Die Flaschenpost und der UFO-Angriff
December 6, 2024, Nordatlantik ⋅ 🌬 27 °C
Nun sind wir bereits seit 13 Tagen auf See und haben in dieser Zeit über 2.044 Seemeilen zurück gelegt. Von aufregenden Dingen wurden wir, bis auf drei Ausnahmen, bisher verschont. Das Leben an Bord ist eher von „Ruhe“ geprägt. Wobei dieser Begriff relativ ist, denn wirklich ruhig ist es nirgends.
Eine Atlantiküberquerung kann ich übrigens niemandem empfehlen der ADHS hat, einen ausgeprägten Bewegungsdrang verspürt oder viel Abwechslung braucht. Ebenso ist er ungeeignet für ungeduldige Personen. Allerdings ist es keines Wegs so, dass es keine Bewegung auf einem schwankenden Schiff gibt.
Das Training fängt bereits am Morgen an. Oder in der Nacht, wenn man Wache hat. Die erste Übung ist die „Hosenübung“. Hier gilt es, sich, noch halb schlaftrunken, so auszubalancieren, dass es einem gelingt, unter 30 Sekunden in das erste Hosenbein zu kommen, ohne sich lang hinzulegen, was in der Kabine zwar recht schwer, aber nicht unmöglich ist. Danach folgt dann Hosenbein Nummer zwei. Inzwischen ist die Hose zwar kurz, einfacher macht es diese Übung allerdings nicht.
Übung Nummer zwei, mit der Bezeichnung „Hose hoch“, folgt dann als nächstes. Hier gilt es, erneut die Balance zu finden, in die Knie zu gehen und dann, sehr rasch, jene nach oben zu ziehen. Die Geschwindigkeit ist hier für den Erfolg entscheidend, denn wer zu langsam ist, der stolpert entweder aus einem Hosenbein wieder raus, oder verkeilt sich ungünstig in der Kabine. Übung drei nennt sich „Shirting“. Hier besteht die Aufgabe darin, dass T-Shirt mit einem Schwung über den Kopf zu ziehen, ohne zu wanken oder zu kippen. Dazu steht man vorzugsweise etwas breitbeinig. Die Arme dürfen dabei nicht zu hoch kommen, damit der eigene Schwerpunkt nicht zu weit oben liegt. Wer danach noch nicht erledigt ist, der kann die Übung „Schuhe anziehen ohne hinsetzen“ dazu nehmen.
Nun geht es in den nächsten Trainings-Raum, dem Bad. Hier steht dann das „Pinkeling“ auf dem Programm. Zu erst gilt es, die Toilettenbrille hochklappen, ohne dabei mit dem Kopf gegen die Wand zu kippen. Danach fällt die Hose, was zu den leichteren Übungen gehört. Was jetzt kommt, ist gerade für untrainierte Männer nicht ganz ungefährlich. Mit einer gezielten Kniebeuge und rückwertigem Kippen gilt es, den Allerwertesten gezielt in die Mitt der Brille zu platzieren. Nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam. Hierbei ist peinlichst genau darauf zu achten, dass NICHTS eingeklemmt wird! Sollte dem so sein, ist das Training und der Tag damit bereits beendet. Erschwerend kommt hinzu, dass Schiffstoiletten erheblich kleiner sind als jene, welche in festen Häusern verbaut sind.
Je nach belieben und Notdurft ist jetzt eine kleine oder Längere Pause gestattet. Dennoch wird hier, ganz neben bei, die Tiefenmuskulatur trainiert. Die Herausforderung besteht darin, aufrecht sitzend, nicht vom Eimer zu kippen. Anschließend folgt erneut die Übung „Hose hoch“, jedoch in einer geänderten Variante. Die Krux ist, dass man nach dem Aufstehen breitbeinig stehen muss, um nicht umzukippen. Hast du schon mal versucht dir breitbeinig eine Hose hoch zu ziehen? Na dann muss ich diese Übung ja nicht im Detail erklären…
Was folgt, sind dann die motorischen Übungen. Zahnbürste im ausbalancierten Zustand in den Mund führen und versuchen, in den kommenden drei Minuten nicht mit dem Kopf gegen den Spiegelschrank zu schlagen. Vorsicht, hierbei kann die Zahnbrüste leicht verschluckt werden. Beim anschließenden waschen des Gesichts, gilt es vorher sorgfältig den sicheren Stand zu planen, denn ansonsten besteht die Gefahr, mit dem Gesicht auf dem Wasserhahn aufzuschlagen, was einem ebenfalls den Tag versauen kann.
Wer bis hier fehlerfrei gekommen ist, der ist schon ein gutes Stückchen in den Tag gestartet. Es geht doch nichts über ein wenig Sport am Morgen.
