• Tag 12: Wasser in all seinen Facetten

    July 25 in Iceland ⋅ 🌙 8 °C

    Wir sind nun den zweiten Tag in der Region um Reykholt und haben uns heute eine wasserreiche Tagestour vorgenommen. Nach all den Vulkanen, Gletschern und Lavafeldern der vergangenen Tage sollte heute noch einmal das Element Wasser im Mittelpunkt stehen.

    Unser Tag begann mit einer Wanderung auf dem Brúará Trail. Der Weg führte uns direkt am kristallklaren, türkis-blauen Gletscherfluss entlang. Immer wieder wechselten sich rasante Stromschnellen mit kleinen Wasserfällen und ruhigen Flussabschnitten ab. Das leuchtende Grün der Ufer bildete einen wunderschönen Kontrast zum intensiven Blau des Wassers.

    Wir mussten ständig stehen bleiben. Nicht, weil der Weg anstrengend gewesen wäre – sondern weil hinter jeder Kurve ein neues Naturbild auf uns wartete, das man einfach auf sich wirken lassen musste.

    Den Höhepunkt des Trails bildete schließlich der Brúará-Wasserfall. Hier stürzt das Wasser nicht einfach nur in die Tiefe, sondern bildet ein faszinierendes Zusammenspiel aus Wasserfällen und Strudeln, bevor es sich in den rasanten Flusslauf einfügt.

    Da wir uns unterwegs viel Zeit zum Staunen genommen hatten und auch der Rückweg andauerte, dauerte die Tour deutlich länger als ursprünglich geplant. Trotzdem wollten wir uns ein besonderes Naturschauspiel nicht entgehen lassen.

    Also fuhren wir noch einmal zum Geothermalgebiet rund um den Strokkur – diesmal bei strahlendem Sonnenschein.

    Und tatsächlich wirkte alles noch beeindruckender als am Vortag.

    Die heißen Quellen leuchteten in einem intensiven Türkis-Blau, das beinahe unwirklich erschien. Minutenlang brodelte der Strokkur scheinbar ruhig vor sich hin. Dann begann sich die Wasseroberfläche langsam zu einer großen, glasklaren Blase aufzuwölben. Für einen kurzen Moment schien die Zeit stillzustehen – bevor die Wassersäule mit voller Kraft durch diese blaue Kuppel hindurchbrach und mehrere Meter hoch in den Himmel schoss.

    Jeder Ausbruch war anders.
    Mal ließ sich der Geysir Zeit, mal überraschte er uns gleich mit zwei oder drei unterschiedlich hohen Fontänen kurz hintereinander. Selbst nachdem wir dieses Schauspiel bereits am Vortag erlebt hatten, konnten wir uns kaum davon losreißen. Es blieb faszinierend.

    Schließlich wartete noch ein weiteres Naturwunder auf uns.

    Unsere Route führte weiter zum Gullfoss, dem wohl bekanntesten Wasserfall der Region.

    Obwohl uns den ganzen Tag über sonniges Wetter begleitet hatte, empfing uns hier ein überraschend eisiger Wind. Innerhalb weniger Minuten wurde aus T-Shirt-Wetter wieder (Regen-)Jackenwetter.

    Mit unvorstellbarer Kraft stürzen die Wassermassen des Gullfoss in die tiefe Schlucht. Dabei entsteht eine riesige Wand aus Wassernebel und Gischt, durch die sich immer wieder Sonnenstrahlen ihren Weg bahnen. Mehrere breite Regenbögen spannten sich gleichzeitig über den breiten Erdspalt.

    Zum Tagesausklang gönnten wir uns noch eine Auszeit in einer naturbelassenen Hot Spring. Umgeben von sanften grünen Hügeln saßen wir im angenehm warmen Wasser und ließen die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren. Nach all den Wanderungen, Kilometern und unzähligen Eindrücken fühlte sich dieser Moment wie die perfekte Belohnung an.

    Side Note:
    Während unserer Reise fielen uns immer wieder kleine Baumgruppen auf, die fast unnatürlich in der offenen Landschaft wirkten.

    Der Grund dafür ist einfach: Viele dieser Bäume wurden von den Isländern gezielt gepflanzt. Sie dienen als Nutzholz für den Haus- und Zaunbau, als Windschutz für Felder und Höfe oder schaffen rund um Camping Areas und Tiny Houses etwas Privatsphäre. Häufig stehen sie deshalb ordentlich in Reihen oder bilden geschlossene Baumstreifen entlang von Grundstücken.

    Ohne diese Aufforstungen gäbe es auf Island kaum Bäume. Die Insel würde fast ausschließlich von Moosen, Gräsern und niedrigen Sträuchern geprägt sein – ein weiterer Beweis dafür, wie eng Natur und Mensch hier miteinander verbunden sind.

    Fazit:
    Heute zeigte Island noch einmal die ganze Vielfalt des Wassers. Vom glasklaren Gletscherfluss über brodelnde Geysire bis hin zu einem der gewaltigsten Wasserfälle der Insel – jede Station erzählte ihre eigene Geschichte. Dazu Sonne, Regenbögen und zum Abschluss ein Bad in einer heißen Quelle. Es war ein Tag zum Staunen, Genießen und Innehalten. Einer dieser Tage, an denen man merkt, dass die größten Sehenswürdigkeiten Islands nicht nur spektakulär sind – sondern vor allem die Ruhe ausstrahlen, sich einfach Zeit zu nehmen und die Natur wirken zu lassen.
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