Sören Gerlach

Joined March 2018
  • Day7

    Finale in Santiago de Compostella

    August 24, 2018 in Spain ⋅ ⛅ 21 °C

    Für Santiago haben wir eine kleine ToDo-Liste abzuarbeiten, wir stehen deshalb wieder um halb sieben auf. Es ist sehr kühl und stockdunkel draußen, ich sehe Sterne am Himmel! Wir sind inzwischen sehr weit westlich in Europa, Portugal, auf dem gleichen Breitengrad wie wir, hat nicht umsonst eine andere Zeitzone als der Rest von Europa mit einer Stunde weniger auf der Uhr.
    Als wir losfahren ist der Himmer wolkig wie in den letzten Tagen und der Tag noch nicht richtig da. Die dann folgenden knapp 40 KM erlebe ich anders, als ich mir das vorgestellt habe. Statt einer nostalgisch-wehmütigen Stimmung zum Ende der Reise fühle ich mich irgendwie leicht euphorisch und erleichtert. Wir überholen sicherlich weit mehr also 2.000 Pilger an diesem Tag, alle grüßen sich, viele sicherlich erfreut, dass die Strapazen ein Ende haben und auch uns feuern immer wieder Pilger an, wenn wir uns an den steilen Hügelhängen im Wiegetritt nach oben arbeiten. Die ganze Tour heute hat nur noch rund 600 HM, aber die einzelnen Hügel(chen) sind meistens sehr steil, so daß wir öfters auch absteigen müssen. An der Altstadtmauer angekommen steigen wir ab, jetzt vermengen sich Pilger mit Touristen und dem üblichen Straßenverkehr, es geht in den vollen Gästen der mittelalterlichen Altstadt mit den teils sehr engen Gassen nur noch in Schrittgeschwindigkeit voran. Schließlich kommen wir am Ziel aller Pilger an: Der große Platz vor der Kathedrale. Wir gratulieren uns kurz, machen Fotos, telefonieren und schreiben Whatsapp-Nachrichten. So ein richiger Zauber will sich für mich nicht einstellen, habe ich auch nicht erwartet, meine Reise hatte ja nur einen touristisch/sportlichen Hintergrund.
    Das Foto mit der Kathedrale zeigt drei wesentliche Elemente der heutigen Pilgerei: Am wichtigsten sind natürlich die Pilger selbst, die Kathedrale steht für den der Reise (die die meissten wohl immer noch aus religiösen Gründen auf sich nehmen), und die Touristen-Lokomotive für den Kommerz, von dem es reichlich in Santiago gibt. Restaurants, Hotels, Andenken und T-Shirts en Masse. Aber ich will nicht meckern: Auch wir werden noch unsere unsere T-Shirts als Andenken kaufen.
    Ist der Pilger angekommen und hat sich vor der Kathedrale selbst oder mit Freunden gefeiert, ist der nächste Gang ein administrativer, es geht zum „Oficina del peregrino“, eine Art Außenstelle der Kirche, wo die „Compostela“ und auf Wunsch das „Certificado de distancia“ ausgestellt wird. Ersteres ist das traditionelle, religiöse Dokument für den Pilger, das die Wall- oder Pilgerfahrt und den Besuch der Kathedrale bescheinigt. Dieses Dokument wurde auch schon vor über tausend Jahren für jeden Pilger ausgestellt, der den Weg nach Santiago auf sich genommen hat. Das Certificado bestätigt nochmal Datum, Distanz, Start und Ende der Reise sowie die Art der Reise (zu Fuß, Rad, per Pferd oder Esel). Wir warten eine knappe Stunde in der Schlange, kriegen beides ausgestellt und dann…? Tja, dann ist alles irgendwie vorbei. Es folgt der obligatorische Einzug ins Hotel und die Suche nach eine Tankstelle um die Räder nochmal komplett zu säubern. Es war die letzten Tage teils extrem staubig und die Räder sehen entsprechend aus. Wir finden eine Tankstelle mit spezieller Reinigungsboxen für Räder (!) und verwandeln unsere beiden Zweiradschweinchen in transportfähige Räder. Für den Nachmittag spulen wir weitere Punkte der ToDo-Liste ab. Josef war früher schon 3x in Santiago und macht den Führer. Die T-Shirts sind bald gekauft und wir genießen schließlich Kaffee und Kuchen in den ausladenden Sesseln des „Cafe Casino“ - Wiener Kaffeehaus-Charme mitten in Spanien, einfach der Hammer. Sogar richtige Torten bis hin zu Sacher-Torte gibt es und Josef hat mit einer Art Rübli-Torte eindeutig die bessere Wahl als meine Schoko-Torte getroffen. Zum Abend hin planen wir zum Abschluß nochmal den Besuch eine Restaurants mit galizischen Riesensteacks - ich denke, die haben wir uns reichlich verdient ;-)
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  • Day6

