• Tag 8: Im Sattel der Islandpferde, durch Hochland

    July 21 in Iceland ⋅ ⛅ 12 °C

    Der heutige Tag begann mit einem lang ersehnten Highlight. Unser Guesthouse liegt mitten auf einer Horsefarm – und was wäre das für ein Aufenthalt, wenn man sich die Gelegenheit zu einer Reittour auf Islandpferden entgehen ließe?

    Schon am Morgen wurden die kleinen, kräftigen Pferde gestriegelt und gesattelt. Wenig später ritten wir hinaus in das weitläufige Gelände der Farm, welches zwischen den Gletscherflüssen Jökulsá á Dal (Brú) und Lagarfljót, unweit der Bucht Héraðsflói liegt. Feuchte Wiesen, kleine Wasserläufe und sumpfige Flächen prägen diese einzigartige Landschaft. Hier brüten unzählige Wasservögel – und sie machen unmissverständlich klar, dass sie ihre Nester beschützen.🤭

    Egal ob zu Fuß, mit dem Auto oder hoch zu Pferd – wir wurden lautstark begleitet.

    Einige Vögel kreisten dicht über unseren Köpfen und wenn man sich ihrer Meinung nach zu langsam entfernte, gingen sie sogar zum Sturzflug über. Dann hieß es nur noch: Kopf einziehen und weiter. Ein beeindruckendes Schauspiel, das zeigt, wie entschlossen Tiere ihren Nachwuchs verteidigen.

    Am Ufer der Gletscherflüsse wartete bereits das nächste tierische Highlight. In der Ferne lagen mehrere Robben auf sonnengewärmten Felsen, eine schwamm verspielt im türkis-blauen Wasser oder beobachtete neugierig ihre Umgebung. Es war ein unglaublich friedliches Bild, diese Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben – so entspannt, sicher und völlig ungestört. Einfach großartig.

    Side Note:
    Auf den ersten Blick wirken Islandpferde wie Ponys. Tatsächlich gelten sie jedoch offiziell als Pferde. Sie sind äußerst robust, trittsicher, mutig und für ihre freundliche, menschenbezogene Art bekannt.
    Ihre größte Besonderheit sind ihre fünf Gangarten. Neben Schritt, Trab und Galopp beherrschen sie auch Tölt und Pass. Vor allem der Tölt macht das Reiten auf Island so einzigartig: Diese Gangart ist außergewöhnlich weich und erschütterungsarm, sodass man selbst über unebenes Gelände nahezu sanft dahingleitet. Genau dieses besondere Reitgefühl macht Islandpferde für viele Reiter zu etwas ganz Besonderem.

    Alles hat ein Ende, auch eine Reittour... denn auch heute wartete noch ein Roadtrip auf uns. Unsere Route führte von Húsey quer durch den Osten Islands bis nach Höfn.

    Schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass dieser Tag landschaftlich wieder alles bisher Gesehene übertreffen würde.🤯

    Zunächst führte uns die Ringstraße durch das Hochland. Da tauchten plötzlich die ersten steinernen Giganten am Horizont auf. Gewaltige Berge erhoben sich vor uns und wirkten beinahe unwirklich. Die Straße schlängelte sich mit ihren steilen Anstiegen, Senken und engen Kurven wie eine Achterbahn durch die Landschaft. Hinter jeder Biegung eröffnete sich ein neues Panorama.

    Immer wieder stürzten Wasserfälle aus schmalen Felsspalten tief ins Tal. Nebel- und Wolkenfelder zogen zwischen den Bergen hindurch und hüllten uns zeitweise vollständig ein. Innerhalb kürzester Zeit fiel die Temperatur von angenehmen 18 Grad auf nur noch 9 Grad. In diesen Momenten fühlte man sich tatsächlich wie ein kleiner Spielball zwischen den Naturgewalten.

    Einige Zeit später änderte sich die Szenerie erneut. Die Ringstraße verlief nun zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten. Auf der einen Seite öffneten sich die weiten Fjorde des Berufjörður bis hinaus zum Ozean. Auf der anderen Seite ragten steile Felswände und mächtige Bergketten empor. Manche Gipfel waren scharf gezackt, andere sanft gerundet – doch jeder einzelne wirkte gewaltig. Egal in welche Richtung man blickte, bot sich ein neues, atemberaubendes Bild.

    Es war einer dieser Tage, an denen man kaum noch Worte findet. Jede Kurve schien schöner zu sein als die vorherige - und wenn das Bergmassiv-Ozean-Panorama dann noch mit einer Herde Islandpferden gekrönt wird - ja, dann findet man einfach gar keine Worte mehr.

    Am Abend erreichten wir schließlich Höfn. Selbst hier hörte das beeindruckende Landschaftskino nicht auf. Die kleine Stadt liegt eingebettet in ein überwältigendes Bergpanorama, das den perfekten Abschluss eines weiteren unvergesslichen Tages bildete.

    Fazit des Tages:
    Heute stand (mal wieder) alles im Zeichen der Tiere und der Weite Islands. Die sanften Islandpferde, relaxte Robben, angriffslustige Wasservögel - und anschließend eine Fahrt durch eine Landschaft, die mit jedem Kilometer dramatischer wurde. Zwischen Hochland, Fjorden und mächtigen Bergketten zeigte Island heute erneut, dass die eigentliche Sehenswürdigkeit oft nicht das Ziel ist – sondern der Weg dorthin.

    Jede Straße erzählt hier ihre eigene Geschichte, und mit jedem Tag wächst die Faszination für diese außergewöhnliche Insel.🥹
    Read more