• Sachsen - ausblenden und genießen

    4–5 Apr 2025, Jerman ⋅ ☀️ 18 °C

    Wieder in Deutschland anzukommen, fühlt sich seltsam an. Wir sind noch immer im Reise-Modus, noch immer betrachten wir unsere Umgebung durch touristische Augen. Und das zu recht, denn wir entdecken in Sachsen einfach zahllose traumhafte Städtchen mit sanierten Altstadtkernen, fantastischer Holz-, Fachwerk-, und Backsteinkunst. Wir sehen weite Wiesen, Seenlandschaften, folgen der Spree, die hier noch ganz schmal und schüchtern ist, überessen uns an Bautzner Senfgurken und staunen über ausgebaute Radwegenetze, Kraniche und Storche, Wild und Freizeitangebote. Kurz: Es ist teilweise atemberaubend schön hier.

    Trotzdem haben wir ein flaues Gefühl in unseren Mägen. Denn was wir auch entdecken, sind etliche Verbotsschilder und die Erinnerung an deutsche Bürokratien, an Korrekt- und Steifheiten, an die Wahlergebnisse der letzten Wahlen. Der Statistik nach hat hier mehr als jede dritte Person eine rechtsextreme Partei gewählt. Jedes Gesicht, dass uns ignoriert oder freundlich grüßt, uns eine Frage beantwortet, im Supermarkt kassiert, uns ein Brötchen verkauft oder beim Vorbeifahren bei der Gartenarbeit zu sehen ist, jedes (mindestens dritte) Gesicht könnte bewusst an der Wahlurne entschieden haben: „Ich setze mein Kreuz bei der AFD.“

    Vielleicht besser, wenn wir unsere distanzierte Tourismusbrille noch ein wenig aufgesetzt lassen.
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