    Immer mehr Pilger, Santiago rückt näher

    August 23, 2018 in Spain ⋅ 🌙 16 °C

    Der heutige Tag ist erwartungsgemäß einfacher erzählt als die bisherigen, denn so wie die Tour leichter wird, wird auch die Landschaft...naja, nicht langweiliger, aber eben weniger interessant. Nach Lugo wechseln sich Hügel in einer von Landwirtschaft geprägten Gegen mit kleinen und kleinsten Ortschaften ab. Der Rekord liegt bei einem (!) Haus für einen Ortsteil, und das ist auch noch zu verkaufen… Mal rauf mal, mal runter, die Kilometer schmelzen so dahin. Da der Himmel bedeckt ist und wir überwiegend kleine Landstraßen zwischen den Ortschaften fahren können wir die ersten 30 KM für uns in Rekordzeit abschließen. Wir halten zwischendurch an einer sog. „Albergue“, also ein einfaches Hostal speziell und nur für Pilger und wollen dort den Ausweis stempeln lassen sowie einen Kaffe trinken. Wir treten ein, doch tatsächlich ist niemand im Haus – alles ist aber offen, sehr ungewohnt für Spanien, wo nicht selten die Fenster selbst noch im 1. Stock vergittert sind. Der Kaffee fällt also aus, der Ausweis wir jedoch kurzerhand via „Selbststempler“ um einen Stempel bereichert.
    Josefs Rad fällt bei einer Pause etwas unglücklich um und wir legen kurz darauf erneut eine kleine Pause ein, um seinen vorderen Umwerfen neu einzustellen.
    Die erste ernsthafte Pause kommt dann bei KM 35 bei der „Sierra del Carreon“ ein, ein 700 m-Hügel mit Windkraftanlagen und eben – reichlich Wind. Der Himmel reisst stellenweise auf und das soll dann für den heutigen Tag auch der einzige Punkt bleiben, von dem man einen halbwegs netten Blick auf die Landschaft hat. Von hier stammt auch das einzige Foto des Tages. Es folgt eine wirklich schöne kilometerlange Abfahrt über Wald- und Wirtschaftswege, wo wir den vorhandenen Stau an den Rädern komplett runterrütteln aber direkt durch neuen ersetzen können… Die Fahrt geht weiter nach Melide, eine Kleinstadt ohne besondere Eigenschaften, wo wir den Pilgerausweis erneut stempeln können und unser Nachmittagsbier zu uns nehmen können.
    Ab hier bekommt die Fahrt jedoch einen völlig neuen Charakter: Der „Camino Frances“, also quasi DER Original-Camino ist kurz vorher dem Camino Primitivo zusammen gefallen und ab hier ist Josefs Fahrradklingel unser wichtigstes Tool. Haben wir uns bisher mit anderen Pilgern immer gegenseitig ein freundlichen „Buen Camino!“ zugerufen, wäre das ab hier inflationär nicht mehr möglich. Es kommen weiterhin Gruppen mit 5, 10 und mehr Leuten dazu, singende Nonnen, Leute in Schlappen und mehr sonderbares. Mir selbst graut dabei schon ein wenig an den letzten Tag, wenn alles nochmal deutlich dichter wird.
    Aber egal, wir sprinten regelrecht die letzten Kilometer bergauf (warum sind die Etappenenden bis auf eine eigentlich immer oben auf dem Berg…?) und sind dann endlich in Arzúa. Kein besonders schönes Straßendorf – und zu 100% auf Pilger eingestellt. Massagen für Pilger, jedes Haus, was kein Wohnhaus ist entweder Restaurant oder Albergue und natürlich sicherlich ein paar Hundert von unserer Sort. Selbst Radfahrer gibt es inzwischen einige, mit uns kommen bspw. Im Hotel drei englische Herren auf MTBs (!) an, von denen ich keinen jünger als 65 schätzen würde.
    Das Abendessen ist erneut sehr gut, wieder überraschend günstig und so geht dann auch der vorletzte Tag der Reise zu Ende.

    PS: Es waren erneut rund 60 KM und rund 1300 Höhenmeter, IBP immernoch 115. So langsam stellt sich ein Trainingseffekt ein, es hätte heute auch noch für einiges mehr gereicht ;-)
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  • Day6

    Ausstattung: Seatpack ("Fahrradtüte")

    August 23, 2018 in Spain ⋅ 🌙 17 °C

    Da ich mit dem MTB unterwegs bin, stellte sich das Problem, wie ich das Tagesgepäck mitnehmen sollte (das Hauptgepäck wurde ja für uns von der Post von Hotel zu Hotel transportiert). Rucksack schied direkt am Anfang aus, zu unkomfortabel beim Radfahren. Da ich einen MTB-Lenker mit Vorbau habe, ist auch eine Lenkradtasche nur sehr schwer anzubringen. Weiterhin schied alles aus, was einen Gepäckträger benötigt hätte (hat das Rad nicht) oder unter die Oberstange hätte montiert werden können (zu wenig Platz).
    Nach etwas Recherchieren bin ich auf den "Seatpack" von Ortlieb gestoßen. Er wird an der Sitzstange und den beiden Metallstangen fixiert, die unterhalb des Sattels verlaufen, was die ganze konstruktion sehr wackelfest fixiert. Da der Pack die Form einer Schultüte hat, ist er nach hinten offen und muss noch eingerollt werden. Eine Art Gummidichtung sort dafür, dass nach dem Einrollen alles absolut regenfest in der Tüte ist. Die beiden "Wickelenden" der Tüte werden ebenfalls mit stabilen Riemen befestigt, so dass am Ende ein raltiv kompaktes Gepäckteil stabil unter dem Sattel klemmt.
    Wir sind teils minutenlange sehr rumpelige Waldwege über Steine nach unten gehopst, der Seatpack hat dabei weder gezuckt, sich nicht gelockert und auch keinerlei Schäden davon getragen. Da ist es hilfreich, dass alle Teile mit großen Flächen auf der "Grundtüte" angeklept sind. Das Material ist überaus dick und robust und die Dichtheitsprobe hat der Seatpack auch bei zweimaligem Abstrahlen mit den spanischen Hochdruckreinigern perfekt überstanden.
    Ortlieb gibt die Zuladung für die Größe "M" mit maximal 3 Kilo an (das Volumen mit ca. 11 Litern), das zweite Foto zeigt gut 2 Kilo, als Daypack reicht die Tüte daher in jedem Fall.
    Der Preis von knapp 120 EUR schmerzt zwar ein wenig, aber der Gegenwert ist vorhanden. Für eine längere Fahrt habe ich auch schon eine Idee: Den Seatpack in "L" kaufen (dann mit 16 l) sowie doch nochmal die Idee mit der Lenkertasche ausprobieren. Das sollte sparsam gepackt für ein paar Tage reichen...da kommt mir eine Idee ... ;-)

    PS: Ich werde von Ortlieb für dieses Posting leider nicht bezahlt, es kamen auch weder Menschen noch Tiere beim Testen zu Schaden ,-)
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  • Day5

