• Tag 4: Zwischen Fjorden, Bergen und der Kraft des

    July 17 in Iceland ⋅ ⛅ 11 °C

    Heute stand ein klassischer Roadtrip-Tag auf dem Programm. Knapp 300 Kilometer lagen vor uns, bis wir unsere nächste Unterkunft erreichen würden. Doch in Island ist der Weg mindestens genauso beeindruckend wie das Ziel.

    Der Tag begann mit einer Fahrt durch die bergige Landschaft rund um den Flóðið-See. Von einem Aussichtspunkt aus bot sich ein weiter Blick über das ruhige Gewässer, eingerahmt von grünen Hügeln und den immer höher werdenden Bergen.

    Die Straße schlängelte sich weiter durch diese eindrucksvolle Kulisse. Immer wieder säumten Pferdekoppeln unseren Weg – die Islandpferde sind natürlich seit Tag1 zu treuen Begleitern unserer Reise geworden. Man kann einfach nicht vorbeifahren, ohne einen Blick auf diese wunderschönen Tiere zu werfen.🥰

    Ein Stück weiter erreichten wir die Grafarkirkja, eine der ältesten lutherischen Kirchen Islands. Das kleine historische Gotteshaus wirkt fast unscheinbar und fügt sich dennoch perfekt in die Landschaft ein, mit seinem überwachsenen Dach und der begrünten kleinen Mauer ringsum. Auf der einen Seite ragen die mächtigen Bergketten empor, auf der anderen öffnet sich der weite Skagafjörður. Wieder einmal zeigt Island seine faszinierenden Gegensätze: schroffe Berge treffen auf weite Fjorde, raue Natur auf stille Orte voller Geschichte.

    Side Note: Auf Island leben rund 80.000 Islandpferde. Für viele Familien sind Zucht und Verkauf ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Tiere werden weltweit exportiert und genießen einen hervorragenden Ruf – nicht nur wegen ihres einzigartigen Tölts, sondern auch wegen ihres ausgeglichenen Wesens und ihrer Robustheit.

    Nur wenige Autominuten später erreichten wir die kleine Siedlung Hofsós. Direkt am türkis-blauen Skagafjörður gelegen, empfing uns der Ort mit seinen vielen farbenfrohen Häusern, einer bescheidenen Kirche und einem kleinen Hafen. Es sind genau diese kleinen Orte, die Island seinen besonderen Charme verleihen – ruhig, ursprünglich und irgendwie zeitlos.

    Ein besonderes Erlebnis – wenn auch nicht unbedingt ein angenehmes – war die Fahrt durch den Vaðlaheiðargöng-Tunnel. Mit einer Länge von 7,5 Kilometern gehört er zu den längsten Straßentunneln Islands und verbindet einen Abschnitt der Ringstraße im Norden des Landes. Wer unter Platzangst leidet oder sich in langen, dunklen Tunneln unwohl fühlt, sollte die alternative Route wählen. Sie ist zwar etwa 16 Kilometer länger und dauert 6 bis 12 Minuten mehr, führt dafür aber oberirdisch durch die Landschaft.

    Ich selbst hätte vorher nie gedacht, dass mich dieser Tunnel so beschäftigen würde. Etwa auf halber Strecke setzte plötzlich ein unangenehmes Gefühl ein. Die lange, dunkle Röhre schien kein Ende zu nehmen und löste eine zunehmende Angstreaktion in mir aus - das mich selbst überrascht hat. Nicht nur einmal spielte ich mit dem Gedanken anzuhalten. Umso größer war die Erleichterung, als am Ende endlich wieder Tageslicht zu sehen war.

    Nach einer kurzen Pause, führte uns der letzte Stopp des Tages schließlich zum Goðafoss, dem "Wasserfall der Götter". Gewaltige Wassermassen stürzen hier mit unbändiger Kraft in eine tiefe Felsspalte und bahnen sich ihren Weg durch das Basaltgestein. Im Flussbett liegen mächtige, vom Wasser ausgewaschene Basaltblöcke, während oberhalb der Schlucht sattgrüne, hügelige Wiesen leuchten. Die Kombination aus tosenden Wassermassen, dunklem Lavagestein - glitzernd-schwarzer Sand - und intensivem Grün ergibt wieder dieses unverwechselbare Bild, das wir inzwischen so sehr mit Island verbinden.

    Am Abend erreichten wir schließlich unsere nächste Unterkunft – erfüllt von unzähligen Eindrücken eines weiteren Tages, der uns gezeigt hat, wie abwechslungsreich diese Insel ist. Um 23:30Uhr im ewigen Sonnenuntergang sitzen wir im Wintergarten und betrachten die Berglandschaft um uns herum.

    Fazit des Tages:
    Die Bergketten werden höher, es erschienen die ersten schneebedeckten Gipfel und Fjorde bestimmten immer häufiger das Landschaftsbild. Bei überraschend sonnigen 22 Grad konnten wir den Tag sogar im T-Shirt genießen. Weiterhin unzählige Islandpferde, historische Orte, ein Tunnel, der mich mehr Überwindung kostete als gedacht, und zum Abschluss ein Wasserfall, dessen Kraft man nicht nur sieht, sondern auch hört und spürt. Genau diese Mischung aus Schönheit, Respekt vor der Natur und immer neuen Überraschungen macht Island jeden Tag ein Stück faszinierender.
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