Manana nach Südamerika

November 2018 - April 2019
Manana ist Synonym für den Start dieser Reise. Sollte mein Motorrad doch längst in Valparaiso sein. Erst verspätete sich die Abfahrt des Schiffes, dann streikten die Hafenarbeiter in Valparaiso. Wann in San Antonio entladen wird steht in den Sternen.
  • Day124

    Adios Südamerika

    April 2 in Colombia ⋅ 🌧 16 °C

    Nach 4 Monaten durch Südamerika ist die Reise zu Ende. Schon die letzten Tage ohne Motorrad waren eigentlich nur noch ein notwendiges Anhängsel, auch wenn Cartagena und Bogota sehenswerte Ziele sind. Gestern bin ich 22 km durch die Stadt gelaufen und dabei ist mir vieles durch den Kopf gegangen. Gerade hier in Bogota wird deutlich wie weit die Schere zwischen arm und reich auseinander klafft. Etwas das einem täglich vor Augen geführt wird.

    Nicht weniger gegensätzlich ist der ganze Kontinent, jedes einzelne Land. Das ist vielleicht die größte Faszination, der größte Reiz einer solchen Fahrt. Man weiß nie, was einen am nächsten Tag erwartet. Irgendwann hat man alle Höhen und Tiefen erlebt. Daß man sie überwunden hat ist eine immer wieder positive Erfahrung und lässt einen gelassener auf das nächste Unerwartete reagieren. Irgendwie geht es immer, dabei ist auch immer wieder verblüffend wie unkompliziert, hilfsbereit und immer freundlich die Südamerikaner mit uns "Fremden", die wir hier in jeder Hinsicht sind, umgehen. Wieder einmal stelle ich das fest und frage mich ob wir davon nicht etwas lernen sollten.
    Langweilig war kein einziger Tag, an dem es auf dem Motorrad vorwärts ging. Allein das Wetter zog alle Register, zwischen glühender Hitze von fast 50 Grad, tropischer Luftfeuchtigkeit, Schneefall, Hagel und Regen im Übermaß war alles vertreten. Und so hoch hinauf zu fahren wie der Mont Blanc hoch ist war ein besonderes Highlight. Mit den Straussen um die Wette zu fahren, die Flussdurchquerung im Hochwasser und die Fahrt über die legendäre carretera austral, am südlichsten anfahrbaren Punkt der Welt zu stehen, el fin del mundo erreicht zu haben sind unvergessliche Momente. Unvergesslich wird mir auch die Fahrt in Bolivien bleiben, die mich an meine Grenzen gebracht hat und bei der ich keinen Pfifferling auf ein gutes Ende gewettet hätte. Erstaunlich was noch geht, wenn man nur will und was ein Motorrad alles aushält.
    Immer wieder war ich überwältigt von der Landschaft, den Bergen, der unendlichen Weite, den tropischen Gebirgen und und und.... Und dem unbeschreiblichen Gefühl, zu erleben wenn die Erde unter einem wackelt.
    Eine der größten Herausforderungen war auch diesmal, alleine zu fahren. Deshalb sind die ersten Tage und Wochen auch immer die schwierigsten, bis ich mich daran gewöhnt habe. Angst hat mich nie begleitet, weder davor bestohlen zu werden noch davor einen Unfall zu haben, sie wäre ein schlechter Begleiter.
    Und Angst vor dem Fremden ist sowieso unbegründet, wie ich schon oft festgestellt habe. Menschen die einem schlechtes wollen gibt es überall auf der Welt, sie sind aber eine winzige Minderheit. Die meisten Menschen auf der Welt sind anständige Menschen und oft viel freundlicher und unvoreingenommener als wir das erwarten.

    Zurückblickend erscheint es mir wie ein Traum, den ich erst noch verarbeiten muss. Dabei werden mir meine Bilder helfen. Hier im Blog sind übrigens nur die Handy-Bilder.
    Ich bin dankbar das erlebt haben zu dürfen. Ohne Sturz und ohne Blessuren am Ende dieser für mich einmaligen Reise zu sein. Es hat sich gelohnt.

