Tag 13: Ein letzter Tag voller Kontraste
26 juillet, Islande ⋅ 🌙 12 °C
Der letzte Tag unserer Rundreise ist angebrochen.
Bevor wir morgen früh den Heimflug antreten, wollten wir Reykjavík noch einmal bei gutem Wetter erleben. Bereits am Anreisetag hatten wir einen ersten kleinen Spaziergang durch die Hauptstadt gemacht – damals allerdings bei Regen und Nebel. Heute zeigte sich Reykjavík von seiner sonnigen Seite und wir konnten die Stadt mit ganz anderen Augen entdecken.
Reykjavík ist dabei genauso facettenreich wie die isländische Landschaft selbst. Zwischen gemütlichen Cafés, kleinen Bars, Bäckereien, Street-Food-Ständen und liebevoll eingerichteten Souvenirgeschäften entfaltet die Stadt ihren ganz eigenen Charme. Die imposante Hallgrímskirkja prägt das Stadtbild schon von Weitem, während die Altstadt mit ihren bunten Häusern, zahlreichen Street-Art-Kunstwerken und dem lebendigen Hafen zum Schlendern einlädt.
Natürlich durfte auch ein Spaziergang über die berühmte Regenbogenstraße nicht fehlen. Außerdem stöberten wir durch einen Vintage Store und besuchten das wohl außergewöhnlichste Museum unserer gesamten Reise – das Isländische Phallusmuseum.
Was zunächst etwas skurril klingt, entpuppte sich als überraschend interessante Ausstellung. Im Mittelpunkt steht zwar eine biologische Sammlung von Phalli zahlreicher Säugetiere, doch auch medizinische, kulturgeschichtliche und künstlerische Aspekte werden anschaulich dargestellt. Den wohl humorvollsten Abschluss unseres Museumsbesuchs bildete schließlich eine frisch gebackene Waffel in Phallusform – serviert mit cremigem Eis. Ein süßer Abschluss, den man so wohl nur in Island erlebt.
Als wir Reykjavík wieder verließen, fiel uns etwas auf, das wir in den vergangenen Tagen fast vergessen hatten.
Vor uns erstreckte sich eine dicht bebaute Wohnlandschaft. Straßen, Häuser und Verkehr bestimmten plötzlich das Bild. Nach fast zwei Wochen zwischen Gletschern, Lavafeldern, Wasserfällen und einsamen Berglandschaften wirkte diese städtische Kulisse beinahe fremd.
Doch dieses Gefühl hielt nicht lange an.
Schon wenige Minuten später waren wir wieder von den vertrauten schwarzen Bergketten umgeben, deren Hänge von leuchtend grünem Moos und weiten Wiesen bedeckt sind. Hinter einer weiteren Kurve öffnete sich plötzlich der Blick auf den türkis-blauen Kleifarvatn, der ruhig neben der Straße lag.
In diesem Moment wurde uns bewusst, dass dies wahrscheinlich die letzten großen Landschaftsbilder unserer Reise sein würden. Ein seltsames Gefühl. Einerseits voller Dankbarkeit für all das Erlebte – andererseits mit dem Wunsch, einfach noch ein paar Tage länger bleiben zu dürfen.
Doch auch der letzte Reisetag hielt noch eine Überraschung bereit.
Auf dem Weg nach Keflavík machten wir Halt im Nátthagi-Tal, wo die Lava des Vulkanausbruchs von 2021 noch heute eindrucksvoll sichtbar ist. Man steht unmittelbar vor den gewaltigen erkalteten Lavamassen und versucht sich vorzustellen, wie sich hier vor wenigen Jahren glühend heiße Gesteinsströme langsam ihren Weg durch das Tal bahnten.
Nur wenig weiter erstrecken sich bereits die Lavafelder der Ausbrüche von 2022 und 2023. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, an einem Ort zu stehen, dessen Landschaft erst vor wenigen Jahren entstanden ist. Island macht hier besonders deutlich, dass seine Geschichte noch längst nicht abgeschlossen ist. Die Insel verändert sich bis heute – sichtbar und unmittelbar.
Auch die Straße nach Keflavík erzählt diese Geschichte. Sie wurde teilweise neu durch die jüngsten Lavafelder geführt. Rechts und links türmen sich dunkle, zerklüftete Lavamassen auf und erinnern daran, dass unter dieser scheinbar ruhigen Landschaft jederzeit wieder gewaltige Kräfte erwachen können.
Side Note:
Islands außergewöhnliche Kirchen
Während unserer Reise begegneten uns immer wieder kleine Kirchen – oft ganz allein mitten in der Landschaft. Ob an einem Fjord, zwischen grünen Wiesen oder am Fuße mächtiger Berge – fast jedes Dorf besitzt seine eigene Kirche.
Auffällig ist dabei, dass kaum zwei Kirchen gleich aussehen. Viele wurden von unterschiedlichen Architekten entworfen und orientieren sich an ihrer jeweiligen Umgebung. Manche greifen mit ihren klaren Linien die Basaltsäulen der Vulkanlandschaften auf, andere erinnern mit ihren steilen Dächern an traditionelle Torfhäuser oder bieten den starken Winden möglichst wenig Angriffsfläche. Die oft kräftigen Farben sorgen zudem dafür, dass die Kirchen selbst bei Nebel oder Schneefall schon von Weitem gut zu erkennen sind.
Die bekannteste von ihnen ist die Hallgrímskirkja in Reykjavík. Ihre markante Fassade wurde von den basaltförmigen Lavasteinsäulen inspiriert, die an vielen Orten Islands zu finden sind. So spiegelt selbst die Architektur der Kirchen die Natur wider, die das Land geprägt hat.