    Zurück in die Zivilisation - Lugo, Tag 4

    August 22, 2018 in Spain ⋅ ☀️ 22 °C

    Der heutige Tag beginnt genauso, wie er später am Abend enden wird: Mit einer richtig guten Mahlzeit, was laut Josef, sehr typisch für Galizien ist. Es gibt zum Frühstück diesmal nicht nur sportlergerechtes Essen, unser Koch (!) bereitet uns auch den Kaffee zu, bäckt Pancakes mit Sahne und Schokolade oder Omlette auf Wunsch. Aber wir machen die Radtour ja nicht zum Abnehmen... ;-) Erneut bemerken wir beim Losfahren, dass wir deutlich über den Wolken sind und halten direkt nach dem Losfahren für erste Fotos an - man kann sich an diesen wolkengefüllten Tälern im Sonnenschein einfach nicht satt sehen. Das folgende Eintauchen in der Abfahrt...brrr....in unseren kurzen Shirts wird es doch empfindlich kalt - und ich suche vergeblich den Scheibenwischer auf meiner Radbrille, fast so schlimm wie Regen. Zuverlässig wechseln sich jedoch Berg und Tal ab und jedem Frösteln bergab folgt ein "erholsames" Aufwärmen bergauf; nach zwei Stunden fühle ich mich fast wie beim Saunieren... Wir nutzen die Wolkenlandschaft noch für diverse Fotosessions und machen schließlich eine kleine Pause in Baleira. Ungefähr die Hälfte des Weges liegt hinter uns und die Sonne entscheidet sich nun endgültig, alles Wolken zu vertreiben und wird uns jetzt sehr schnell bis auf 30 Grad aufheizen. Nachdem wir ein letztes Mal wieder fast 5 KM bergauf strampeln geht es durch den Wald 100% kuhfladenfrei bergab - eine herrliche Abfahrt durch duftende Kiefernwälder entlohnt für die Mühen des Aufstiegs. Wir halten in Vilabade an der Kirche, eigentlich nur um uns eine Stepmpel für das Pilgerbüchlein abzuholen und bekommen eine 15-minütige Führung durch und über die Geschichte der Kirche, die einen geradezu riesigen Holzaltar besitzt, der die gesamte Frontseite des Kirchenschiffs einnimmt. Einfach so, weil die Frau, die die Büchlein stempelt grade Zeit hat, supernett! Wir brettern dann noch ein paar Minuten bis nach Castroverde runter und treffen dort einen anderen Radpilger, dessen Wege wir reglmßig seit 2 Tagen kreuzen. Er will auch nach Lugo und so fahren wir zusammen kurz durch den Ort. Allerdngs wollen wir noch kurz die Burg anschauen (also eher ich als Josef...), aber die entpuppt sich als nicht ausgeschilderte beinahe-Ruine, ziemlich enttäuschend. Das obligatische Mittags-Radler mit kleinen Tappas lassen wir uns trotzdem schmecken. Josef klärt mich auf, kleine Tappas, also wirklich einfache Dinge, gehören in Galizien praktische automatisch zu den Getränken dazu. Die restlichen 25 KM bis nach Lugo sind landschaftlich zwar angenehm, aber nicht wirklich interessant. Es ist eine Feld- und Landwirtschafts-Gegend, die so auch in Hessen oder, laut Josef, auf der schwäbischen Alb anzutreffen sein könnte. Die KM plätschern so hin, kleine Hügel rauf und runter und schließlich sind wir in Lugo. Ein paar KM vor Lugo treffen wir übrigens unseren "Mit-Radpiler" erneut - während wir in der Bar saßen hatte er einen Platten, dumm gelaufen, äh, gefahren ;-)
    Dasübliche Duschen-Auspacken-Klamottenwaschen Brimborium folgt und, relativ früh entern wir die Stadt und gehen auch früher als sonst essen. Lugo besitzt römische Wurzeln und die umlaufende Mauer um die Altstadt ist komplett begehbar. Das ist natürlich auch Touri-Zone und so suchen wir außerhalb der Mauern ein Restaurant. Perfekt: "Fondsagrade" verspricht typische galizisches Essen und da das der Name des Ortes ist, aus dem wir heute hergefahren sind, nehmen wir das als gutes Zeichen. Das Zeichen war übrigens wirklich gut: "Typisch galizisch" heißt nicht unbedingt Pulpo Gallego, sondern auch riesige Steacks bis in den 1000g-Bereich. Ich nehme beischeiden ein 600g-Steak mit Menü 4, dazu zwei Bier und Kuchen von der Oma - so einfach kann Radlerglück sein. Das Fleisch ist hervorragend, der Kuchen der Oma ein Gedicht und der ganze Rest drumherum einfach Klasse. Die Überraschung kommt mit der Rechnung: Wir beide zusammen zahlen für alles auf den Kopf 30 EUR. Ich hinterlasse ein dickes Trinkgeld auch wenn Josef die Nase mehrmals rümpft, dass 2,50 für Spanien deutlich zu viel seien.
    Diese Etappe hatte rund 60 KM für uns - und erstaunlicherweise um die 1400 Höhenmeter. Wir befinden uns gefühlt immer mehr im Training, vergliichen mit den Höhenmetern der ersten Etappe geht das nun schon deutlich lockerer "von der Wade" auf wenn uns insgesamt die gestriger Beretappe heute noch reichlich in den Beinen gesteckt hat. Wir freuen uns jedenfalls auf die letzten 100 KM, die insgesamt ein deutlich leichteres Berprofil haben.
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  • Day4

    Berge über Berge...

    August 21, 2018 in Spain ⋅ 🌙 17 °C

    Uff, heute ging der Weg zur Dusche nach der Fahrt noch viel schneller als sonst: Fast auf den Kopf 2000 Höhenmeter bei teilweise 29 Grad, wolkenlosem Himmel - und leider völlig unterkalkuliertem Wasservorrat...

