• Geheimnisvoller und geschichtsträchtiger Toplitzse

    1 Agustus, Austria ⋅ ⛅ 27 °C

    Der Toplitzsee im steirischen Salzkammergut ist einer der geheimnisvollsten und geschichtsträchtigsten Orte Österreichs. Er liegt in einem unzugänglichen Fjord, dessen unberührte Natur und dunkle Vergangenheit eng miteinander verwoben sind. Eingebettet in eine steile, schwer zugängliche Felslandschaft des Toten Gebirges, birgt das Gewässer physikalische Besonderheiten, die es zu einem idealen Nährboden für Mythen machten. Der See ist meromiktisch geschichtet, was bedeutet, dass sich das Süßwasser an der Oberfläche ab etwa zwanzig Metern Tiefe nicht mehr mit dem salzhaltigen, völlig sauerstofffreien Tiefenwasser vermischt. Auf dem dunklen Grund liegt ein dichter Teppich aus versunkenem Treibholz und schwefelwasserstoffreichem Schlamm, in dem kein höheres Leben existiert, weshalb Gegenstände in der Tiefe nur extrem langsam zersetzt werden.

    Seine bewegteste und düsterste Epoche erlebte der Toplitzsee während des Zweiten Weltkriegs zwischen 1943 und 1945, als das NS-Regime den abgeschiedenen Ort als geheime Marineversuchsstation nutzte. Dort wurden unter anderem Sprengversuche mit gigantischen Ladungen durchgeführt sowie Unterwasserwaffen getestet.

    Gegen Ende des Krieges, als die Alliierten näherrückten, ließen Einheiten der SS in einer konspirativen Aktion zahlreiche schwere Kisten mit Hilfe von Pferdegespannen zum See transportieren und versenken. Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass diese Kisten geraubtes Gold oder geheime Dokumente enthalten könnten, was den See seit Jahrzehnten zu einem Magneten für Schatzsucher und Abenteurer macht.

    Gesichert ist durch offizielle Bergungsaktionen hingegen, dass die Nationalsozialisten dort tonnenweise gefälschte britische Pfundnoten aus dem sogenannten „Unternehmen Bernhard“ versenkten, die von KZ-Häftlingen hergestellt worden waren, um die britische Wirtschaft zu destabilisieren. Neben dem Falschgeld, das bei späteren Tauchgängen in den Jahren 1959 und 1963 in großen Mengen ans Tageslicht geholt wurde, entdeckten Forscher im Laufe der Zeit auch immer wieder Munition und Reste von Testgeräten. Da diese illegalen Expeditionen früher auch Menschenleben forderten, untersagten die Behörden jegliches private Tauchen streng, wodurch der Toplitzsee bis heute einen Großteil seiner tiefsten Geheimnisse bewahrt hat.

    Wir machen von hier aus eine wunderbare Bootstour mit einem kleinen Holzboot und Elektromotor, und unser Bootsführer erzählt uns allerlei Interessantes über die Geschichte dieses Ortes und seine geologischen Besonderheiten. Am Ende des Sees haben wir 20 Minuten Aufenthalt – Zeit genug, um zum darüberliegenden Kammersee zu wandern, der inzwischen fast ausgetrocknet ist. Auch der hintere Wasserfall führt heute ausnahmsweise einmal kein Wasser.
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