Was passiert während des restlichen Tages? Man nimmt etwas zu Essen zu sich und schaut auf’s Meer. Danach trinkt man einen Tee oder Kaffe und schaut auf’s Meer. Darauf folgend sucht man sich einen Platz auf dem Schiff und, ja genau, schaut auf’s Meer. So geht es eigentlich den ganzen Tag weiter. Es sei denn, man ist mit dem Kochen dran. Während dieser Phasen liest man ein Buch, unterhält sich, spielt etwas oder Hört Musik/Hörbücher. Wie man mit einem solchen Ablauf auf über 2.000 Schritte am Tag kommen kann, ist mir ein Rätsel, aber meine Uhr muss es ja wissen. Vielleicht kommt es daher, dass Mann und Frau immer wie ein dreijähriger läuft, welcher die Hosen voll hat. Leicht breitbeinig und mit kleinen Schritten. Sieht komisch aus, ist aber notwendig, denn sonst macht es „Rums“. Das Thema hatten wir ja schon.
Neben einem hellblauen Himmel mit weißen Wolken und einem dunkelblauen Ozean mit weißen Schauköpfen, gibt es meistens nicht viel zu sehen. Der Ozean, die unendlichen Weiten…
Delphine kommen leider keine mehr vorbei. Dafür hin und wieder ein Seevogel, des Öfteren fliegende Fische und ganz selten Pilotwale.
Am frühen Morgen des 2. Dezember gab es dann leider ein Wetterphänomen, welches sich „Squal“ nennt. Einfach beschrieben, ist es ein großer Schauer mit gleichzeitiger Zunahme des Windes um zwei bis drei Windstärken. Leider erwischte uns ein solcher Squal bei gesetztem Genacker, welches dieses leider nicht überlebt hat. Mit einem lauten Rrrrritsssch riss jenes in zwei Teile und wird somit nicht mehr die karibische Sonne zu Gesicht bekommen. Sehr ärgerlich!
Eine solche Reise lädt natürlich auch dazu ein, über den Sinn des Lebens nachzudenken, sich zu finden, ausgeglichen zu werden etc. Ich bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Die Antwort auf den Sinn des Lebens lautet wirklich 42*, gefunden habe ich mich schon vor langer Zeit und ausgeglichen bin ich auch 90% der Zeit. Aus diesem Grunde schreibe ich hier jetzt halt lange Texte.
Der nächste wird dann vermutlich von der Karibik handeln. Aber man weiß ja nie…
Ein weiteres Ereignis war das „Bergfest“ welches wir am 1. Dezember begingen. Bei Position xxx haben wir die Hälfte der Strecke von den Kapverden in die Karibik zurück gelegt. Eine gute Gelegenheit, die tolle Flaschenpost, welche Angi und Frithjof für uns gebastelt haben, dem Ozean zu übergeben. Gefüllt ist diese mit einem Foto der Crew und einem kleinen Text auf der Rückseite. Vielleicht wird sie ja in ein paar Jahren einmal aufgefischt und wir bekommen dann ein E-Mail des oder der Finder/in.
Der 5. Dezember bot uns dann gleich zwei Erlebnisse. Als erstes fiel der Generator aus, welcher das Schiff, neben den Solarzellen, mit Strom versorgt, die Akkus lädt und den Meerwasserentsalzer betreibt. So ein Ausfall hat dann zur Folge, dass wir massiv Strom sparen und mit dem Wasser haushalten müssen. Also nicht duschen und keine elektrischen Geräte nutzen. Das schlimmste ist aber, dass wir jetzt von Hand abwaschen müssen. Verdursten oder Stinken, alles halb so wild, aber selbst abwaschen? Geht gar nicht. ;-)
Gegen 17:30 Uhr kam es dann zu einer Begegnung der besonderen Art. Ein gleißend helles UFO näherte sich von der Backbordseite mit enormer Geschwindigkeit (siehe Video). Dieses unbekannte Flugobjekt war bereits in die Erdatmosphäre eingedrungen und zog einen rauchenden Schweif hinter sich her. Wie hoch es war, lässt sich nicht genau sagen. Es überflog das Boot, beschrieb dann eine abrupte Kurve und stürze dann ab. Dabei verschwand das helle Licht allmählich. Nach einiger Zeit fielen dann Teile des Objektes in Sichtweite ins Meer. Es war nicht direkt in der Nähe des Bootes, aber, gemessen an den uns umgebenden Dimensionen, schon recht nah dran. Da segelst du 4.700 Seemeilen, trotzt allen Gefahren und dann wirst du, fast 300 Seemeilen von deinem Ziel entfernt, beinahe von Teilen eines UFO versenkt. Da denkst du nur „what the Fuck, das gibt es doch gar nicht!
* Wer damit nichts anfangen kann, der bemüht eine Suchmaschine seines Vertrauens und gibt „Antwort auf das Geheimnis des Universums, des Lebens und des alles“ ein.Read more









TravelerGlückwunsch. Der Traum ist in Erfüllung gegangen. Jetzt ist wahrscheinlich echter Urlaub angesagt. Der Rum auf der Insel ist eine Kostprobe wert. Alles Gute weiterhin und gute Rückkehr !
Traveler
Wir sind gespannt wer und ob und wo sie gefunden wird 😜
TravelerWir hoffen doch sehr, dass sie gefunden wird. Wir haben sie genau in der Mitte zwischen dem afrikanischen und amerikanischen Kontinent dem Ozean übergeben. Danke nochmals für die tolle Idee.