Christina und Lisa

Joined August 2018Living in: Mönchengladbach, Deutschland
  • Day134

    Brightserian Kindergarten

    January 16 in Tanzania ⋅ ⛅ 30 °C

    Das zweite Projekt, auf das wir uns an unserem letzten Abend auf Sansibar via Workaway beworben hatten, befand sich ebenfalls in Kigamboni. Samuel und seine Frau Lightness würden für ihren Kindergarten jede Unterstützung gebrauchen können, stand in der Beschreibung. Für vier bis fünf Stunden Arbeit pro Tag könne man bei dem tansanischen Ehepaar und deren zwei Söhnen wohnen und würde mit traditionellem Essen verköstigt. Während unserer Zeit im Human Dreams Children's Village hatten wir auf Samuels Zusage hin vereinbart dort im direkten Anschluss hinzufahren.

    Die öffentlichen Verkehrsmittel mittlerweile sehr lieben gelernt, machten wir uns mit dem Dalladalla auf den Weg. Da wir ohne tansanische Simkarte von unterwegs nicht aufs Internet zugreifen konnten, verließen wir uns wie schon oft zuvor auf die bewährte App MAPS.ME, einem offline Routenplaner. So würden wir mit Hilfe des GPS genau wissen, wo wir aus dem Kleinbus aussteigen müssten. Bestens vorbereitet also - denkste! Nur ca. 400 Meter von der gekennzeichneten Adresse entfernt, hüpften wir aus dem Transportmittel und näherten uns dem gesetzten Fähnchen auf unserer Offlinekarte. Ein Kindergarten oder irgendetwas was darauf hindeuten könnte kam jedoch nicht in Sicht. Die wenigen Menschen, die uns begegneten, konnten so gut wie kein Englisch sprechen. Mit Händen und Füßen versuchten wir zu verdeutlichen, was wir suchten. Ein Mann schien uns schließlich helfen zu können. Er bedeutete uns ihm zu folgen. Eine ganze Weile lang führte er uns zielstrebig über die staubigen Straßen des Dorfes. Nebenbei sei erwähnt, dass wir uns ausgerechnet zur heißesten Zeit des Tages auf die Suche gemacht hatten, es auf dem Festland natürlich genauso schwülwarm war, wie auf Sansibar und wir weiterhin knie- und schulterbedeckte Kleidung trugen. Endlich wies der freundliche Fremde auf ein Haus, zu dem er uns die letzten Meter alleine laufen ließ. Vollkommen enttäuscht stellte sich kurz darauf heraus, dass es sich dabei nur um ein leerstehendes Gebäude handelte. Wo war nur der Kindergarten? Unsere Energie neigte sich dem Ende zu. Die pralle Mittagshitze und unsere schweren Backpacks auf den Rücken hatten uns ganz schön zugesetzt. Schweißgebadet und mit schmerzenden Schultern kehrten wir zur Hauptstraße zurück und ließen uns erschöpft im Schatten eines Strauches auf sandigem Boden nieder. Kaum hatten wir die Rucksäcke abgeschnallt, hielt ein Motorradfahrer neben uns an und erkundigte sich in verständlichem Englisch, ob er uns behilflich sein könne. Und tatsächlich, das konnte er. Er selbst war nämlich kein anderer als Samuel - unser Gastvater für die kommende Woche. Nur durch Zufall sei er die Straße entlang gekommen, da er noch Erledigungen zu tun hatte. Welch' ein Glück! Erleichtert folgten wir ihm zu seinem Haus, das nur fünf Gehminuten entfernt war.

    Während Samuel in seiner Art zwar sehr freundlich aber etwas reserviert war, begrüßte uns seine Ehefrau Lightness mit viel Herzlichkeit. Die beiden Söhne Bee und Laisse (drei und sechs Jahre alt) verzückten uns sofort mit ihrer lebhaften Art.

    Nachdem uns das durchaus geräumige Haus und der auf dem Grundstück gelegene Kindergarten gezeigt wurde, musste Christina erstmal das stille Örtchen aufsuchen. Schon über dem Loch im Boden hockend, registrierte sie gerade noch rechtzeitig, dass nichts zum Abwischen vorhanden war. Die Hose wieder hochgezogen fragte sie den Gastvater vorsichtig, ob die Familie Toilettenpapier benutzen würde. "Yessss... we do.... but not so much.", war die Antwort. Der Gebrauch schien tatsächlich ausgesprochen selten vorzukommen, da im ganzen Haus kein einziges Blatt aufzutreiben war.

    Flott begaben wir uns zu einem nahegelegenen Straßenlädchen. Erneut wurden wir damit konfrontiert, dass Englisch zwar Amtssprache in Tansania ist, es aber in den Dörfern von der Bevölkerung weder gesprochen noch verstanden wird. Auf die Frage nach der heiligen weißen Rolle wurden uns erst verschiedene Getränke, dann diverses zu Essen entgegengehalten. Eine Gruppe Jugendlicher, die am Laden versammelt stand, amüsiert sich köstlich darüber, wie wir immer wieder verzweifelt den Kopf schüttelten. Um nicht Gesprächsthema des gesamten Dorfes zu werden, verzichteten wir erstmal auf eine pantomimische Darstellung des gesuchten Produktes und versuchten unser Glück in weiteren Läden, was letztendlich zum Erfolg führte.

    Im Kindergarten waren wir unter der Woche von 08:00 Uhr bis 12:30 Uhr beschäftigt. Während wir vor Arbeitsbeginn noch unser Frühstück verspeisten, trudelten die ersten Kinder bereits ein. Insgesamt kamen täglich rund 30 Jungs und Mädchen im Alter von drei bis sechs Jahren aus der Nachbarschaft dorthin. Orlando und Mary waren zur Beaufsichtigung der Kinder fest angestellt.

    Zum Einstieg in den Tag wurden meist Lieder gesungen, zu denen sich rhythmisch bewegt wurde. Anschließend fand eine Unterrichtseinheit statt, wofür die Gruppe in zwei geteilt wurde. Die Älteren wurden im Klassenraum beschult, der neben Tischen und Stühlen auch mit einem Lehrerpult und einer Tafel ausgestattet war. Die Wände waren liebevoll mit verschiedenen Lernmotiven bemalt. Für die jüngeren Kinder gab es draußen Plastikstühle im Miniaturformat, so dass sich der Garten im Nu in ein Klassenzimmer verwandeln ließ. Nach etwa eineinhalb Stunden durfte sich ausgetobt werden. Zwei Schaukeln, eine Wippe und zwei kaputte Fußbälle war alles, was das Grundstück zum Spielen bereithielt. Kein Wunder, dass wir als Klettergrüst sehr willkommen waren. Die Hälfte der Kinder tummelte sich auf und um uns herum. Die Rabauken wollten hochgehoben werden, uns einfach nur anfassen oder unsere Haare frisieren. Bevor es für die Kleinen nach Hause ging, gab es für jeden noch einen Becher gefüllt mit leckerem Maisbrei.

    Die ersten Tage assistierten wir beim Unterrichten, wurden aber schnell gefragt, ob wir auch selber etwas vorbereiten möchten. Natürlich wollten wir, aber die große Frage war was und vor allem wie! Sämtliche Unterrichtsinhalte mussten nämlich sehr anschaulich dargestellt werden und ohne viele Worte verständlich sein, da weder die Kinder noch die beiden "Lehrer" der englischen Sprache besonders mächtig waren. Wir überlegten uns, mit Hilfe von Bildern englische Begriffe zu vermitteln.

    Fleißig erstellten wir selbstbemalte Plakate, die verschiedene Früchte zeigten. Neben den Lernbildern, bereiteten wir auch Malvorlagen vor. Da wir keinen Kopierer zur Verfügung hatten, wurde jedes Stück per Hand angefertigt. Nach dutzenden gezeichneten Umrissen von Papayas, Bananen, Wassermelonen und co. lernten wir den uns gewohnten Zugang zu technischen Geräten richtig zu schätzen. Während des Malens studierten wir einen Fruchtsong ein, den wir mit den Kindern singen wollten, damit die gelernten Vokabeln besser verinnerlicht werden. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, kauften wir das aufgemalte Obst in natura, das wir gemeinsam mit den Kindern verspeisen wollten. Mit dieser in der Theorie für uns sehr abgerundeten Unterrichtseinheit, waren wir auf den nächsten Tag sehr gespannt.

    Um nicht zu viel Veränderung auf einmal einzubringen, behielten wir die Methode des vorherrschenden Frontalunterrichts bei. Mit viel Enthusiasmus der Schüler waren die Vokabeln schnell gelernt. Auch das Ausmalen und das Vernaschen der Früchte stieß auf große Begeisterung. Die Tatsache, dass wir viele Fragen der Kinder nicht verstehen konnten und bei Streitereien untereinander auf Grund der Sprachbarriere nur schlecht vermitteln konnten, empfanden wir allerdings als unbefriedigend. Alles in allem konnten wir nach Kindergartenschluss aber erschöpft auf einen gelungenen Vormittag zurückblicken.

    Außerhalb der Kindergartenzeiten erhielten wir die Gelegenheit, in den Alltag der tansanischen Familie einzutauchen. Gerne halfen wir bei der Zubereitung der traditionellen Gerichte und lernten dabei zum Beispiel Kokosmilch selber herzustellen.

    Viel Zeit verbrachten wir mit den Söhnen. An einem Wochenende machten wir mit ihnen und dem Nachbarsmädchen Cersei einen Tagesausflug zu unserem bekannten Strandabschnitt, da Tatjana an diesem Tag auch dort sein würde.

    Im Meer dauerte es nicht lange, bis die Kinder ihre anfängliche Vorsicht über Bord warfen und sich dann immer wieder voller Übermut in die Wellen stürzten. Stundenlang plantschten wir glücklich lachend im erfrischenden Nass oder tauschten im Schatten des Sonnenschirms Geschichten mit unserer Freundin Tatjana vom Human Dreams Children's Village aus. Als sich der sehr gelungene Strandtag dem Ende zuneigte, ging es vor der Heimreise noch schnell unter die Dusche. Im Waschraum angekommen, teilte uns Cersei mit auf Toilette zu müssen. Da wir in Tansania bereits viel mit Kindern zu tun gehabt hatten, war uns diese Vokabel mittlerweile schon sehr geläufig. Da wir beide nicht vollständig angekleidet waren, schlug Christina der Kleinen der Einfachheit halber vor, in die Dusche zu pieseln. Cersei schien nicht direkt zu verstehen, weshalb Christina ihre Aussage veranschaulichte, indem sie sich (selbstverständlich ohne zu pinkeln) über den Abfluss hockte. Etwas verdattert tat Cersei es ihr nach. Als sie sich wieder aufrichtete und dabei ein riesiger Kackhaufen zum Vorschein kam, war uns klar, warum das dreijährige Mädchen anfänglich etwas gezögert hatte. Unsere Suhaelikenntnisse waren wohl doch noch etwas ausbaufähig. Lachend beseitigten wir das kleine Malheur.

    Als wir am Abend nach Hause kamen, erzählte uns Samuel, dass in der Nachbarschaft eine Hochzeit gefeiert wurde, zu der wir - wie auch jeder andere Dorfbewohner - herzlich eingeladen seien. Anstatt ins Bett zu schlüpfen, warfen wir uns in unser schickstes Outfit und wohnten der Feierlichkeit bei. Als einzige weißen Gäste, waren wir die Attraktion schlechthin. Es dauerte keine 15 Minuten bis wir in den Armen des Brautpaares gemeinsam das Tanzbein schwungen und damit sehr zum Amusement der Gesellschaft beitrugen.
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  • Day127

    Human Dreams Children's Village

    January 9 in Tanzania ⋅ ⛅ 31 °C

    Wir waren des gewöhnlichen Reisens etwas überdrüssig und sehnten uns nach einer sinnvollen Tätigkeit und einem routinierten Tagesablauf. Deshalb meldeten wir uns an unserem letzten Abend auf Sansibar bei Workaway an, einer App, über die man sich weltweit auf Stellen als Volontäre in den verschiedensten Bereichen bewerben kann. Dieses Mal wollten wir gerne mit Kindern arbeiten. Ein Profil war schnell erstellt und die ersten vielversprechenden Jobs gefunden. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, so kurzfristig einen Freiwilligendienst zu ergattern, bewarben wir uns direkt auf zwei Stellen. Wir hatten Glück: Das Human Dreams Children's Village meldete sich nahezu postwendend zurück und bot uns an, direkt am nächsten Tag dort anzufangen. Leider konnte man uns aus organisatorischen Gründen nur maximal sechs Tage Arbeit in dem Heim für mehrfachachwerstbehinderte Kinder anbieten, aber das machte uns nicht viel aus. Wir waren froh, dass es überhaupt so spontan klappte.

    Voller Vorfreude machten wir uns auf nach Kigamboni, einem eigenständigen Distrikt in der Nähe von Dar Es Salaam. Nicole, die Gründerin des Kinderheims, hatte uns netterweise vorab eine ausführliche Anreisebeschreibung zugemailt inklusive der angemessenen Preise für die verschiedenen öffentlichen Verkehrsmittel. Zunächst überquerten wir per zehnminütiger Fährfahrt ein Stück Meer, dann marschierten wir bei sengender Hitze durch das Zentrum Kigambonis, bis wir einen Busbahnhof erreichten. Von dort nahmen wir ein Dalladalla. Hier wurde uns nach dem Bezahlen der Tickets sogar Wechselgeld ausgehändigt, was nach unserer Erfahrung auf Sansibar eine angenehme Überraschung war. Zu guter Letzt schwangen wir uns zum ersten Mal während dieser Reise auf ein Motorradtaxi. Allerdings quetschen wir uns im Gegensatz zu unserem Abenteuer in Vietnam Anfang 2017 nicht samt unserem Gepäck zu dritt auf ein Motorrad, sondern verteilten uns brav auf zwei Gefährte. So ging es lehmige, unebene Straßen entlang, Kinder liefen hinter uns her und winkten uns aufgeregt zu. Hier und da überquerten Ziegen, Kühe, Hühner oder streunende Hunde die Fahrbahn. Links und rechts von uns war alles saftig grün. Bananenstauden und andere tropische Gewächse erhoben sich überall aus der roten Erde. Wir waren fast ein wenig traurig, als wir kurz vor Sonnenuntergang am großen Eingangstor des Human Dreams Children's Village ankamen und die Tour somit endete.

