• Tag 7: Zwischen Erdplatten, gewaltigen Canyons und

    July 20 in Iceland ⋅ ☁️ 14 °C

    Heute lagen erneut rund 300 Kilometer vor uns. Ein weiterer Roadtrip durch Islands – und wieder zeigte die Insel, wie schnell sie ihr Gesicht verändern kann.

    Zunächst führte uns die Ringstraße noch einmal durch die Landschaft, die wir bereits am Vortag kennengelernt hatten. Links und rechts der Straße erstreckten sich endlose Lavafelder. Schwarzes, erkaltetes Gestein, schroff und scheinbar lebensfeindlich.

    Unser erster Halt war die Grjótagjá, eine naturbelassene Thermalquelle, verborgen in einer kleinen Höhle direkt an der Kontinentalspalte zwischen Nordamerika und Eurasien. Allein dieser Gedanke ist beeindruckend: Hier treffen zwei Kontinente aufeinander und bewegen sich – wenn auch unmerklich – jedes Jahr ein kleines Stück auseinander.

    Schon beim ersten Blick auf das Wasser verschlug es uns die Sprache. Das intensive, kristallklare Blau wirkte beinahe unwirklich. Die Höhle, das warme Wasser und das dunkle Lavagestein bilden zusammen einen Ort, der fast magisch erscheint. Einer dieser Plätze, an denen man automatisch leiser wird und einfach nur staunt.

    Nach diesem besonderen Erlebnis veränderte sich die Landschaft erneut. Die schwarzen Lavafelder gingen langsam in eine offene, rot-orange Sandlandschaft über, die stellenweise an eine Marslandschaft erinnerte.

    Unser nächster Höhepunkt waren die gewaltigen Wasserfälle Dettifoss und Selfoss.

    Schon von Weitem war das tiefe Grollen der Wassermassen zu hören. Rund 44 Meter stürzt der Fluss hier in einen breiten Canyon. Anders als bei vielen anderen Wasserfällen Islands wirkt das Wasser hier nicht klar und türkis, sondern grau-braun. Unmengen an Schlick werden mitgerissen und verwandeln den Fluss in eine tosende, bedrohlich wirkende Naturgewalt.

    Mit unaufhaltsamer Kraft schießt das Wasser durch den Canyon. Auf der einen Seite erheben sich mächtige Basaltformationen, auf der anderen schwarzes Lavagestein.

    Mit jeder gefahrenen Stunde wechselte nicht nur die Landschaft, sondern auch das Wetter. Zwar begleitete uns ungewöhnlich viel Sonnenschein bei angenehmen 21 Grad, doch der kräftige Wind hatte deutlich zugenommen. Immer wieder peitschte er feinen schwarzen Lavasand durch die Luft und ins Gesicht. Klar ist, dass Sandstürme hier nichts Ungewöhnliches sind.

    Je weiter wir nach Osten fuhren, desto häufiger änderte sich das Landschaftsbild. Weite, grün bewachsene Dünen wechselten sich mit schwarzem Vulkansand und rot-orangefarbenen Sandflächen ab. Mehrfach schien sich die Natur neu zu erfinden, bevor die Landschaft schließlich flacher wurde und in sanften Gelb- und Grüntönen vor uns lag.

    Unser letzter großer Stopp war der Stuðlagil Canyon.

    Mitten durch die mächtigen Basaltwände fließt hier ein leuchtend türkis-blauer Fluss. Nach den braunen Wassermassen des Dettifoss wirkte dieses Wasser fast unwirklich. Ruhig zieht es seine Bahnen zwischen den geometrischen Basaltsäulen hindurch und strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Man könnte diesem Farbspiel stundenlang zusehen.

    Am Abend erreichten wir schließlich das Húsey Hostel & Horsefarm.

    Schon der Blick aus dem Fenster machte deutlich, warum dieser Ort etwas Besonderes ist. Weite Wiesen, frei grasende Islandpferde, zahlreiche Wasservögel und dahinter die Silhouette des Hochlands.

    Side Note:
    Während unserer Reise fällt immer wieder auf, wie weitläufig das Leben in Island ist. Viele Familien leben auf Farmen mit riesigen Landflächen, der nächste Nachbar ist oft mehrere Kilometer entfernt. Jahrzehntelang bedeutete das ein ruhiges, fast abgeschiedenes Leben. Erst seit den vergangenen Jahren – besonders seit etwa 2016 – hat der Tourismus stark zugenommen. Das bringt Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich. Liegt beispielsweise ein Wasserfall oder eine andere Sehenswürdigkeit auf privatem Grund, müssen die Eigentümer Wege anlegen, Parkplätze schaffen und für die Sicherheit der Besucher sorgen. Während einige Isländer vom Tourismus leben, empfinden andere ihn als Eingriff in ihre Ruhe und ihre Lebensweise. Ein spannender Gegensatz, der das moderne Island ebenfalls prägt.

    Fazit des Tages:
    Heute lagen Faszination und Respekt vor der Natur wieder dicht beieinander. Kristallblaue Thermalquellen, gewaltige Wasserfälle, tiefe Canyons und die Kontinentalspalte zeigen eindrucksvoll, wie eng Schönheit und rohe Naturgewalt miteinander verbunden sind. Island ist eine Insel, auf der Wasser, Feuer und Erde seit Jahrtausenden gemeinsam an einer Landschaft arbeiten, die man mit Worten kaum beschreiben kann. Jeder neue Tag zeigt eine andere Facette – und jede ist auf ihre ganz eigene Weise überwältigend.
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