    Bleibt mir nur noch danke zu sagen an alle die hier mitgelesen haben, sich mitfreuen konnten oder Kommentare hinterlassen haben. Das war für mich auch ein Stück Verbindung nach Hause. Wenn man wochenlang alleine mit seinem Motorrad unterwegs ist, keinen Gesprächspartner hat mit dem man Freude und Probleme teilen kann hat dies eine besondere Bedeutung.
    Natürlich gilt ein besonderer Dank meinem treuen Motorrad ohne dessen Geduld und Gelassenheit, bei nicht immer zimperlichen Umgang das nicht möglich gewesen wäre.
    Und etwas unterhaltsamer wurde die Fahrt im nördlichen Teil, wo ich gemeinsam mit Holger und Arnd aus dem hohen Norden Deutschlands gefahren bin. Zwar bin ich doch meistens alleine gefahren aber wir waren trotzdem eine gut harmonierede Truppe. Die Abende waren trotz gewisser sprachlicher Hürden unterhaltsam. Euch dafür vielen Dank.
    Auch allen denjenigen möchte ich danken, die mich in irgend einer Weise unterstützt haben. Das sind einige, und die meisten lesen hier nicht mit. Stichwort Federbein. Ronny Tesch, der für alle Probleme in Chile und Argentinien so eine Art Rückversicherung ist und hilft wenn er kann.
    Letztlich war diese Reise aber nur realisierbar weil meine Frau Verständnis dafür hatte. Ihr gilt mein besonderer Dank.

    Das ist mein letzter Eintrag. Ich sitze im Flughafen Bogota und warte auf den Abflug nach Hause. Darauf freue ich mich jetzt .
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  • Day122

    Bogota

    March 31 in Colombia ⋅ 🌧 17 °C

    Die Hauptstadt Kolumbiens mit etwa 8 Mio Einwohnern liegt auf 2600 m in den kolumbianischen Anden. Damit ist sie nach Quito und Sucre die dritthöchste Hauptstadt der Welt. Die Verarmung der Landbevölkerung und die damit verbundene Landflucht ließen und lassen die Stadt schnell wachsen, insbesondere die Elendsviertel am Stadtrand aber diese gibt es auch in der Innenstadt. Drogenkonsum und Kriminalitätsrate liegen vergleichsweise hoch. Der Anteil der Bevölkerung der sich die notwendigen täglichen Lebensmittel nicht leisten kann lag im Jahr 2000 schon bei fast 15 Prozent.

    Sonntags sind in der Altstadt viele Straßen, auch die Hauptstraßen gesperrt. Nur Fußgänger und Radfahrer dürfen sie nutzen. Es wimmelt von Einheimischen. Die Hauptdurchgangsstraße ist ein einziger Flohmarkt. Es gibt hier nichts, was man nicht kaufen könnte. Das meiste liegt einfach auf der Straße, jeder versucht ein paar Pesos zu verdienen. Dazwischen die Obstverkäufer mit ihren Karren, Darsteller doverser Künste und verkleidete Kinder- Erfreuer und-Erschrecker. Musik überall und dazwischen das Geschrei der Verkäufer. Ich quetsche mich mit der Kamera in der Hand ebenfalls durch. Hier muss man einfach fotografieren. Touristen sehe ich erstaunlicherweise keine. Vor Einbruch der Dunkelheit wird zusammengepackt und der Spuk ist vorbei. Jetzt ziehe ich ohne Kamera allerdings durch die Altstadtgassen und setze mich in eine der zahllosen Kneipen. Auch hier ist jetzt, obwohl es hier oben abends kalt wird, alles auf den Beinen, wenn auch manche Beine zu wenig vertrauenserweckenden Figuren gehören. Die Polizei auf ihren grellgrünen Mopeds ist jedenfalls präsent, was eine beruhigende Wirkung hat. Ich habe jedenfalls nicht die Befürchtung, daß hier jemand mein Geld will. Ausser dem Kneipenwirt jedenfalls. Ich muss doch noch die Kamera holen, gehe zurück ins Hotel und nochmals hinauf nach Candelaria. Da sind plötzlich 8 Polizisten da, als es irgendwo Ärger gibt. Auf ihren kleinen 200 cc Motorrädern sind sie extrem beweglich. Fahren praktisch überall, durch Parks, Grünanlagen, über Gehwege und Treppen. Selbst am Strand entlang zwischen Badegästen durch habe ich sie fahren sehen.
    Bogota ist eine besondere Stadt. Fährt man mit Schrägaufzug oder Seilbahn auf den 3200 m hohen Monserrate hat man einen traumhaften Blick über die Stadt. Da die letzte Bahn erst um Mitternacht zurückfährt sollte man sich in eines der beiden Restaurants mit Aussicht über die Stadt setzen und Essen und Aussicht genießen.

