• Tag 171, 172 - Brisbane

    December 13, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 29 °C

    Hea-Jee:
    Um sieben Uhr morgens erreichten wir Brisbane. Als wir endlich aus dem Bus stiegen, fühlte es sich wie eine Erlösung an – auch wenn mir noch etwas schwindelig war. Arnd ging es ebenfalls nicht gut, also setzten wir uns zunächst auf eine Bank, um kurz zu verschnaufen, bevor wir langsam in Richtung Hotel losgingen. Zum Glück hatte Arnd ein Hotel ganz in der Nähe des Busbahnhofs gebucht, sodass wir den Weg bequem zu Fuß zurücklegen konnten.

    Seit unserer Ankunft in Australien macht mir das Gehen erstaunlich viel Freude. Im Gegensatz zu manchen Ländern in Südostasien gibt es hier gut ausgebaute Gehwege, Ampeln an den Kreuzungen, und die Straßen sind weder laut noch von Abgasen belastet. In einer solchen Umgebung zu Fuß unterwegs zu sein, fühlt sich beinahe wie ein Geschenk an.

    Da der Check-in erst um 14 Uhr möglich war, ließen wir unser Gepäck im Hotel und machten uns auf, die Innenstadt zu erkunden. Die Fußgängerzone war festlich mit Weihnachtsdekoration geschmückt und verbreitete eine angenehme, vorweihnachtliche Stimmung. Entlang der Straßen reihten sich schöne klassizistische Gebäude aus vergangenen Zeiten, während etwas weiter dahinter moderne Hochhäuser die Skyline bestimmten.

    Kein Gebäude drängte sich protzig in den Vordergrund, und doch lag über der ganzen Stadt eine gewisse Eleganz. Keine aufdringliche Neureichen-Eleganz, sondern etwas Ruhiges, Charmantes. Als Scott mir per WhatsApp schrieb und fragte, wie mir Brisbane gefalle, kam mir sofort ein einziges Wort in den Sinn: charmant.

    Gesundheitlich ging es uns beiden nicht besonders gut, und auch unsere Mägen fühlten sich unwohl an, sodass wir zunächst keinerlei Appetit verspürten. Arnd meinte, in so einem Zustand täte etwas Warmes mit Brühe gut. Also gingen wir in den Foodcourt eines Einkaufszentrums, wo wir auf ein interessantes Restaurant stießen: ein cleveres Konzept, mit dem man chinesischen Hotpot ganz unkompliziert essen konnte.

    Man wählte die gewünschten Zutaten selbst aus, legte sie in eine große Schüssel, ließ alles wiegen und bekam es anschließend in einer Brühe nach Wahl gekocht serviert. Wir füllten die Schüssel mit reichlich Gemüse, nach dem wir uns schon lange gesehnt hatten, dazu etwas Fisch und Fischkuchen. Die Nudelsuppe schmeckte herrlich. Nach dem Essen kehrten plötzlich Energie und gute Laune zurück. Uns war gar nicht wegen Krankheit schlecht gewesen – wir waren schlicht hungrig und erschöpft.

    Gestärkt machten wir uns noch auf den Weg durch die Roma Street Parklands, bevor wir ins Hotel zurückkehrten. Kaum betraten wir den Park, leuchteten uns überall Pflanzen und Bäume entgegen, die in den unterschiedlichsten Farben prächtig blühten. In Südostasien wirkten Pflanzen vielleicht wegen der Hitze und Trockenheit der Jahreszeit nie so eindrucksvoll. Hier in Brisbane, etwas weiter vom Äquator entfernt, erschienen die Farben dagegen unglaublich intensiv und lebendig. Immer wieder entfuhr mir unbewusst ein Ausruf des Staunens – so spontan, dass ich selbst darüber lachen musste. Irgendwann kam mir dieses Geräusch bekannt vor: Ich ahmte unwillkürlich Finns Stimme nach. Wahrscheinlich, weil ich viel zu oft das Video gesehen habe, in dem Finn, noch jünger als heute, die Schuhe seines Vaters betrachtet und staunend ausruft.

    Punkt 14 Uhr kehrten wir ins Hotel zurück, duschten und fielen in einen tiefen, süßen Mittagsschlaf. Am Abend wollten wir unserem Körper etwas Gutes tun und entschieden uns für ein thailändisches Curry mit lange geschmorten Rinderrippen. Es war sehr lecker – allerdings viel zu reichlich.

    Am nächsten Morgen verschlief Arnd. Er erzählte, dass er in der Nacht schlecht geschlafen habe. Nach einem guten Frühstück im Restaurant neben dem Hotel besuchten wir den zuvor reservierten Uhrturm des Rathauses. Anschließend spazierten wir durch den Expo-Park, der sich langgestreckt am Fluss entlangzieht. Als wir das riesige, flache Schwimmbecken mit angeschlossenem Sandstrand sahen, mussten wir sofort an Finn denken. Würden wir ihn hierherbringen, würde er wahrscheinlich gar nicht mehr weg wollen.

    Danach gingen wir in die Queensland Art Gallery. Die vielen großartigen Werke machten uns glücklich. In einem multikulturellen Land wie Australien war es besonders schön, zeitgenössische Kunst aus ganz unterschiedlichen kulturellen Traditionen zu sehen. Auch die Kunst der australischen Ureinwohner, der Aborigines, war vielfältig vertreten. Wir fragten uns allerdings, ob es Begegnungen oder gegenseitige Einflüsse zwischen der zeitgenössischen Aborigine-Kunst und anderer moderner Kunst gab.

    Arnd litt weiterhin unter seiner Nebenhöhlenentzündung. Längere Aufenthalte in den klimatisierten Museumsräumen bereiteten ihm Kopfschmerzen, sodass wir schließlich in den Garten des Museumscafés gingen, dort Tee tranken und anschließend die Galerie verließen.

    In der Innenstadt fiel uns auf, dass häufig große Vögel umherliefen, die ein wenig wie Kraniche aussahen. Das wunderte mich. Im Upo-Feuchtgebiet in Korea werden Zugvögel mit großer Rücksicht behandelt: Man hält Abstand, ist leise und beobachtet sie aus der Ferne mit dem Fernglas. Hier jedoch schienen diese Vögel keinerlei Angst vor Menschen zu haben und stritten sich mitten in der Stadt sogar mit Krähen um Futter.

    Wie sich herausstellte, handelte es sich gar nicht um Zugkraniche, sondern um in Australien heimische Ibisse. Offenbar gelten sie in Brisbane – vielleicht sogar landesweit – als eine Art Symbol, denn in den Parks stehen Skulpturen von ihnen, und es gibt sogar Schlüsselanhänger mit ihrem Motiv. Es ist irgendwie niedlich zu beobachten, wie Tiere, die eigentlich in der Natur leben sollten, mit ihren langen, spitzen Schnäbeln akrobatisch versuchen, aus kleinen Pfützen am Straßenrand zu trinken.

    Zum Abendessen aßen wir schließlich im Hotelzimmer – mit ausgeschalteter Klimaanlage – einen Linsensalat aus dem Supermarkt. Er schmeckte gut, die Portion war genau richtig, und es fühlte sich angenehm gesund an.
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