kleines zu essen kaufen konnte. Je älter wir werden, desto häufiger müssen wir auf die Toilette, deshalb haben wir unterwegs möglichst wenig getrunken.
Die Orte, an denen der Bus manchmal hielt, waren oft so klein, dass man sie kaum als „Ort“ bezeichnen konnte. Manche erinnerten mich an Filmkulissen aus einem wilden Western. In etwas größeren Orten gab es ein Einkaufszentrum oder einen Supermarkt. Als wir durch Nord- und Zentralaustralien fuhren, sah man deutlich mehr Aborigines als andere.
Zwei Fahrer fuhren im Vier-Stunden-Takt im Wechsel. Der Fahrer, der gerade nicht dran war, schien sich im kleinen Schlafabteil neben der Toilette hinten im Bus auszuruhen.
Wir haben oft gehört, dass die Klimaanlage sehr stark läuft und es nachts kalt wird – und genau so war es auch. Zum Glück hatten wir warme Kleidung dabei, sodass wir nicht gefroren haben. Schlafen konnte ich trotzdem kaum. Eigentlich schlafe ich im Auto oder im Zug recht gut, aber der Sitz im Greyhound war irgendwie seltsam gebaut. Ich wachte immer wieder mit Schmerzen im Nacken und in den Schultern auf. Ich bereute es, Arnd beim Kauf eines Nackenkissens gesagt zu haben, dass ich so etwas nicht brauche.Read more
























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