    Häufig werden in Tansania schwerkranke oder behinderte Kinder von ihren Angehörigen aufgrund von Aberglauben und Scham vor der Gesellschaft versteckt. Teils werden sie in Kartons gehalten ohne ein einziges Mal das Tageslicht zu erblicken. Das im Juli 2015 eröffnete Human Dreams Children's Village bietet eben diesen kleinen Menschen ein besseres und vor allem liebevolles Zuhause. Auch nimmt es vollpflegebedürftige Kinder auf, die wegen finanzieller Nöte von ihren Familien nicht ausreichend versorgt werden können. Zudem finden dort jene Zuflucht, auf deren spezielle Bedürfnisse in gewöhnlichen, oftmals überfüllten Kinderheimen nicht eingegangen werden kann und sie deshalb grobe Vernachlässigung erfahren müssen. Das Human Dreams Children's Village besteht aus fünf Häusern, die jeweils Platz für bis zu sechs Kinder bieten. Außerdem befindet sich auf dem Gelände ein Rehazentrum, welches die nötige therapeutische und medizinische Behandlung für die kleinen Bewohner des Dorfes gewährleistet. Auch gibt es eine Sonderschulklasse, die auf die besonderen schulischen Ansprüche der Kinder eingeht.

    Mit breitem Lächeln auf den Gesichtern wurden wir von den Mitarbeitern des Kinderheims willkommen geheißen. Freundlich wies man uns den Weg zu unserer Unterkunft, wo wir von Nicole und einer Langzeitvoluntärin namens Tatjana ebenso lieb begrüßt wurden. Tatjana war uns mit ihrer quirligen und vor allem witzigen Art sofort sympathisch. Sie erklärte uns die Regeln des Dorfes und skizzierte uns den groben Tagesablauf.

    Um 7:15 Uhr begann unsere Arbeit. Es waren nur drei Kinderhäuser belegt, auf die Tatjana und wir beide uns aufteilten. Am frühen Morgen unterstützten wir die Pflegekräfte dabei, die Kinder aus ihren Pyjamas zu schälen und sie für den Tag anzukleiden. Das Windeln wechseln war uns aus hygienischen Gründen untersagt und den ausgebildeten Festangestellten vorbehalten.

    Waren alle Kinder angezogen, halfen wir sie zu füttern. Das wurde teilweise zu einer großen mentalen Herausforderung. Einige der kleinen Bewohner hatten aufgrund ihrer Behinderungen Schwierigkeiten den feinen Brei zu schlucken. Deshalb würgten sie oft, übergaben sich manchmal, weinten und wimmerten gelegentlich. Es war herzzerreißend und ging einem ganz schön an die Substanz. Zu wissen, dass die Kost lebensnotwendig war, half uns jedoch geduldig einen Löffel nach dem anderen in die Münder zu befördern, auch wenn es einem hin und wieder wie eine halbe Ewigkeit vorkam, bis die Teller leer waren. Wenn die Kinder satt waren, frühstückten wir gemeinsam mit den Erzieherinnen und Pflegerinnen in den uns zugeteilten Häusern. Meistens gab es Chapati und Tee. Das frischgebackene in Ostafrika weit verbreitete Brot, welches seinen Ursprung in Pakistan hat, schmeckte uns ausgezeichnet.

    Anschließend setzten wir uns zu den Kleinen, sangen ihnen Lieder vor, tanzten für sie, spielten mit ihnen oder nahmen sie einfach in den Arm und übersäten sie mit Küsschen. Oft wurde das mit Freudenschreien und lautem Kinderlachen belohnt. Um 10:00 Uhr gab es für die Zwerge je einen Becher Milch, bevor wir uns gegen 10:30 Uhr in die erste Pause verabschiedeten.

    Um 12:30 Uhr begaben wir uns zum Mittagessen, das wir in der Regel mit Nicole, Tatjana und gegebenenfalls Besuchern des Kinderdorfs gemeinsam einnahmen. Die Küche war abwechslungsreich und versorgte uns unter anderem mit typisch tansanischen Gerichten wie zum Beispiel Ugali (Maisbrei) oder Chipsi Mayai (in Spiegeleiern gebratene Pommes).

    Gesättigt gingen wir im Anschluss in unsere Häuser, wo wir den Kindern ihr Mittagessen servierten und sie danach für ein ausgiebiges Schläfchen in ihre Betten legten. Ruckzuck war es Zeit für Pause Nummer zwei, welche erst um 16:00 Uhr endete. Dann war es unsere Aufgabe, hungrige Mäuler mit leckerem Fruchtbrei zu stopfen. War das vollbracht, trugen wir alle Kinder aus den Häusern heraus und ließen die Sonnenstrahlen ihre Näschen kitzeln. Es war schön, gemeinsam mit den Bewohnern und dem Personal draußen auf einer gemütlichen Wiese im Innenhof zu sitzen, sich zu unterhalten und zu sehen, wie die Kinder sich an der frischen Luft erfreuten.

    Im Austausch mit unseren Kollegen, erfuhren wir viel über die traurigen Einzelschicksale der Kinder. Ein Massai-Mädchen war beispielsweise aufgrund seiner körperlichen und geistigen Einschränkungen von seinem Stamm verstoßen worden. Wann immer seine Mutter das Dorf verließ um zu arbeiten, war die Kleine kaum oder gar nicht gefüttert worden. Nachdem der Mama des Kleinkinder zudem von Familienangehörigen mehrfach nahegelegt worden war, das Mädchen zu vergiften, hatte die Mutter ihre Tochter schweren Herzens ins Kinderdorf gebracht. Diese und andere Geschichten machen deutlich, wie wichtig das Human Dreams Children's Village ist.

    Zwischen 18:00 Uhr und 20:00 Uhr gab es sowohl für uns als auch für die Kinder Abendessen. Ging es mit dem Füttern schnell voran, halfen wir anschließend dabei, den Kleinen die Schlafanzüge anzuziehen und sie ins Bett zu bringen.

    So manch einen Feierabend verbrachten wir mit Tatjana, die gerne witzige Anekdoten aus ihrem Leben zum Besten gab und uns somit lauthals zum Lachen brachte. In der kurzen Zeit, in der wir dort waren, haben wir sie sehr in unser Herz geschlossen und freuen uns nach wie vor in Kontakt mit ihr zu stehen.

    Unser Höhepunkt der knappen Woche, die wir im Kinderdorf verbrachten, war ein Ausflug zum Strand von Dar Es Salaam mit Tatjana und zwei Kindern. Die Kleinen in einem Tragesack vor unsere Brust geschnallt und mit Proviant im Gepäck, machten wir uns in einem Bajaji (Dreiradfahrzeug) auf den Weg ans Meer. Dort war es wunderbar: Die Kinder quietschten vor Vergnügen, als wir ihre Füße durch das Wasser streifen ließen. Zwar konnten sie wegen ihrer stark eingeschränkten Motorik weder schwimmen noch durch den Sand krabbeln, jedoch strahlten beide von einem Ohr zum anderen. Sie spürten, dass es ein besonderer Tag war und das machte auch uns sehr glücklich.

    Mehr Informationen über das Kinderdorf in Tansania oder Nicoles andere Projekte findet ihr unter www.humandreams.org.

    Wer gerne etwas spenden möchte:
    Human Dreams e. V.
    IBAN: DE15 6145 0050 1000 5347 33
    BIC: OASPDE6AXX
    Kreissparkasse Ostalb
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  • Day121

    Sansibar

    January 3 in Tanzania ⋅ ☀️ 29 °C

    Völlig erschlagen von der vorangegangen Reise mit dem Tazara-Express, schliefen wir erstaunlich gut in unserem abgeranzten Hotelzimmer in Dar es Salaam. Dennoch waren wir froh, am nächsten Morgen auszuchecken und die Fähre nach Sansibar zu nehmen.

    Im Touristenviertel Stonetown angekommen, wurden uns auf dem Weg zum Hostel ununterbrochen diverse Touren, allerhand Waren sowie Taxifahrten angeboten. In dieser Häufigkeit irgendetwas dankend ablehnen zu müssen, war ausgesprochen anstrengend und vor allem nervig. Zwar hatten wir nicht einmal zwei Kilometer zu laufen, doch kamen wir aufgrund der extremen Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit ganz schön ins Schwitzen. Erschwerend kam hinzu, dass wir uns aus Respekt vor der dort vorherrschenden muslimischen Kultur bedeckt gekleidet hatten. 95 Prozent der Inselbewohner vertreten den Glauben des Islams. Als wir schweißgebadet das Backpackers 'Lost and Found' betraten, erfreuten wir uns sehr an der klimatisierten Luft.

    Ein Mädchen in unserem 17-Betten-Zimmer empfahl uns eine Tour zur nahegelegenen Gefängnisinsel zu machen, auf welcher man unter anderem gigantische Landschildkröten bestaunen könne. Auf ihr Urteil vertrauend saßen wir am Folgetag in einem hölzernen Motorboot und fuhren auf das türkisblaue Meer hinaus. Mitten auf dem Ozean warf der Kapitän den Anker aus und wir erhielten die Möglichkeit die Unterwasserwelt mit ihren vielen bunten Fischen, Quallen und Pflanzen durch die Taucherbrille zu erkunden.

    Nachdem wir genug geschnorchelt hatten, brachte uns das Boot zur kleinen Insel, wo wir zunächst das ehemalige Gefängnis besichtigten. Viel zu sehen gab es dort nicht. Nach einer nur fünfminütigen Führung durch die einstige Strafanstalt war schon alles entdeckt, was es zu entdecken gab.

    Die nächste Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten: Entgegen unserer Annahme, dass die Schildkröten sich frei auf der gesamten Insel bewegen konnten, lebten diese eingepfercht in einem überschaulichen Gehege. Am Eingangstor wurden uns Salatblätter zum Verfüttern in die Hand gedrückt. Ein Schild wies darauf hin, dass es nicht erlaubt sei, sich auf die Tiere zu setzten. Schade, dass man darauf überhaupt aufmerksam machen musste. Dutzende der teilweise über hundert Jahre alten imposanten Reptilien wurden von ebenso vielen Touristen bestaunt, gefüttert und fotografiert. Vollkommen überfressen von dem ganzen Grün, übergab sich eine der Riesenschildkröten. Wir schämten uns, dass wir uns im Vorfeld nicht besser informiert hatten und das Ganze mit unserem Besuch unterstützten.

    Begeistern konnte uns auch der kleine Sandstrand der Gefängnisinsel nicht. Übersät mit Plastik bot er ein tristes Bild. In mehreren Gängen zum Abfalleimer sagten wir dem Müll so gut es ging den Kampf an, bevor wir uns zwecks Abkühlung ins Meer begaben und anschließend zurück zur Hauptinsel aufbrachen.

    Überall in Stonetown wurde einem das Schwimmen mit Delfinen angeboten und zugegebenermaßen waren wir zu Beginn sehr angetan von der Idee. Die intelligenten Säugetiere für nur 25 US $ in ihrem natürlichen Lebensraum hautnah erleben zu können, klang verlockend. Weil wir jedoch lernfähig sind, betrieben wir nach unsere Pleite auf der Gefängnisinsel erst einmal intensive Internetrecherche. Wirklich überrascht waren wir nicht, als wir auf verschiedenen Seiten lasen, dass Wissenschaftler und Umweltschützer zum Wohle der Tiere von dieser Aktivität dringend abrieten. Wider der zum Schutze der Delfine eingeführten Gesetze, würden die Tümmler von unseriösen Anbietern mit Motorbooten umzingelt. Die Touristen würden daraufhin hektisch dazu bewegt, ins Wasser zu springen, nur um nach wenigen Minuten wieder an Bord zu klettern und den davon schwimmenden Tieren weiter hinterherzujagen. Traurig, das wollten wir nicht.

    Weil wir den Eindruck hatten, dass die muslimischen Bewohner Stonetowns es nicht gerne sahen, wenn sich urlaubende Damen in einen knappen Bikini gekleidet an die dortigen Strände legten, verbrachten wir die restliche Zeit damit, durch die Straßen zu schlendern und in den unzähligen kleinen Geschäften zu stöbern. Das touristische Viertel der berühmten tansanischen Insel umgab wegen seiner Architektur und der vielen engen Gassen ein südeuropäisches Flair.

    Immer wieder wurde uns beim Bummeln fröhlich ein 'Hakuna matata!' oder 'rafiki' zugerufen, was auf Suhaeli 'Keine Sorgen!' und 'Freund' bedeutet. Diese Worte sind vermutlich nicht nur Disney-Fans geläufig. Uns war im Vorfeld bereits zu Ohren gekommen, dass die in Tansania gesprochene Sprache im Zeichentrickfilm 'Der König der Löwen' verankert ist. Da man überall mit einfachen suhaelischen Vokabeln konfrontiert wurde, nahmen wir diese schnell in unseren Wortschatz auf.

