• Tage 168 - Townsville

    December 10, 2025 in Australia ⋅ 🌬 31 °C

    Arnd:
    „Sie müssen unbedingt unseren Pool auf dem Dach probieren, der ist ganz besonders. Wir sind hier das höchste Gebäude der Stadt.“ meinte der Mann an der Rezeption. Unser Hotel haben wir pragmatisch ausgesucht. Es liegt günstig und ist günstig, zumindest für australische Verhältnisse. Es ist aber auch ein rundes Haus und hat im 20. Stock einen Pool. Dort hat man auch eine tolle Aussicht auf die ganze Stadt.

    Frühstück kann man hier nicht mit buchen, aber viel Hotels bieten eines an. Das ist dann meist das continental breakfast. Das musste ich erst nachschlagen. Europäer vom Kontinent, also nicht die Briten, essen eher wenig gekochtes zum Frühstück, sondern mehr Brot, Croissants und vielleicht noch was mit Ei. Seit dieser Reise wähle ich zum Frühstück aber doch eher was gekochtes. Was mit Gemüse hätte ich gern, aber das gibt es hier auch nicht viel, eine gegrillte Tomatenscheibe und ein paar Pilze. Brot gibt es eine gewisse Auswahl, aber als deutscher fehlt mir irgendwas zum drauflegen. Es gibt portionsmäßig abgepackte Butter und Marmelade und hier ein großes Glas Nutella. Aber keinen Käse. Mehrfach hatte ich jetzt aber auch schon Bircher Müsli. Hier war der warme Teil des Frühstücks reichhaltiger, also vielleicht nicht so sehr continental. Aufgefallen ist uns die Sauce Hollandaise zu den pochierten Eiern. Passt gut!

    Townsville ist eine Industriestadt, in der man aber sicher gut leben kann. Auf dem Coverfoto ist alles drauf, was man so braucht. Main street, Villen am Berg, die Werft, die Arbeit gibt. Und was unten aussieht wie eine Kirche, ist die lokale Brauerei. Hinter dem Berg liegt der Strand. Wir wollten heute nach der langen Fahrt nur entspannen. Morgens etwas im Pool gebadet und gegen Mittag sind wir dann losgezogen in Richtung Strand. Unterwegs dorthin habe ich wahllos Häuser fotografiert.

    Schwimmen im Meer ist hier etwas speziell. Zum einen gibt es hier im Sommer eine Quallenart, Stinger genannt, die so ziemlich das tödlichste Lebewesen dieses Planeten ist. Zum anderen gibt auch Salzwasserkrokodile, die sich auch mal ins Meer wagen. Gegen die Stinger gibt es mit einem Netz abgesperrte Bereiche und es gibt spezielle Ganzkörperanzüge. In den abgesperrten Bereichen kann man schwimmen, aber nicht surfen. Deshalb sind auch außerhalb dieser Bereiche Leute unterwegs.

    Hea-Jee:
    Gestern gegen 23 Uhr kamen wir im Hotel an. Nach langer Zeit konnten wir endlich wieder in Ruhe duschen und uns schlafen legen. Wir schliefen gerade tief und fest, als plötzlich ein schriller Alarm losging. Erschrocken fuhren wir aus dem Schlaf, und kurz darauf ertönte der Alarm noch einmal. Eine Durchsage folgte – wir verstanden nicht genau, ob es ein Fehlalarm war oder was genau gesagt wurde, aber jedenfalls hieß es, wir sollten uns keine Sorgen machen.

    Doch wenig später kam eine weitere Ansage, dass es einen Feueralarm gebe und wir vorerst im Zimmer bleiben sollten. Wir packten nur einen kleinen Rucksack, warfen ihn uns auf den Rücken und warteten. Während wir warteten, packten wir auch die großen Koffer. Da wir erst gestern Nacht angekommen waren, war kaum etwas ausgepackt und alles schnell verstaut.

    Es war seltsam, dass trotz der Meldung eines Feuers alles völlig ruhig blieb, fast unheimlich still. Draußen hörte ich eine Bewegung und ging nachsehen. Eine ältere Dame stieg gerade in den Aufzug. Ich fragte sie, ob sie wisse, was los sei, doch sie zuckte nur mit den Schultern und fuhr nach unten. Sie hatte leichte Hauskleidung an und hatte sonst nichts dabei. Sie schien einfach zum Frühstück zu gehen.

    Wieder zurück im Zimmer überlegten wir, ob wir an der Rezeption anrufen oder einfach warten sollten, wie es geheißen hatte. Plötzlich sagte Arnd mit entschlossener Stimme, dass wir nicht einfach sitzen bleiben könnten. „Hast du denn nicht gesehen, was bei Sewolho passiert ist? Wir müssen sofort runter! Man darf bei einem Brand nie den Aufzug nehmen. Wir müssen die großen Koffer als Rucksäcke schultern und die elf Etagen zu Fuß hinunter. Los, wir gehen!“ Ich antwortete hastig: „Nein! Dann merken die Leute sofort, dass wir aus Deutschland kommen!“

    Wieder hörten wir draußen Schritte. Als ich schnell hinausschaute, kam ein Mann vorbei, der wie ein Techniker aussah. Auf die Frage, ob es brenne, winkte er lachend ab. Andere Länder, andere Sitten – aber es war doch merkwürdig, wie gelassen alle blieben, obwohl in einem Hochhaus der Feueralarm ausgelöst worden war. Im Nachhinein glaube ich, dass wir bei der ersten Durchsage etwas Wichtiges nicht verstanden haben.

    Da wir ohnehin wach waren, gingen wir zuerst frühstücken. Wieder oben im Zimmer schlief ich noch einmal ein. Gegen Mittag standen wir auf, gingen auf die Dachterrasse schwimmen und ruhten uns etwas aus.

    Heute wollten wir entspannt durch die Stadt und am Meer entlang spazieren. Der Strand war wunderschön und, da nicht viele Menschen dort waren, wirkt unheimlich friedlich. Ein Land mit niedriger Bevölkerungsdichte ist wirklich ein glückliches Land. Wir dachten, man dürfe wegen der giftigen Quallen nicht im Meer baden, aber an einigen Stellen sahen wir Badebereiche mit Netzen, die die Quallen fernhielten. Schade, dass wir keine Badesachen dabeihatten. Barfuß spazierten wir am Strand entlang und fanden ein Restaurant mit guter Aussicht, wo wir ein leckeres und gesundes Mittagessen aßen.

    Danach besichtigten wir eine ehemalige militärische Anlage aus dem Zweiten Weltkrieg, die damals auf einem Hügel über dem Meer errichtet worden war. Ich hatte immer gedacht, Australien sei im Gegensatz zu Europa und Asien ein glücklicher Kontinent, der vom Krieg verschont geblieben war. Erst dort erfuhr ich, dass selbst hier Spuren des Krieges geblieben sind – Japan soll Luftangriffe geflogen haben.

    Zurück im Hotel gingen wir noch einmal im Pool schwimmen und ruhten uns aus. Zum Abendessen wollten wir etwas Leichtes, also kauften wir im Supermarkt Salat und aßen ihn im Zimmer.
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