    Bogota ist der letzte Ort meiner Reise und ich genieße diese hier südamerikanisch - karibisch geprägte Welt noch einmal in vollen Zügen. Wer weiß ob ich noch einmal hierher komme, schließlich gibt es noch viele Ziele.
    Vergessen werde ich es jedenfalls nie.
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  • Day121

    Meine "kleine" GS

    March 30 in Colombia ⋅ 🌧 10 °C

    Vorsicht, das ist vermutlich nur für technisch interessierte interessant. Der Rest wird sich langweilen!

    Meine "große" GS ist meine zuverlässige R1100GS mit pannenfreien 210.000 km und auch schon über 20 Jahre alt. Sie war in vielen Ländern auch ausserhalb Europas.
    Vor vier Jahren kaufte ich mir die "kleine" R80GS mit 48.000 km, rüstete sie auf Paris Dakar mit großem Tank um, was sich bewährt hat. Die alten 2-Ventiler GS sind robust, unempfindlich, fahren sich im Gelände auch wegen des größeren Vorderrads besser. Das meiste kann man selbst reparieren. Zweimal habe ich sie zerlegt und folgendes geändert: ölfeste Kupplung, Zündspule der R1100, länger übersetztes Hinterachsgetriebe, Kardanwelle mit wechselbaren, nicht verpressten Gelenken, die man unterwegs selbst wechseln kann, Zylinder und Kolben von Siebenrock, einteilige Kipphebelböcke. Daneben diverse Dichtungen und Kleinteile. Getriebe, Hinterradantrieb und Zylinderkopf habe ich überholen lassen, ein langer 5. Gang wurde dabei eingebaut. Höhere Einzelsitzbank von Touratech, genauso wie Kofferträger und Koffer ist sinnvolle Ausstattung. Tiefe Fussrasten und stärkere Federn vorne. Das Federbein wollte ich eigentlich auch tauschen, wäre gut gewesen, hätte mir viel Ärger erspart.

    Mit meiner kleinen GS war ich 2016 in Russland, Wolgograd, dem einstigen Stalingrad und dem Baltikum.
    2017 vom Allgäu über die Seidenstraße und durch den Pamir in die Mongolei und 2018/2019 nun in Südamerika. Sie ist immer ohne zu murren gelaufen, brauchte unterwegs nie Wartung und in Südamerika exakt 1,2 Liter Öl. Nicht etwa auf 1000 km, sondern auf die gesamte Distanz! Was sie auf diesen Reisen auszuhalten hatte kann nur beurteilen wer solche Straßen kennt. Schläge, bei denen ich manchmal Mühe habe den Lenker festzuhalten. Daß Federbeine dabei den Dienst quittieren darf einen nicht wundern.
    Ihr Anteil am Gelingen dieser Reise durch ganz Südamerika war entscheidend. Ja, ja ich weiß, ein Motorrad ist eine Maschine. Ist man so lange damit unterwegs hat man da eine besondere Beziehung dazu. Man kann mit ihr reden, bekommt keinen Widerspruch. Nein, es ist eben nicht nur eine Maschine. Das muss man nicht verstehen. Mir ist diese kleine hommage an mein Motorrad aber wichtig.
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  • Day120

