• Nix los auf dem Atlantik? Von wegen…

    November 20, 2024, Nordatlantik ⋅ ☀️ 23 °C

    Huch, doch keine Sendepause? Ist schon wieder etwas schief gelaufen? Nein! Zumindest nichts Grundlegendes. Um uns mit aktuellen Wetterdaten zu versorgen, hat Frank entschieden, dass wir in Abständen etwas Volumen über Starlink buchen. Diese Gelegenheit nutzen wir dann auch dazu, um unsere Reisegeschichte weiter zu erzählen.

    Wie erwähnt, haben wir Gran Canaria nach einem kurzen Aufenthalt verlassen. Viel haben wir von der Insel nicht gesehen. Corinna und ich ein Krankenhaus und Supermärkte. Michelle und Frank kauften derweil in diversen Boot-Shops und einem Baumarkt Equipment für kleinere Reparaturen und Ergänzungen ein. Die Übrige Crew war auch damit Beschäftigt, alle Notwendigkeiten für eine solch lange Überfahrt zu beschaffen.

    Am Abend vorher ankerten wir vor dem Ort San Bartolomé de Tirajana. Das Wetter war ruhig, die See glatt und so gönnten wir uns ein nächtliches Badevergnügen bei einer Wassertemperatur von 22°. Am Morgen stand primär das Tanken des Schiffes auf dem Programm. Spontan wurde dann aber noch eingekauft, weil es sich herausstellte, dass das, was im Boot eingelagert wurde, vermutlich nur knapp für die Überfahrt reichen wird. Gegen frühen Nachmittag des 16. Novembers brachen wir, wie berichtet, dann auf zur Atlantiküberquerung.

    Man könnte vielleicht meinen, dass so eine Überfahrt eventuell von Langeweile geprägt ist. Dem war, zumindest bis jetzt, mitnichten so. Der Tag gestaltet sich entspannt. Das Wetter ist großartig, die Sonne scheint und zu Beginn unserer Reise hatten wir, entgegen der Tradition, tatsächlich richtig guten Wind. Dieser hielt allerdings nur eineinhalb Tage an. Danach war Flaute. Wir gehören offensichtlich zu der sehr kleinen Gruppe von Menschen, die einen Spiegelglatten Atlantik kennen lernen dürfen. Eine solche Wetterlage ist für diese Jahreszeit eher ungewöhnlich, aber ungewöhnliches sind wir ja gewohnt.

    Die erste Nachtwache auf dieser Überfahrt verlief entspannt. Suse allerdings sichtete unbekannte „Flugobjekte“ und holte Frank während ihrer Wache mit auf die Brücke. Zeugen von extraterrestrischem Leben sind die beiden allerdings nicht geworden. Was genau so extrem hell über dem Wasser leuchtete, hat sich bis heute jedoch nicht geklärt. Sollten es tatsächlich außerirdische gewesen sein, dann wissen wir jetzt, dass sie offensichtlich im gleichen Farbspektrum wie wir sehen können, denn ansonsten würden sie ja keine roten blauen oder grünen Lampen an ihre Raumschiffe montieren.

    Mit Ausnahme des Windes, verlief der Tag des 17. November ähnlich wie der davor. Einige von uns nahmen Sonnenbäder, andere werkelten am Schiff und wieder Andere lasen ein Buch oder vertrieben sich die Zeit anderweitig. Der glatt darliegengende Atlantik, zusammen mit dem Sonnenuntergang, bot uns zum Sunset ein großartiges Panorama. Dann jedoch kam das dicke Ende!

    Wir waren gerade mit dem Essen fertig, die Küche war blitzblank aufgeräumt, da hörten wir gegen 20:15 Uhr einen sonderbares Geräusch am Rumpf des Schiffes. Die Maschinen wurden gestoppt und schnell mussten wir erkennen, dass wir in ein Treibnetz gefahren waren. Ob solche Netze außerhalb der 20 Meilen Zone legal gestellt werden, kann ich nicht genau sagen. Letztlich war es für uns aber auch egal.

