• Das Ende der Erde

    October 25, 2024 in Spain ⋅ ⛅ 14 °C

    Unser neuer Ankerplatz lag vor Fisterra, der westlichste Punkt Europas. In Vorzeiten dachten die Menschen des Europäischen Kontinents, dass hier die Welt zu Ende wäre. Der Ort ist recht interessant und schön gelegen. Noch interessanter sind allerdings die Touristen. Zum einen begegneten wir einigen Hippies der Neuzeit (wenn man sie so bezeichnen mag/darf) und zum anderen sehr vielen Wanderern. Der geschichtlich und kulturell gebildete Leser weiß natürlich sofort, warum das so ist. Wir dachten zunächst, dass diese Gegend ja besonders schön zum Wandern sein muss. Bis Corinna einwarf, dass die ganzen wandernden Menschen bestimmt Pilger/innen sind, da die Stadt Santiago de Compostela nur wenige Kilometer entfernt liegt. Genau so war es dann auch. Der Jakobsweg endet übrigens in Fisterra. Dort ist dann der Besuch des westlichsten Kaps Europas, dem Kap Finisterre noch Teil des Pflichtprogramms. Wir selbst waren nicht dort, denn wir haben es noch ein Stückchen weiter Westlich und von der Wasserseite aus besichtigt.

    Warum nun genau die „Hippies“ in diesem Ort vertreten sind, dass weiß ich nicht genau. Vielleicht liegt es daran, dass man hier absolut keine Probleme hat an Gras zu kommen.

    Nicht alle Wanderer befinden sich übrigens auf einer Seelenwanderung, sind esoterische Aussteiger, im Selbstfindungsprozess oder streng gläubig. Eine Wanderin, mit welcher wir ins Gespräch kamen, sagte, Zitat: Hör bloß auf mit dem Wandern ey, da haben mich hier die drei Wandermäuse (ihre Begleiterinnen) bei einem Wein zu überredet. Da hab ich dann halt „ja“ gesagt. Oh man. Das einzig gute ist, dass man von der ganzen latscherei einen festen Arsch bekommt.

    Ja, es kann viele Gründe geben, den Jakobsweg zu laufen…

    Das andere Thema was uns beschäftigte, war der Autopilot und der Wassereinbruch. Letzterer war schnell geklärt. Bei der ständigen Überspülung des Vordecks war Wasser in den Generatorraum eingedrungen und lieft dann durch eine Durchführung in den Rumpf der Backbordseite. Die Luke wurde nachgestellt und damit sollte das Problem behoben sein.

    Der Autopilot zickt allerdings immer noch rum. Wenn dieser final den Geist aufgegeben hat, dann bedeutet das für uns 100% Handsteuerung. Das kannst du mal auf der Schlei oder Ostsee machen, aber nicht, wenn du noch 3.000 Seemeilen vor dir hast. Hier ist ein Autopilot kein schönes Extra, sondern eine Notwendigkeit. Wer schon mal bei einem Schiff längere Zeit Kurs halten musste, der weiß wovon ich schreibe. Mal sehen, wie es dann mit dieser Baustelle weitergeht. Ein Direkt-Törn nach Porto Santo steht jedenfalls aktuell nicht auf dem Programm. Nun geht es entlang der Spanisch-Portugisischen Küste. Drückt uns die Daumen, dass die Orcas das nicht mitbekommen.

    Ansonsten ist an diesen eineinhalb Tagen nicht viel passiert.

    Am 26. Oktober brachen wir dann gegen Mittag auf, um unseren Weg an der Küste entlang zu fahren. Hier war dann für alle das erste Mal der Dienst am Ruder festgelegt. Das Team besteht aus zwei Personen. Jeder übernimmt dann jeweils eine Stunde Verantwortung für das Ruder und den Kurs.

    Gegen Abend des Tages erreichten wir eine kleine Bucht, in der wir vor Anker gingen. Den Ort haben wir nicht besichtigt. Erst hatten wir keine Lust dazu und dann war uns nicht so danach. Viel verpasst haben wir sicherlich nicht. Soviel konnte man vom Boot aus schon sehen. Morgen geht es dann Richtung Portugal. Hier wird unser Zielhafen Porto sein.
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