Tag 169 - Magnetic Island
December 11, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 29 °C
Arnd:
Heute wollten wir was unternehmen. Eine Option war Magnetic Island, eine Townsville vorgelagerte Insel. Der größte Teil davon ist ein bergiger Nationalpark, in der Mitte der Mount Cook mit fast 500m Höhe. Zum Meer hin gibt es ein paar Bays, in denen die Bewohner und die Touristen leben.
Man kommt in 20 Minuten mit einer Personenfähre ab Townsville zur Insel. Wer sein Auto mitbringen will, muss die langsamere Autofähre nehmen. Entlang der Bays gibt es eine Straße, auf der auch Busse fahren. Wir haben uns aber E-Bikes geliehen. Ich dachte mir, dass das auch mal eine gute Gelegenheit ist, am Linksverkehr teilzunehmen. Es ist nur wenig Verkehr hier. Und für Hea-Jee eine Gelegenheit, mal ein E-Bike auszuprobieren. Außerdem waren wir so etwas flexibler.
Im Nationalpark lebt die größte Population von Koalas in Nordaustralien. Die hat man dort ausgesetzt, weil sie dort einen geschützten Lebensraum haben. Im Nordosten gibt es einen Wanderweg zu Verteidigungsanlagen aus dem zweiten Weltkrieg. Entlang dieses Weges soll es besonders viele Koalas geben, deshalb ist dieser Weg so beliebt.
Dort sieht man Touristen, die nach rechts und links die Bäume absuchen. Irgendwann bekommt man den Tip, dass man etwas in den Wald hineinlaufen muss. Da gibt es auch Trampelpfade. Und dann trifft man irgendwann Leute, die welche gesehen haben und verraten, wo. Wir wurden sogar zu einer Stelle hingeführt. Sehr nett.
Zufälligerweise sind wir einem anderen weltreisenden deutschen Paar begegnet, Özlem und Kaan, mit denen wir ins Gespräch gekommen sind. Kaan hat uns einiges über Koalas erzählt. Z.B., dass unsere Geräusche die Tiere überhaupt nicht stören. Das konnten wir dann selber beobachten, als wir in 2m Entfernung von einem Tier 20 Minuten lang gequatscht haben und das schlafende Tier sich nicht mal bewegt und seinen Schlaf unterbrochen hat.
Beim Suchen nach den Koalas haben wir die Bäume weiter oben angeschaut. Tatsächlich saßen die Tiere aber eher auf Augenhöhe. Wahrscheinlich wegen der großen Hitze. Da unten gab es doch mehr Schatten. Wir sind den Weg dann noch bis zu den Verteidigunngsanlagen weitergelaufen.
Es gab heute nicht so viel Wind, wie gestern und im Wald sowieso nicht. Deshalb merkte man erst, wie heiß es doch war. Unser Wetterbericht sagt; 32° bei 63% Luftfeuchtigkeit. Der Weg hatte 2km pro Richtung und am Ende waren wir sehr froh, als wir wieder bei den Rädern waren.
Anschließend ging es erstmal ein Stück bergab, mit Kühlung dank Fahrtwind, bis zum Ende der Straße am Meer in der Horseshoe Bay. Im Convenience Shop hat Hea-Jee uns was zu Essen gekauft und es gab eine Sitzgelegenheit mit Tisch, leichter Brise und Blick auf die Badebucht unter einem Dach. Kurze Zeit später kamen auch Özlem und Kaan per Bus angefahren und wir haben uns nochmal länger nett unterhalten und auch einige Tips bekommen.
Zurück sind wir dann durchgefahren, über die zwei Berge mit Motorunterstützung. Insgesamt waren das 15km. Zwischendurch hoppelte auch noch ein Känguru über die Straße.