    Um unseren Hunger zu stillen, probierten wir liebend gerne lokales Essen aus. Dafür begaben wir uns nach Einbruch der Dunkelheit oft auf den Nachtmarkt. Von Knollengewächsen, über Kochbananen bis hin zu diversen Fisch- und Fleischsorten konnte man dort alles probieren. Unser absoluter Geheimtipp auf Sansibar war außerdem das Restaurant Lukmaan, in dem es neben wechselnden lokalen Gerichten auch köstliche frisch gepresste Smoothis für kleines Geld gab.

    Bei einem Mittagessen im Lukmaan lernten wir den Sansibari Abdi kennen. Wir erzählten ihm, dass wir uns bei der mosambikanischen Botschaft um ein Visum kümmern wollten. Da wir nicht wussten, wo sich diese befand, ließen wir uns auf Abdis Angebot hin von ihm den Weg zeigen. Leider war die Behörde auf Grund der anstehenden Festtage bis Anfang Januar geschlossen, weshalb wir unsere Reiseplanung noch einmal verschieben mussten.

    Als Abdi auch noch vorschlug, unseren anschließenden Stadtbummel zu begleiten, um uns die besten Geschäfte der Umgebung zeigen zu können, wurden wir skeptisch. In uns keimte der Verdacht, dass er letzten Endes ein dickes Trinkgeld für seine Dienste erwartete. Schließlich versuchte fast jeder auf dieser Inseln an den 'mzungus' (Weißen) zu verdienen. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel: Abdi hatte einfach nur Lust seinen freien Tag mit uns zu verbringen, den wir mit einer leckeren Kugel Eis gemütlich ausklingen ließen.

    Plötzlich stand Weihnachten vor der Tür. Gemeinsam mit der Britin Beccah, die wir einige Tage zuvor in unserer Unterkunft kennengelernt hatten, gönnten wir uns ein Fünf-Gänge-Menü in einem gemütlich eingerichteten persischen Restaurant. Auf der Dachterrasse genossen wir anschließend bei einem wunderschönen Ausblick über die Stadt ein paar Cocktails.

    Am 25.12.2018 kam der Grund dafür an, wieso wir so schnell wie möglich von Botswana nach Sansibar gereist waren: Sarah. Sarah, die verrückte Nudel, hatte sich recht spontan dazu entschlossen, uns während unserer Reise zu besuchen und es einfach durchgezogen. Christinas CrossFit-Freundin aus Mönchengladbach kam pünktlicher an als wir es erwartet hätten, sodass die Arme uns völlig verkatert vom Heiligen Vorabend in unserem Hostel vorfand. Schnell packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns - Knie und Schultern anständig bedeckt - auf den Weg zu unserem gebuchten Bungalow in Michamvi.

    Um uns eine teure Taxifahrt zu sparen, widmeten wir uns zum ersten Mal in Afrika dem Abenteuer Minibus. Ein paar Mädels aus dem Backpackers hatten uns zuvor grob erklärt, wie wir zur Haltestelle gelangen würden. Unterwegs bestand ein Einheimischer darauf, uns dorthin zu führen, obwohl wir ihm eindringlich versuchten zu vermitteln, dass wir nicht auf seine Hilfe angewiesen waren. Er hörte nicht auf uns und wiederholte mehrfach die Worte: 'Don't worry, no money!' Zwar ahnten wir, dass der Mann sich trotzdem eine satte Belohnung ausrechnete, weil er sich jedoch nicht abwimmeln ließ und wir ihm schließlich nicht verbieten konnten, vor uns her zu laufen, sahen wir uns vollkommen entnervt gezwungen, ihm zu folgen.

    Kurz hielten wir an einem Straßenstand an, um ein paar Flaschen Wasser zu kaufen. Den vierfachen Preis als sonst üblich verlangte der dreiste Verkäufer. Wir zeigten ihm einen Vogel und bekamen die kühle Erfrischung letztlich zwar immer noch etwas überteuert, aber wesentlich günstiger als das Ursprungsangebot ausgehändigt.

    Am Busbahnhof angekommen, wurde es plötzlich sehr hektisch. Ehe wir uns versahen, hatte sich irgendwer unsere Rucksäcke geschnappt und diese ungefragt auf das Dach eines Minibusses gepackt. Sarah und Christina waren bereits in das Dalladalla (der tansanische Ausdruck für das öffentliche Verkehrsmittel) hineingedrängt worden, während Lisa draußen noch den Preis für die Fahrkarten verhandelte. 7500 Schilling pro Person verlangte man. Das war absolut unverschämt, selbst die Hälfte des genannten Preises wäre noch zu hoch gewesen. Der Bus rollte los, Lisa wollte schnell einsteigen und sich zu Sarah und Christina setzen, doch der Ticketverkäufer hielt sie am Rucksack fest - erst solle sie zahlen! Der Bus nahm Fahrt auf und Lisa überkam ein Anflug von Panik, da sie befürchten musste zurückgelassen zu werden. Aus Verzweiflung hielt sie dem groben Mann 10000 Schilling hin. Diese nahm er zwar an, doch ließ er nicht von Lisas Handgepäck ab. Der Bus rollte immer weiter. Lisa saß noch immer nicht an Bord. Der Fahrkartenmafioso zeigte auf Lisas linke Hand, die noch einen weiteren großen roten Schein umklammerte. Da sich Lisa nicht anders zu helfen wusste, übergab sie auch diese 10000 Schilling. Endlich durfte sie sich neben ihre Freundinnen quetschen. Eine einheimische Frau flüsterte uns zu, dass sie nur 2000 Schilling gezahlt habe. Das Geld würden wir uns wiederholen, nahmen wir uns vor. Übrigens hatte unser Führer, den wir zu keinem Zeitpunkt engagiert hatten, ebenfalls im Dalladalla Platz genommen. Er versuchte uns davon zu überzeugen, dem Minibuskontrolleur weitere 10000 Schilling auszuhändigen, also 10000 pro Person zu zahlen. Zudem teilte er uns mit, dass der Bus nicht durchfahren würde und er uns vollkommen selbstlos und ohne Hintergedanken zeigen wolle, wo wir umsteigen müssten. Wir waren uns sicher, dass es eine Direktverbindung gab, aber nun war es zu spät.

    Nach wenigen Minuten Fahrtzeit und noch weit entfernt vom eigentlichen Ziel, wurde uns signalisiert, dass wir aussteigen müssten. Wieder Asphalt unter den Füßen stellte erst Lisa den betrügerischen Ticketverkäufer zur Rede, dann stimmte Christina mit ein. Scharf forderten wir die Hälfte des Geldes zurück. Unser Gegenüber begründete den lächerlich hohen Preis mit einem Festtagszuschlag, der natürlich nur uns reichen Weißen berechnet würde. Hätten wir beide nicht so eine gute Kinderstube genossen, wäre uns mit Sicherheit die Hand ausgerutscht, so sauer waren wir! Unser Auflehnen zeigte leider keinerlei Wirkung. Nach einem kurzen hitzigen Austausch sprang der Mann auf ein fahrendes Dalladalla auf und verschwand mitsamt unserem Geld im Staub, den der Minibus aufgewirbelt hatte.

    Während wir uns lauthals über die Flucht des Halsabschneiders aufregten, wurde ein Rastamann auf uns aufmerksam, der gerade damit beschäftigt war, ein paar Einkäufe in sein Auto zu laden. Er habe unser Gespräch nicht überhören können und es täte ihm Leid, dass wir so über den Tisch gezogen worden waren. Mit einem Lächeln offerierte er uns eine kostenlose Mitfahrgelegenheit, die uns ein deutliches Stück näher an unsere Unterkunft bringen würde. Dankend nahmen wir das Angebot an und unsere Verärgerung wich der Freude über die uns entgegengebrachte Gastfreundschaft. Für einen Moment wurden wir noch einmal in Wut versetzt, als plötzlich unser selbsternannter Führer neben uns stand und tatsächlich um Trinkgeld bat. Mit einem fassunglosen: "Danke für nichts!", verabschiedeten wir uns natürlich ohne etwas zu zahlen kopfschüttelnd von ihm.

    Nach ein paar Kilometern gerieten wir mal wieder in eine Polizeikontrolle. Ein Polizist bat um Vorlage des Führerscheins, welcher ihm umgehend ausgehändigt wurde. Anstatt diesen nach der Überprüfung an den Fahrer zurück zu geben, forderte der Mann in der beigen Uniform eine kleine, inoffizielle Bezahlung ein. Da der Fahrer auf seinen Lichtbildausweis angewiesen war, erhielt der korrupte Polizist das gewünschte Bestechungsgeld und die Tour konnte weitergehen.

    An einer Bushaltestelle, die wir niemals als eine solche ausgemacht hätten, da es keinerlei Kennzeichnung gab, wurden wir vom hilfsbereiten Rastamann abgesetzt. Bevor er uns verließ, erklärte er uns noch kurz, wie viele Schilling der Dalladallafahrer für den Rest der Strecke maximal einfordern dürfe. Der Minibus ließ nicht lange auf sich warten. Klüger als beim Male zuvor, handelten wir nun erst den Fahrpreis aus, bevor wir jemanden unser Gepäck aufladen ließen und alle gemeinsam einstiegen. Dieses Mal wurden die Ticketkosten von vorne herein nicht zu hoch angesetzt und es gelang uns ohne Diskussion den Preis auf den gewünschten Betrag zu drücken.

    In Michamvi angekommen liefen wir im Schatten der Palmen über weiße Sandpfade zu unserem kleinen Bungalowpark, in dem wir die einzigen Gäste waren. Sofort machten wir uns auf den Weg, um endlich den lang ersehnten paradiesischen Strand zu entdecken. Nach nur fünf Minuten Fußweg erblickten wir den indischen Ozean. Der meilenweite weiße Sandstrand war zu unserer großen Enttäuschung allerdings über und über mit Algen bedeckt. Dies sei durch die derzeitigen Wetterverhältnisse bedingt, erklärten uns die Einheimischen. Auch bei einem mehrstündige Strandsparziergang war nichts als das Algenmeer zu sehen. Ernüchtert klagten wir Beccah über WhatsApp unser Leid, die sich mittlerweile im 20 km entfernten Paje befand. Dort sehe der Strand tatsächlich wie im Werbeprospekt aus, versicherte sie. Einen Ausflug dorthin, mussten wir jedoch noch etwas aufschieben, weil Christina erneut mit Magen-Darm-Beschwerden ans Bett gefesselt war.

    Da es weit und breit keinen Supermarkt gab, machten sich Sarah und Lisa auf zur Nachbarlodge, um etwas trocken Brot für Christinas leeren Magen zu besorgen. Ein Laib war zwar nicht aufzutreiben, dafür aber ein paar Kekse und ein Medizinmann, der auf die Heilkraft von Aloe Vera schwor. Dieser ließ sich nicht davon abbringen persönlich mit zu unserem Bungalow zu kommen, um vor Ort einen Zaubertrunk herzustellen - schließlich war nur er alleine durch seine Zertifizierung dazu befugt die "Medizin" zu verabreichen. In einer halbstündigen Prozedur schnitt der Aloe Vera Meister immer wieder ein Stück der Pflanze ab und tunkte diese geduldig in ein Glas Wasser. Nach diesen liebevollen Bemühungen konnte Christina natürlich nicht anders als den halben Liter bitterste Flüssigkeit auch bis auf den letzten Tropfen hinunterzuwürgen.

    Ob es nun der Kraft der Natur zu verdanken war oder der Darm einfach nichts mehr auszuscheiden hatte, bleibt dahin gestellt; jedenfalls ging es Christina am Folgetag wieder gut genug, um einen Ausflug zu unternehmen. Mit neuer Hoffnung, das Paradies zu finden, machten wir uns mit dem Dalladalla - diesmal sogar fast zum ortsüblichen Preis - auf nach Paje. Dort angekommen wurden wir nicht enttäuscht: vor dem himmlischen blauen Meer erstreckte sich strahlend weißer Sandstrand soweit das Auge reichte - und das alles ohne Algen.

    Am Strand lernten wir den argentinischen José kennen, mit dem wir so einige frische Kokosnüsse teilten, von denen er fast immer eine bei sich trug. Ansonsten tankten wir viel Sonne, planschten im Meer und beobachteten, was so um uns herum geschah. Einmal fiel unser Blick auf eine Kuhherde - der perfekte Hintergrund für ein Freundschaftsbild. Das Foto war schnell im Kasten und die Kühe zogen weiter bis auf ein Kalb, das auf Tuchfühlung mit Lisa ging. Anfänglich tauschten die beiden ein paar Kuscheleinheiten aus. Das war süß anzusehen, bis das Tier in den Spielmodus überging und versuchte Lisa mit seinem dicken Schädel umzustoßen. Es verstand wohl nicht, dass sein Gegenüber nicht einmal die Hälfte von ihm wog. Anfangs lachten wir noch, doch das Kalb wurde immer wilder und ließ nicht von Lisa ab. Als die Situation anfing richtig ungemütlich zu werden, stürzte sich Beccah, die das Freundschaftsfoto geschossen hatte, heldenhaft zwischen Kuh und Lisa und klatschte laut in die Hände. Irritiert sprang das Kalb davon und stieß weit entfernt von uns eine andere Frau in den Sand, bevor es sich beruhigte und sich wieder seiner Herde anschloss.

