Der Fischkalter von Kremsmünster
5. august, Østrig ⋅ ☀️ 29 °C
Erst wusste ich gar nicht, was gemeint ist, als mich die Dame im Klostershop fragte, ob ich den Fischkalter für zwei Euro auch besichtigen möchte. Okay, zwei Euro sind nicht viel – den nehme ich mit! Eine gute Entscheidung, denn der Fischkalter des Benediktinerstifts Kremsmünster ist weit mehr als ein ehemaliges Fischbecken: Er gilt als eines der außergewöhnlichsten barocken Wasserbauwerke Europas. Bereits auf den ersten Blick beeindruckt die harmonische Verbindung aus Architektur, Wasser und Natur. Fünf große Wasserbecken werden von eleganten Arkadengängen mit insgesamt 78 toskanischen Säulen umrahmt, sodass der Eindruck eines offenen, lichtdurchfluteten Innenhofes entsteht. Das leise Plätschern des Wassers, die Spiegelungen der Säulen und die darin schwimmenden Fische verleihen dem Ort eine beinahe meditative Atmosphäre. Weltweit sind nur wenige Fischkalter von dieser künstlerischen und architektonischen Qualität erhalten geblieben.
Errichtet wurde die Anlage zwischen 1690 und 1692 nach Plänen des bedeutenden Barockbaumeisters Carlo Antonio Carlone. Als das Stift in den folgenden Jahrzehnten weiter ausgebaut wurde, ergänzte Jakob Prandtauer – der spätere Erbauer des Stifts Melk – die Anlage um zwei weitere Becken und vergrößerte das mittlere Bassin. Ursprünglich hatte Carlone sogar vorgesehen, dass das Wasser nach den Becken in einer Kaskade in den tiefer gelegenen Gartenteich fließen sollte. Dieses eindrucksvolle Wasserspiel wurde jedoch nie verwirklicht.
Für Klöster war eine solche Anlage von enormer Bedeutung, denn die Benediktiner mussten an zahlreichen Fasttagen im Jahr auf Fleisch verzichten. Frischer Fisch war daher ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Ernährung. Im Fischkalter wurden unter anderem Forellen, Saiblinge, Karpfen und Störe bis zu ihrer Zubereitung in ständig fließendem, sauerstoffreichem Quellwasser gehalten. So standen den Mönchen das ganze Jahr über frische Speisefische zur Verfügung.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Fischkalter keineswegs nur als funktionales Wirtschaftsgebäude geplant wurde. Er wurde mit kunstvollen Wasserspeiern, Figuren und einer repräsentativen Architektur ausgestattet und entwickelte sich so zu einem wahren barocken Lustgarten des Wassers. Schon Reisende des 18. und 19. Jahrhunderts beschrieben die Anlage als außergewöhnliche Sehenswürdigkeit: Manche bewunderten ihre schiere Schönheit, während andere sich darüber wunderten, dass die Fische hier in einer weitaus prächtigeren Umgebung lebten als so mancher Mensch jener Zeit.Læs mere









