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  • Day44

    Lima - so hässlich und grau

    December 10, 2019 in Peru ⋅ ☁️ 4 °C

    5 Tage wollten wir in Lima bleiben
    4 Nächte, um genau zu sein
    3 sind wir gelieben
    2 hätten gereicht
    1 Nacht sollte es gaaanz ursprünglich werden, aber übermotiviert wie wir waren, verlängerten wir direkt am ersten Tag in dieser doch eigentlich langweiligen Stadt.

    Empfehlung: Pariwana-Hostel (gut, sauber und günstig)
    Was haben wir erlebt?

    MAGIC FOUNTAIN TOUR
    War ganz nett, unser Guide war verrückt- und zwar verrückt nach surfen. Sein Beruf und leidenschaft - hat er jedem auf die Nase gebunden und fleißig mit eindrucksvollen Bildern um neue Schüler und Insta-Follower geworben.

    FREE GUIDED TOUR durch die Altstadt.. naja "Alt" ist relativ: Lima wird immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Daher ist der Springbrunnen in der Mitte des Plaza de Armas auch das älteste "Gebäude". Nette Anekdote: Anlässlich einer Feier zum Tag des peruanischen Nationalgetränkes (Pisco) wurde der Brunnen 2010 mit 2.000 Liter Pisco gefüllt. Einige Anwohner kamen mit Kanistern, die Kirche war leer und auf dem Platz waren alle angetrunken.

    BARRANCO TOUR - wir haben uns gegen die englisch-sprachige Tour entschieden - zugunsten der spanischen Fassung. Mal schauen wie weit wir mit unseren spektakulären Spanischkünsten kommen: tolle Graffitis haben wir geshen, inhaltlich kann ich nichts berichten 😜. Haha, naja Spaß ein wenig haben wir schon gelernt: dass Lima eine der trockensten Hauptstädte der Welt ist. "In Lima regnet es nie." hören wir bereits zum zweiten Mal. Lima liegt in der großen Wüste, die sich an der Pazifikküste Südamerikas entlangzieht. Diese karge Region gehört zu den ungewöhnlichsten Klimazonen der Welt und sie geht von der Sechurawüste Norden in die südliche Atacamawüste über. Westlich das Meer, östlich die Anden - ein wahrer Regenschatten. Wie das? Ein kleiner Thermodynamik Crashkurs: Die von Osten kommenden Passatwinde kühlen in den Anden stark ab und verlieren ihre Feuchtigkeit (Kondensation). Es gibt zwei weitere Faktoren, führe ich hier aber nicht weit aus. Resultat: kein Regen, das letztemal hat es hier zu Halloween geregnet - letzten Jahres! 😂
    Es entsteht eine Wüste in der es keinesfalls wirklich heiß ist. Jetzt das kuriose: dennoch ist die Luftfeuchtigkeit extrem hoch - tiefe Wolken und eine dichte Nebeldecke, (von den limeños = Einwohner Limas GARÚA genannt) zieht vom Pazifischen Ozean heran. Es können Monate verstreichen, ohne dass sich ein Sonnenstrahl blicken ließe. Obwohl die Region in den Tropen liegt, bewegen sich die Temperaturen zwischen 16 und 18°C. Im Winter steigt die Luftfeuchtigkeit wohl bis zu 95 Prozent, ohne dass es regnet!

    Außerdem haben wir FAHRRÄDER AUSGELIEHEN - Gros bisou à Mélanie. Nous avons tellement apprécié le temps passé avec toi! Zu dritt nutzen wir den (wie auch in Peru immer sonntags teils autofreien) Sonntag und leihen uns Fahrräder. Besser gesagt: Micha und Méla mieteten drei Bikes: ich hab mich aus der Orga zurück gezogen und verfolge stattdessen ein eigenes Projekt*. Die Radtour war genial, auf dem Weg haben wir die überraschend besten Empanadas meiner bisherigen Reise am Straßenrand für 25cent gekauft. Durch die Stadt mit Ziel zum Strand.. doch wie kommen wir da runter? Lima ist an einer äußerst steilen Klippe gebaut. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß muss man also zunächst eine der Treppen nach unten finden. Fahrrad und Treppe? Hmmm. Naja, runter geht's ja, sind viele Stufen, aber das Fahrrad schafft das schon. Dass wir auch wieder hoch müssen,.. tja, dassss konnten wir so überhaupt nicht vorhersehen und ließen die Bikes munter fröhlich runter hoppeln. Noch über eine Brücke und wir sind fast da, oh Moment, eine Aussichtspunkt - Sufern bei ihrer Arbeit zuschauen. Wollen schließlich noch etwas sehen! Mit salzigen Fahrtwind in der Nase fahren wir einige Kilometer am felsigen Strand. Wollen Baden, ist zwar wie immer bewölkt, aber auch warm - also rein ins Wasser. Brrr. Kalt. Zum Glück nur die erste Schocksekunden. Micha haben wir draußen gelassen, muss ja jemand auf die Sachen aufpassen. Naja, wollen wir Mal nicht so sein, ich löse ihn ab und genieße die Seeluft. Nach vermutlich einer guten Stunde am Strand finden wir zu unseren eigentlich geplanten Aktivität zurück: schwingen uns auf die Bikes und weiter geht's. Doch Moment, in welche Richtung? Wir sollten eigentlich wieder zurück. Fahren lieber ein Stück weiter, in der Hoffnung eine gute Rampe nach oben zu finden. Fehlanzeige. Fahrrad tragen.

    * mein parallelprojekt: Handy lädt seit zwei Tagen nicht - es ist nach der hohen Luftfeuchtigkeit im Dschungel bereits das erste mal in den Hungerstreik getreten und verweigert nun erneut die Nahrungsaufnahme. Egal was ich mache: angeblich sei Wasser in der USB-Buchse und das Handy kann folglich nicht geladen werden. Ich werde es mehrere Tage im Reisbeutel mit mir herum tragen... Und eiinige Geschäfte erfolglos nach einem kabellosen Ladegerät abklappern. Handy bleibt weiter im Reisbeutel.. Hehe. Jedoch nicht ohne eines Abends einen Teil des Reis' zu einem leckeren Abendessen weiter zu verarbeiten. 😉

    Gestern letzte Abend und wir gehen tanzen: so gut. Soo gut. "Soooo gut" um Micha Mal zu zitieren - ich fühle mich wohl. Denn ich bin nicht der einzige, der einfach wie dumm auf denn nächsten Tanzabend geiert. So viele gute Tänzer um uns herum und witziger Weise werden wir bestaunt - welcher Gringro kann schon tanzen. Gestern hatte ich sogar meinen persönlichen Fanclub: eine brasilianische Surflehrerin und ein Appentwickler aus LA feuerten Johanna und mich an - das ist schon fast untertrieben, die beiden sind regelmäßig ausgeflippt. War schon witzig. Johanna ist seit 20 Jahren Tänzerin und wiederholt immer wieder: another dance. Es ist verrückt, aber auch extrem selten: denn gute Parties zu finden ist schwer - gute Tänzerinnen aufgrund meiner Größe noch schwerer. Und überhaupt, wir haben viele Clubs abgeklappert, oft standen wir vor verschlossenen Türen. Entweder waren die Locations "gerade heute nicht geöffnet" oder Pleite und "für immer geschlossen".

    Lima, eine pulsierende Metropole.. aber eben auch kaum wirkliche eigene Highlights - eher das, was man in jeder großen Stadt findet.
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