    Wir fahren bei grade mal 14 Grad, noch unterhalb der Wolkendecke los. 12 KM Aufstieg, 600 HM lassen uns das Frühstück ruck-zuck verdauen. Völlig überraschend reisst die Wolkendecke ab ca. 900 Meter auf und gibt eine Blick auf das Tal zurück frei, dem man minutenlang einfach nur zusehen kann. Auf der "Puerto del Palo" ("Puerto" == "Pass" im Deutschen) sehen wir einen Zipfel von Galizien - unser Ziel für das Ende des Tages und reichlich Asturien unter Wolken. Auch wenn sich Josef nicht ganz meiner Meinung anschließen kann, ich meine, dafür alleine hat sich der Aufstieg gelohnt. Mit einer kleinen Zwischenetappe folgt eine epische Abfahrt, fast 900 m tiefer finden wir uns am "Embalse de Salime", ("Embalse" heisst "Stausee") ein riesieger, langgezogener Stausee, von dem wir im Wesentlichen die Staumauer und die ersten paar Kilometer Staufläche mitbekommen. Dem heute etwas früheren obligatischen Radler mit herrlichem Blick auf den Stausee folgt ein kurzer Schnack mit einem Pilger aus Dortmund, der offenbar mitbekommen hat, dass wir auf Deutsch parlieren. Erfrischt geht es auf den zweiten Anstieg des Tages, wieder rauf auf über 1000 m auf die "Puerto de Acebo", ein Pass der die Grenze zwischen Galizien und Asturien darstellt. Der ziemlich heftige Aufstieg macht klar, warum hier früher zwischen den Königreichen eine natürliche Grenze verlief. Josef und mich hat das die letzten Wasserreserven gekostet, wobei ich selbst ohnehin schon 10 KM nur mit 1/4 Liter noch gefahren bin. Im Gegegensatz zu den bisherigen Etappen haben wir praktisch keine Quelle, keinen Brunnen in den Ortschaften und zuletzt nichtmal eine Bar zu sehen bekommen. Der Rest geht mal hoch, mal runter, 7 KM vor dem Ziel stoppen wir nochmal bei einem Restaurant, wo wir unseren Flüssigkeitshaushalt glücklich auf halbwegs Normalmaß bringen können und am Ende eine großzügigen Pause stemmen wir die letzten Kilometer nach Fontsagrada in der wir - richtig - erstmal die Tankstelle zum Säubern der Räder ansteuern. Aufgrund des heftigen Weges heute sind wir fast nur Straße gefahren, bis auf ein Stück - und genau da sind uns die 1a-Kuhfladen im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren geflogen...
    Ungeführ 130 Punkte nach IBP (wie gestern) und 2000 Höhenmeter, sehenswerte Ausblicke und einige unterhaltsame Gespräche mit anderen Pilgern, der 3. Tag ist wieder einmal etwas besonderes mit seinen ganz speziellen Ereignissen. Wir lassen den Tag bei "Pulpo Galego" und "Cipriones Fritos" ausklingen, etwas typisch Galizisches und feiern mit einer großen Karaffe Rotwein das Bergfest unserer kurzen Pilgerfahrt - die 2. Hälfte kann kommen!
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  • Day3

    Berge, Kühe und alles was dazu gehört...

    August 20, 2018 in Spain ⋅ ☀️ 24 °C

    Eine ganz offensichtliche Eigenschaft vieler Spanier ist, dass sie gerne und reichlich putzen. In Supermärkten gehören die Regale mit Reinigungsmitteln normalerweise zu den größten Abteilungen. Und in jedem noch so kleinen Dorf gib es eine Tankstelle mit Münz-Hochdruckreiniger. So einen haben wir heute unmitelbar vor der Einkehr ins Hotel erneut genutzt. Denn so schön Asturien auch ist, es besteht abseits befestiger Wegen gefühlt hauptsächlich aus Kuhfladen. Und sicherlich die Hälfte davon klebten nach der Tour an unseren Rädern. Okay, nicht ganz die Hälfte.Einen erklecklichen Teil, vor allen der an den Reifen, haben wir großzügig beim Bergabfahren dank der Fliefkraft auch auf die Kleidung, Ausrüstung und unseren Waden verteilt. Alles andere konnten wir dann immerhin für nur einen Euro in den Ausguss der Waschanlage befördern - ein Grund mehr, Spanien zu lieben ;-)

    Der Start heute Morgen fing durchwachsen an: Etwa 5 KM heftig bergauf, auf denen wir mehr geschoben haben als gefahren sind. Oben angekommen (Oben = ca. 500 HM höher) ein "Wow". Wolken im Tal, Windkraftanlagen auf den kommenden Bergen, eine Berglandschaft; wieder einmal umwerfende Ansichten von Asturien.
    Die kommenden Stunden sind leider ein wenig eintönig zu erzählen, denn sie bestehen abwechselnd aus durch Kuhfladen fahren oder häufig auch schieben, bergab fliehkraftgestützt Kuhlfaden abwerfen und bergauf steile Stücke schieben. Nach der obligatorischen Pause mit Radler ("Dos claras, por favor"...,-) am Nachmittag machen wir uns wieder auf den Weg und kommen schließlich oberhalb von Pola de Allande an. Es folgt nochmal eine wunderbare Abfahrt durch den Wald und an Kuhweiden vorbei, ca. 350 HM auf 2,5 KM Strecken bringen die Scheibenbremsen zum Glühlen und uns beiden beinahe Krämpfe in den Händen, so viel und heftig müssen wir bremsen. Für mich mit dem MTB ist das natürlich ein Heidenspaß, so langsam habe ich das Gefühl, mal wieder ein wenig Dusel bei der Wahl des Rades gehabt zu haben. Mit meinem Crossie wäre es nochmals stressiger geworden.
    Das Abendessen rundet den Tag mit einer besonderen Herausforderung ab, nämlich der Menge. Nach einer kleinen externen Vorspeise kriegen wir die Portion für Waldarbeiter und Magersüchtige nach Asturien-Art: Ein Mega-Eintopf, eine Gemüsetorte, eine Art Kohlroulade, aber in Knödelform, sowie zwei Kuchen als Nachspeise, einer von der Abuelita des Hauses (der "Omachen") versetzen uns in eine Art Ess-Koma und so wanken wir nur noch Richtung Zimmer und beschließen den Tag.
    Morgen geht es schon vor sieben raus, denn die heftigste Etappe wartet auf uns: 70 KM mit geschätzt >1800 Höhenmetern, immerhin, das Wetter soll wieder mal sehr gut werden.
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  • Day2

