• Der linkshändige Rechtshänder

    November 12, 2024 in Spain ⋅ ☀️ 22 °C

    Der Gran Canaria Törn und der linkshändige Rechtshänder

    Wie geplant, brachen wir am 8. November nach Gran Canaria auf. Zuvor galt es jedoch noch das Boot zu Wasser zu lassen. Das ist schon ein imposantes Schauspiel. Es bedarf dazu einen Trecker mit einem hydraulischen Hebewagen, der langsam unter das Boot fährt, es anhebt und dieses dann über eine Rampe sehr langsam ins Wasser lässt.

    Diese Aktion lief routiniert ab. Man hat gesehen, dass die das nicht das erste Mal gemacht haben. Anschließend verstauten wir noch das von Bord geholte Material und testeten das Setzen des neu montierten Gennakers, was reibungslos funktionierte. Gegen Mittag ging es dann los. Traditionell natürlich ohne Wind und daher mit Motor. Zwar wurde für Mitternacht ausreichend Wind vorhergesagt, aber wir hatten ja nun erst 11:30 Uhr.

    Die Temperaturen waren angenehm und die Dünung, aufgrund des fehlenden Windes, ebenso. So konnte man es sich eine ganze Zeit lang an Deck gemütlich machen und in die Ferne schauen.

    Unser Schichtsystem war wieder aktiviert, und so hatte man alle 8 Stunden eine 2 Stunden Schicht an Bord zu absolvieren. Dieses System hat sich als sehr praktikabel herausgestellt und man bekommt obendrein noch genug Schlaf.

    Wieder einmal verspätete sich der Wind, so dass wir erst nach circa 20 Stunden Motorfahrt die Segel setzen konnten. Dieses Mal mit einer Premiere, denn das Gennaker wurde gehisst und leistete für die nächsten 24 Stunden hervorragende Arbeit bei nur sehr geringen Wind. So konnten wir eine gleichbleibende Geschwindigkeit von circa 7,5 Knoten halten.

    Viel zu berichten, gibt es von dieser Überfahrt nicht. Die Sonne schien der Wind wehte und so verbrachte man die Zeit an Bord mit Essen schlafen, Wache halten, Brot backen und kochen. Dazwischen lag natürlich auch noch viel Freizeit.

    Einen Zwischenfall gab es, der zumindest mich, einigermaßen anstrengend beschäftigte. Ich würde nicht behaupten wollen, dass das weiterlesen etwas stärkere Nerven erfordert, aber mir persönlich würden die nachfolgenden Zeilen weh tun. Von daher beginnt vielleicht lieber mit dem darauf folgenden Absatz der mit „HIER weiterlesen“ beginnt ;-)

    Also: Wie überall im Leben, lauern auch und ganz besonders auf einem Boot, gefahren. Ich war gerade dabei, Frank eine Leine für das Gennaker zu reichen und drehte mich dabei um. In diesem Moment verlor ich leider, aufgrund der Bewegungen des Schiffes, daß Gleichgewicht und trat mit einem Fuß ins leere, was einen ordentlichen „Rums“ zur Folge hatte. Das für sich genommen tat schon recht ordentlich weh. Was ich als Nächstes sah, war mein geliebter Mittelfinger der rechten Hand, welcher ab dem zweiten Gelenk einen 45° Winkel nach Backbord beschrieb. Die Kurzzeitanalyse dieser Situation führte zu dem Ergebnis: Das ist jetzt Kacke!

    Es musste also schnell eine Lösung her. Ich packte meinen abgeknickten Mittelfinger, zog ihn gerade und drückte ihn wieder in das Gelenk zurück. Es gab ein hör- und fühlbares Einrasten und der Defekt war somit erst einmal gefixt. Dieser ganze Prozess dauerte nicht länger als 20 Sekunden. Danach war ich dann aber für die nächsten Stunden erledigt. Einen kleinen Schock werde ich wohl gehabt haben. Jedenfalls hat mich die ganze Aktion noch eine Zeit lang beschäftigt.

    Leider war neben dem Mittelfinger auch noch der Ringfinger in Mitgliedschaft gezogen und somit wurde ich also zwangsweise zum temporären Linkshänder.

    Um das Ganze nicht in die Länge zu ziehen: Ich war inzwischen (drei Tage später) im Krankenhaus, die Hand wurde geröntgt und es ist zum Glück nichts weiter passiert. Kein Kapselriss und kein Bruch. Linkshänder werde ich wohl aber noch für eine Zeit bleiben müssen.

    HIER weiterlesen:

    Gran Canaria erreichten wir planmäßig am frühen Abend des 12. November. Ab hier wird es nun voll auf dem Schiff, denn wir nahmen, nach dem Anker setzen vor der Marina in Las Palmas, unsere neuen Crew Mitglieder an Bord. Diese sind: Suse, von Pellworm, welche anstelle von Claudia jetzt eingesprungen ist, sowie Vivi und Luca aus der Schweiz, welche sich auf Weltreise befinden und mit uns über den Atlantik segeln werden.

    Die kommenden drei Tage werden wir auf Gran Canaria verbringen, das Boot klarmachen, Einkäufe erledigen, um anschließend den Transatlantik-Törn zu beginnen.
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