Tag 11: Wasser fällt, fließt und schießt in den Hi
July 24 in Iceland ⋅ 🌙 10 °C
Langsam neigt sich unsere Rundreise dem Ende entgegen. Die letzten Tage sind angebrochen, und mit jedem Kilometer wird einem bewusster, wie viele Eindrücke diese Insel hinterlassen hat.
Während wir die vergangenen vier Abende in Húsey, Höfn und Vík bereits mit deutlich dunkleren Nächten erlebt haben, begrüßt uns in der ländlichen Region zwischen Laugarás und Reykholt wieder das vertraute Licht der ewigen Abenddämmerung. Ein Anblick, den wir im Norden Islands lieben gelernt haben.
Auf unserer Fahrt von Vík Richtung Westen fiel uns auf, dass die Straßen viel belebter waren, als bisher. Uns kamen unzählige Wohnmobile, Reisebusse und Mietwagen entgegen. Auch an den Sehenswürdigkeiten waren deutlich mehr Besucher unterwegs als in den vergangenen Tagen.
Unsere Entscheidung, die Ringstraße im Uhrzeigersinn zu bereisen – also von Reykjavík zunächst Richtung Norden – hat sich als goldrichtig erwiesen. Während die meisten Touristen den klassischen Weg gegen den Uhrzeigersinn wählen, waren wir in den ersten Tagen oft fast allein unterwegs und konnten viele Orte in aller Ruhe genießen.
Der heutige Tag zeigte sich jedoch von seiner grauen Seite. Dichter Nebel, anhaltender Regen und konstante 12 Grad begleiteten uns fast ununterbrochen. Ehrlich gesagt hielt sich die Motivation, lange Wanderungen zu unternehmen, stark in Grenzen. Deshalb verzichteten wir auf den Weg zum bekannten Sólheimasandur Flugzeugwrack sowie auf den Besuch des mit Wasser gefüllten Vulkankraters Kerið und setzten unsere Fahrt direkt zum Seljalandsfoss fort.
Schon von Weitem war der Wasserfall zu sehen, wie er sich von einer steilen Felswand in die Tiefe stürzt. Gespeist wird er von einem Gletscherfluss vulkanischen Ursprungs. Seine Besonderheit liegt jedoch hinter dem Wasserfall: Ein natürlicher Weg führt durch die große Felsaushöhlung direkt hinter den herabstürzenden Wassermassen hindurch.
Von dort eröffnet sich ein einzigartiger Blick durch den Wasservorhang hinaus auf die weite grüne Landschaft. Ein Bild, das man nicht vergisst.
Der feine Wassernebel machte seinem Namen allerdings alle Ehre. Bereits nach wenigen Minuten waren wir komplett durchnässt. Die Kamera meldete zu hohe Feuchtigkeit, auf den Brillengläsern sammelten sich unzählige kleine Tropfen, und trockene Kleidung war ohnehin längst kein Thema mehr.
Drehte der Wind plötzlich, erwischten uns zusätzlich die Wassermassen eines kleineren Seitenwasserfalls. Das sorgte bei vielen Besuchern für lautes Gelächter – auch wir konnten uns dem nicht entziehen.
Nur wenige Gehminuten entfernt wartete bereits der nächste Wasserfall: Gljúfrabúi.
Versteckt in einer schmalen Felsspalte stürzt das Gletscherwasser hier direkt in eine kleine Höhle. Schon der Weg dorthin führt durch flaches Wasser und endet erneut in einer feinen Dauerdusche aus Wassernebel.
Eigentlich trifft es ein Satz am besten: Duschen unter Wasserfällen.😅
Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, sich von diesem eisklaren Gletscherwasser berühren zu lassen. Kraftvoll, erfrischend und gleichzeitig unglaublich friedlich.
Zweimal nass – aber mindestens genauso glücklich – setzten wir letzlich unsere Fahrt fort. Am Abend wartete noch ein völlig anderes Wasserschauspiel auf uns.
Im Geothermalgebiet des Strokkur zeigt Wasser eine ganz andere Seite. Hier fällt es nicht vom Himmel oder von Felsen herab – hier schießt es aus der Erde nach oben.
Minutenlang brodelt das Wasser scheinbar ruhig vor sich hin. Dann hebt sich die Wasseroberfläche plötzlich zu einer großen, schimmernden Blase, bevor im nächsten Augenblick eine gewaltige Fontäne mehrere Meter hoch in den Himmel schießt. Sekunden später fällt das Wasser wieder in sein Becken zurück, als wäre nichts geschehen – bis der Kreislauf erneut beginnt.
Auch die kleineren heißen Quellen wie Litli Geysir, Blesi und zahlreiche weitere blubbernde Austritte ringsum zeigen eindrucksvoll, wie lebendig die Erde unter Island ist.
Überall steigen Dampfwolken auf, das Wasser erreicht Temperaturen von 80 bis 100 Grad, und zwischen den leuchtend grünen Wiesen schlängeln sich weiß-gelb schimmernde, angenehm warme Wasserläufe. Dahinter ragen mächtige Bergketten empor. Wieder einmal entsteht eine Landschaft, die unterschiedlicher kaum sein könnte und dennoch vollkommen harmonisch wirkt.
Fazit:
Heute stand alles im Zeichen des Wassers. Kaltes Gletscherwasser stürzte donnernd über hohe Felswände in die Tiefe, während nur wenige Stunden später kochendes Wasser mit gewaltiger Kraft aus der Erde in den Himmel schoss. Zwei völlig gegensätzliche Naturphänomene – und doch Ausdruck derselben gewaltigen Kräfte, die Island formen.
Dazu kehrte im Nordwesten wieder die vertraute Abenddämmerung zurück und erinnerte uns daran, wie sehr wir dieses besondere Licht des Nordens inzwischen ins Herz geschlossen haben.🥹🇦🇽Read more

