    Etappe 1 - 52 KM von Oviedo nach Salas

    August 19, 2018 in Spain ⋅ 🌙 18 °C

    Heute gehts also los. Meine erste überhaupt-mal-länger-als-3-tage-radtour, Pilgerfahrt, kleine Spanienrundfahrt und außerdem letzte Woche der Ferien. Die Pilger"fahrt" ist übrigens geklärt, ne klar? Pilgern an sich, naja, ich bin nicht direkt gläubig. Christliche Werte, klar, aber jede Woche in die Kirche dann doch eher nicht. So nehmen wir die Pilgerfahrt auch eher als Anlass für eine schöne Radtour im Norden Spaniens, als eine spirituelle Erfahrung.
    Josef, von Beruf übrigens Schreiner, arbeitet in Barcelona und lebt schon seit 27 Jahren in Spanien, hat das Unternehmen perfekt vorbereitet: Er hat die Tour letzlich bei einem Reisebüro von Eroski gebucht: Die Übernachtungen sind komplett gebucht, dazu gerade Luxus: Überführung des Gepäcks zwischen den Hotels/Hostals. Und schließlich Rückfahrt mit dem Bus inkl. Radmitnahme nach Olviedo, da kann eigentlich nichts mehr schief gehen ;-)

    Wir fahren dann bei unerwartet frischen 13 Grad Morgens los. Nur zum Vergleich: In Barcelona sind es um die gleiche Uhrzet bereits 26 Grad, im Süden Spaniens, wo Josefs Mutter wohnt, werden es tagsüber auch schonmal deutlich über 40 Grad. Aber egal, ein paar Minuten in die Pedal getreten und es wird langsam warm. Leider noch starker Bodennebel, so dass wir die ersten KM von der Landschaft nichts mitbekommen. Zu allem Überfluss habe ich nach nur 7 KM bereits den ersten Platten. Ich hatte ein paar Tage vor der Tour eine längere Tour durch die Wälder gemacht, bin auch über ettlich Brombeerranken gerollt und hatte mich gefreut, was die Schläuche doch toll alles aushalten. Pustekuchhen, ich finde zwei Brombeerdornen im Hinterrad, die offenbar etwas Zeit gebraucht hatten, sich durch das Gummi zu arbeiten. Während wir den Schlauch wechseln klart es langsam auf und die Sonne kommt raus. Und gibt nach und nach einen fantastischen Blick auf die Landschaft frei, der mit Kilometer um Kilometer immer schöner wird. Ein eigenartiges Deja-Vu "sieht aus wie Deutschland / Österreich" überkommt uns beide immer wieder. Kühe mit Glocken, saftiges, grünes Gras, überhaupt eine überaus grüne Landschaft und sehr gepflegte Häuse mit teils riesigen, natürlich auch gepflegten Gärten, sind sehr ungewohnt, wenn man schon an Barcelona gewohnt ist. Einzig das Klima und die immer wieder auftauchenden Palmen und Feigen erinnern uns daran, dass wir in Spanien sind. Und die erhebliche Menge von Pilgern, allesamt zu Fuß unterwegs, ebenfalls.
    Josef wollte unebdingt vorab buchen. Ich war eher auf dem "kriegen wir mit booking.com alles während der Tour hin". Auf ihn zu hören, war die richige Entscheidung: August ist für die nördlichen Camino-Routen die Hauptreisezeit und wir können nun ganz entspannt durch die Landschaft reisen. Den Transport des Gepäcks übernimmt übrigens Correos (die Spanische Post), die einen speziellen Transportservice für Gepäck von Hotel zu Hotel hat.
    Wir schrauben uns knapp 25 KM südlich von der Atlantikküste derweil von Berg zu Berg. Die Höhenmeter werden sich am Ende des Tages auf 1400 saldiert haben - da haben wir diese Etappe total unterschätzt! Es geht eigentlich nur rauf oder runter, selten mal einfach ein Stück flach geradeaus. Zudem ist der Camino natürlich auf Wanderer ausgerichtet, verläuft also bspw. teils auf reinen Wanderwegen. Wir gelangen daher ständig an Stellen an denen wir schieben müssen, zu steil bergab, zu steil bergan, zu steinig, zu kurvig, zu matschig.
    Bei El Freisneu (einer der hunderte von Orten, die wir noch durchfahren werden und, die gefühlt zwischen 10 und 100 Einwohner haben) machen wir einen kleinen Abstecher zu einer Bar, 3 KM extra lassen sich angesichts des blauem Himmels, 26 Grad und der Aussicht auf ein kühles Radler verschmerzen.
    Nach knapp 40 KM sehen die Fahrräder aus wie, naja, Dreckferkel eben, diverse Abschnitte durch verschlammte Waldwege haben ihre Spuren hinterlassen. Josef schlägt bei Verdugos vor an eine Tankstelle zu fahren und mit dem Hochdruckreiniger die Räder zu säubern, eine super Idee - wäre da ein paar Kilometer später nicht wieder ein Waldstück mit extra viel Schlamm gekommen... Kurz vorher sind wir an einem klaren Fluss mit Badestellen vorbegekommen - und ich Idiot habe meine Badehose im Transfergepäck dabei! Den Fehler werde ich morgen nicht nochmal begehen.
    Die letzten Kilometer des Tages beschließen wir allerdings, nicht mehr auf dem Camino selbst, sondern der Landstraße nach Salas zu fahren: Ein erneutes Stück Wanderweg mit reichlich Schiebeeinlagen hat uns den letzten Nerv geraubt und so rollen wir schließlich mit 52 KM Tagesetappe ins Hotel ein. Rund 8 Stunden mit viel Pausen, Fotos, einer Bar. Der erste Gang geht zur Dusche, dann Klamotten waschen, Bar, Abendessen, Schlafen, Endlich. Salas ist ein nettes kleines Stätchen, aber das schauen wir uns ein andermal an ,-))
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  • Day2

    Pilgerfahrt...?

    August 19, 2018 in Spain ⋅ 🌙 16 °C

    Pilgerfahrt, Moment, was, wie...und warum überhaupt "Fahrt"? Also, das kam so...