    Nun handelt es sich bei solchen Netzen nicht um so kleine Netze, wie wir sie aus der Ostsee kennen, sondern um riesige Netze mit mehreren 100 Metern länge, welche dicht an dicht gestellt sind und zudem knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen.

    Wir waren nun mitten in einem solchen gefangen. Diverse Versuche, dass Netz unter dem Rumpf durchzudrücken, scheiterten. Sowohl vom eilig zu Wasser gelassenen Schlauchboot, als auch von Bord aus war nichts zu machen. Zudem lag die Vermutung nahe, dass sich das Netz in den Propellern verfangen hatte. Bei völliger Dunkelheit in den Pech schwarzen Atlantik zu steigen, war zunächst keine Option. Allerdings Zwang uns die Realität dann, genau das zu tun. Ein zweifelhaftes Vergnügen! Immerhin hat unser Boot eine blaue Unterwasserbeleuchtung, welche wir einschalteten. So konnte man zumindest ein wenig sehen. Frank ging als erstes ins Wasser und es bewahrheitete sich, was wir vermutet hatten. In beiden Propellern hatte sich das Fischernetz verheddert.

    Was folgte, waren diverse Tauchgänge, bewaffnet mit Messer, Schnorchel und Tauchbrille. Zunächst von Frank, dann zusätzlich von Suse und Luca, welche sich ebenfalls ans Werk machten, um die Propeller wieder frei zu schneiden. Dieses gelang jedoch erst nach einigen Stunden. Während dessen trieben wir manövrierunfähig im Atlantik Richtung afrikanischer Küste, welche jedoch noch in weiter Ferne lag.

    Zu unserem Glück, wehte der Wind nach wie vor nicht und die Strömung war überschaubar. Mitten während dieser Arbeiten tauchte dann ein Fischerboot aus der Dunkelheit auf, welches sich uns näherte. An Bord waren circa 19 Personen, welche uns dabei beobachten, wie wir die Netze durchtrennten. Zu behaupten, es wäre für uns eine entspannte Situation gewesen, würde nicht ganz der Wahrheit entsprechen.

    Das Angebot der Fischer, in Schlepp genommen zu werden, lehnen wir dankend ab. Es war definitiv nicht unser Ziel, in irgendeinem afrikanischen Küstenhafen zu stranden. Die Situation blieb jedoch friedlich. Die Fischer beobachten weiterhin das freischneiden des Schiffes und begannen damit ihre Netze einzuholen. Gegen 0:15 Uhr war es dann soweit und unser Boot war wieder manövrierfähig. Wir starteten die Maschinen und Namen Fahrt auf. Nach kurzer Zeit erfolgte jedoch ein abruptes Aufstoppen, da das nächste Netz voraus lag. Jenes war dann aber das letzte in dieser Nacht und so konnten wir unsere Fahrt ungehindert fortsetzen.

    Die seltsam hellen, roten und blauen Lichter habe ich während meiner Wache in dieser Nacht nicht gesehen. Allerdings die Grünen. Es ist definitiv ein Objekt, auf welchem ein Laser installiert ist, der sowohl in den Himmel als auch horizontal gelenkt wird und recht stark sein muss. Zu welchem Zweck blieb unbekannt.

    Der 18. November war dann ein ruhiger, sonniger und entspannter Tag. Ab hier werde ich übrigens nur noch etwas über das Wetter schreiben, wenn es nicht warm und sonnig war. Weißt Bescheid…

    Tiersichtungen hatten wir übrigens auch. Einen Wal haben wir (fast) gesehen. Er schwamm in circa 300 Metern Entfernung zum Boot. Leider erblickten wir nur seine Blas-Fontänen und ein Stückchen Flosse. Zwei Wasserschildkröten zeigten sich ebenfalls und eine Zeitlang begleiteten uns knapp 30 Delphine. Auch das Thema „Fischerei“ entwickelt sich. Wir fingen zwei Bonitos. Nein, dass sind nicht die Schoko-Drops aus den Achtzigern, sondern eine Thunfisch-Gattung, welche uns dann auf dem Teller ein schmackhaftes Erlebnis boten.

    Nun geht der 18. November zu Ende und wir hoffen, dass die kommende Nacht keine Überraschungen zu bieten hat…
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