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  • Day56

    47° - im Schatten

    January 24 in Argentina ⋅ ☁️ 20 °C

    Der Agua Negra hat Spuren hinterlassen. Eine unvergessliche Fahrt. Wenn auch nicht ganz folgenlos. Die nicht endenden Schläge und Sätze meines Hinterrades haben mein Federbein gekillt. Seit 2 Tagen läuft das Öl über die Schwinge und das ganze Hinterrad. Gedämpft wird nicht mehr und ständig geht die GS auf Block.
    Wir fahren jetzt östlich der Anden durch argentisches Tiefland. Die Straße führt durch wilde Schluchten in engen Kurven am Abgrund entlang, durch weite abwechslungsreiche Landschaften, an Flussläufen entlang, dann wieder 80 km gerade aus. Aber die Landschaft ist nicht mehr kahl, sondern grün. Dann wird's heiss, nichts kühlt mehr. Die letzten 80 km scheint uns ein großer Föhn ins Gesicht zu blasen. 47 Grad warm ist der. In Rioja haben wir eine Klimaanlage, endlich kühlen wir ab. Nach einem Gewitter hat es um Mitternacht noch 35 Grad.
    Morgens um 7 Uhr fahren wir bei 27 Grad und gefühlt 100% Luftfeuchtigkeit los. Sattgrüne Wälder, Sträucher und tropische Pflanzen um uns. Wir fühlen uns wie im Treibhaus. Aus dem Tiefland zieht sich eine Passtrasse in engen Windungen unter wucherndem Grün hinauf auf knapp 2000 m. Vor mir scheint plötzlich das Allgäu zu liegen. Ein blauer See neben grünen Wiesen, umrahmt von sanften Hügeln. Die Schwüle und Hitze der letzten Stunden ist einer Sommerfrische gewichen.
    Wir übernachten in einem Cabana. Der Besitzer, selbst Motorradfahrer telefoniert mit zig Werkstätten in Argentinien. Ein Federbein für meine 28 Jahre alte GS ist in Argentinien nicht aufzutreiben. Gebraucht findet er für 800 € eine in Buenos Aires. Etwa 500 € kostet sie in Deutschland neu.
    Ich versuche es mit einer Reparatur. Ich bau sie aus und gebe sie einem jungen Mechaniker mit, der sie bis morgen früh repariert haben will.
    Wir werden sehen.
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