    Der wunderschöne Blick auf den Ozean wurde von kunterbunten Lenkdrachen geprägt, die hoch oben im azurblauen Himmel schwirrten. Es war beeindruckend zu sehen, wie unzählige Kitesurfer mit dem Wind im Nacken über die Wasseroberfläche düsten ohne sich dabei umzufahren. Wir mussten das Spektakel nicht lange verfolgen, um zu dem Entschluss zu kommen, dass wir das auch ausprobieren wollten! Gesagt, getan: Am nächsten Morgen starteten wir unter Anleitung eines Fachmannes mit Trockenübungen am Strand, um zunächst ein Gefühl für das Lenken eines Drachens zu bekommen. Nach etwa einer Stunde ging es dann mit dem 15 Meter breiten Schirm ins Nass. Das Board nahmen wir erst einmal nicht mit und das war auch gut so: Wahnsinn, wie viel Kraft dahintersteckt, wenn der Drache von einer Böe erfasst wird. Um ein größeres Gegengewicht zu bilden und zu vermeiden dem Horizont entgegen davonzufliegen, hingen wir zu zweit an den Schnüren des Sportgerätes und sind Freudenschreie ausstoßend nur so über das Wasser gepeitscht. Herrlich, das war ein Spaß! Als unser Kitesurflehrer nach drei Stunden in der prallen Mittagssonne endlich das Board holte, waren unsere Konzentration und Kraft schon ziemlich ausgeschöpft. Es brauchte ein paar kümmerliche Versuchen das Board zu erklimmen, bis wir entschieden das Werk am nächsten Tag mit neuer Energie zu vollenden. Soweit sollte es jedoch nicht kommen.

    Am darauffolgenden Morgen wachten wir mit einem unglaublichen Druck auf den Lippen auf, der so groß war, dass wir Angst hatten, sie würden jeden Moment aufplatzen. Ein Blick in den Spiegel löste einen kurzen Lachkrampf aus. Wir sahen aus, wie nach einer misslungenen Botoxbehandlung. Sonnenbrand auf der Lippe ist schon eine fiese Angelegenheit. Generell noch etwas geschlaucht von der Überdosis Sonneneinstrahlung vom Vortag, entschieden wir uns dafür, einen Tag Pause vom Surfen einzulegen. Wie der Zufall es so will, war es an diesem Tag auf Grund mangelnden Windes sowieso nicht möglich den Wassersport auszuüben. Doof nur, dass auch an unserem letzten Tag im Osten der Insel kein Lüftchen mehr wehte, so dass wir unsere neu erlernten Künste leider nicht weiter ausbauen konnten. Naja, wir werden schon noch einmal während unserer Reise die Möglichkeit erhalten, uns mit Drachen und Brett ins Meer zu stürzen.

    Als schattige Alternative zur Aktivität im Wasser beschlossen wir, gemeinsam mit Beccah und José den Jozani Chwaka Bay Nationalpark zu besuchen. Dieser ist unter anderem für seine roten Sansibar-Stummelaffen berühmt, die es nur auf diesem einen Flecken Erde zu bestaunen gibt. Tatsächlich mussten wir nicht lange unserem Guide durch dichtes Grün folgen, bis uns die Affen das erste Mal begegneten. Sie kamen uns erstaunlich nahe und schienen sich überhaupt nicht an uns zu stören. Die Tiere aus nächster Nähe beobachten zu können markiert definitiv eines der Highlights unserer Zeit auf der tansanischen Insel. Als dann noch aus dem Nichts eine winzig kleine Baby-Kobra vor uns her schlängelte, war unser Dschungelabenteuer perfekt.

    Da wir durchschnittlich mehr Tage in Paje als in Michamvi verbrachten, stiegen wir am Abend nach unserer Nationalparkbesichtigung ausgesprochen routiniert ins Dalladalla, welches uns zu unserer Unterkunft bringen sollte. Nach nicht einmal der halben Strecke blieb der Kleinbus jedoch mitten in der Pampa stehen und erklärte, dass dies die Endstation sei. Wann oder ob ein nächster Bus kommen würde, konnte man uns nicht sagen. Etwas verdattert begannen wir die letzten zehn Kilometer zu Fuß zu bestreiten. Die Sonne stand bereits tief am Himmel und war dabei sich langsam zu verabschieden. Weil wir keine großartige Lust hatten, nach Einbruch der Dunkelheit mitten im Nirgendwo an der Straße entlang zu spazieren, winkten wir in der Hoffnung auf eine Mitfahrgelegenheit dem nächsten heranfahrenden Pickup zu. Dieser kam tatsächlich zum Stehen und deutete uns an auf die Ladefläche aufzuspringen. Dort fanden wir zwischen etwa zehn weiteren Personen noch ein kuscheliges Plätzchen und genossen den aufkommenden kühlen Fahrtwind. Es stellte sich heraus, dass wir auf eine Artistengruppe gestoßen waren, die sich auf dem Weg zu einer Aufführung befand. Gerne nahmen wir die herzliche Einladung an, der Show beizuwohnen, die nicht allzu fern von unserem Bungalow stattfinden würde. In einem am Strand gelegenen Restaurant unterhielt die muntere Truppe das Publikum mit einer akrobatischen Darbietung zu afrikanischer Musik. Welch ein schöner Tagesabschluss.

    Da Sarah früh am Morgen des ersten Januars die Heimreise antreten musste, kehrten wir Ende Dezember zurück in das uns vertraute Backpackers in Stonetown, von wo aus der Flughafen leicht zu erreichen war. Im 'Lost and Found' trafen wir zwei Französinnen wieder, die wir bei unserem ersten Aufenthalt flüchtig kennengelernt hatten. Spontan entschlossen wir uns dazu, den Silvesterabend gemeinsam zu verbringen. Die beiden hatten ein Tapasrestaurant ausgesucht, in dem wir uns wieder einmal kulinarisch verwöhnen ließen. Begleitet wurde der Abend von spanischer Livemusik, bei welcher Sarah nach dem Abendessen ihre grandiosen Tanzkünste zum Besten gab. Wow!

    Anschließend zogen wir weiter, um eine Bar zu finden, in der wir das Jahr gebührend ausklingen lassen wollten. Leider war die Auswahl nicht sehr groß und die Eintrittspreise teilweise recht hoch, so dass wir noch immer durch die Straßen irrten, als die Uhr plötzlich Mitternacht anzeigte. Wirklich spürbar war der Jahreswechsel nicht - kaum einer fiel sich um den Hals und ein Feuerwerk gab es auf der Insel auch keines. Unser Rutsch verlief also ziemlich unspektakulär. Wir kehrten wieder in die Tapasbar ein, in der wir gerade noch ein Bier ergatterten, bevor das Lokal zumachte. Immerhin konnten wir so ohne Kater und einigermaßen ausgeschlafen in das Jahr 2019 starten, welches mit der Verabschiedung von Sarah begann. Ruckzuck war die Woche mit Sarah vergangen - auf Wiedersehen, wir haben uns sehr über deinen Besuch gefreut!

    Auch wir wollten die Insel verlassen - und zwar bald. Irgendwie hatten wir genug von Sansibar, vor allem von Stonetown. Warum das so war, konnten wir gar nicht so genau auf den Punkt bringen. Auf eine Art waren wir genervt. Es war heiß, es war schwitzig. Die langen Klamotten waren permanent durchnässt von der schwülen Luft und da wir nicht so viele lange Sachen zum Anziehen dabei hatten, blieb uns nichts anderes übrig als ständig in dieselben schmandigen Flatterhosen zu steigen. Das ewige 'Hakuna matata' und die aufdringlichen Verkäufer gingen uns auch auf den Keks. Hinzu kam, dass wir nach langer Zeit des einfachen Herumreisens wieder das Bedürfnis verspürten, einer sinnvollen und vor allem routinierten Beschäftigung nachzugehen. Wie auch immer, wir wollten schleunigst weg von diesem Ort, weshalb wir uns am Morgen des zweiten Januars auf den Weg zur Fährticketverkaufsstelle begaben.

    Nach zwei Stunden Wartezeit auf sehr beengtem Raum erfuhren wir, dass uns gerade das letzte Ticket nach Dar Es Salaam für diesen Tag vor der Nase wegeschnappt worden war. Nicht noch eine Nacht auf der Insel...aber was blieb uns anderes übrig?! Schwimmen wollten wir nicht. Uns wurde eine Fährverbindung für den Nachmittag des Folgetages angeboten. Die Fahrkarten sollten 10 US Dollar mehr pro Person kosten als auf der Hinfahrt und waren das Vierfache von dem was die Einheimischen zahlten. Natürlich sind wir als Besucher eines Landes bereit auch mal tiefer in die Tasche zu greifen und mehr auszugeben als es von den Ortsansässigen verlangt wird, aber unserer Meinung nach nahm das Ganze in dieser Touristengegend überhand. Der Preis für die Fahrkarten war schon unverschämt. Mit dutzenden ungeduldig drängelden Menschen im Rücken, wollten wir jedoch nicht lange diskutieren und legten geschlaucht das geforderte Geld auf den Tresen.

    Endlich an Bord des Schiffes, überkam uns schon nach kurzer Zeit auf Grund des starken Wellenganges die Übelkeit. Dass sich die anderen Fahrgäste überall um einen herum übergaben, war für unsere Situation nicht gerade förderlich. Heilfroh betraten wir zwei Stunden später das ersehnte tansanische Festland.
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  • Day107

    Tazara-Express

    December 20, 2018 in Zambia

    Die dreistündige Busfahrt von Lusaka nach Kapiri Mposhi verlief ohne besondere Vorkommnisse. Im Bahnhof, der irgendwo im Nirgendwo gelegen war, erhielten wir nach nur zwei Stunden Wartezeit am Schalter unsere reservierten Tickets. Wir waren überrascht, als der Tazara-Express pünktlich um 16:00 Uhr abfuhr.

    Von unserem komfortablen Abteil, welches wir mit zwei netten sambianischen Damen teilten, waren wir auf Anhieb begeistert. Jedes der erstaunlich bequemen Betten war mit einem eigenen Nachtlämpchen ausgestattet. Im Gegensatz zu den Schlafkojen der zweiten Klasse, konnte man in unseren sogar aufrecht sitzen. Das war bei einer Reise auf unbestimmte Zeit ein echter Gewinn. Eine Toilette, einen Raum mit Spiegeln und Waschbecken und sogar eine Dusche teilten wir uns mit dem Rest des Waggons. Das war super, bis nach nicht einmal 24 Stunden das Wasser ausfiel. Zwar hatte man uns im Vorfeld über insbesondere diese Tücke des Zuges gewarnt, so schnell hatten wir damit aber nicht gerechnet. Am Bordrestaurant, wo man für kleines Geld leckere lokale Gerichte erstehen konnte, war man jedoch auf die Situation vorbereitet. Vor und nach dem Essen stellte man uns Schüssel, Gießkanne und Seife parat, um das Essen, was wir traditionell ohne Besteck aßen, mit sauberen Fingern genießen konnten.

    An der tansanianischen Grenze legte der Tazara-Express einen langen Stopp ein. Abteil für Abteil wurden die Passkontrollen durchgeführt, bis auch wir an der Reihe waren. Unorganisiert wie so oft, hatte wir dummerweise die benötigten US-Dollar für die Visumsgebühren nicht parat. Unsere Euros wollte der Beamte leider partout nicht annehmen. Stattdessen schickte er uns jemanden zum Geldwechseln vorbei. Beim angebotenen Wechselkurs sind wir dann mal kurz aus den Latschen gekippt: 10 Euro Verlust würde uns der Handel einbringen. Nein, danke! Der knallharte Geschäftsmann ließ kein bisschen mit sich diskutieren und war auch im Nu unverrichteter Dinge wieder verschwunden. Nach einer Lösung für unser Dilemma suchend, kam der Passkontrolleur zurück in unser Abteil gestürmt und raunzte, dass wir den Zug sofort an dieser Stelle verlassen könnten, wenn wir die Zahlung verweigern wollten. Etwas baff erklärten wir dem aufgebrachten Mann, dass wir sehr wohl gewillt waren zu zahlen, uns aber nicht übers Ohr hauen lassen wollten. Mit einem Blick auf unsere bewährte Währungsumrechnungsapp nahm der Kontrolleur mit verdrehten Augen und einem Seufzen unsere Euros letztlich doch an und verließ das Abteil. Wenig später kam er mit unseren Pässen und dem ersehnten Stempel zurück.

    Während die Passkontrollen im Rest des Zuges ihren Lauf nahmen, klopfte ein Herr im weißen Kittel an die Waggontür und erkundigte sich freundlich nach unseren Gelbfieberimpfnachweisen. Während wir wie gewünscht unsere Impfausweise zückten, druckste eine unserer sambianischen Reisebegleiterinnen herum. Sie führe das gewünschte Dokument nicht mit sich, das Bedingung für die Einreise war. Der Arzt erklärte, dass sie in diesem Falle entweder aussteigen müsse oder er ihr vor Ort eine Nadel in den Oberarm setzen könne. Die Dame beteuerte, dass die sich daraus ergebenden Impfkosten für sie nicht zu tragen seien und sie ohnehin nur wenige Tage in Tansania bleiben wolle. Der empathische Doktor zeigte Erbarmen, drückte beide Augen zu und führte seine inkonsequente Kontrolle fort.

