Joined April 2022
  • Day24

    Santiago de Compostela - Frankfurt

    September 29, 2022 in Spain ⋅ ⛅ 16 °C

    - Glaube kann Leben malen! -

    Mein ganz persönliches Reisefazit würde ich wohl wie folgt formulieren:

    Eigentlich stell ich mir mein Leben ja wie eine Postkarte vor. Auf der einen Seite ein buntes Bild, das mir Hoffnung und einen Weg zeigen will. Auf der anderen Seite ein leeres Stück Papier, das wohlbedacht beschrieben werden will - von mir. Was am Ende bleibt ist eine Buchstabensammlung die Gedanken formt und inspirierende Erfahrungen teilt.

    Und du fragst mich, was mein Ziel im Leben ist?
    Nach etwas Größerem streben. Nach etwas, dass nicht greifbar aber dennoch immer erreichbar ist. Nach etwas, was mich von innen und außen berührt und erfüllt, dass mich lenkt und meinen Weg bestimmt.

    Eine meiner Lieblingsbibelstellen:
    "Ich bin das Alpha und das Ómega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. (Offb 22,13)
    #faith#hope#love

    Erkennungszeichen der frühen Christen sind die gekreuzten griechischen Buchstaben Chi und Rho (XP) als Anfang des Namens Christus. Jesus wartet auf uns, er wartet auf mich. Bei ihm darf ich an- und heimkommen - symbolisch dafür steht die Kathedrale in Santiago de Compostela. In der Kathedrale befinden sich die Anfangsbuchstaben Jesu in vertauschter Reihenfolge - dort steht erst das Omega, dann das Alpha. Nach dem Pilgerweg geht es also weiter. Die Kathedrale ist nicht das Ende. Santiago de Compostela ist ein Ort des Ankommens, der Umkehr und des Weitergehens.

    Thank you lord!
    Der, der Berge bezwingt,
    der sich mir annimmt.
    Der mit mir Mauern niederreist
    und mein Herz enteist.
    Der mich liebt,
    der mich zur Hingabe bringt.
    Der mich zu nichts zwingt,
    mich zu Tränen bringt.
    Der, der Kämpfe durch Worte besiegt,
    sich dem Plan seines Vaters hingibt.
    Amen!

    Alleinreisen ~ eine Momentaufnahme
    Pures Glück. Offen für alles und jeden. Kein eingeschränkter Blick, nicht ausschließlich auf Mitreisende fokussiert. Ansprechbar. Ich muss mich nach nichts und niemandem richten. Niemand verlässt sich auf mich, außer ich selbst. Mein eigener Tagesplan. Keine Sicherheit durch andere. Lachen, Freude. Ich genüge mir selbst vollkommen. Ich beobachte, nehme genauer und intensiver wahr, bin aufmerksamer. Ich bemerke, wie viel Kraft und Stärke ich selbst besitze. Selbstsicherheit darf wachsen.

    Mal schauen was als Nächstes kommt. Ich fühle mich jetzt so richtig bereit zum Weiterreisen. Einmal quer durch Irland wandern, der Almenweg durch Österreich, der Olafsweg in Norwegen - an Ideen und möglichen Wegen mangelt es mir auf jeden Fall nicht.

    - innere Notwendigkeit -

    Zum Tag:

    Wie immer war ich viel zu früh am Flughafen. Die ersten drei Stunden Wartezeit gingen dann ganz schnell um, während ich mich mit einem Mann aus Norwegen, genauer aus Trondheim, unterhielt. Natürlich hat das Flugzeug am Ende auch noch zwei Stunden Verspätung, weil die französische Flugsicherheit streikt - warum sollte das hier auch anders als mit dem Zug sein, außerdem muss die Reise ja auch so aufhören wie sie angefangen hat - chaotisch. Was den endgültigen Abschied aus Santiago dann zusätzlich noch erleichtert, ist das regnerische und kühle Wetter am Morgen. Beim Abflug scheint dann aber natürlich wieder die Sonne.

