• Abstieg nach Hermigua

    March 4 in Spain ⋅ 🌬 16 °C

    Hermigua – Das grüne Herz der Insel

    Hermigua ist ein tiefgrünes, langgestrecktes Tal, das für sein besonderes Mikroklima und seine schier endlosen Bananenplantagen bekannt ist. Seine Geschichte ist untrennbar mit dem Wasser verknüpft: Schon vor der spanischen Eroberung bot das wasserreiche Tal den Ureinwohnern, den Gomeritas, ideale Lebensbedingungen. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Hermigua zu einem wirtschaftlichen Zentrum – erst boomte das Zuckerrohr, später der Weinbau. Davon zeugen noch heute die stolzen, herrschaftlichen Häuser im Ort.
    Anfang des 20. Jahrhunderts stellten die Bauern auf Bananen um. Da die Küste hier jedoch schroff ist und keinen natürlichen Hafen besitzt, errichtete man 1908 den berühmten Pescante. Die riesigen Betonsäulen der Verladestation ragen noch heute wie Mahnmale aus dem Meer; sie dienten dazu, die Früchte direkt auf die Schiffe zu hieven. Lange galt das Tal als „reichster“ Ort der Insel, bis in den 1950er- und 60er-Jahren die große Abwanderungswelle nach Venezuela und Teneriffa einsetzte.

    Heute ist Hermigua kein Ort für Massentourismus, sondern ein Refugium für Individualisten. Zu den wichtigsten Wahrzeichen gehören:

    • El Pescante: Die Ruinen der Verladestation und das benachbarte Meerwasserschwimmbecken (das wegen Steinschlag oder starker Brandung allerdings oft gesperrt ist).
    • Roques de San Pedro: Zwei markante Vulkanschlote, die wie Wächter über dem Tal thronen – an ihnen sind wir heute direkt vorbeigewandert.
    • Convento de Santo Domingo: Ein Dominikanerkloster aus dem 16. Jahrhundert mit einer beeindruckenden Kassettendecke im Mudejar-Stil.
    • Museo Etnográfico: Hier wird das traditionelle Handwerk lebendig. Es liegt direkt neben unserem Restaurant, schloss aber leider gerade seine Pforten, als wir ankamen.

    Das Flair hier oben ist einzigartig: Es ist meist ein paar Grad kühler als im Süden, und oft verfängt sich der Passatnebel an den Gipfeln. Das verleiht dem Tal zwar sein sattes Grün, verlangt uns Wanderern aber auch öfter die Regenjacke ab. Kulinarisch verspricht der Ort einiges: Lokale Spezialitäten wie Potaje de Berros, die Brunnenkressesuppe stehen hier hoch im Kurs – ein vielversprechender Ausblick auf unsere zweite Nacht in diesem besonderen Tal.
    Read more