• Tag 9: Der Tag des Eises

    July 22 in Iceland ⋅ ☁️ 11 °C

    Heute führte uns unser Roadtrip von Höfn weiter entlang der Südküste bis nach Vík. Nach Tagen voller Vulkane, Lavafelder und dampfender Schwefelquellen stand dieser Tag ganz im Zeichen des Eises. Wir ließen die heißen Seiten Islands hinter uns und machten uns auf den Weg zu schwimmenden Eisbergen und gewaltigen Gletschern.

    Unser erster Halt war der berühmte Diamond Beach.💎

    Schon beim Aussteigen empfing uns ein eisiger Wind, der den Regen waagerecht über den Strand peitschte. In der angrenzenden Gletscherlagune und draußen im Ozean trieben riesige Eisberge, deren türkis-blaues Leuchten einen wunderschönen Kontrast zum dunklen Wasser bildete.

    Der tiefschwarze Lavasand des Strandes verlieh dieser Szenerie noch mehr Ausdruck. Hinter der Gletscherlagune erhoben sich mächtige Bergketten, deren schneebedeckte Gipfel die eisige Landschaft eindrucksvoll einrahmten. Es war wieder einmal eines dieser Naturbilder, die man kaum mit einer Kamera einfangen kann.

    Weiter entlang der Ringstraße erreichten wir den Fjallsárlón-Gletscher – und damit eines der größten Highlights unserer gesamten Reise.

    Warm eingepackt, mit dicker Jacke, Helm, Klettergurt, Sicherheitsweste und Spikes unter den Schuhen ausgestattet, bestiegen wir gemeinsam mit unserer Gruppe eines von zwei Booten. Langsam glitten wir über den Gletschersee Fjallsárlón, vorbei an riesigen Eisbergen, die lautlos im Wasser trieben.

    Dabei hielten wir bewusst Abstand. Niemand weiß genau, wie groß der Teil eines Eisbergs unter der Wasseroberfläche ist. Gerät ein solcher Koloss aus dem Gleichgewicht, kann er sich plötzlich drehen oder kippen – eindrucksvoll und einschüchternd zugleich, angesichts der gewaltigen Eismassen.

    Auf der anderen Seeseite angekommen, standen wir nur wenige Minuten später mit beiden Füßen auf dem Gletscher.

    Anfangs war das Eis noch von schwarzem Sand und feinem Gletscherschlamm bedeckt. Doch je weiter wir liefen, desto mehr öffnete sich die eigentliche Schönheit des Gletschers. Strahlend weißes Eis mit satten Türkistönen in seinen Tiefen erstreckte sich vor uns aus.

    Unsere Guides führten uns sicher über den Gletscher, vorbei an tiefen, wassergefüllten Gletscherspalten und steilen Abbruchkanten, die wir ohne ihre Erfahrung vermutlich gar nicht erkannt hätten.

    Dann wurde es plötzlich ganz still. Unser Guide erinnerte uns, diesen Moment absolut bewusst wahrzunehmen. Kilometerweit keine Straße, kein Motorengeräusch, keine Häuser – nur unsere kleine Gruppe inmitten dieser gewaltigen Eislandschaft. Eine fast meditative Ruhe legte sich über alles.

    Side Note:
    Der Gletscher, auf dem wir heute standen, reichte vor rund 100 Jahren noch bis zur Höhe des Eyðnatindur Berges, etwa 800 Meter über dem heutigen Eis. An seiner Felswand sind die ehemaligen Eisstände deutlich erkennbar. Sollte die Gletscherschmelze in diesem Tempo weitergehen, könnte in weiteren hundert Jahren kaum noch etwas von diesem gewaltigen Eisstrom übrig sein.

    Nach einigen letzten Eindrücken, ging es weiter auf unserer Route. Kaum hatten wir den Gletscher verlassen, änderte sich das Wetter schlagartig.

    Die Sonne, die uns während der gesamten Tour begleitet und das Eis in den schönsten Blau- und Weißtönen leuchten ließ, verschwand hinter einer dichten Wolkendecke. Wenige Minuten später senkte sich der Nebel immer weiter herab, bis wir nur noch knapp hundert Meter weit sehen konnten.

    Die Isländer schätzen diese Nebeltage. In einem Land voller unendlicher Weiten nimmt der Nebel der Landschaft ihre überwältigende Größe. Alles wird kleiner, ruhiger und stiller. Man fühlt sich fast wie in Watte eingehüllt – allein mit sich selbst und der Natur.

    Für unsere Weiterfahrt nach Vík hätten wir uns natürlich noch ein paar spektakuläre Ausblicke gewünscht. Stattdessen kämpften wir uns durch dichte Regenfelder und blickten meist nur auf eine weiße Nebelwand. Doch immer wieder öffnete sich der Vorhang für wenige Augenblicke.

    Im Süden begleien uns natürlich schneebedeckte Berge und gewaltige Gletscher. Dazwischen lagen die bekannten Lavafelder – doch zwei neue Landschaftsbilder prägten diesen Abschnitt besonders.

    Zum einen erstreckten sich kilometerweit völlig flache, tiefschwarze Sandebenen. Keine Hügel, keine Felsen, keine Bäume – nur endlose schwarze Weite.

    Zum anderen waren riesige Lavafelder vollständig von dickem, hellgrünem Moos überwachsen. Das weiche Moos ließ die schroffen Lavasteine beinahe sanft wirken, als hätte die Natur ihnen eine schützende Decke übergelegt.

    Am Abend erreichten wir schließlich Vík, erfüllt von den Eindrücken eines Tages, der uns die eisige Seite Islands nähergebracht hatte.

    Fazit:
    Heute stand alles im Zeichen des Eises. Zwischen eisigem Regen am Diamond Beach, strahlendem Sonnenschein auf dem Gletscher und dichtem Nebel auf der Weiterfahrt zeigte Island innerhalb weniger Stunden wieder sein ganzes Wetterrepertoire. Gewaltige Eislandschaften trafen auf schwarze Strände, flache Sandebenen und moosbewachsene Lavafelder. Es war ein Tag voller Kontraste – und einer, der eindrucksvoll zeigte, wie vergänglich selbst die mächtigsten Landschaften dieser Insel sein können.
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