Rio #1
May 2, 2025 in Brazil ⋅ ☀️ 25 °C
Mit jedem Meter, den wir uns Rio nähern werden die Strassen chaotischer. Wir befinden uns seit wenigen Wochen in einem Land wo gefühlt alle 200m ein Blitzer steht. Gleichzeitig scheint hier die Autorität roter Ampeln zusehends zu sinken.
Wenn wir Brasilianern bisher erzählt haben, dass wir nach Rio möchten, blickten sie uns in der Regel schockiert und fassungslos in die Augen, um uns dann zu erklären, dass wir dort im Prinzip garantiert sterben würden. Wenn wir eines auf dieser Reise gelernt haben, dann dass sich jeder von seinem Nachbarn fürchtet: in den USA hielt man uns für geisteskrank, weil wir nach Mexiko reisen wollten. In Mexiko wurden wir gewarnt, dass die echte Gefahr erst in Mittelamerika lauern würde, wo uns dann wiederum vor Kolumbien abgeraten wurde. In Kolumbien dann waren die Leute erstaunt, dass wir es lebendig durch Mexiko geschafft hätten. Und so weiter und so fort.
Wir gehen also nach Rio, stellen unser Auto ausserhalb auf einen Campingplatz und besuchen per Metro, Bus und Uber einige der Sehenswürdigkeiten. Eine davon ist die Christusstatue. Die Plattform auf der sie steht bietet angenehm Platz für vielleicht 50 Menschen. Eingetroffen sind wohl über 1000. Fotografen haben Teile der Plattform mit Bändern abgesperrt, um ihren Kunden die Möglichkeit zu geben eines der beliebten Fotos mit ausgebreiteten Armen vor der Statue zu schiessen ohne dass jemand anderes davor steht. Aber alle sind gut drauf und die Aussicht ist bombastisch. Ein Standbesitzer verkauft lauthals "biscoitos da Lady Gaga!" (Lady Gaga Kekse) und wir schmunzeln.
Tatsächlich kommt Lady Gaga morgen für ein Gratiskonzert an die Copacabana und wie es der Zufall so will sind wir zeitgleich hier. Die Tage davor läuft überall ihre Musik und die gesamte LGBTQ Bevölkerung der Welt hat sich bereits hier eingefunden, um für gute Stimmung zu sorgen. Am Abend des Auftritts mischen wir uns unter die 2.5 Millionen Konzertbesucher (es waren wirklich so viele) und erleben das Spektakel etwa einen Kilometer von der Bühne entfernt hauptsächlich über die zig Bildschirme, während wir versuchen uns vom um 2 Sekunden verzögerten Ton nicht allzu fest irritieren zu lassen.
Am Ende überleben wir, um ein paar Caipirinhas reicher, auch dieses russische Roulette und resümieren, dass Rio de Janeiro voller toller Menschen steckt und optisch die für uns bisher schönste Stadt dieser Reise war.Read more
