    Immer wieder hielt der Zug ohne ersichtlichen Grund mitten in der Pampa an. Sobald er stand, strömten von allen Seiten Einheimische den Waggons entgegen und boten den Fahrgästen durch die Fenster ihre Ware feil. Obst, Nüsse, Gebäck, Hosen oder Powerbanks wurden lauthals auf Suaheli angepriesen. Wir liebäugelten mit saftigen Mangos und konnten schließlich nicht widerstehen. Da eine Verständigung auf Englisch nicht möglich war und wir deshalb nicht wussten, wie viel die ovale Frucht kosten sollte, streckten wir dem Verkäufer einfach 1000 tansanianische Schilling entgegen, was etwa € 0,40 entsprach. Das Geld schien auszureichen, denn kurz darauf hielt man uns eine köstlich duftendende Mango unter die Nase. Sich vom Händler verabschiedend, wollten wir uns zwecks Verköstigung in unser Abteil zurückziehen, als uns aufgeregt zugerufen wurde. Die Köpfe wieder aus dem Fenster gestreckt, wurden uns zwei weitere Früchte hochgereicht. Mehr als begeistert, bedankten wir uns vielmals. Doch damit war noch immer nicht genug: Erneut beugte sich der Verkäufer zu seiner Schale herunter. Letzten Endes hielten wir fünf farbenprächtige Mangos in unseren Händen - die wahrscheinlich leckersten und definitiv günstigsten, die wir je gegessen haben.

    Je weiter wir uns von Sambia entfernten und je tiefer wir ins nordöstlich gelegene Nachbarland eindrangen, desto mehr wurden landschaftliche Unterschiede sichtbar. Dies war hauptsächlich der in Tansania bereits begonnenen Regenzeit geschuldet. Ein sattes Grün so weit das Auge reichte. Besonders, als der Express einen Nationalpark durchquerte, kamen wir aus dem Staunen über das Dickicht aus Sträuchern und Bäumen nicht mehr heraus. Außerdem beeindruckten uns auf der Zugfahrt die von Bananenstauden und Palmen umgebenen rostroten erdigen Straßen, die sich ihren Weg durch beschauliche aus Lehmhäusern bestehenden Dörfer bahnten.

    Nach nur rund sechsundfünfzig Stunden und somit einer kaum nennenswerten Verspätung, kamen wir mitten in der Nacht in Dar es Salaam an. Wie sollten wir um diese Zeit noch eine Unterkunft ausfindig machen? Da wir nicht wussten, wohin mit uns, schlossen wir uns unserer dem Gelfieberrisiko ausgesetzten Bekannten an. Diese wisse von einem günstigen Hotel, wo sicher noch Zimmer frei seien. Noch etwas schlaftrunken stolperten wir der Frau durch das Bahnhofsgelände hinterher, bis wir am Haupteingang ankamen. Dort versuchten unzählige registrierte und inoffizielle Taxifahrer lauthals uns und andere Ankömmlinge in ihre Autos zu locken. Vor den nicht registrierten Taxis waren wir bereits im Zug durch die Lautsprecheranlagen explizit gewarnt worden - sie seien nicht sicher.

    Um die Fahrt zur geplanten Unterkunft möglichst günstig zu halten, organisierte unsere sambianische Freundin drei weitere Mitfahrende, sodass wir uns letzten Endes zu siebt in einen Fünfsitzer quetschten. Wir beide nahmen auf dem Beifahrersitz platz, wo wir uns am Armaturenbrett festkrallten, während unser Fahrer mit weit überhöhter Geschwindigkeit und rote Ampeln ignorierend durch die lebendige Großstadt bretterte. Von einer breiten Hauptstraße ging es weiter durch schmale Seitengassen, in denen ebenfalls noch reges Treiben herrschte. In einem besonders dubiosen Viertel - wir mutmaßten, dass die Damen am Straßenrand dem horizontalen Gewerbe angehörten - kam das Taxi zum Stehen. Wir kletterten aus dem Wagen und betraten ein heruntergekommenes in einem Hinterhof gelegenes Gebäude, bei welchem es sich um das empfohlene Hotel handelte. Unser Blick fiel auf die an der Rezeption ausgehängten Hausregeln. Da wir ohnehin die Vermutung hatten, uns im Rotlichtdistrikt aufzuhalten, waren wir von Regel Nr. 3: 'Prostitution ist nicht gestattet.', nicht sehr überrascht. Obgleich wir uns nicht vorstellen konnten, dass außer uns irgendwer dort nächtigen wollte, wurde uns zu unserer Überraschung mitgeteilt, dass alles ausgebucht sei. Die Sambianerin ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und erklärte uns, wir würden schon noch eine Unterkunft finden. Wohl fühlten wir uns nicht, als wir mit all unserem Gepäck durch die ominösen, dunklen Straßen liefen. Die Tatsache, dass vor jedem Hotel ein schwer bewaffneter Sicherheitsdienst aufgestellt war, bestärkte unser Gefühl, dass wir auf einem gefährlichen Pflaster unterwegs waren. Nach einer längeren Suche fanden wir endlich eine erschwingliche Unterkunft, die noch freie Betten zur Verfügung hatte. Wir checkten ein und verabschiedeten uns von unserer Reisebekanntschaft. Als wir die Türe unseres Zimmers öffneten, stieg uns ein beißender Modergeruch in die Nase. Eine Kakerlake krabbelte vor uns Schutz suchend unters Bett. Der enge Raum war feucht und dreckig, riesige Schimmelflecken zierten die Wände. Keines der Elektrogeräte funktionierte, was an herausgerissen Steckdosen und zerfransten Kabeln lag. Im Badezimmer war alles unddicht, was undicht sein konnte. Auch der Duschkopf tropfte stetig, doch lief wider Erwarten klares Wasser heraus. Nach dem Wassermangel im Tazara-Express, genossen wir die kühle Brause umso mehr und fielen anschließend vollkommen erschöpft in die Kissen.
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  • Day105

    Sambia / Simbabwe

    December 18, 2018 in Zambia ⋅ ⛅ 29 °C

    Nach einer kurzen Taxifahrt erreichten wir die sambianische Grenze, die wir mit unseren großen Backpacks aufgeschultert erst zu Fuß, dann mit der Fähre überquerten.

    Unser erster Stopp sollte ein Hotel in Livingstone sein, das wir zuvor im Internet herausgesucht hatten. Dort angekommen erkundigten wir uns nach dem günstigsten Doppelzimmer und erschreckten uns, als uns die dafür geforderte Summe genannt wurde. War es im Internet nicht wesentlich günstiger angepriesen worden? Doch da hatten wir uns wohl verguckt: Der Preis, den wir im Kopf hatten, hatte sich auf einen Zeltplatz bezogen. Mit ein wenig Verhandlungsgeschick, bei dem wir womöglich auch ein bisschen auf die Tränendrüse drückten, überzeugten wir den freundlichen Rezeptionisten davon, uns das Zimmer 10 $ günstiger zu überlassen.

    Erleichtert ließ sich vor allem Christina kurz darauf im Bett nieder, weil sie das erste Mal seit Beginn unseres Abenteuers mit den berühmt-berüchtigten Magen-Darm-Beschwerden zu kämpfen hatte, die auf keiner Reise fehlen dürfen. Wie gut, dass wir uns ausnahmsweise den Luxus eines Doppelzimmers gegönnt hatten und nicht das sonst übliche Mehrbettzimmer.

    Während Christina über der Kloschüssel hing, machte sich Lisa auf den Weg zum Supermarkt, um leicht bekömmliche Kost zu besorgen. Nach all den Sicherheitsvorkehrungen, die wir in Südafrika aufgrund der hohen Kriminalitätsrate hatten treffen müssen, war es ein Genuss, vollkommenen bedenkenlos alleine durch die Straßen laufen zu können. Überall traf man auf freundliche Menschen, die einen mit einem breiten Lächeln unaufdringlich grüßten. Getoppt wurde der Spaziergang von farbenprächtigen, köstlichen Mangos, die einem von gigantischen Bäumen direkt vor die Füße fielen.

    Den Krankheitssymptomen trotzend, ging es am nächsten Tag auch für Christina zu den Victoriafällen. Den weltweit breitesten durchgehenden Wasserfall der Erde, der dem Weltnaturerbe der UNESCO angehört, wollte sie sich nämlich unter keinen Umständen entgehen lassen. Da die Victoriafälle auf der sambianischen Seite während der Trockenheit generell nur wenig Wasser führen, beschlossen wir einen kurzen Abstecher nach Simbabwe zu machen. Mittlerweile routiniert, brachten wir die Visumsformalitäten an der Grenze schnell hinter uns, so dass wir nicht lange auf den benötigten Stempel im Reisepass warten mussten.

    Zwar gefallen uns persönlich kleine, in versteckten Oasen gelegene Wasserfälle besser, dennoch beeindruckten uns die imposanten Wassermassen, die man von 15 verschiedenen Aussichtspunkten die Klippen herunterstürzen sehen konnte. Durch die weitläufige Anlage verteilten sich die Besucher. Dadurch konnten wir uns immer wieder gemütlich hinsetzen und pausieren. Dies bot vor allem Christina die Möglichkeit, regelmäßig genug Kraft zu tanken, um die nächsten Meter zu bewältigen.

    Tags darauf ging es für uns mit dem Bus in die Hauptstadt des Landes. Doch wie den meisten großen Städten Afrikas, konnten wir auch Lusaka nicht viel abgewinnen. Graue Hochhausbauten und asphaltierte, von Müll bedeckte Straßen zierten das Stadtbild. Überall herrschte hektisches Treiben und der permantente Geruch von stinkendem Abwasser lag in der Luft. Lange hatten wir ohnehin nicht vor hier zu verweilen. Unser eigentliches Ziel war das drei Stunden Busfahrt entfernte Kapiri Mposhi, von wo aus wir den Tazara-Zug nach Dar es Salaam in Tansania nehmen wollten. Für die Zugfahrt am Folgetag (wieder einmal waren wir früh dran mit unseren Vorbereitungen) mussten wir nur noch kurz ein Ticket erstehen, weshalb wir uns zum dafür zuständigen Office begaben. Im Internet konnte man die Fahrkarte für die Bahn, die nur einmal die Woche fuhr, nämlich nicht reservieren.

    Bei der Verkaufsstelle angekommen, stellte die nette Dame hinterm Schreibtisch mit Bedauern fest, dass die Tickets der ersten und zweiten Klasse bereits ausverkauft seien. Da der Zug mindestens zwei, aber je nach anfallenden Reparaturen auch gerne schonmal fünf Tage unterwegs sein konnte, wären uns die mit Schlafkojen ausgestatteten Klassen am liebsten gewesen. So begannen wir uns seufzend mit dem Gedanken an die dritte Klasse anzufreunden, die nur Sitzplätze auf engem Raum bereitstellte. In diesem Moment tauchte ein kleiner Hoffnungsschimmer auf. Rhonda, die Ticketverkäuferin, bot uns an, sie vor ihrem Feierabend um 17:00 Uhr noch einmal via WhatsApp zu kontaktieren. Gelegentlich würden nämlich bereits reservierte Fahrkarten wieder abbestellt werden, sodass es doch noch Aussicht auf gemütliche Liegeplätze gab.

    Auf dem Weg zurück ins Backpackers, machten wir einen Abstecher in ein Shoppingcenter. Eigentlich wollten wir nur ein paar Lebensmittel besorgen, als unser Blick auf ein verführerisches Angebot in einem Sportgeschäft fiel. Adidas Sneaker in verschiedenen Farben zu einem einmaligen Preis. Da Christina seit Wochen ohne ihre Reeboks auskommen musste, weil sie diese in einem Kofferraum in Südafrika liegen gelassen hatte und Lisas Turnschuhe, die sie in jeder Lebenslage trug, durchgelaufen waren, kam der Sale wie gerufen. Schnell war die Entscheidung getroffen. Mit den neuen Schuhen unterm Arm sowie einem Shirt, einem Paar Flip-Flops und einem 3er-Pack passender Adidas-Socken, stellten wir uns an der Kasse an. Während wir warteten, fiel uns ein großer Fleck auf den schnieken Strümpfen auf. Im Geschäft war leider kein anderes Paar in der Größe zu finden, so dass sich ein Mitarbeiter gemächlich ins Lager begab, um dort danach zu stöbern. Schließlich war laut Computer noch eines vorhanden. Nach endlosem Warten, kam der junge Mann in Zeitlupe mit einem neuen Pack in der Hand auf die Geschäftsfläche zurück. Leider handelte es sich dabei um die falsche Größe. Die passenden Socken befänden sich in einem Karton, den die Mitarbeiter ohne die Erlaubnis des Managers nicht öffnen dürften. Eine Kollegin des sich im Faultiertempomodus befindenen Mitarbeiters bot an, den Flecken händisch zu entfernen. Während sie für diese Mission verschwand, tauchte der Manager auf und versprach die Angelegenheit zu klären. Da der Tag schon weit fortgeschritten war und wir Rhonda nur vom WLAN des Hostels aus kontaktieren konnten, saß uns die Zeit im Nacken. Weil auch der Manager keine Anstalten machte, sich außerhalb seiner Komfortgeschwindigkeit zu bewegen, schoben wir unseren geplanten Lebensmitteleinkauf im nebenan gelegenen Supermarkt zwischen, um unnötiges Warten zu vermeiden. Zurück im Sportgeschäft - es waren mittlerweile zwei Stunden vergangen, seit wir uns zum Schuhkauf entschieden hatten - offenbarte uns der Manager, dass er die Socken noch nicht gefunden habe. Nach aller Geduld nun doch leicht gereizt und gestresst, fragten wir, ob wir die notdürftig gereinigten Socken (der Fleck war nun nicht mehr braun, sondern gelb) zumindest günstiger erhalten könnten. Der Manager willigte ein. Nachdem die Kassiererin in aller Seelenruhe unseren Einkauf eingetütet hatte, begaben wir uns vollbepackt in größter Eile auf den Weg zurück in unsere Unterkunft .

    Nach einem 15-minütigen Sprint (die Taxifahrer verlangten einfach zuviel Geld) erreichten wir um 16:54 Uhr schweißgebadet unser Hostel.

    16:56 Uhr: Im WLAN eingeloggt mussten wir feststellen, dass Rhondas Nummer nicht mit WhatsApp synchronisierte - Mist, über den normalen Wege anrufen war uns ohne tansanianische Simkarte und ohne Guthaben nicht möglich.

