• Mystisches Castillo del Mar

    March 6 in Spain ⋅ 🌬 16 °C

    Das Ziel unserer heutigen Wanderung ist das mystische Castillo del Mar. Einst ein stolzer Exportknotenpunkt, später ein lebendiges Kulturzentrum, ist es heute leider nur noch ein verlassener „Lost Place“.

    Die Geschichte des Bauwerks ist bewegt: Um 1890, zu Hochzeiten der Bananen-Ära, wurde es als Verladestation errichtet. Da die raue Küste von Vallehermoso für große Schiffe unzugänglich war, thronte das Castillo auf den Klippen, um Bananen und Tomaten per Kranarm direkt auf die Boote zu hieven. Mit dem Ausbau der Straßen und modernerer Häfen verlor die Station in den 1950er-Jahren jedoch ihre Bedeutung und verfiel über Jahrzehnte.

    1981 folgte die scheinbare Rettung: Der deutsche Fotograf und Künstler Thomas K. Müller kaufte die Ruine. Mit unendlich viel Herzblut verwandelte er den Ort in ein einzigartiges Kulturzentrum mit Restaurant und Bühne – das Castillo wurde zu einem weit über die Insel hinaus bekannten Wahrzeichen.
    Doch seit etwa 2010 ist das Castillo del Mar für die Öffentlichkeit geschlossen. Obwohl es sich nach wie vor im Besitz Müllers befindet, haben Bürokratie und Naturgewalten den Kampf vorerst gewonnen. Die Lage direkt am offenen Atlantik ist Fluch und Segen zugleich: Schwere Stürme und die unerbittliche Brandung haben den Zugangsweg zerstört und die Struktur des Gebäudes massiv beschädigt; das Betreten ist heute lebensgefährlich. Hinzu kamen langwierige Konflikte mit der strengen spanischen Küstenbehörde (Costas) und eine laut Besitzer mangelnde Unterstützung durch lokale Behörden.
    So können wir das Castillo heute nur noch aus der Ferne betrachten. Es ist ein Ort, der langsam von der salzigen Gischt und der Zeit zurückgeholt wird. Das ist zutiefst bedauerlich, passt aber zum heutigen Tag: An stürmischen Tagen wie diesem hat der Küstenabschnitt etwas Bedrohliches. Bei dem hohen Wellengang wirkt der Ort nicht einladend, sondern fast schon angsteinflößend.
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