    „Mein Herz liegt da, auf der Welt verstreut. Nur dort kann der mich finden, der mich sucht! Und damit schließe ich das Buch.“
    (Lina Maly)
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  • Day23

    Last day in Santiago de Compostela

    September 28, 2022 in Spain ⋅ ☁️ 18 °C

    - Meine Gedanken, die Weggefährten. -

    Mir sind auf dem Weg wieder ein paar Zeilen eines Poetrys eingefallen, die ich bereits vor längerer Zeit aufgeschrieben habe. Irgendwie fassen sie meine Eindrücke und Gedanken der Reise ganz gut zusammen:

    Von Kioskwägen und Hamsterrädern
    Leere Straßen, wieder eine kalte, dunkle Nacht. Um uns herum himmelhohe, uns erdrückende Gebäude und wir stehen unten - verstummt.
    Wie ein Hamster im Rad, der keine Zeit für den Blick in eine andere Richtung hat, kommen Gedanken ins Rollen obwohl wir eben noch dachten dem Alltag zu entkommen.
    Nach dem uns heute wieder so viele Eindrücke erreichten, wir Entscheidungen fällten und uns Sinnfragen stellten, fragen wir nun konkret danach, was dein, nein was mein Leben wirklich erhellt.
    Weiter ziehen wir durch die dunklen Straßen, landen vor einem hellerleuchteten Kioskwagen, der den heutigen Tag perfekt darstellt.
    Viel zu viele Angebote die uns scheinbar drohend gegenüber stehen, wir wagen gar keines auszuschlagen, wir könnten ja was verpassen, dann am Rande stehen und gar nicht mehr mitreden.
    Also - entscheiden wir uns für ein Leben, vollgestopft vom Alles nehmen und Alles geben bis wir irgendwann bemerken, dass wir so nicht weiter machen wollen.
    Was mein Leben wirklich erhellt? Das sind die einzelnen Lichter im Hintergrund, die es wieder wahrzunehmen gilt.

    - Alles hat seine Zeit. -

    Zum Tag:

    Um 7:30 Uhr machte ich mich im Nieselregen auf den Weg, um um 8 Uhr in der Igrexa de San Fiz de Solovio, der wahrscheinlich ältesten Kirche Santiagos, die deutsche Pilgermesse mitzufeiern. Wir waren zu acht im Altarraum und die Feier war ziemlich familiär. Der Lesungstext, Kohelet 3, war mehr als passend.

    „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären / und eine Zeit zum Sterben, / eine Zeit zum Pflanzen / und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen, eine Zeit zum Töten / und eine Zeit zum Heilen, / eine Zeit zum Niederreißen / und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen / und eine Zeit zum Lachen, / eine Zeit für die Klage / und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen / und eine Zeit zum Steinesammeln, / eine Zeit zum Umarmen / und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen / und eine Zeit zum Verlieren, / eine Zeit zum Behalten / und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen/ und eine Zeit zum Zusammennähen, / eine Zeit zum Schweigen / und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben / und eine Zeit zum Hassen, / eine Zeit für den Krieg / und eine Zeit für den Frieden.
    Wenn jemand etwas tut - welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt?
    Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht.
    Das alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit. Überdies hat er die Ewigkeit in ihr Herz hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.
    Ich hatte erkannt: Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich und so verschafft er sich Glück, während er noch lebt, wobei zugleich immer, wenn ein Mensch isst und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennenlernt, das ein Geschenk Gottes ist. Jetzt erkannte ich: Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden und Gott hat bewirkt, dass die Menschen ihn fürchten. Was auch immer geschehen ist, war schon vorher da, und was geschehen soll, ist schon geschehen und Gott wird das Verjagte wieder suchen.“