    16:59 Uhr: Mit dem vom Rezeptionisten geborgten Handy versuchten wir verzweifelt eine Verbindung herzustellen, doch die Nummer der Ticketverkäuferin war besetzt.

    17:03 Uhr: Rhonda nahm zu unserer Erleichterung nach Feierabend den Hörer ab. Tiefenentspannt teilte sie uns mit, dass zwei Tickets der ersten Klasse freigeworden seien, die sie für uns reserviert habe. Da hatten wir mal wieder mehr Glück als Verstand!

    Warum wir etwas weiter oben so ausführlich über unser Shoppingerlebnis berichtet haben? Es ist einfach ein typischen Beispiel für TiA - This is Africa!
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  • Day101

    Botswana

    December 14, 2018 in Botswana ⋅ ☀️ 35 °C

    Während wir im Bus nach Botswana saßen, wurde uns einmal mehr bewusst, dass das Reisen neben aller Freuden den Nachteil mit sich bringt, immer wieder Abschied nehmen zu müssen. All unsere neu gewonnenen Freundschaften hinter uns zu lassen, fühlte sich so an als würden wir ganz von vorne beginnen. Wir konnten uns kaum vorstellen in einem anderen Land auch so eine tolle Zeit erleben zu können.

    Aus dem Fenster des Reisebusses blickend, stellten wir fest, dass nicht nur die Grenze Südafrika von seinem Nachbarland im Norden zu trennen schien. Der Verkehr wirkte relaxter, die Fauna schien sich leicht zu verändern und auch die Häuser der Einheimischen unterschieden sich in Baumaterialien und Architektur.

    In Gaborone, der Hauptstadt Botswanas, angekommen, machten wir uns zum einzigen Backpackerhostel auf, das die Stadt zu bieten hatte. Allein dadurch wurde klar, dass zumindest der südliche Teil des Landes weit weniger bereist wird als wir es von Südafrika gewohnt waren. In der Unterkunft selbst wurde dies dadurch, dass wir zunächst die einzigen Gäste waren, noch einmal untermauert.

    In Botswana war es noch heißer als in Südafrika, weshalb wir unseren ersten Tag entspannt am Pool verbrachten, den wir ganz für uns alleine hatten. Lediglich ein Minischweinchen, verschiedene farbenprächtige Vogelarten, Katzen und eine Bullterrierdame leisteten uns hin und wieder Gesellschaft.

    Die Idylle wurde durch ein lautes Knattern unterbrochen, als zwei Backpacker auf ihrem Motorrad die Tore passierten. Mit dem aus Mexiko stammenden Roberto und dem Kanadier Vincent verstanden wir uns auf Anhieb so gut, dass wir uns mit ihnen zu einem abendlichen Grillen verabredeten. Kurzerhand düste Lisa mit Vincent auf dem Motorrad davon, um die dafür nötigen Einkäufe zu erledigen und Feuerholz einzusammeln.

    Die Lebensmittel aufgeladen, eröffnete Vincent, dass er noch eine kleine "Mission" zu erledigen habe. Ehe sie sich's versah, befand sich Lisa inmitten Gaborones Vororten auf der Suche nach holländischer Minze. Zielstrebig näherte sich Vincent der ersten Gruppe Jugendlicher, die am Straßenrand herumlungerte. Es brauchte nur wenige Worte, schon sprang ein Junge mit auf's Motorrad und dirigierte stolz wie Oskar den Weg zum Dorfdealer. Witzig an dieser Anekdote ist, dass uns unsere südafrikanischen Freunde erst tags zuvor dringend vom Umgang mit Cannabis in Botswana abgeraten hatten, da dies sehr schnell in einem längeren Gefängnisaufenthalt enden könne. Wieder einmal ist aber alles gut gegangen und wir konnten wie geplant gemeinsam zu Abend essen.

    Gesättigt und zufrieden wünschten wir den Jungs nach einem gelungenen Grillen eine gute Nacht. Barfuß bewegten wir uns durch den weichen Sand, der sich auf dem gesamten Gelände befand, in Richtung unserer Betten. Bevor wir diese jedoch erreichten, plötzlich der Schreck: ein handgroßer Skorpion krabbelte aus dem Nichts in den Lichtkegel einer Laterne! Im Gegensatz zu unserer Schlangenbegegnung in Südafrika behielten wir dieses Mal die Ruhe und beobachteten interessiert, wie das Insekt mit dem riesigen Stachel seines Weges ging.

    Am nächsten Tag machten wir uns mit Roberto und zwei brasilianischen Neuankömmlingen auf den Weg zu einem nahegelegenen Nationalpark. Da wir uns mittlerweile an das afrikanischen Tempo angepasst hatten, schafften wir es erst am Nachmittag aufzubrechen. Dort angekommen wurde uns der Eintritt zu Fuß aus Sicherheitsgründen verwehrt. Mit dem Fahrrad hingegen dürften wir die Tore passieren. Den Sinn dahinter haben wir nicht so ganz verstanden. Schließlich würden wir einem wütenden Nashorn auch auf dem Drahtesel nicht schnell genug entkommen können. 35 € pro Mountainbike wollten wir für die paar verbliebenen Stunden bis zur Dämmerung jedoch nicht ausgeben. Also erkundigten wir uns nach den anderen Angeboten, die auf den Schildern der Rezeption angepriesen wurden. Von Jeepsafari bis hin zum Besuch eines Reptilienhauses stand zu diesem Zeitpunkt allerdings nichts zur Verfügung. Letzten Endes gingen wir unverrichteter Dinge wieder zurück in unsere Unterkunft.

    Selbstverständlich hatten wir uns im Vorfeld unserer Einreise nach Botswana nicht darüber informiert, was das Land zu bieten hatte. Dies war auch gar nicht nötig: Nach einem regem Austausch mit den anderen Backpackern, weckte das kleine Städtchen Nata, das für seine angrenzenden gigantischen Salzpfannen berühmt ist, unser Interesse. Also fragten wir an der Rezeption nach, wie wir am nächsten Tag am besten dort hinkämen. Freundlich wurde uns mitgeteilt, dass es jeden Morgen und jeden Abend eine Direktverbindung dorthin gebe. Wir entschieden uns für ersteres und bestellten ein Taxi vor.

    In aller Herrgottsfrühe standen wir am nächsten Tag am Busbahnhof, wo wir mit Überraschung feststellen mussten, dass der Rezeptionist falsch gelegen hatte. Es gab am Morgen keinen Bus nach Nata! Da wir keine Lust hatten den Tag in Gaborone zu verbringen, geschweige denn zurück ins Hostel zu fahren, setzten wir uns ohne groß darüber nachzudenken in einen Bus in Richtung Maun. Den Namen der Stadt hatten wir zumindest schonmal gehört und wussten, dass sie irgendwo im Norden liegen musste, wo wir ja schließlich auch hin wollten.

    Bei einem Toilettenstopp kamen wir schnell mit den einzigen anderen weißen Mitreisenden ins Gespräch. Anna-Maria und David hatten sich während ihres Auslandssemesters in Südafrika kennengelernt und reisten nun für einen Monat durch Botswana und Sambia, bevor es für sie zurück nach Schweden und Norwegen ging. Das Pärchen hatte sich bereits um eine Unterkunft am Zielort gekümmert. Da wir uns auf Anhieb gut mit den beiden verstanden, schlossen wir uns ihnen kurzum an und landeten im 'The Old Bridge Backpackers', das uns mit seinem afrikanischen Flair sofort begeisterte. Glücklicherweise ergatterten wir die letzten zwei verfügbaren Betten, die sich in einem kuscheligen Zelt befanden. Die Duschanlagen waren unter freiem Himmel installiert, so dass man bei der Körperreinigung stets die warmen Sonnenstrahlen genießen konnte. Auch der Barbereich war zum Großteil unbedacht und grenzte an einen von Krokodilen und Nilpferden besiedelten Fluss.

    Auf diesem haben wir am zweiten Abend gemeinsam mit unseren neuen skandinavischen Freunden eine Sunset Cruise gemacht. Während dieser herrschte eine fröhliche Stimmung und wir verstanden uns auf Anhieb mit dem Kapitän des Bootes, der Lisa sogar kurz das Steuer überließ. Neben einem wunderschönen Sonnenuntergang, konnten wir seltene Vogelarten, wie den Riesenfischer erspähen, spielende Paviane am Ufer beobachten und eine Nilpferdkuh mit ihrem Kalb vor unserer Nase auftauchen sehen. Als wir letztere passierten, zog der Steuermann das Tempo deutlich an, um die territorialen Riesen, die bekanntlich die gefährlichsten Großtiere Afrikas sind, schnell hinter uns zu lassen. Ein Mitarbeiter, der aus Spaß mitgekommen war, wollte uns imponieren und bot uns mit einem schelmischen Grinsen an, ihn auf eine nächtliche Tour mit seinem eigenem Boot zu begleiten - vorausgesetzt wir hätten keine Angst. Herausforderung angenommen!

    Einige Stunden nach Einbruch der Dunkelheit, kletterten wir mit Anna-Maria und David in ein wesentlich kleineres Boot als noch am Nachmittag. Erst nach einigen Versuchen sprang der Motor an. Wir wunderten uns nicht weiter. Los ging es durch pechschwarzes Gewässer, das gespenstig den Mondschein widerspiegelte. Die Luft roch nach Abenteuer. Hier und da vernahmen unsere Ohren die kräftigen Schwanzschläge von Krokodilen. Plötzlich trafen wir erneut auf das Mutter-Kind-Gespann, die mit einem lauten Schnauben auf sich aufmerksam machten. Abermals passierten wir die beiden Nilpferde mit erhöhter Geschwindigkeit. Ungünstigerweise soff der Motor nur wenige Meter später ab. Mit den Flusspferden im Nacken und Schweißperlen auf der Stirn stehend, gelang es dem Mitarbeiter nach etlichen Versuchen das Boot wieder ans Laufen zu bringen. Die Erleichterung hielt leider nicht lange an. Schon wieder versiegte das beruhigende Motorengeräusch und wir wurden von einer unheimlichen Stille umhüllt. Diese wurde mit einem Mal durch das laute Schmatzen eines Nilpferdes durchbrochen, das keine 15 Meter von uns entfernt genüsslich einen Mitternachtssnack einnahm. Zudem schienen sich die Mutter und das Kind von hinten zu nähern. Wir waren umzingelt. Spätestens als der letzte Funken Hoffnung verschwand, dass der Motor ein weiteres Mal anspringen würde, war uns allen der Ernst der Lage bewusst. Es war stockduster um uns herum. Anna-Maria ergriff eine Panikattacke. Während wir beruhigend auf das weinende Mädchen einredeten, nahm der Bootsführer einen langen Stock zur Hand, der sich an Deck befunden hatte. Damit schlug er zunächst auf die harte Wasseroberfläche, was zu einem lauten Knall führte, jedoch nicht zu dem gewünschten Effekt, die Flusspferde zu vertreiben. Stattdessen schürte er ungewollt Anna-Marias Angst, die mittlerweile wie ein Häufchen Elend auf dem Bootsboden saß. Klar war, dass wir schnellstmöglichst ans rettende Ufer gelangen mussten. Um das Boot fortzubewegen, stieß der Besitzer den langen Stock in den Grund des Flusses. Der Plan schien zunächst aufzugehen, doch nach nicht einmal der Hälfte der Strecke der nächste Schreck: der Stock brach entzwei und war nicht mehr zu gebrauchen. Spätestens jetzt stand auch dem Kapitän deutlich die Nervosität ins Gesicht geschrieben. Trotzdessen wagte er sich mutig ins dunkle Gewässer und zog das Boot durch das unwegsame Schilf bis an den Rand des Flusses. Schnell sprangen Anna-Maria und David an Land, während wir ins Wasser glitten, um dabei zu helfen das Boot an einem nahegelegenen Steg zu befestigen. Als auch wir endlich festen Boden unter den Füßen hatten, waren wir nicht nur wahnsinnig erleichtert darüber, dass die Flusspferde nicht auf die Idee gekommen waren, ihr Territorium zu verteidigen. Auch freuten wir uns über ausgebliebene Krokodilangriffe. Zu Fuß machten wir uns auf den Weg zurück ins Hostel. Ständig bahnten sich dicke Dornen ihren Weg tief in unsere Haut. Mit einem dieser Biester in der Ferse stolperte Lisa in einen Elektrozaun, der dem Schutze eines Privathauses diente. Während unseres Marsches, eröffnete uns der Mitarbeiter, dass das Boot eigentlich gar nicht seines war und wir es uns unrechtmäßig 'ausgeborgt' hatten. Zum Glück ist unser nächtlicher Ausflug nie aufgeflogen, da es gelang, den Motor am frühen Morgen bei Tageslicht zu reparieren und somit das Boot unbemerkt zurückzubringen.

    Dank der familiären und offenen Atmosphäre des Backpackers schloss man schnell neue Bekanntschaften, wie die mit der Niederländerin Delia. Bei einem gemeinsamen Frühstück mit ihr, Anna-Maria und David entschieden wir uns zu einer mehrtägigen Camping-Safari.

    Ausgestattet mit Proviant für die nächsten drei Tage ging es in einem offenen Jeep, in dem noch ein deutsches Pärchen dazu stieß, zum Okavango Delta. Am Fluss angekommen, stiegen wir in kleine Boote, die sogenannten Mokoros, um. Unter strahlend blauem Himmel glitten wir nahezu geräuschlos durch die unberührte Natur. Es dauerte keine fünf Minuten, bis wir die ersten Nilpferde erspähen konnten. Zudem tauchten immer wieder Elefanten am Flussufer auf, die friedlich im Schilf grasten. Niemals hätten wir uns zu diesem Zeitpunkt vorstellen können, dass uns diese in naher Zukunft gefährlich werden würden.