    Josef, der Freund eines Freundes in Barcelona erzählte mir vor einigen Monaten, dass er den Camino Primitivo mit dem Rad mit dreien seiner Freunde fahren wollte. Insgesamt 6 Tagesetappen, insgesamt rund 360 KM, eigentlich überschaubar. Alle drei hätten aber aus verschiedenen Gründen abgesagt. "Josef, wann willst du denn fahren?", fragte ich ihn. Er sagte ab dem 19.8. und manchmal will es der Zufall so, das war der letzte Urlaubstag von uns in Mogro (in der Nähe von Santander, an der Atlantikküste Kalabriens). Die Tour sollte in Oviedo starten, als rund 2 Autostunden von unserem Ferienort entfernt. Viele Details später und fantastische Reiseplanung von Josef später treffen wir uns nun tatsächlich am 18.8. in Oviedo im Hotel. Ich habe Josefˋs Rad von Barcelona mitgebracht und werde selbst die Tour auf meinem MTB fahren. Mein Crossie ist noch in Frankfurt, so habe ich kurzerhand mein MTB mit in den Urlaub genommen und da stehen nun die beiden Räder im Hotel in Oviedo und Morgen gehts dann auch schon los.Read more

  • Mar23

    Tag 6 - Abschied vom GR11

    March 23, 2018 in Spain ⋅ ☀️ 13 °C

    Mit einem Tag Verspätung hinter dem Plan ist mein Ziel heute Oix - und damit die letzte Etappe auf dem GR11. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage, zwei weitere Etappen mit Campingplatz und Zelt sind gruselig: In den Pyrenäen bis runter auf 600 Meter Schnee, den ganze Samstag Regen, Temperatursturz um mindestens 8 Grad. Als ich mit Claudia gestern kurz telefoniert habe und sie mich wie üblich "Soll ich Dich abholen?" gefragt hat, habe ich diesmal kurzhand bejaht, d.h. heute wird es die letzte Etappe sein! Ja, leider ist diese Wanderung damit vorzeitig beendet, sorry lieber Leser, aber ich möchte mit etwas Spaß an der Sache vorangehen und die "Schnee-Etappe" nach Espolla hat mir recht deutlich gezeigt, was um die Jahreszeit noch möglich ist. Und ich bin jetzt nochmal deutlich tiefer in den Bergen, es geht halt nicht, Punkt.
    Ich habe etwas unruhig geschlafen, ein Kauz oder Uhu hat mich mehrmals in der Nach geweckt bis ich mir ein paar Ohrstöpsel ins Ohr gestopft habe. Es war auch ziemlich kühl, eine kleine Pfütze dicht am Zelt war am nächsten Morgen leicht angefroren, also etwas kühler als meine Ausrüstung zulässt. Ich habe daher in Klamotten geschlafen und stehe kurz nach 7 auf, als die Sonne aufgeht. Uff, ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer sein kann, sich aus dem warmen Schlafsack in die Kälte zu quälen, aber als die ersten Strahlen der Sonne rauskommen, wird es schlagartig erträglich. Mein Mini-Brenner funktioniert erstaunlich gut, und während der Fertig-Cappucino abkühlt nehme ich mein Frühstück zu mir: 6 Schokokekse und ein Energieriegel - zumindest ebenso nahrhaft wie manches Hotelfrühstück ,-) Alles abgebaut, eingepackt und um um kurz nacht acht starte ich meine letzte Etappe. Auch die Füße sind wieder gut, ich kann heute mit meinem linken Fuß zum ersten Mal wieder ohne Schmerzen in den Schuh. Beim Refugio komme ich nach 2 Minuten vorbei und frage, weil die Schulklasse noch da ist, ob ich kurz das Bad benutzten könnte. "Hay no lavabo" ist die Antwort - kein Bad. Während ich mich frage, wie die 42 Schüler und Lehrer das zwei Tage lang ausgehalten habe, sehe ich das Ergebnis direkt auf dem Wanderweg, grade mal 10 Meter hinter dem Haus. Pfui deibel, leider ist auch das Spanien, die Refugios nicht viel mehr als ein Steinhaus mit Schlafplätzen und die Spanier, tut mir leid, oftmals lauter kleine Ferkel. Egal, Waschen wird eh' überschätzt, kann ich Abends immer noch nachholen denke ich und mache mich auf den Weg. Da ich heute keine Rücksicht auf die nächsten Tage nehmen muß, beschließe ich den neben dem GR11 liegenden "Puig de Bassegoda" noch raufzuklettern. Das sind knapp 90 Minuten Umweg mit Päuschen oben drauf, und nicht mal 300 Höhenmeter extra. Der Puig ist mit knapp 1400 m der höchste Berg in der Garrotxa, wie die Gegen hier heißt. Der Weg geht anfangs noch quer durch den Wald aber lichtet sich dann bald. Kleinere Schneefelder links und rechts im Schatten der Bäume säumen den Weg, kurz vor dem Gipfel ein phantastischer Platz, der offenbar im Sommer auch zum Campen genutzt wird. Die Aussicht auf die Pyrenäen Richtung Frankreicht haut mich hier schon um und so geht es weiter bergauf. die letzten 30 Meter müssen gekraxelt werden, davon ungefähr die Hälfter fast senkrecht. Allerdings ist diese Stelle mit Ketten und Hand/Fußgriffen gesichert, die in sehr gutem Zustand sind, so daß man sicher den recht langgezogenen Gipfel erreicht.
