• Mittagspause in Benchijigua

    9. marts, Spanien ⋅ 🌬 16 °C

    Unsere Mittagspause machen wir in der einzigen Siedlung auf unserer Wanderung: in Benchijigua, einem der geschichtsträchtigsten und zugleich isoliertesten Orte auf La Gomera. Es handelt sich um ein Hochtal im Süden der Insel, das unterhalb der gewaltigen Felswände der Degollada de Peraza liegt. Die Geschichte dieses Ortes ist geprägt von harter Landwirtschaft, einer einflussreichen Adelsfamilie und einem radikalen Wandel im 20. Jahrhundert.
    Ursprünglich war Benchijigua eine kleine Siedlung von Bergbauern. Aufgrund der geschützten Lage und der – für gomerische Verhältnisse – guten Wasserversorgung wurde hier terrassierter Ackerbau betrieben. Angebaut wurden vor allem Getreide, Obst und Gemüse zur Selbstversorgung. Die Abgeschiedenheit war extrem: Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war der Ort nur über steile Maultierpfade erreichbar.

    Die moderne Geschichte von Benchijigua ist untrennbar mit der norwegischen Reederfamilie Olsen verbunden. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erwarb die Familie große Ländereien im Süden der Insel, darunter auch das gesamte Tal von Benchijigua. Sie wandelten die traditionelle Landwirtschaft in eine exportorientierte Produktion um, vor allem für Tomaten und Bananen. Fred. Olsen ließ eine Privatstraße in das Tal bauen und errichtete dort ein herrschaftliches Anwesen. Das Tal wurde so zum privaten Rückzugsort der Familie und zum logistischen Zentrum ihrer landwirtschaftlichen Betriebe auf der Insel.

    Der Name „Benchijigua“ hat durch die Schifffahrt weltweite Bekanntheit erlangt, die weit über das kleine Tal hinausgeht. Die Reederei Fred. Olsen benannte ihre Flaggschiffe nach diesem Ort. Die „Benchijigua Express“ ist heute eine der bekanntesten und schnellsten Schnellfähren (ein Trimaran) der Welt, die Teneriffa mit La Gomera verbindet.

    Heute ist Benchijigua kaum noch bewohnt. Die alten Steinhäuser sind teilweise restauriert, wirken aber oft wie eine Geisterstadt, da sie meist nur noch zeitweise genutzt werden. Der Ort hat sich von einem landwirtschaftlichen Zentrum zu einem Refugium der Stille und des Naturschutzes gewandelt. Das Gebiet gehört heute zum Umfeld des Nationalparks und ist Teil des Biosphärenreservats.
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