• Mindelo - Hier gehen dir Uhren langsamer

    November 22, 2024 in Cape Verde ⋅ 🌬 27 °C

    Der 19. und 20. November verliefen ruhig. Das Bordleben hat sich eingespielt und so verlebt man den Tag entspannt und gelassen. Verlässlich kommen ein bis zwei Mal am Tag Delphine vorbei, fliegende Fische ziehen ihre Kreise und man führt das eine oder andere Gespräch. Der Plan, von Gran Canaria direkt in die Karibik zu segeln, war in zwischen obsolet. Zum einen, weil auf der geplanten Route, mal wieder, kein Wind wehte und zum anderen, weil wir noch etwas Material benötigten. Somit bot es sich an, die Kapverdischen Inseln anzulaufen. Eine kleine Inselgruppe, welche zu Afrika gehört. Die Ankunft war für den 22. November geplant, was dann auch genau so funktioniert hat.

    Gegen mittag liefen wir in den Hafen der Stadt Mindelo ein, einer der etwas größeren Städte dieses Landes. Als erstes stand das Betanken des Schiffes auf dem Programm, da wir auf der Tour von Gran Canaria bis hier her leider einige Stunden Motorfahrt absolvieren mussten, was viel Diesel gekostet hat. Direkt nach dem Anlegen an der Tankstelle kam dann die Nachricht, dass leider nur noch ein Rest Diesel im Tank sei, aber in circa einer halben Stunde ein Tankwagen neuen Treibstoff bringen würde. Das war gegen 14 Uhr. Wirklich tanken konnten wir dann kurz nach 18 Uhr. Die afrikanischen 30 Minuten entsprechen also nicht ganz den europäischen. Gut zu wissen, denn dann kann man ja damit Arbeiten.

    Kurz vor unserer Ankunft brachen übrigens sehr viele Segler der so genannten ARC+ Regatta Richtung Karibik auf, so dass die Marina recht leer war. Der Hafen von Mindelo wird nämlich gerne von Seglern angelaufen, um dort noch einmal Material und Lebensmittel zu kaufen, oder eben jene Ragatta zu starten.

    Die Stadt selbst hat eine ganz eigene Atmosphäre. Hier mischt sich die afrikanische und die europäische Kultur, wobei die afrikanische vorherrschend ist. Zumindest was das Leben auf den Straßen betrifft. Die Menschen sind sehr freundlich und Hilfsbereit und der Tourismus ist noch im Aufbau begriffen. Für Individualtouristen ist dieses kleine Land definitiv ein kleiner Geheimtip. Ich denke, wir werden noch einmal wieder kommen, denn es lohnt sich.

    Die „30 Minuten“ Wartezeit bis zum tanken nutzten wir für den Einkauf von Lebensmitteln und einer ersten Erkundung der Stadt. Jene setzten wir dann am Folgetag fort. Unsere kleine Exkursion war sehr Interessant und Aufschlussreich. Am Nachmittag wanderten wir dann zu einem Strand, welchen wir bei unserer Ankunft vom Boot bereits gesichtet haben. Belohnt wurden wir mit weißem Sand, türkis blauem Wasser und einer Strandbar, in welche wir einkehrten. Leider hatten wir keine Badesachen dabei. Also verbrachten wir einige Zeit mit Vivi und Luca in der Bar und stärkten uns. Später dann kehrten wir zum Boot zurück, um unsere Badesachen zu holen, denn in dieses tolle Wasser muss man rein. Für einen Norddeutschen ist es schon toll einfach so in das Wasser zu steigen, ohne eine Nahtot-Erfahrung machen zu müssen. Aufstehen und rein in das 25 Grad warme Wasser. So lässt es sich aushalten.

    Für den 24. November war dann der Start für die finale Atlantiküberquerung angesetzt. Knapp 2.000 Seemeilen gilt es zu meistern. Dauer: Unbekannt. Wir hoffen erneut auf den richtigen Wind. Dieser ist vermutlich etwas weiter südlich der Kapverden zu finden. Gegen 13 Uhr war es dann soweit und die Maschinen wurden für das Ablegemanöver gestartet. Eine kleine Schrecksekunde gönnte uns das Schiff dann auch gleich, denn bei der Steuerbordmaschine ließ sich der Rückwärtsgang nicht einkoppeln. Etwas gutes Zureden half dann und das Problem war, zumindest für dieses Manöver, erledigt. Allerdings macht das Getriebe schon etwas andere Geräusche als vorher. Mal sehen, was noch kommt. Für die nächsten zwei Wochen brauchen wir ja eh keinen Rückwärtsgang. Kurz nach dem Ablegen dann der nächste „Schreck“. Die Anzeige der Wassertanks waren innerhalb kürzester Zeit von 100% auf knapp 50% gefallen. So viel Duschen kann in dieser Zeit niemand und die Toiletten werden mit Seewasser gespeist. Also suchten wir eine Undichtigkeit, welche jedoch nicht gefunden wurde. Auch blieb die Anzeige konstant. Für’s erste wurde dieses Phänomen unter Böses und ominöses verbucht. Vielleicht findet sich ja noch ein konkreter Grund dafür. Ich persönlich habe, nur in diesem speziellen Fall, nichts gegen den konkreten Wasserverlust, denn jenes wurde mit Hafenwasser aufbereitet, welches mit Sicherheit schon die eine oder andere Blase, Maschine, oder Toilette gesehen hat. Auch wenn das Gerät dem neuesten Stand der Technik entspricht, macht es das nicht besser. Hafenwasser bleibt Hafenwasser. Zudem weiß man ja, dass die meisten Boote ihre Seeventile im Hafen nicht geschlossen haben. So wird dann aus dem Tee mit dem Aroma „Blume von Hawai“ schnell mal „Grumpel aus der Schlei“.

    Nun befinden wir uns auf der finalen Route Richtung Karibik und hoffen, das uns in den kommenden zwei Wochen nur positive Überraschungen erwarten werden. Wir berichten…
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