    Adios Cartagena

    March 29 in Colombia ⋅ ⛅ 28 °C

    Am Freitag geht es südamerikanisch weiter. Wir entscheiden uns erst mal für das "La Brioche", ich genieße das letzte Mandel Croissant, als kurz nach 10 ein Anruf von Louis, unserem Agenten kommt. Man würde jetzt auf uns warten, wir sollen doch gleich kommen. Vereinbart war 1 Uhr. Glücklicherweise hat Croissant und Kaffee seinen Bestimmungsort schon erreicht. Dem Taxifahrer sagen wir, Formel 1 sei angesagt, so fährt er dann auch. Dann gut eine halbe Stunde mit den Motorrädern durch die Stadt, jetzt erst fällt die Größe Cartagenas auf. Im Hafen werden wir zu einem großen Platz gelotst und warten. Um 17.30 stehen wir immer noch, ich glaube nicht mehr dass es klappt. Dann kommen 2 Polizisten auf dem Moped, begrüßen uns freundlich, entschuldigen sich, dass sie jetzt erst kommen und machen Stichproben. Mein großer Tank scheint suspekt, ideales Drogenversteck. Aber es riecht nur nach Benzin. Auch die Luft aus den Reifen riecht offenbar unverdächtig.
    Jetzt ist es eilig. Wir fahren zum
    Container, mit Motorrädern haben die Verlader keine Erfahrung. Im Licht der Scheinwerfer und Handys verzurren wir die Motorräder selbst, nageln Hölzer in den Boden um die Räder zu fixieren. Mühsam und schweißtreibend. Um kurz vor acht wird verplompt. Wir haben es geschafft.
    Duschen, essen, packen. Morgen früh nach Bogota.
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  • Day119

    Manana - Südamerika ist anders

    March 28 in Colombia ⋅ ⛅ 28 °C

    Nach 4 Monaten habe ich mich an das südamerikanische Chaos gewöhnt. Es ist allgegenwärtig, nicht nur im Straßenverkehr. Im Restaurant beispielsweise. Auch in "guten" Restaurants. Man wählt aus der Karte. Der"Ober" kommt, ausser in Kolumbien übrigens fast immer Männer, man bestellt. Danach wird das bestellte nochmals wiederholt, ob es auch stimmt. Nach 2 Minuten kommt der Mann zurück, leider gibt es dieses Bier nicht, nur dieses oder jenes. OK, 3 Minuten später kommt er wieder, nein sie haben keine Tomaten, dieses Gericht gibt es also gerade nicht. Dann kommen zwei Essen, den dritten haben sie vergessen. Alles ganz normal.

    Für Montag hatten wir schon vor 3 Wochen den Abgabetermin für die Motorräder vereinbart. Donnerstag vorher ruft der Agent an, wir müssten schon am nächsten Vormittag um 10.00 Uhr bei ihm sein. Montag sei Feiertag. Das war ihm vorher anscheinend nicht bekannt. Hätten wir aber nicht geschafft, wir scannen alle Dokumente und schicken sie ihm per mail. Neuer Termin Dienstag. Aber nur zum Unterschreiben und zum Notar. Abgabe der Motorräder soll jetzt Freitag sein. Holger hat seinen Rückflug nach Deutschland bereits am Samstag. Wir wollen heute morgen um 8 Uhr gerade wegfahren zum Hafen, Anruf Agent, Termin erst am Nachmittag ... wie es weitergeht werden wir sehen. Holger will morgen fliegen, ich habe gestern meinen Flug nach Bogota auf Samstag gebucht.
    Alexander und Roswitha, die beiden Südtiroler warten seit 2 Wochen hier auf den Zoll- und Verladetermin nach Barcelona. Ihr Motorrad wurde gestern akribisch auf Rauschgift untersucht. Das ist üblich und steht uns auch bevor.
    Die beiden wollten eigentlich bis Kanada weiterfahren. Da sie letztes Jahr im Iran waren können sie nicht durch die USA fahren. Ein Visum könnten sie nur in Mailand persönlich anwesend beantragen, Dauer 3 Monate. Sie reisen jetzt ohne Motorrad bis Mexiko und fliegen von dort nach Kanada.
    Manana werden auch wir wissen, wie lange manana noch dauert.
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  • Day116

