• Tag 2: Wo die Erde ihre Geschichte erzählt

    Jul 15–16 in Iceland ⋅ 🌬 13 °C

    Heute haben wir Reykjavík hinter uns gelassen. Mit jedem Kilometer wurde die Landschaft ursprünglicher – rau, weit und voller Kontraste.

    Unser erster Höhepunkt war eine Wanderung durch den Þingvellir-Nationalpark. Der Öxarárfoss begrüßte uns mit seinen mächtigen Felswänden und die tiefen Erdspalten, die sich durch die Landschaft ziehen. Einige von ihnen sind mit kristallklarem Wasser gefüllt und wirken beinahe unwirklich. Hier ist ein Ort, an dem man die Kraft der Erde förmlich spüren kann.

    Das Wetter zeigte sich typisch isländisch: etwa 11 Grad, kräftiger Wind, immer wieder Regenschauer und dazwischen kurze sonnige Abschnitte. Doch genau dieses wechselhafte Wetter macht Island so faszinierend. Immer wieder spannten sich breite Regenbogen über die Landschaft und legten sich wie ein farbiges Band an die dunklen Felswände. Nebelschwaden hingen tief auf den Berggipfeln und verliehen der Umgebung etwas Mystisches. Nur wenige Minuten später brach die Sonne durch die Wolken und ließ die grün-gelb leuchtenden Hügel in einer Intensität erstrahlen, als wäre man auf einem anderen Planeten.

    Die Straßen sind von sattgrünen Hügeln gesäumt. Aus den steilen Felswänden stürzten hier und da kleine Wasserfälle hinab, die sich unten zu wilden, rauschenden Flüssen vereinten. Jeder Kilometer der meist geraden Strasse eröffnete ein neues Panorama.

    Am Nachmittag führte uns die Ringstraße durch endlose Vulkanlandschaften. Schwarzes Lavagestein wechselte sich mit weiten Wiesen, Bauernhöfen und großen Schafherden ab. Und dann war er endlich da – einer der Momente, auf die ich mich schon lange gefreut hatte: Islandpferde! Immer wieder standen kleine Herden auf den Weiden. Sie leben nicht wild, sondern gehören zu den Höfen der Insel. Trotzdem wirken sie in dieser unberührten Landschaft frei, stolz und vollkommen mit ihrer Heimat verbunden.

    Den Abschluss des Tages bildete die Wanderung auf den Grábrók-Vulkan. Zwei Krater liegen hier dicht nebeneinander und erzählen von einer Zeit, in der die Erde alles andere als friedlich war. Der Aufstieg führte über echtes Vulkangestein – ein beeindruckendes Gefühl. Kaum vorstellbar, dass diese Felsen einst glühend heiß durch die Luft geschleudert wurden und hier eine Landschaft erschufen, die heute so ruhig wirkt.

    Inzwischen sind die Krater von Moosen und Gräsern überwachsen. Friedlich liegen sie inmitten der Landschaft und erinnern daran, wie sich die Natur mit der Zeit selbst die gewaltigsten Kräfte zurückerobert. Oben angekommen bot sich ein weiter Blick über die Vulkanfelder und die grüne Hügellandschaft – ein Moment, der Demut und Staunen zugleich auslöst.

    Fazit des Tages: Gewaltige Erdspalten, Wasserfälle, Regenbögen, Nebel, Vulkane und die ersten Islandpferde – all das an einem einzigen Tag. Die Insel zeigt eindrucksvoll, wie eng Schönheit und die gewaltigen Kräfte der Natur miteinander verbunden sind.
    Read more