Hea-Jee:
Wir beschlossen, nach Magnetic Island zu fahren – angeblich ein Muss, wenn man in Townsville ist. Dort soll es flinke kleine Wallabys geben, Koalas, Relikte aus dem Krieg und wunderschöne Strände. Aber irgendwie war ich nicht besonders begeistert. Kängurus würde ich auf der Reise wohl noch oft genug auf der Straße sehen, Koalas entdeckt man nur mit etwas Glück – und wenn man sie findet, schlafen sie meist bewegungslos. Kriegsrelikte hatte ich in Europa und Asien schon mehr als genug gesehen, und schöne Strände? In Australien, das von Meer umgeben ist, würde ich davon sicher noch genug zu Gesicht bekommen…
Ich fragte mich, warum ich so lustlos war, und mir wurde klar, dass es einfach an der Hitze lag. Temperaturen über dreißig Grad waren wir auf dieser Reise zwar gewohnt, aber in Australien fühlte sich die Sonne besonders stechend an. Der UV-Index lag wohl bei 13 oder so – jedenfalls weit über dem, was ich in Deutschland jemals erlebt hatte. Den ganzen Tag bei diesem Wetter wandern gehen? Ob wir eigentlich noch ganz bei Trost waren?
Arnd war völlig in seinem Element und freute sich darauf, den Tag zu planen. Er wollte unbedingt Fahrrad fahren – sei frischer als Laufen, meinte er. Ich dagegen war nicht begeistert von der Vorstellung, auf einer Autostraße mit Linkskverkehr Rad zu fahren. Ich traue meiner eigenen Flexibilität und Reaktionsfähigkeit einfach nicht mehr so wie früher.
Ob er meine Stimmung nicht bemerkte oder ob er absichtlich so tat, als ob, weiß ich nicht – jedenfalls sprach Arnd fröhlich auf mich ein.
„Ich glaube, du hast dich inzwischen an die Hitze gewöhnt, oder?“
Was ich eben noch gedacht hatte, rutschte mir unkontrolliert heraus.
„Ich wünsche dir, dass du in deinem nächsten Leben eine viel jüngere Frau heiratest – oder einfach einen Mann.“
Und dann liefen wir Hand in Hand plaudernd weiter den Weg hinauf.
Nach einer Weile kamen wir zu einem Fahrradverleih, den Arnd vorher herausgesucht hatte, und nahmen uns zwei E-Bikes. Ich war unsicher, weil ich noch nie eins gefahren war, aber es fühlte sich letztlich genauso an wie ein normales Fahrrad – sogar stabiler, weil die Energie gleichmäßig kam und man nicht ins Schwanken geriet. Die kurvigen Bergstraßen rauf und runter zu fahren machte Spaß, aber ich blieb trotzdem vorsichtig und angespannt.
Der Tag auf der Insel, den wir ganz in der Natur verbrachten, lohnte sich wirklich. So nah und so lange hatte ich Koalas noch nie gesehen. In Australien sind sowohl Einheimische als auch Touristen verrückt nach Koalas – wer einen entdeckt, sagt es sofort allen in der Nähe, als wäre das ein ungeschriebenes Gesetz. Wir trafen ein belesenes, junges Paar aus Deutschland und konnten dank ihnen sogar eine kleine „Koala-Kunde“ bekommen. Typisch deutsch – gründlich bis ins Detail.
Nachdem wir uns getrennt hatten, um jeweils andere Teile der Insel zu erkunden, trafen wir die beiden später am Fuß des Berges wieder. Die beiden waren außergewöhnlich höflich und rücksichtsvoll, und ich freute mich, sie erneut zu sehen. Wir setzten uns gemeinsam auf eine Bank im Schatten und unterhielten uns lange. Sie reisten mit einem gemieteten Campervan, und es machte Spaß, davon zu erfahren.
Wir gaben die Fahrräder zurück und liefen zum Fährhafen. Irgendwo dort in der Nähe sollte es ein Gebiet mit vielen kleinen Wallabys geben, hatte man uns gesagt, aber wir waren beide viel zu müde. Also nahmen wir einfach die nächste Fähre zurück aufs Festland. Zum Abendessen bestellten wir in einem koreanischen Restaurant Bulgogi und Bibimbap und teilten alles. Danach kauften wir Brot, Obst und Wasser für die Busfahrt am nächsten Tag und gingen zurück ins Hotel.Read more


















TravelerWir sind hier ganz eindeutig am gegenteiligen Ende der Welt - ganz bestimmt wettermässig (;-)
TravelerIst es sehr kalt bei euch? Heute soll’s 35 Grad in Brisbane werden und wir fahren jetzt nach Süden, wo es kontinuierlich kühler wird.
TravelerArnd und hea, tolle Vegetation! Bei den unbekannten Pflanzen handelt es sich um