    Cartagena de Indias

    March 25 in Colombia ⋅ ☀️ 30 °C

    Die 1 Millionen Stadt Cartagena gilt als die schönste Stadt Kolumbiens. Das verdankt sie weniger dem auffallend gepflegten neuen und modernen Stadtteil, als vielmehr der gut erhaltenen Altstadt hinter der bis zu 8 m dicken Stadtmauer aus Korallenstein. Die zahlreichen alten Kolonialbauten der 1533 gegründeten Stadt sind gepflegt. Der Name stammt von der spanischen gleichnamigen Stadt, der Zusatz "de Indias" stellt den Bezug zu Westindien her. Die von den Spanierin gegründete Stadt war damals einer der wichtigsten Häfen. Wo im 16. und 17. Jahrhundert ein Hauptumschlagplatz für den Sklavenhandel war treten sich heute Touristen die Füße platt. Erstere mußten die Stadtbefestigung bauen, letztere sind für die negativen Begleiterscheinungen verantwortlich, die Massentourismus, der hier wie nirgendwo sonst in Kolumbien zu Tage tritt, so mit sich bringt. Die Preise in Restaurants sind mindestens doppelt so hoch wie im Rest des Landes. Bettelnde Kinder und Erwachsene, auch ganze Familien sind allgegenwärtig. Insbesondere abends, wenn die Straßen und Lokale voll sind, überall Musik zu hören ist, wird es doch auch nachts nie kalt. 28 Grad beträgt die Durchschnittstemperatur und die hat es meist auch noch nachts um 0 Uhr. Abgesehen von den regelmäßig ausgespuckten Kreuzfahrern der Neuzeit fallen viele US-Amerikaner auf, ist doch Miami gerade mal 1700 km entfernt.
    Punktabzug gibt es aber mal wieder für die fehlende Kaffeekultur. Gute Cafés muss man auch hier, und das im Kaffeeland Kolumbien suchen wie die Stecknadel im Heuhaufen.
    Cartagena gilt auch als die sicherste Stadt Kolumbiens, was ganz aktuell wieder Gewicht bekommt, hat doch gestern das Auswärtige Amt vor einem Befahren der Panamericana in Kolumbien und der Parallelstrecke gewarnt. Die ELN, eine marxistisch orientierte Guerilla-Truppe hat dort Straßensperren errichtet. Nach einem Anschlag auf eine Polizeischule im Januar wurden Gespräche mit der Regierung abgebrochen und es wird eine neue Gewaltwelle befürchtet. Die Süd - Nord Verbindung, über die wir noch vor einer Woche her gefahren sind ist damit derzeit nicht mehr oder nur mit großem Risiko befahrbar. Bleibt zu hoffen dass das langsam wieder gewonnene Vertrauen in die Stabilität Kolumbiens nicht leidet.

