• Along Alps Edge- crazy evening

    25 Februari, New Zealand ⋅ ☀️ 20 °C

    Es war ein wunderbar klarer Morgen, an dem ich den Wilderness West Coast Trail am Meer entlang beendete.
    Phil war noch auf der Suche nach einem "Grand Ma- Sitzkissen" für seinen Sattel wie ich es habe. Er spürt wohl einige seiner Körperteile, da er auch nach Magnesium fragte.
    Bis er soweit war, fuhr ich schon mal los. Es war schön, alleine zu fahren. Wir würden uns sowieso irgendwo wieder treffen!
    So konnte ich meinen Gedanken nach hängen. Nach dem Trail war es lange Zeit ein schnur-gerader Feldweg und dann viele Kilometer Highway 6.
    Das erste Mal nach vielen Wochen und vielen Zweigesprächen mit mir selbst und meinen Eltern wollte ich mal wieder berufliche Gedanken schweifen lassen.

    Was macht eigentlich eine gute Hebamme aus?
    Wann ist sie gut für die Frauen und Familien?
    Bedeutet "gut" Sicherheit, Ruhe, Respekt, Kunst, Erfahrung, Freundlichkeit, Einfühlungsvermögen, ...?
    Sind wir da vergleichsweise seit hundert Jahren mit den vielen Veränderungen durch offizielle Reglementierung besser geworden?
    Oder einfach anders?
    Wann ist die Hebamme gut für die Kolleginnen?
    Wann ist sie gesellschaftlich/ wirtschaftlich und zukunftsweisend gut?
    Und wann ist sie gut zu sich selbst?
    Muss die Hebamme sich entscheiden, ob sie die originäre, grundlegende, forschende, lehrende oder organisatorische Arbeit tun will? Oder kann es die eierlegenden Wollmilchsau in dieser Hinsicht geben?

    Ich badete in einem wunderbar erfrischenden Gebirgsfluss mit türkiser Farbe. Es war Hochsommer-feeling pur! In der Ferne leuchteten bereits die schneebedeckten Gipfel.
    Ich traf Phil am Lake Ianthe wieder. Er fuhr weiter, ich blieb noch ein Weilchen und erfrischte mich. Wir trafen uns zur Pause in Harihari wieder, wo er für die Nacht blieb und ich noch 30 km weiter fuhr, da das Abendlicht so schön war und ich dadurch vielleicht mehr Zeit am Fox Gletscher haben würde.
    In Whataroa gibt es ein verrücktes, ursprüngliches Hotel. Es ist absolut chaotisch geführt von Madeleine. Eigentlich ist es so, als wenn die Zeit seit 1900 stehen geblieben ist, aber messi-artig tausende von Dingen ohne Struktur und Sinn dort abgestellt wurden. Dazwischen Spinnen, Dreck und löchrige Teppiche und Vorhänge von Anno dazumal. Man kann es nicht anders beschreiben, als eine Kulisse eines Alfred Hitchcock Movies. Genau passend sieht auch die gute Madeleine aus, die das Ganze irgendwie zu führen scheint. Sie erzählte sofort, alles gehöre der Bank.
    Sie hat lange, weit nach vorne herausragende Zähne, eng zusammen stehende Augen, eine überdimensionierte Brille und große abstehende Ohren. Die grauen dünnen Haare wuseln zwischen Ohren und Zähnen umeinander.
    Aber: sie betonte mehrfach, ihr Mann sei der "Nightmare" ...!
    Jetzt verstand ich irgendwie den Blick und die zweimalige Nachfrage des Mannes im Shop, wo ich nach dem Hotel fragte und er wirklich nochmal meinen Reiseführer selbst lesen wollte, ob er mich richtig verstanden habe.
    Und wenn Madeleine nicht so herzensgut zu mir gewesen wäre, hätte ich mich gruselnd auf die nächsten 80 km radeln eingelassen!
    Madeleine hat mich sofort in ihr Herz geschlossen, fand meinen Namen so schön und ist los gefahren, um von ihrem Bauernhof (frische??) Eier, Milch und Käse zu holen: ich sollte mich unbedingt wohl fühlen!
    In der gleichen Zeit zog ich es trotz Regenwarnung vor, doch lieber mein geliebtes Zelt'chen aufzubauen und darin zu schlagen. Zwischen zwei riesig wirkenden Schafen mit ungeheuerlich langer Wolle und einem Kalb, die ganz lieb miteinander kuschelten!
    Nun dachte ich, in Ruhe zu essen und bald schlafen zu gehen.
    Doch Madeleine wollte alles ganz genau wissen. Dabei rührte sie emsig mein Essen um und wollte irgendwie nicht zu ihrem Mann nach Hause fahren. Dann kam heraus, dass dieser Nightmare Pizza zum Abendessen gemacht habe, die sie hassen würde. Okay, das war also der Grund dafür, dass ich mit Unterhaltung essen durfte!
    Zum Glück kam noch ein Gast, der mehrfach versicherte, gebucht zu haben. Woraufhin Madeleine glücklich war, dass sie ja noch hier sei, aber seit zwei Tagen nicht mehr die Buchungen gecheckt habe. Jetzt musste sie Zimmer aufräumen und Bett beziehen, während ich still und leise nach draußen verschwand.
    Baca lagi