• Impressionen der ländlichen Umgebung

    March 6 in Spain ⋅ 🌬 16 °C

    Die Umgebung rund um Vallehermoso wirkt auf uns seltsam ärmlich. Hier wird deutlich, wie stark sich das Leben auf La Gomera vom Massentourismus der Nachbarinseln unterscheidet. Die Insel ist zwar tief mit der Natur verbunden, kämpft aber gleichzeitig mit den wirtschaftlichen Härten einer isolierten, strukturschwachen Region.

    Derzeit leben etwa 22.400 Menschen auf der Insel. Interessanterweise ist die Einwohnerzahl in den letzten zwei Jahrzehnten sogar um etwa 14 % gestiegen – doch dieses Wachstum wird kaum von der Jugend getragen, die für Studium und Ausbildung meist nach Teneriffa oder auf das spanische Festland abwandert. Stattdessen sind es EU-Residenten (viele Deutsche, Briten und Italiener) sowie Rückkehrer aus Südamerika, die die Statistik stützen. Fast die Hälfte der Bevölkerung drängt sich im Hauptort San Sebastián zusammen, während die Bergdörfer im Norden zusehends ausdünnen.
    Der Arbeitsmarkt ist klein und bietet kaum Vielfalt. Wer hier bleibt, arbeitet meist im Gastgewerbe, im Baugewerbe oder – was als besonders begehrt gilt – im öffentlichen Dienst beim Cabildo oder der Gemeinde. Die Landwirtschaft, einst das Rückgrat der Insel, ist ökonomisch rückläufig und wird oft nur noch zur Selbstversorgung betrieben.

    Wirtschaftlich ist die Lage für viele Einheimische prekär. Das Durchschnittseinkommen auf den Kanaren gehört mit ca. 24.000 bis 26.000 € brutto jährlich zu den niedrigsten in Spanien; auf La Gomera liegt es oft sogar noch darunter. Paradoxerweise sind die Lebenshaltungskosten durch den „Inselzuschlag“ auf Importwaren extrem hoch. Studien zeigen, dass ein beachtlicher Teil der Familien nur schwer über die Runden kommt. Was die Menschen hier rettet, ist eine starke familiäre Solidarität – ein unsichtbares Netz, das vieles auffängt.

    Auf unserer heutigen Wanderung spüren wir diesen Kontrast zum ersten Mal ganz intensiv: Die Insel schenkt uns diese grandiose, unberührte Natur, wirkt aber bei genauerem Hinsehen an vielen Stellen auch trostlos und trist. Es hat fast etwas Bedrückendes, diese Stille der verlassenen Orte zu erleben.
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