    Über Cartagena ließe sich noch vieles schreiben, auch weil die Stadt eine bewegte Geschichte hat. Piraten und Freibeuter wie Francis Drake bissen sich daran die Zähne aus wie auch Heere von mehreren tausend Mann. Die geniale Festung San Felipe, die größte Festung der Spanier und besterhaltene in der gesamten Karibik schützte die Stadt und galt lange als uneinnehmbar.
    Zweifellos eine faszinierende Stadt.
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  • Day114

    Cartagena - Ende der Fahrt

    March 23 in Colombia ⋅ ⛅ 30 °C

    Irgendwann mußte es so kommen. Ich stehe vor großen bunten Buchstaben die zu "Cartagena" zusammengesetzt sind. Einer der Eisverkäufer macht einige Bilder von meinem Motorrad und mir. Natürlich mußte ich heute noch einmal alleine fahren. Alleine mit meiner alten GS, die mich schon durch Russland und über den Pamir in die Mongolei getragen hat.
    An einem heißen schönen Tag sind wir durch eine eher trockene Landschaft gestartet und haben noch einmal alle Abstecher ausgekostet. Durch Tiefsand zu einem einsamen Strand oder zu dem Vulkan Totumo, der Schlamm spuckt, in den man eintauchen kann. Ich muss noch einmal unter das Blechdach einer er zahllosen Straßenbuden sitzen und eine eiskalte Cola trinken.
    Mir wird bewusst, was ich wohl alles vermissen werde. Die immer freundlichen Südamerikaner ganz bestimmt.
    15000 km habe ich seit dem südlichsten befahrbaren Ende der Welt, Fin del Mundo, zurückgelegt, fast 20000 km seit Valparaiso.
    Heute ist der letzte Fahrtag gewesen.
    Von Cartagena wird mein Motorrad die Heimreise per Schiff voraussichtlich nächste Woche antreten. Ich werde ab Bogota fliegen.
    Weiterzufahren bis Alaska, wie ich es gerne gemacht hätte ist keine Option. Mein Rücken, der seit vielen Wochen Schmerzen verursacht braucht eine Pause. Aber auch mein Speicher im Kopf ist voll. Aber schließlich brauche ich ja noch Ziele für die Zukunft.
    Die nächsten Tage muss die Verschiffung geregelt werden, dazwischen wird genügend Zeit für Cartagena bleiben.
    Ein bisschen traurig bin ich trotzdem, aber auch ein bisschen stolz, es geschafft zu haben, leicht hat es mir Südamerika nicht immer gemacht. Aber schließlich war das ja auch kein Urlaub.
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  • Day112

    Die Küste entlang

    March 21 in Colombia ⋅ ⛅ 28 °C

    Wir haben es nicht eilig nach Cartagena zu kommen. Also wird unsere Tagesetappe noch kürzer als schon zuletzt. Entlang der Küste geht's durch viele kleine Orte. Überall werden am Straßenrand Früchte verkauft. Vor allem Kokosnüsse wachsen hier überall. Aber auch Ananas, Bananen, Mangos und solche, die ich auf Anhieb nicht kenne. Platz zum Mitnehmen ist auf dem Motorrad nicht. Und natürlich ist es heiß, anhalten sollte man nur im Schatten. Unterwegs locken die Sanddünen zu einem Abstecher ein aber natürlich müssen wir die vollbeladenen Boxer irgendwann ausbuddeln. Der Dreck entlang der Straße und in den Dörfern nimmt deutlich zu. Haben wir Kolumbien bisher als ziemlich sauberes Land erlebt, ändert sich das hier und erinnert an Peru.
    In Santa Veronica quartieren wir uns in einem netten älteren Hotel direkt am Meer ein, aber der Wind bläst um diese Jahreszeit kräftig und trotz des warmen Wassers ist ist kein Badewetter. Besser man geht in eines der sehr authentischen Strandrestaurants und legt sich in eine Hängematte.
    Das ist der richtige Ort zum abhängen, nur das Kaffee - und Kuchen Angebot ist stark ausbaufähig. Morgen läßt sich dann die Fahrt nach Cartagena nicht mehr vermeiden. Das wird meine letzte Fahrt in Südamerika mit meiner GS sein. Ich will es einfach noch nicht glauben.
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  • Day111