    Nach dem Gottesdienst ging ich mit Hannah, die auch im Gottesdienst war, frühstücken und wir bummelten durch die Straßen. Mittags ging ich mein letztes Pilgermenü essen. Dort traf ich später auch Nina wieder, die ich vor zwei Tagen in der Herberge in Finisterre kennengelernt hatte. Während sie sich auf ihren Weg machte, nutzte ich die Zeit, in der es heute ausnahmsweise mal nicht regnete und setzte mich noch ein letztes Mal auf den Kathedralplatz. Ich redete mit ein paar Italienern und Argentiniern, die den Küstenweg ab Porto in neun Tagen gelaufen sind, da sie nicht mehr Zeit hatten. Nach dem ich ein paar Fotos von ihnen gemacht hatte, fragten sie mich, ob ich Lust habe, etwas mit ihnen trinken zu gehen. Aber ich lehnte ab, irgendwie brauchte ich gerade nochmal etwas Ruhe. Als mir kalt wurde, suchte ich das nächste Café. In dem saß ich so lange, bis die Führung durch die Kathedrale von der deutschen Pilgerseelsorge begann - da traf ich dann auch Toni und Hannah wieder.
    Achso, und da ich ja heute solange Zeit hatte, dachte ich, ich schaue mal nach, wie lange die Autofahrt von Porto nach Santiago und nach Finisterre dauert. Für den Weg, für den ich mir 19 Tage zu Fuß Zeit nahm, brauchen Autofahrer wohl bis zu 4h 15min.
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  • Day22

    Finisterre - Santiago de Compostela

    September 27, 2022 in Spain ⋅ ⛅ 20 °C

    - Weil ich wie immer nicht da sein will wo ich bin und wenn ich dann woanders bin, will ich auch schon wieder weiter. -

    Auf der Klotüre in der Herberge in Finisterre steht „You’re answer to the Camino is Jesus. Jesus is the way to heaven“. Alles ist endlich, auch mein Weg nach Santiago und nach Finisterre. Der einzige, bei dem die Endlichkeit zur Unendlichkeit ausgeweitet wird ist Jesus. Darum lohnt es sich schlussendlich auch nur an ihm festzuhalten und nicht an alledem, das vergänglich ist. Das bedeutet aber nicht, dass alle meine Erlebnisse der vergangenen Wochen nichts Wert wären. Im Gegenteil, sie sind es sehr wohl, allerdings soll mir die Akzeptanz des Vergänglichen helfen, in zwei Tagen wieder in meinen Alltag zurückkehren zu können. Und der Gedanke daran ist gerade alles andere als einfach. Warum? Ich will nicht festgefahren irgendwo festsitzen. Ich fühle mich überhaupt nicht dazu bereit nach Deutschland zurück zu fliegen. Gerade habe ich mich so daran gewöhnt unterwegs und jeden Tag wo anders zu sein. Weil sich Deutschland nicht wie ein zu Hause anfühlt, sondern die Welt, weil ich noch nicht meinen Ort zum Bleiben gefunden habe.

    „Wenn dein Herz wandert oder leidet, bring es bahutsam an seinen Platz zurück und versetzte es sanft in die Gegenwart Deines Herrn. Und selbst wenn du in deinem Leben eben nichts getan hast, außer dein Herz zurück zu bringen und wieder in die Gegenwart unseres Gottes zu versetzen, obwohl es jedes Mal wieder fortlief, nachdem du es zurückgeholt hattest, dann hast du dein Leben wohl erfüllt.“ (Franz von Sales)

    - Wenn (m)ein Herz wandert … -

    Zum Tag:

    Während die ersten Fischer mit ihren Booten den Hafen verlassen, verabschiedete ich mich, am dunklen Hafen stehend, von Finisterre und fragte mich, warum ich nicht noch einen Tag länger am Strand bleibe. Naja was soll’s. Vor Tagen hatte ich meine Rückfahrt gebucht. Dann verbringe ich jetzt einfach noch zwei schöne Tage in Santiago. Meine BlaBlaCar fahrt mit Luis und drei anderen Mitfahrern aus Italien, Neuseeland und der Ukraine war sehr entspannt. Wieder zurück in Santiago lief ich 2 km in die Stadt rein, bin ein paar Mal die 2 km zu meiner Herberge und wieder zurück in die Stadt gelaufen aber trotzdem war ich innerlich kurz beleidigt und traurig nicht „richtig“ laufen und auf dem Camiño unterwegs sein zu dürfen. Um 9 Uhr heute morgen staute sich in Santiago alles, rushhour eben, da war ich zu Fuß sogar schneller. Der Morgen war trüb, kalt und neblig, die Stadt wachte langsam auf. In der Stadt angekommen suchte ich mir ein Café, um die Zeit bis zum Check-In in meiner Herberge zu überbrücken. Ich verkroch mich in‘s letzte Eck und konnte von dort aus das gesamte Geschehen um mich herum beobachten. Außerdem brauchte ich und nutze ich die Zeit dazu, Eindrücke zu verarbeiten und aufzuschreiben. Irgendwann saß am Nachbartisch einer, der das Selbe tat - auch fast drei Stunden aufschreiben, formulieren und dabei nur nichts vergessen. Im selben Café machte ich ein Bild von einem Ehepaar, dass das mit dem Selfie machen nicht so ganz drauf hatten (was sie sehr sympathisch machte) und ich unterhielt mich kurz mit ihnen. Sie fragten, ob ich gerade in Santiago angekommen bin. Als ich ihnen erzählte, dass ich gerade aus Finisterre zurück komme sind sie begeistert und sie fragen mich, ob es sich lohnt, dort hinzu gehen bzw. dorthin zu fahren, denn sie möchten mit dem Bus dorthin. Am Nachmittag war ich wieder auf dem Platz vor der Kathedrale zu finden - einer meiner Lieblingsplätze. Dort schrieb ich meine einzige Postkarte der Reise und die ging an die Kinder und Jugendlichen in der Inobhutnahme, in der ich vor meinem Abflug sechs Wochen arbeitete. Zwischenzeitlich erreichte mich die Nachricht, dass mich die Kinder vermissen und auch ich habe in den letzen drei Wochen immer wieder gerne an sie gedacht und mich gefragt, wie es ihnen geht und wie ihr Lebenscamiño wohl gerade aussieht und in Zukunft aussehen mag. Manchmal dachte ich auch in den Momenten an sie, in denen ich mich fragte, warum ich hunderte Kilometer durch die Gegend laufe und hatte dabei ihre fragenden Gesichtet vor meinem inneren Auge und ihre Stimmen im Ohr, wie sie irritiert und ungläubig fragen, ob ich das wirklich tue - es sei ja schließlich auch irgendwie verrückt und gleichzeitig ein cooles Abenteuer. Gegen Abend war ich mit Lucie verabredet. Seit einer Woche hatten wir uns nicht mehr gesehen und bevor sie morgen abfliegt, wollten wir uns noch von den vergangenen Tagen erzählen, da wir sonst auch immer Bescheid wussten, was beim Anderen gerade los ist. Auf dem Weg zum Essen, wohlgemerkt zum Besten Döner in Santiago (auch, wenn ich keinen Vergleich habe), treffe ich auf meine liebenswerte Rentnercrew, mit denen ich vor ein paar Tagen noch zu Abend gegessen hatte. Einer von ihnen ist jetzt in drei Etappen über 3000 km nach Santiago gelaufen. Gestartet war er vor seiner Haustüre in Deutschland. Bewunderns- und beneidenswert. Ich kenne ihn kaum aber ich bin stolz auf ihn. Ein Gefühl, dass ich hier immer wieder spüre - jeder ist irgendwie auf jeden stolz und gemeinsam freuen sich alle über jeden Schritt den der andere und den man selbst geschafft hat.
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  • Day21

    Finisterre - Picknick & Sonnenuntergang

    September 26, 2022 in Spain ⋅ ☀️ 18 °C

    Am Abend in Finisterre machten Toni und ich uns auf den Weg zum Praia De Mar De Fora. Ein wunderschöner, fast versteckter, an diesem Abend einsamer Strandabschnitt, der uns empfohlen wurde, um den Sonnenuntergang anzusehen. Wir picknickten, hörten Worship passend zum Moment, sahen der Sonne dabei zu, wie sie alles in goldenem Licht erscheinen lies und dann langsam am Horizont verschwand, um auf der anderen Seite der Erdkugel wieder aufzutauchen.Read more

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