Fazit:
Heute trafen zwei Welten aufeinander.
Auf der einen Seite das lebendige Reykjavík – voller Menschen, Cafés, Kunst und Stadtleben. Auf der anderen Seite die unberührte Natur Islands, die uns bereits wenige Minuten außerhalb der Hauptstadt wieder in ihren Bann zog.
Gerade dieser Kontrast macht Island so besonders. Die Hauptstadt ist sympathisch, bunt und lebendig. Doch das eigentliche Herz des Landes schlägt draußen – zwischen Gletschern und Vulkanen, Lavafeldern und Wasserfällen, Fjorden und endlosen Weiten.
Als wir am Abend in Keflavík ankamen, war uns klar, dass unsere Rundreise zu Ende geht. Doch gleichzeitig hatten wir das Gefühl, Island gar nicht wirklich zu verlassen. Diese Insel nimmt man mit nach Hause – in Form von Erinnerungen, Bildern und Gefühlen.
Island hat uns gezeigt, wie klein der Mensch sein kann und wie groß die Natur ist. Und genau darin liegt für uns seine größte Schönheit.En savoir plus
Tag 14: Abschied von der Insel aus Feuer und Eis
27 juillet, Islande ⋅ ⛅ 11 °C
Der Rückflugtag war gekommen.
Von unserer gemütlichen Unterkunft hatten wir leider nicht mehr viel. Nur wenige Stunden Schlaf trennten uns vom frühen Aufbruch. Pünktlich zum Sonnenaufgang um 4:22 Uhr starteten wir in den letzten Tag unserer Reise.
Zum letzten Mal wurden die Koffer flugfertig gepackt, ein letztes Mal ins Auto geladen und schließlich machten wir uns auf den Weg.
Bevor wir den Mietwagen abgaben, wartete allerdings noch eine kleine Überraschung auf uns.
Für den Vaðlaheiðargöng-Tunnel, den 7,5 Kilometer langen Straßentunnel im Norden Islands, muss die Maut innerhalb von 24 Stunden nach der Durchfahrt online bezahlt werden. Wir hatten die Maut zwar überwiesen, unsere Zahlung wurde jedoch erst rund zwei Stunden nach Ablauf dieser Frist registriert. Dadurch erhielt unser Autovermieter automatisch eine Zahlungsaufforderung, die schließlich an uns weitergegeben wurde. Am Ende kostete uns die Tunneldurchfahrt fast das Dreifache der eigentlichen Maut – eine kleine, aber lehrreiche Erinnerung daran, dass Pünktlichkeit in Island manchmal auch digital zählt.
Am Flughafen in Keflavík angekommen, zeigte sich schnell, wie beliebt Island inzwischen geworden ist. Das Terminal war mit unzähligen Reisenden gefüllt. Trotzdem verlief alles erstaunlich ruhig und organisiert. Der Check-in funktionierte reibungslos und schon wenig später saßen wir im Flugzeug nach Berlin.
Ein letztes Mal wurden wir auf Isländisch begrüßt, informiert und verabschiedet.
Kurz nach dem Start hob sich das Flugzeug langsam über die Reykjanes-Halbinsel. Fast schien es, als würde Island uns den Abschied bewusst hinauszögern.
Unter uns lagen noch einmal die tiefschwarzen Lavafelder der Vulkanausbrüche von 2021, 2022 und 2023. Daneben zeichneten sich die älteren Lavafelder bereits deutlich heller und grau ab. Aus der Luft wurde noch einmal sichtbar, wie jung diese Landschaft eigentlich ist.
Auch die weiten Küstenebenen mit ihren verstreuten Farmen, Pferdekoppeln und Feldern waren hervorragend zu erkennen. Dahinter erhoben sich erneut Krater, Bergketten und die ersten Ausläufer des Hochlands.
Hier und da lagen einzelne Höfe inmitten riesiger Flächen. Dazwischen grasten friedlich die letzten Islandpferdeherden, die wir auf dieser Reise sehen würden.
Dann verschwand die Küste langsam hinter den Tragflächen. Unter uns lag nur noch der endlose Atlantik.
Die Insel aus Feuer und Eis wurde immer kleiner, bis sie schließlich vollständig aus unserem Sichtfeld verschwand.
Mit nach Hause nehmen wir unzählige Bilder, die sich tief eingeprägt haben. Wasserfälle, Gletscher, Vulkane, Lavafelder, Fjorde, Islandpferde, Wale und Papageitaucher – aber vor allem dieses unbeschreibliche Gefühl von Weite.
Wir nehmen auch etwas mit, das sich auf keinem Foto festhalten lässt: eine tiefe innere Ruhe. Die Stille der Landschaft, das Rauschen der Wasserfälle, der Wind über den Lavafeldern und die scheinbar endlosen Horizonte haben etwas hinterlassen, das uns hoffentlich noch lange durch den hektischen Alltag begleiten wird.
Fazit:
Vierzehn Tage waren viel zu kurz, um Island wirklich kennenzulernen – und gleichzeitig lang genug, um sich in diese Insel zu verlieben. Kaum ein anderes Land vereint Feuer und Eis, Stille und Naturgewalten, Einsamkeit und Lebendigkeit auf so eindrucksvolle Weise.
Island ist kein Reiseziel, das man einfach besucht. Island ist ein Ort, den man erlebt – und der noch lange in einem weiterlebt.
Für alle, die endlose Weiten, raue Natur und das Gefühl suchen, der Erde ganz nah zu sein, ist Island ein absolutes Muss.En savoir plus









































