Tag 6: Zwischen Basaltgestein, Lavafeldern und koc
July 19 in Iceland ⋅ ⛅ 16 °C
Auch heute wartete wieder ein Tag voller landschaftlicher Gegensätze auf uns. Die Tour führte uns durch eine immer rauer werdende Gebirgslandschaft – vorbei an endlosen Lavafeldern, unwirklichen Basaltformationen und schließlich dorthin, wo die Erde bis heute ihre gewaltigen Kräfte offen zeigt.
Unser erstes Ziel war der Aldeyjarfoss Wasserfall. Schon die Anfahrt war ein Abenteuer für sich. 🤪 Über 41 Kilometer führte uns eine schmale, rallyeähnliche Schotterpiste durch das Hochland. Eine Stunde lang sahen wir im Rückspiegel nichts als aufgewirbelten Staub. Vor uns wechselten sich Hügel und Senken ab, rechts erstreckten sich grüne Hänge, links schlängelte sich ein reißender Fluss wie eine silberne Schlange durch die Landschaft. Allein diese Strecke war das Gefühl von Freiheit pur.
Am Aldeyjarfoss angekommen, zog uns sofort die gewaltige Kraft des Wassers in ihren Bann. Rund 20 Meter stürzt der Fluss hier in die Tiefe und wirbelt dabei Wolken aus feinem Wassernebel auf. Sobald die Sonne durch diese Gischt scheint, entsteht am Fuß des Wasserfalls ein breiter Regenbogen, der der ohnehin beeindruckenden Kulisse etwas Magisches verleiht.🌈
Mindestens genauso faszinierend wie der Wasserfall selbst sind die hohen Basaltsäulen, die ihn umgeben. Sie wirken, als hätte jemand riesige Bauklötze sorgfältig aufeinander gestapelt und die Türme anschließend einfach umgestoßen. Kaum zu glauben, dass diese geometrischen Formen allein durch die Natur entstanden sind.
Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis führte uns die Route weiter zur Kraterlandschaft Skútustaðagígar am Mývatn-See. Hier reihen sich zahlreiche sogenannte Pseudokrater aneinander. Sie entstanden nicht durch Vulkanausbrüche, sondern als glühend heiße Lava einst auf feuchten Untergrund traf und gewaltige Dampfexplosionen auslöste. Heute liegen die begrünten Krater friedlich am Seeufer und erinnern nur noch an ihre explosive Entstehung.
Nur wenige Autominuten entfernt änderte sich das Landschaftsbild erneut vollständig. Im Lavafeld Dimmuborgir wird sichtbar, welche gewaltigen Mengen geschmolzenen Gesteins hier einst unterwegs waren. Was uns entlang der Ringstraße bereits wie kleine Lava-Kleckerburgen erschien, wirkt hier gigantisch. Riesige erkaltete Lavaformationen türmen sich übereinander, in unterschiedlichsten Formen und Farben. Schwarzes Gestein trifft auf rötliche, orange und violette Schattierungen. Es fühlt sich an, als wäre man auf einem fremden Planeten gelandet.
Vom Parkplatz aus erhebt sich gegenüber der mächtige Hverfjall, einer der bekanntesten Vulkankrater Islands.
Entlang der Ringstraße ziehen sich beidseits flache Lavafelder. Vor Tausenden von Jahren floss hier glühende Lava Richtung See, erkaltete und blieb genau dort liegen. Heute fährt man mitten durch diese erstarrten Ströme hindurch und versucht sich vorzustellen, welche Naturgewalten hier einst gewirkt haben.
Den Abschluss des Tages bildete einer der eindrucksvollsten Orte unserer bisherigen Reise: Hverarönd, die kochenden Schwefeldampfquellen.
Bereits aus der Ferne waren die aufsteigenden Dampfwolken zu erkennen. Je näher wir kamen, desto intensiver wurde der beißende Schwefelgeruch. Kurz überlegten wir tatsächlich, ob wir uns das wirklich antun wollten. Die Luft war schwer vom Geruch nach faulen Eiern und machte tiefes Atmen nahezu unmöglich. Mal ließ der Geruch etwas nach, wenige Sekunden später traf einen die nächste intensive Schwefelwolke. Nix für schwache Mägen.
Vor uns brodelte die Erde im wahrsten Sinne des Wortes. Überall öffneten sich runde Löcher in der gelb-orange gefärbten Erde. Graue, dickflüssige Schlammmassen blubberten unaufhörlich vor sich hin, platzten auf und schleuderten heiße Schwefeldämpfe in die Luft. Dazwischen zischten Dampfaustritte aus dem Boden oder spitzen Hügeln, während die Erde in unzähligen Gelb-, Orange-, Braun- und Grautönen leuchtete. So lebensfeindlich dieser Ort wirkt, so faszinierend ist er zugleich.
Side Note:
Etwas, das uns unterwegs immer wieder auffällt, sind die scheinbar einsamen Briefkästen entlang der Straßen. Oft steht mitten im Nirgendwo ein Tor mit einem Briefkasten oder nur ein Straßenschild mit Briefkasten – weit und breit ist kein Haus zu sehen. Die Erklärung ist ganz einfach: Viele Familien leben auf großen Farmen, die oft ein bis zwei Kilometer von der Hauptstraße entfernt liegen und nur über lange Gravel Roads erreichbar sind. Der Briefkasten bleibt deshalb direkt an der Straße stehen.
Fazit des Tages:
Heute haben wir Island von seiner ursprünglichsten und gewaltigsten Seite erlebt. Tosende Wasserfälle, uralte Krater, endlose Lavafelder und brodelnde Schwefeldampfquellen erzählen alle dieselbe Geschichte: Diese Insel ist das Ergebnis unvorstellbarer Naturkräfte. Wasser, Feuer und Erde formen sie bis heute – unaufhaltsam und mit einer Kraft, die Ehrfurcht einflößt. An Tagen wie diesem wird einem bewusst, wie klein und unbedeutend der Mensch im Vergleich zu den Kräften der Natur eigentlich ist. Genau dieses Gefühl macht Island so faszinierend.Read more



