    Eine schöne Überraschung, oben treffe ich den ersten Wanderer seit Tagen, Jorgi aus Figueres. Ich kratze alle meine Spanischkenntnisse zusammen und wir tauschen uns über das Woher und Wohin aus, wie toll und ruhig ("tranquillo") es hier ist usw. Jorgi zeigt mir alle umliegenden Berge, wo man Skifahren kann usw. - ein echter Bergfex eben! Selbst Montseny und Matagalls sind von hier aus klar zu erkennen, knapp 60 KM Luftlinie entfernt sieht man deutlich eine Decke aus Neuschnee auf beiden Bergen. Ich mache noch ein paar Fotos - Jorgi fotografiert mich wiederum vor der prächtigen Kulisse - esse in Ruhe noch eine Wurst, die ich in La Jonquera zur Verstärkuing des Proviants gekauft hatte als 2. Frühstück. Mir fällt zudem auf, dass keinerlei Wind geht, selbst oben auf dem Gipfel ist es nahezu windstill. der Himmer ist blau und die Sonne kommt so langsam richtig in Fahrt. Angesichts der tollen Kulisse um mich herum mache ich mich schweren Herzens, aber glücklich, auf den Rückweg den Berg runter und dann weiter auf dem GR11.
    Es geht nun überwiegend bergab, immer tiefer um Berghänge herum in die tiefen Täler. Auch der Wald hat sich inzwischen sichtbar geändert: Auf der Südeseite der Hänge (Sonne!) überwiegen Nadelhölzer und bedingt durch den Kalkstein der Berge sieht die Landschaft sehr ähnlich aus wie im Pinzgau beispielsweise. Auf der Norseite dagegen dominieren immer noch Laubbäume und entsprechend ist auch der Boden feuchter und dunkler. Mit am tiefsten Punkt des Abstiegs führt der GR11 an der Ermita de Sant Aniol d'Aguja vorbei. Hier stünde theoretisch auch ein Refugio zur Verfügung, das aber gerade umgebaut wird. So wie der Umbau aussieht, sollte man allerdings nicht vor 2021 damit rechnen, hier unterzukommen... Es führt jedoch ein wunderbar klarer und recht großer Bach direkt an der Ermita vorbei, selbst eine kleine Hängebrücke über ihn gibt es. Ich fülle nochmal meine Wasserblase auf und ziehe dann weiter.
    Kurz vorher hatte ich auf einem Wegweise gelesen, dass es bis Oix noch fast 5 Stunden seien. Kann nicht sein, ich hatte von das aus nur rund 3 Stunden ausrechnet! Ein Blick auf den Wandercomputer zeigt das Problem: Durchschnittsgeschwindigkeit von grade mal 2,7 KM/h bis dahin, normal für mich sind 4 bis 4,5 KM/h. Der Weg bis dahin war jedoch so geröllig und allgemein schwierig, dass ich die notwendige Zeit völlig unterschätzt hatte. D.h. ich würde mich auch mit Claudia ungefähr zwei Stunden zu spät treffen....au weia. Ich gebe daher richig Gas und mache mich jetzt auf ein weiteres Teilstück auf:
    Es geht nochmal über 300 HM bis zum Coll d' Talaixa rauf, was sich jedoch durch den wellenförmigen Weg auf über 500 gelaufene Höhenmeter summieren wird. Der Weg ist jedoch spektakulär und gehört mit zu den schönsten Kilometern auf meiner ganzen Wanderung. Während auf der rechten Seite der Berg teilweise fast senkrecht mehrere hundert Meter ansteigt, fällt das Tal nach links neben dem Weg immer mehr nach unten zurück. Die Ausblicke entlang des Tals, auch auf die umliegenden Berge sind einfach atemberaubend schön. Ein bischen Schwindelfrei muss man allerdings sein, da sich der Weg teilweise an einzelnen Stellen bis auf rund einen Meter verengt (wieder vorbildlich mit Ketten abgesichert) und links davon sich inzwischen bis zu 200 Luft bis zum Boden befinden, ist ein sicherer Tritt gefragt. Das sind aber immer nur sehr kurze Stellen, so daß man relativ sicher unterwegs ist. Angekommen am Coll findet sich eine kleine Kapelle, kurz dahinter wieder ein Refugio und nun kommt der Abstieg durch den Wald bis auf 300 Meter runter. Meine Knie knacken, die Fußsohlen brennen und ich sprinte weiter Richtung Oix. An einer weiteren Kapelle, Sant Miquel d'Ortmoier befindet sich erneut ein größerer Bach. Hier ist auch mein Abschied vom GR11, ein schnöder Wegweise nach rechts - ich aber werde noch knapp 5 KM bis nach Oix laufen.
    Am Ende habe ich die spanische Wegzeit um über eine Stunde unterboten. Ich komme mit qualmenden Sohlen an und sehe - nichts. Claudia hat in einem anderen Teil von Oix, rund 15 Autominuten auf mich gewartet. Während ich auf sie warte erhole ich mich im Hostal d' Rovira bei einem kühlen und sehr großen Radler. Sehr nettes Hostal, das wäre heute eigentlich meine Übernachtungsmöglichkeit gewesen, aber nur mit Radler lässt es sich dort auch hervorragend genießen. Die TÜr geht auf, Claudia kommt herein und wir freuen uns beide einander zu sehen.