    Wie im Urlaub

    March 20 in Colombia ⋅ ⛅ 28 °C

    Endlich mal Urlaub, schließlich ist hier die Karibik und ich habe immer gesagt, diese Reise ist kein Urlaub. (Sonst wäre der für 2019 ja schon verbraucht). Aber jetzt kommen doch ein paar Urlaubstage.
    Auch Santa Marta hat natürlich einen Strand. Flach, klar, ziemlich sauber, Wasser gerade so warm dass ich nicht frieren muss, sofern ich mich bewege.
    Am Strand ist es laut, irgendwo läuft immer Musik und alle 15 Sekunden kommt ein fliegender Händler. Eis, Bier, Drinks, Massage, Kaffee, Busfahrten, Mittagessen, Lutscher, Spielzeug, einfach alles und wird sofort geliefert. Nur Liegestühle gibt's nicht. Aber Pavillons für den dringend nötigen Schatten, der Tag zu 8 € inklusive Stühlen, aber keine Liegestühle.
    Wir fahren einen Tag lang mit einem klapprigen vollgestopften Kleinbus in die Kristallbucht. Von da mit dem Boot in die nächste. Hier könnte Robinson gespielt haben. Ich schließe die Augen und stell mir das vor. Schön. Beim öffnen muss ich allerdings feststellen, das Robinson viele Anhänger gefunden hat.
    Hier gibt es ein Korallenriff und man kann schnorcheln.. Dazu muss man eine Schwimmweste anziehen. Abtauchen geht nicht mehr. Sonst wäre von den Korallen wahrscheinlich nichts mehr da. Wir essen toten Fisch zum Gringopreis, aber das ist immer noch billig und ich bewundere die vielen bunten ( lebendigen) Fische zwischen den Korallen beim schnorcheln. Muss man mal gesehen haben, ist beeindruckend schön. Dann gelingt es mir noch ein Bild am Strand ohne Menschen zu machen. Nicht so einfach. Aber ein ganz klein bisschen Südseefeeling kommt doch auf. Allein das schnorcheln hat sich schon gelohnt. Wie ein richtiger Urlaubstag.
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  • Day110

    Venezuela ist überall

    March 19 in Colombia ⋅ ⛅ 28 °C

    Dass es im Nachbarstaat Venezuela zur Zeit nicht zum Besten steht kann man auch im 10000 km entfernten Deutschland in den Nachrichten verfolgen. Aktuell scheint es dort gerade in den Hintergrund gerückt zu sein, verfolgt man die Tagesschau.
    Anders in Südamerika. Schon in Chile und Argentinien wurden immer wieder die vielen venezulanischen Flüchtlinge beklagt. Wahrgenommen habe ich die Venezulaner eigentlich nicht. In Peru erklärte uns eine Frau den Unterschied. Die Venezulaner seien lockerer gekleidet. Sie zeigte auf ihre hoch geschlossene Bluse und meinte, die Venezulanerinnen zeigten mehr Haut. Es gäbe viele hier im Ort. Überall ist das so. Im Servicebereich haben wir viele Flüchtlinge getroffen und auch mit ihnen gesprochen. In den Städten stehen ganze Familien und bitten um Hilfe. Kinder betteln, Frauen versuchen für Centbeträge Kleinstartikel an der Straße zu verkaufen.
    In Salento erklärt uns eine Englisch-Lehrerin aus Venezuela ausführlich die Probleme. Sie könne von ihrem Gehalt zu Hause nicht mehr leben. Auf den Banken gebe es kein Geld. Wir können uns das kaum vorstellen. Das Geld reicht nicht zum Leben.
    Spricht man mit Kolumbianern, hört man wenig Gutes. Die Flüchtlinge bekämen Geld vom kolumbianischen Staat und der Kirche, wollten aber nicht arbeiten.
    Kommt irgendwie bekannt vor. Auf jeden Fall ist das Problem viel größer, als es im deutschen Fernsehen dargestellt wird. In ganz Südamerika ist das ein brennendes Problem.
    Nicht nur in Europa gibt es ein Flüchtlingsproblem und nicht nur dort gibt es dazu schlechte Stimmung.
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