    Nach etwa zwei Stunden erreichten wir unser Lager, wo wir alle gemeinsam unsere geräumigen Zelte aufbauten, einen gemütlichen Feuerplatz einrichteten und ein Plumpsklo aushoben. Den Spaten steckten wir einige Meter entfernt in die Erde und führten folgende Regel ein: Spaten weg, Toilette besetzt.

    Die kommenden Tage verbrachten wir neben Flusssafaris mit langen geführten Wanderungen über die verschiedenen Inseln des Deltas. Dort begegneten uns unzählige Giraffen, Zebras, verschiedene Antilopen, Landschildkröten, Vögel, Affen, Flusspferde, Büffel und Elefanten. Zu den letzten drei der genannten Tiere versuchten wir aus Respekt und Sicherheitsgründen stets gebührenden Abstand zu halten. Leider ist uns dies nicht immer gelungen. Als wir uns an einem Tag vor der heißen Mittagssonne schützend in einer kleinen Formation aus Büschen und Bäumen im Schatten niederließen, hörte Christina plötzlich ein Geräusch. Auch einer der beiden Guides nahm das schwere Fußstampfen wahr. Alle waren alarmiert, doch der zweite Führer winkte ab und sagte, es seien nur die Palmblätter, die im Wind gegeneinander schlügen. Gerade, als sich die Aufregung wieder legte, trat ein riesiger Elefant direkt vor uns aus dem Dickicht hervor. Die Guides riefen nur panisch: "Elephant, elephant!" und rannten uns einfach der offenen Steppe entgegen davon. Wir waren uns sicher, dass es klüger sei, sich entlang der Bäume zu bewegen, um uns hinter den dicken Stämmen verbergen zu können. Glücklicherweise hatte sich der Elefant genauso erschreckt wie wir und entfernte sich in die entgegengesetzte Richtung. Kurz darauf fand sich unsere Gruppe wieder zusammen und die Tour konnte weitergehen.

    Nach den Wanderungen ging es für uns auf Grund der sengenden Hitze in eine lange Mittagspause. Diese nutzten wir zum Beispiel, um uns im Fluss abzukühlen, während die Guides wachsam nach Krokodilen Ausschau hielten. Auch lernten wir, die schmalen Mokoros zu steuern, was bisweilen eine sehr wackelige Angelegenheit war. Einmal wurden wir mittags in unserem Camp von einer Horde testosterongeladener Elefantenbullen überrascht, die auf der Suche nach einem paarungswilligen Weibchen ihr Gemächt in voller Pracht zur Schau stellten. Wir trauten uns kaum uns zu bewegen, da die Männchen in diesem Stadium besonders aggressiv sein können. Mit angehaltenem Atem beobachteten wir, wie die Horde nur wenige Meter entfernt an uns vorbeizog.

    Die Abende verbrachten wir mit Rätseln, Spielen und spannenden Reisegeschichten um das wärmende Lagerfeuer, auf welchem wir auch unsere Abendessen zubereiteten. Immer wieder hielten wir inne, um Flügelschlägen, Fußstampfen, Wasserplatschen oder einem Rascheln im Gebüsch zu lauschen und versuchten die nächtlichen Geräusche den Tieren zuzuordnen. Der strahlende Nachthimmel mit seinen Tausend und Abertausenden von Sternen bot hier, fernab jeglicher Elektrizität, einen noch atemberaubenderen Anblick als wir es vom afrikanischen Himmel bis dahin schon gewohnt waren.

    Vollkommen beglückt von dem gelungenen Safariausflug, machten wir uns am dritten Tag auf den Rückweg. Als wir einen großen Elefanten am Ufer grasend vor uns auftauchen sahen, reduzierten wir unsere Geschwindigkeit und kamen in einiger Entfernung zum Stehen. Unser Guide teilte mit uns die Meinung, dass es sicherer sei zu warten und den Elefanten erstmal seine Mahlzeit einnehmen zu lassen. Als sich zwei von Einheimischen besetzte Boote näherten, die keine Anstalten machten sich von dem Elefanten aufhalten zu lassen, fühlte sich auch unser Guide im Zugzwang, so dass er das Mokoro wieder in Bewegung setzte. Herzklopfend näherten wir uns dem grauen Riesen in Schrittgeschwindigkeit. Als wir gerade auf einer Höhe mit dem Elefanten waren - es lagen keine 15 Meter zwischen uns - passierte, was wir versucht hatten zu vermeiden: der Elefant fixierte uns mit seinem Blick, stellte die großen Ohren auf, die er kräftig nach vorne und hinten schlug, trompetete laut, riss seinen Rüssel von links nach rechts und begann auf uns zu zu rennen. In unserer kleinen Nussschale von Boot, keinen Meter vom Flussgrund entfernt, kamen wir uns absolut winzig, hilflos und vor allem ausgeliefert vor. Glücklicherweise schien der Elefant uns nur warnen zu wollen, da er nach wie vor mit den Ohren schlackernd zum stehen kam, während unser Guide hektisch den Stock in den Boden rammte, um so schnell wie möglich das Weite zu gewinnen. Nach diesem Benjamin Blümchen-Ausraster hatten wir für diesen Tag genug von Abenteuern und kehrten erleichtert wieder im 'The Old Bridge Backpackers' ein.

    Nach einer erholsamen Nacht wollten wir ein erneutes Mal versuchen, unser ursprüngliches Ziel Nata zu erreichen. Abermals informierten wir uns an der Rezeption unserer Unterkunft, nach den örtlichen Busfahrplänen. Man sicherte uns zu, dass es am Nachmittag eine Direktverbindung geben würde. Am zentralen Omnibusbahnhof angekommen, mussten wir laut lachen, als wir herausfanden, dass wir einmal mehr fehlgeleitet wurden. Der letzte Bus nach Nata war bereits Stunden zuvor abgefahren. Plan B war schnell gefasst: Da wir uns ohnehin nicht gerne von Anna-Maria und David verabschieden wollten, schlossen wir uns ihnen auf ihrem Weg nach Kasane an. Mit dem Nachtbus ging es noch am selben Abend los.

    Früh am nächsten Morgen kamen wir in dem kurz vor der sambianischen Grenze gelegenen Ort an. Mit dem Taxi ging es zu unserer neuen Unterkunft, dem 'Bananyana Backpackers'. Da keine Rezeption zu finden war, fragten wir uns bei den ausnahmslos afrikanischen Gästen durch. Keiner konnte uns so richtig weiterhelfen, so dass wir einfach eine Weile warteten, bis endlich ein ziemlich verschlafener, aber freundlicher Mitarbeiter auftauchte. Dieser zeigte uns die vom Komfort her vollkommen unterschiedlichen Zimmer, die anders als im Internet angegeben, alle dasselbe kosten sollten. Ganz ohne Vorurteile schüren zu wollen, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es schnell festzustellen ist, ob ein Backpackers von Einheimischen oder westlichen Personen geleitet wird. Es wunderte uns nicht, als wir gefragt wurden, wie viel wir denn über das Internet schon angezahlt hätten und wie viel wir dem Hostel noch schuldig seien. Trotz solcher und anderer Unorganisiertheiten, hatten wir einen wunderbaren Aufenthalt und fühlten uns sehr wohl.

    Noch geschlaucht von der Übernachtfahrt, gönnten wir uns zunächst ein ausgiebiges Schläfchen, bevor wir am Nachmittag an einem Game Drive durch den nahegelegenen Chobe Nationalpark teilnahmen. Als wir ziemlich zu Beginn einen Elefanten in einer Matschpfütze spielend erblickten, freuten wir uns zwar, aber so richtig aus dem Häuschen waren wir nicht. Schließlich waren wir ja bereits im Okavango Delta einigen Dickhäutern begegnet. Die Safari nahm ihren Lauf. Bereits nach der ersten Kurve erfuhren wir, dass die Rüsseltiere uns nach wie vor aus den Socken hauen konnten. Vor uns tauchten riesige Elefantenherden auf, wovon jede einzelne dutzende Tiere zählte. Eine riesige Fläche, die über Kilometer nur von den grauen Riesen besiedelt zu sein schien. Es war atemberaubend! Im Gegensatz zu den Elefanten im Okavango Delta, waren diese an den Menschen gewöhnt, sodass sie teilweise ohne sich weiter an uns zu stören unmittelbar an unserem Jeep vorbei trotteten. Ein krönender Abschluss unserer Reise durch Botswana.
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  • Day91

    Hogsback

    December 4, 2018 in South Africa

    Nach einer gelungenen Zeit in Knysna, traten wir mit Zander, Sam und Sharmwarris den Rückweg an. Im Gegensatz zur Hinreise wollten wir dieses Mal einen Zwischenstopp in Hogsback einlegen. Das inmitten des Amatola-Gebirges gelegene Dorf erreichten wir bei Einbruch der Dunkelheit. Wir checkten im gemütlichen Backpackers "Away with the Fairies" ein, wo uns ein großes knisterndes Lagerfeuer und Livemusik empfingen. 

    Der Legende nach habe sich J.R.R. Tolkien, der Autor der Triologie "Der Herr der Ringe", von Hogsbacks wunderschönen Wäldern, Flussläufen, Blumen und Bergen inspirieren lassen, um Mittelerde zu kreiren. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es mehr Wasserfälle pro Quadratkilometer als im Amatola-Gebirge. Wenigstens ein paar davon wollten wir am nächsten Tag entdecken und machten uns, mit einer mehr als ungenauen Wanderkarte bewaffnet, auf den Weg. Bergauf und -ab legten wir eine Strecke von 20 km zurück, auf der wir zum ersten Mal in Südafrika auf Weißkehlmeerkatzen trafen, die uns sketpisch aus Baumwipfeln beäugten und unsere Wanderung mit ihren lauten Rufen begleiteten. Wenn der Schweiß die Nasenspitze herrunterperlte bot uns immer wieder der Fuß eines Wasserfalles eine angenehme Erfrischung. Die Flussläufe und Gefälle tauchten in den verschiedensten Größen und Formen auf: Kleinere fanden wir versteckt in Höhlen, andere stürzten imposant von Bergklippen hinab und waren bereits aus weiter Ferne zu sehen und zu hören. Die spärlich skizzierte Wanderkarte sorgte dafür, dass wir auch schonmal vom Weg abkamen. So gerieten wir gelegentlich auf Privatgelände, wo wir uns in geduckter Haltung an Wohnhäusern vorbeischlichen, um nicht entdeckt zu werden. Manchmal verloren wir auch vollkommen die Orientierung, was uns aber nichts ausmachte, da wir auf diese Weise Orte entdeckten, die manch anderem Reisenden verborgen blieben. Die Wanderung zählen wir zu den schönsten, die wir in unserem Leben je unternommen haben.

    Zurück im Hostel konnte man den Abend entspannt bei einem Klippenbad mit fantastischer Aussicht ausklingen lassen.

    Früh am nächsten Morgen setzten wir unsere Heimreise fort. Auf den letzten Metern, kurz vor Johannesburg, gerieten wir wieder einmal in eine Verkehrskontrolle. Ziemlich schnell war klar, dass der Polizist sich so kurz vor den anstehenden Festlichkeiten ein kleines Weihnachtsgeld dazuverdienen wollte. Da Zander weder Alkohol konsumiert hatte noch zu schnell gefahren war, konzentrierte sich der Uniformierte auf des Fahrers nackte Füße. Zander, der wusste, dass der Polizist die Angelegenheit nicht auf offiziellem Wege klären wollte, bat beharrlich um einen völlig regulären Strafzettel. So ging die Diskussion zwischen den beiden hin und her, bis sich das Wetter auf unsere Seite schlug. Ein plötzlicher Regenguss bewegte den völlig entnervten Officer uns ohne Knöllchen und ohne Bestechungsgeld weiterfahren zu lassen. 

    Unsere letzten zwei Tage in Südafrika verbrachten wir wiedervereint mit Sams Familie. Als Dankeschön luden wir am Abend vor unserer Abreise zu einem gemeinsamen Kinobesuch ein. Nach all den Abenteuern in der Natur, hatten wir nichts gegen ein wenig Stadtleben einzuwenden. Der Abend hätte nicht schöner werden können - wurde er auch nicht. Ganz im Gegenteil: Als Christina noch schnell vorm Schlafengehen ihren Kontostand überprüfte, fiel mit Schrecken auf, dass ihre Kreditkarte missbraucht wurde. Die Karte sperren zu lassen, war das einzige, was zu dieser späten Stunde noch möglich war. An dieser Stelle möchten wir einen herzlichen Dank an Christinas Papa aussprechen, der die darauffolgenden Wochen damit beschäftigt sein sollte, die Angelegenheit mit einer im Vorfeld ausgestellten Vollmacht zu klären.

    Um das unrechtmäßig abgebuchte Geld erstattet zu bekommen, musste eine Anzeige gestellt werden. So blieb uns nichts anderes übrig als an unserem letzten Tag in Südafrika früh morgens zur Polizeistation zu hetzen. Die Zeit war knapp: Für den Nachmittag hatten wir ein Busticket nach Botswana gebucht, weil unser Visum am Folgetag auslief. Eine verspätete Ausreise wollten wir um jeden Preis vermeiden, da diese ein fünfjähriges Einreiseverbot zur Folge haben kann.

