• 76 Sekunden in O Cebreiro

    12 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 27 °C

    Die Wettermodelle hatten entschieden: nicht die Küste, sondern die Berge. Also standen wir am Nachmittag auf 1.300 Metern in O Cebreiro - dem Steindorf, in dem der Jakobsweg nach Galicien hineinsteigt, mit einer Kirche aus dem 9. Jahrhundert. Mit der AR-App wurde die Sonnenbahn geprüft: Um 20:33 würde die verfinsterte Sonne genau über der Kuppel von Santa María a Real stehen. Besser kann man es nicht bestellen.

    Dann: Stativ, Nachführung, Teleobjektiv mit Sonnenfilter, daneben die Hasselblad - und warten, während der Mond sich langsam vor die Sonne schob. Um 20:33 war es so weit. Der Filter fiel, die Welt wurde dunkel, und über dem Kirchturm stand ein schwarzes Loch mit einem Kranz aus Licht. Die Korona, mit bloßem Auge. Am Rand glühten Protuberanzen - echte Sonneneruptionen, rot und winzig. Es wurde still, kühl, unwirklich. Wer nur partielle Finsternisse kennt, kennt nichts davon: Das hier ist keine Steigerung, es ist eine andere Erfahrung.

    Als Zeuge saß übrigens der Zonk im Gras - das Plüschtier, mit dem diese Reise einmal angefangen hat: eigentlich verloren bei "Geh aufs Ganze". Gestern Abend hatte er gewonnen.

    Um 4 Uhr morgens sind wir noch einmal aufgestanden: Perseiden über der Milchstraße, in einer Nacht ohne jedes Kunstlicht. Manche Tage enden nie.
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