    Mein GR11 findet hier erstmal ein Ende. Mit 155 KM in 6 Tagen habe ich etwas mehr als 1/6 des GR11 zurückgelegt. Der Tag heute, wenn auch nochmal sehr anstrengend, hat jedoch Lust auf den Rest gemacht, sehr viel Lust. Daher entscheide ich mich, dass das Ende heute nur eine Pause ist, mal schauen, wie lange sie dauern wird.
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  • Mar22

    Tag 5 - Der GR11 gibt alles

    March 22, 2018 in Spain ⋅ ☀️ 7 °C

    Der Tag fängt mit einem wirklich guten Frühstück an, Sonne, blauer Himmel - und viel Wind sowie 4 Grad laut Hotel-Thermostat. Ich mache mich auf den Weg und erlaube mir am Anfang vom GR11 abzuweichen. Da ich heute rund 30 KM mit reichlich Höhenmeter vor mir habe möchte ich nicht wieder so eine abwegige Wegerfindung ausprobieren und laufe die erste Stunde eine verlassene Landstraße entlang, die durch einen tiefen, malerischen Taleinschnitt führt. Der Campingplatz, Alternativpogramm für das ausgebuchte Hotel gestern Abend, ist geschlossen - Glück gehabt. Kurz hinter dem Campingplatz geht es in den Wald, ein Wirtschaftsweg, der zwar toll zu laufen, aber miserabel ausgeschildert ist. Und prompt verpasse ich später einen relativ versteckten Abzweig und darf hin und zurück für heute knapp zwei Kilometer verbuchen. Ich nehme im zweiten Anlauf den Abzweig und muß wieder den McGuyver-Modus aktivieren. Wenn es nur ein bischen naß wäre, könnte man den Weg eigentlich nicht mehr laufen. Aber egal, nach ein paar Minuten ist man unten im Tal angekommen und dann geht es wieder über Stock und Stein Richtung Collada de la Tria, das erste Zwischenziel heute. Der Weg ist sehr wild und naturbelassen, es geht steil rauf und runter schließlich komme ich bei Mas Rimalo vorbei. Wahnsinn, eine alte Masia, tolle Aussicht, Süd-West-Terasse, ein wenig Wasser in der Nähe - aber komplett verfallen. Auf dem GR11 ist es zum Wildcampen wohl ganz beliebt, kein Wunder, wobei....wenn man da ein richtiges B&B draus machen würde...hmmmm ;-) Naja, ich erreiche kurz drauf den Collada und bin kurz darauf schon wieder im Abstieg. Bei KM 13 - für heute - komme ich am Refugi de Seglar vorbei, was mein Ziel für gestern gewesen wäre. Angesichts des Weges bis hierhin bin ich doppelt froh, dass ich mich für das Hotel entschieden haben. Der Weg nach Albanya zieht sich extrem in die Länge, es geht immer wieder um den Berg herum, rauf und runter, doch an einer fast magischen Stelle geben die Bäume den Blick nach Osten frei. Unglaublich, ich kann alle Teile der letzten Tage überblicken. Cap de Creus jetzt nicht, das liegt quasi hinter dem Berg. Aber selbst der Fixpunkt des ersten Tages, die Radarstation ist zu sehen. Die immer noch schneebedeckten Tage von Tag 3 ebenso wie das Tal, dass ich heute aufgestiegen bin. Mit dem Navi messe ich allerdings grade mal 50 KM Luftlinie zum Startpunkt und bin ein wenig enttäuscht. Aber da der GR11 am Anfang sehr verschlungen ist, ist das kein Wunder. Weiter gehts und Ihr wundert Euch vermutlich nicht, ich begegne absolut niemandem. Zumindest die Suche nach Einsamkeit auf der Wanderung ist ein durchschlagender Erfolg gewesen. in Albanya soll sich ja dann entscheiden, wie es weitergeht, Aufstieg oder direkt auf den Campingplatz. Zu meiner Freude nimmt unter der Telefonnummer des Wartes zu dem Refugio Bassegoda jemand ab, ja das Refugio sei offen, ich könne den Schlüssel in Can Nou abholen, 700 Meter davor. Yeah! Die Wasserblase wird am örtlichen Brunnen nochmal ordentlich gefüllt und dann geht es zur zweiten Etappe des Tages, 12 KM lang und rund 700m Aufstieg. Zu meiner Überraschung stelle ich fest, dass der Weg bis Can Nou offenbar eine befestigte Betonpiste sein wird, also relativ bequem zu laufen.
    Natürlich ist Wandern auf Waldwegen "irgendwie netter", aber manchmal ist auch die Betonpiste das Mittel der Wahl. Möchte man 30 KM am Ende laufen, mit 1500 Höhenmetern und Gepäck auf dem Rücken, wirklich, freut man sich darüber, wenn die letzten Kilometer eine einfach Betonpiste statt eines tollen Waldbodens, der einen Stock über Stein durch die Gegend schickt. Immer noch, oder wieder mal, bin ich völlig alleine unterwegs und erhasche im Aufstieg zwischen den Bäumen immer wieder eine Aussicht auf die wie gefaltet wirkenden Berge, deren Geologie der Landschaft hier ein besonderes Aussehen geben. Ab KM 23 beginnt es dann aber mühselig zu werden, und ich versuche irgendwie die letzten Kilometer abzureißen. Bei 500 Höhenmeter beginne ich die Fugen im Asphalt zu zählen und stelle fest, dass auf je 4 gesägte eine gegossene Fuge kommt. Bei 600 Höhenmetern esse ich meinen letzten Energieriegel. Bei 700 schaltet sich mein innerer Monolog ab und bei 800 sehe ich endlich den Lieblingswegweiser des heutigen Tages: Noch 1.4 KM bis zum Refugi (katalan, spanisch gehört noch ein "o" mit drann).
    Angekommen bei Can Nou bestelle ich erstmal ein Bier und frage nach dem Schlüssel. 30 KM und 500 HM wecken eben doch das Bedürfnis nach kühlen Getränken, sobald sie in Reichweite sind. Während ich mich frage, ob es im Refugio auch so was wie einen Ofen gibt, erlebe ich eine Überraschung. Das Refugi ist ausgebucht, alle 42 Plätze von einer Gruppe Fahrradfahrer belegt, Was ist passiert: Auf einer Infowebsite über den GR11 steht die Nummer vom Vorbesitzer von Can Nou. Der hat aber am Telefon gar nichts gesagt, außer dass ich den Schlüssel bei Can Nou abholen kann. Nicht ganz falsch, aber das entscheidende Detail fehlt eben.
    Die beiden neuen Besitzer, Julia und Mariano haben mir kurzerhand angeboten, neben dem kleinen Parkplatz mein Zelt aufzubauen und mir ein kleines Abendessen zu machen. Bis auf das Zelt bieten sie das mit dem Essen wohl ohnehin in Verbindung mit dem Refugio an, und so haben wir am Ende alle was von der Geschichte mit der falschen Telefonnummer.

    Beim Essen konnte ich mich wieder soweit aufwärmen, dass ich die Nacht wohl überstehen werde. Es ist absolut windstill, wird aber wohl unter 0 Grad werden. Mein Schlafsack ist bis +5 Grad okay, aber ich werde wohl mit etwas Kleidern schlafen müssen. Mir werden auch grade die Finger etwas klamm, deswegen muss ich auch mit dem Schreiben langsam aufhören. Abschicken kann ich das Ganze übrigens erst Morgen, denn hier gibt es natürlich auch kein Netz...
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