    Mit sehr viel Gemütlichkeit und wenig Interesse für unser Dilemma, nahm ein Polizeibeamter unseren Fall auf. Wir fühlten uns absolut nicht ernst genommen. Nur widerwillig lauschte man unserer Beschreibung auf Englisch. Erst als Zander begann, den Sachverhalt auf Afrikaans zu schildern, schien die Polizei aufmerksamer zu werden. Die Uhr tickte und wir wurden immer nervöser, während der Polizist in Zeitlupentempo per Hand die Anzeige protokollierte.

    Nach einer schier endlos erscheinenden Weile, konnten wir die Wache verlassen und rasten ins Stadtzentrum Johannesburgs. Der Motor des Reisebusses lief bereits, als wir knapp zehn Minuten vor Abfahrt fix und fertig ankamen. Saßen wir einmal auf unseren reservierten, äußerst gemütlichen Plätzen, konnten wir durchatmen und für die nächsten acht Stunden eine ausgesprochen komfortable Fahrt genießen. Adieu Südafrika, salut Botswana!
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  • Day86

    Knysna

    November 29, 2018 in South Africa

    An einem der vielen gemütlichen Abende am Lagerfeuer unserer südafrikanischen Gastfamilie, schlug uns Zander vor, seinen langjährigen Freund Crosby in Knysna zu besuchen. Dieser führe mit seiner Familie ein kleines Airbnb, wo man in außergewöhnlichen Unterkünften, wie Tipis oder Kuppelzelten, mitten im gemäßigten Regenwald hausen könne. Sofort waren wir Feuer und Flamme für diese Idee.

    Während wir die ersten Überlegungen anstellten, wie wir zu unserem nächsten Reiseziel gelangen sollten, schwärmte Zander ununterbrochen von dem Idyll, welches das Zuhause seines Freundes war. Die anhaltende Begeisterung für diesen Ort, entwickelte sich kurzum zu dem fixen Plan, uns gemeinsam mit Sam zu begleiten. Gesagt, getan: Per Tetris-Technik packten wir Sams tiefergelegten BMW, dessen Baujahr irgendwann in den 80ern liegt, bis oben hin voll. Zanders Hund, Shamwarris, fand auch noch Platz.

    Bei der 16-stündigen Fahrt durften wir es uns auf der Rückbank bequem machen, während sich die Männer am Lenkrad abwechselten. Als wir die am indischen Ozean gelegene Stadt Knysna erreichten, ließ uns Crosby via Sprachnachricht wissen, dass es von dort nur noch 15 Fahrminuten über Schotterpisten und Wiesen in den Wald hinein seien. Diese Berechnung hatte er jedoch ohne Sams alten BMW gemacht. Bei einem Tempo zwischen 5 und 10 km/h versuchten wir den Wagen Schritt für Schritt um teils riesige Felsbrocken herum zu manövrieren. Einmal mussten wir sogar aussteigen, um den Wagen zu erleichtern und die Straße manuell zu ebnen, indem wir zur Überbrückung einer hohen, scharfen Kante eine Piste aus Steinen bauten.

    45 Minuten später wurden wir von Crosby, seiner Frau Mashca und den beiden Kindern Laya und Quinn in einem großen Kuppelzelt mit herzlichen Umarmungen begrüßt. Durch die Gastfreundschaft der Familie fühlten wir uns vom ersten Moment an mehr als willkommen.

    Mashca führte uns zu der gemütlichsten Unterkunft, die wir uns hätten vorstellen können: ein geräumiges Tipi, das wie auch alles andere auf dem Gelände mit solarbetriebenem Licht ausgestattet war. Für die nächsten zwei Wochen sollte dies unser Zuhause sein. Viele gesellige Abende verbrachten wir hier mit Disneys König der Löwen, Scrabble, und Marshmallows, die wir knisternd über Kerzenschein rösteten. Die Atmosphäre war perfekt, wenn dazu noch kräftige Regenschauer auf das Zeltdach hinabprasselten.

    Musste man mal für kleine Mädchen, war das Plumpsklo nicht weit. Davon gab es eine überdachte und eine open-air Version mit atemberaubendem Blick auf Nebelschwaden, die mystisch aus dem Regenwald aufstiegen. Geduscht wurde ebenfalls unter freiem Himmel, vorausgesetzt der Tank war ausreichend gefüllt. Hatte man vergessen Wasser aus dem Damm zu pumpen, mussten Alternativlösungen her, so dass wir uns auch schon mal gegenseitig mit Wasser aus Kanistern übergossen.

    Die Mahlzeiten wurden meist gemeinsam mit der Familie zubereitet und eingenommen. Wir fühlten uns absolut in die Familie inkludiert, was unter anderem daran lag, dass uns bei der Beaufsichtigung der Kinder sowie der Bewirtschaftung der zahlenden Gäste 100%iges Vertrauen entgegengebracht wurde.

    Neben einem gemeinsamen Ausflug zum Strand, durften wir Crosby und Mashca auch auf eine Geburtstagsfeier von Freunden begleiten. Wiedergefunden haben wir uns in einer Hippikommune mit Trommel- und viel zu viel Trancemusik. Mehrfach wurden uns von den liebedurchfluteten Partygästen diverse natürliche Glücklichmacher, wie Magic Mushrooms, angeboten, die wir dankend ablehnten. Glücklich waren wir auch so.

    Oft zogen wir auch mit Zander, Sam und Sharmwarris alleine los, während Mashca und Crosby ihrem normalen Alltag nachgingen. Machten wir uns auf den Weg zu weiter entfernten Zielen, waren wir meist auf Sams alten BMW angewiesen, der wie bereits erwähnt, seine Schwierigkeiten mit den wilden Schotterstraßen hatte. Höhepunkt war ein geplatzter Reifen mitten im Dschungel. Glücklicherweise hatte Sam Ersatz an Bord, so dass das Problem schnell gelöst war. Einer weiteren Herausforderung war das Auto ausgesetzt, als die Brücke, die als einziger Weg in die Stadt führte, nach kräftigen Regenschauern überflutet war. Sam wagte sich nach einigem Hin- und Herüberlegen durch die Wassermassen. Zwar wurden wir entgegen aller Sorgen nicht weggespült, doch fielen bedingt durch die Nässe ein paar Zylinder des tiefergelegte Vehikels zeitweise aus. Bis diese wieder vollständig intakt waren, vergingen mehrere Tage, an denen Sam und Zander geduldig im Motorraum herumwerkelten, da sich das Fahrzeug häufig nicht starten ließ.

    Wann immer es ging, ließen wir den Wagen stehen, um diesen nicht weiteren Strapazen auszusetzen. Bei einer unserer Erkundungen des Regenwaldes, entdeckten wir einen natürlichen Swimmingpool am Fuße eines Wasserfalles. Während dieser beim ersten Mal noch paradiesisch ruhig war, hatte er sich bei unserem zweiten Besuch auf Grund starker Regenfälle in einen tosenden, reißenden Fluss verwandelt. Die übermütigere von uns (Lisa) begab sich ohne lange zu fackeln, getrieben von Abenteuerlust, in die Fluten und wurde von der starken Strömung sofort mitgerissen. Zander sprang heroisch hinterher. Kurz vor dem nächsten Wasserfall, der viele Meter in die Tiefe stürzte, bot ein Felsbrocken in der Mitte des Flusses gerade noch rechtzeitig den vorerst sicheren Halt. Nur mit Teamarbeit und viel Anstrengung konnte das rettende Ufer erreicht werden. Puh, da hatte doch beinah jemand die Kraft des Wassers unterschätzt. Noch einmal Glück gehabt!

    Bei einer weiteren Wanderung wurden wir im Ansatz mit den Ausmaßen der vorherrschenden Waldbrände entlang der Gardenroute konfrontiert. Unser Wanderpfad wurde nämlich von einem umgestürzten, noch qualmenden Baum versperrt und konnte nur durch ein waghalsiges Klettermanöver überwunden werden. Ein paar Kilometer weiter stießen wir auf riesige schwarze Flächen, wo statt des saftig grünen Regenwaldes nur noch Staub und Asche übrig waren.

    Manch ein Abend in Knysna wurde krönend mit der Bewunderung der für uns einzigartigen afrikanischen Sonnenuntergänge sowohl am Strand als auch von der Spitze eines Berges abgeschlossen.

    Eines nachts machten wir uns auf die Suche nach Glühwürmchen. Inmitten der Dunkelheit schlug Shamwarris plötzlich Alarm. Grund dafür war ein näherkommender, weinender Mann, der zusammenhanglos versuchte uns etwas zu erklären. Bevor wir richtig begreifen konnten, worum es ging, tauchten zwei weitere Männer auf. Erst, als wir das Licht unserer Taschenlampen auf sie richteten, sahen wir, dass diese blutüberströmt waren. Tiefe Platzwunden zeichneten sich auf ihren Köpfen ab. Nachdem es uns gelang, die unter Schock stehenden Männer etwas zu beruhigen, verstanden wir endlich, was passiert war: In einer Kurve auf der Schotterstraße habe der Fahrer wegen eines technischen Defektes die Kontrolle über das Auto verloren, woraufhin sie eine Klippe hinuntergestürzt seien. Unser erster Gedanke, einen Krankenwagen zu rufen, konnte wegen zweierlei Dinge nicht umgesetzt werden. Zum einen hatten wir keinen Empfang, zum anderen lehnten die Männer dies vehement ab - wir denken, dass diese vermutlich nicht versichert waren. Auch unserem Instinkt die Wunden zu versorgen, konnten wir nur bedingt folgen. Im Gegensatz zu Deutschland ist es in Südafrika nicht Gesetz Erste Hilfe leisten zu müssen. Ganz im Gegenteil kann man sogar zur Rechenschaft gezogen werden, wenn dadurch weitere Verletzungen zugefügt werden. Außerdem ist das Ansteckungsrisiko mit dem HI-Virus enorm hoch, da jeder fünfte Einwohner in Südafrika damit infiziert ist. So verbrachten wir etwa 1 1/2 Stunden damit, beruhigend auf die Männer einzureden, unsere Jacken mit ihnen zu teilen und entgegen aller Vorsätze zumindest einen provisorischen Kopfverband anzulegen. Dann gelang es Crosby Unterstützung aus der Nachbarschaft zu holen und die Männer wurden letzten Endes doch ins Krankenhaus gefahren.

    Auch während unseres gesamten Aufenthalts in Knysna, waren die Worte 'shap shap' allgegenwärtig. Dies führte dazu, dass wir eine Idee umsetzten, die uns schon länger beschäftigt hatte: ein Freundschaftstattoo. Spontan besuchten wir einen Bekannten von Crosby in seinem Tattooladen. Seitdem zieren die Worte mit den vielen verschiedenen Bedeutungen unsere Arme und werden uns immer an die abenteuerliche und wunderschöne Reise erinnern, die noch lange nicht zu Ende ist!
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  • Day85

    Fallschirmsprung

    November 28, 2018 in South Africa ⋅ ☀️ 16 °C

    Mit viel Freude haben wir Lisas Geburtstagsgeschenk für Christina eingelöst! Fast wäre es jedoch nicht zum Fallschirmsprung gekommen, da die ersten beiden vereinbarten Termine wetterbedingt gecancelt werden mussten. Als die Sonne endlich zum Vorschein kam und der Wind abflaute, setzten wir uns am dritten Tag des Wartens aufgeregt in Sams BMW, um uns auf den Weg zum Abenteuer Tandemsprung zu machen. Doch dann der Schreck: der Motor sprang nicht an! Nach einer Stunde erfolgloser Bemühungen von Sam und Zander, das Gefährt wieder in Gang zu bringen, riefen wir die Dropzone an, um dieser mitzuteilen, dass wir es nicht pünktlich schaffen würden. Zu unserer Erleichterung ließ man uns wissen, dass dies kein Problem sei, die Sprünge könnten nach hinten verlegt werden.

    Als wir die Hoffnung in das Auto schon fast verloren hatten, ertönte nach etwa zwei Stunden das lang ersehnte Geräusch: der Motor lief! Endlich konnte es losgehen! Doch zu früh gefreut: Erst wenige Kilometer hatten wir hinter uns gelegt, als die einzige Straße, die uns zum Ziel führen konnte, von einem umgestürzten Baum versperrt war. Zum Glück waren die Räumungsarbeiten bereits in vollem Gange, so dass wir unseren Weg mit nur kurzer Verzögerung fortsetzen konnten.

    Am Fallschirmplatz angekommen, wurde nicht lange gefackelt. Nach einer fünf-minütigen Einweisung, während derer uns das Gurtzeug angelegt wurde, und einer kurzen Vorstellung unserer Tandemmaster, saßen wir auch schon im Flugzeug.

    Eine knappe halbe Stunde verbrachten wir in dem kleinen, gemütlichen Flieger, bis wir die erforderliche Höhe von 4000 m erreicht hatten. Der Ausblick von dort oben auf die sandige Küste und das türkisblaue Meer in Miniaturform war wunderschön. Die Tür öffnete sich und neben einem ohrenbetäubenden Lärm, schlug uns kalte Luft entgegen. Bevor wir realisierten, wie uns geschah, ging es für Christina zuerst aus dem Flugzeug, dicht gefolgt von Lisa. Den Freifall bei ca. 200 km/h genossen wir in vollen Zügen. Nach knapp 40 Sekunden öffneten sich die Fallschirme und Christina überkam nach der ersten Drehung eine enorme Übelkeit, von der sie sich erst nach Stunden wieder erholte. Da Lisa unter keiner Reisekrankheit leidet, konnte diese sogar einige Male selber den Schirm lenken, bevor es Richtung Landezone ging.

    Zwar hätten wir mit noch viel mehr Adrenalin gerechnet und waren von unserer entspannten Stimmung hoch oben in den Wolken überrascht, doch Spaß hatten wir allemal!
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