• Go further East - es brennt der Busch…

    January 24, 2025 in Australia ⋅ 🌬 43 °C

    Auch bei deutlich über 40 °C gibt es kein Erbarmen – die Straße von Hyden am Wave Rock in Richtung Norseman will genommen werden – am liebsten, um dann auf den historischen und nur 4x4-Fahrzeugen vorbehaltenen Holland Track abzubiegen. Dieser wurde mittlerweile vom Land Cruiser Club in Perth adoptiert und wiederhergestellt – im Zuge des Goldrausches von 1893 (dazu später mehr) von John Holland mal eben durch den Busch gehackt – das wird nicht lustig gewesen sein. Lustige Videos von steckengebliebenen Fahrzeugen gibt es genug auf YouTube.

    Also wird Rose, der Toyota Hilux, vom Asphalt auf den Gravel gelenkt und ich schaue immer wieder begeistert auf den Kängurufänger und denke noch, wie sicher sich das anfühlt. Mit dem Riesending da vorne hat man das Gefühl, eine panzerbrechende Waffe zu fahren.

    Nicht lustig ist auch die schwarze Wand, die sich vor mir auftut. Mal abgesehen von dem geschredderten Jeep, der da so malerisch an der Seite der Straße liegt – ein echtes Mahnmal… Die Straße besteht aus losen roten Steinen und tückisch ist die weiche Schulter (der Straße; meine Schultern sind unweich😁) – da will man nicht so weit (Achtung; Wortspiel!) abweichen, sonst sieht man aus wie der hoffentlich mit dem Schrecken davon gekommene Jeepfahrer.

    Die Wand wird schwarzer und mein inneres Kind denkt: „das kann ja eigentlich nur Regen sein“….Schon zuckt der erste Blitz und es fängt an zu tröpfeln. Als ich anfange zu husten, weil es draußen riecht wie nach dem Grillbrand in der Sommerfrische, da denke auch ich: hier stimmt was nicht…

    Richtig: der Busch brennt. Mein inneres Kind ist inzwischen zum inneren Bedenkenträger mutiert und will zurück. Der engstirnige, alte weiße Mann will nach vorne und gewinnt. Das geht gut und ich erreiche den Lake Johnston: ein wunderschöner Salzsee, der von einem rost –rosa– gefärbten Ufer gesäumt wird, welches seine Tönung durch die Salzkristalle erhält.

    Der Sonnenuntergang wird hier zu einem tatsächlich bezaubernden Farbspiel und ich versuche, mich selbst zu bezaubern und auf diesem komplett im Nichts befindlichen Campingplatz die kommende Nacht ebenso komplett alleine zu verbringen. Um mein pulsbeschleunigendes Trauma vom vorigen Campingplatz zu überwinden, stranguliere ich kurz die Memme in mir und klappe das Zelt auf und steige hinein.

    Totenstille um mich herum. Und dann fängt es wieder an, nach Rauch zu riechen. Mein inneres Kind ist nicht unaktiv, der alte weiße Mann läuft zur Hochform auf und dann gewinnt der Schlaf. Bis 5:30 Uhr – denn dann geht mindestens ebenso bezaubernd die Sonne wieder über dem See auf.

    Und falls es jemanden interessierte: ja, ohne dieses bescheuerte Netz über diesen bescheuerten Hut geht es nicht. Ich weiß nicht, was die ganzen Fliegen vorhaben – vielleicht liegt es auch daran, dass ich der einzige Mensch auf diesem Platz an diesem See bin. Aber gefühlt fangen die an, mein Gesicht zu essen. Vielleicht liegt‘s auch am typischen Camper-Odeur nach zwei Tagen ohne Dusche…🙈

    Das hätte ich ja noch verarbeitet – als sich allerdings kleine Summbrummer dazugesellen, die wie Wespen aussehen, setzt das innere Kind zu einem dieser: „habe-ich-doch-gesagt“-Attacken an.

    Ich expressverwerfe den Plan, mit dem Versuch einer Außendusche am Camper einem Minimum an Körperhygiene zu huldigen und realisiere, dass ich das Dachzelt noch zuklappen muss. Da hamse leider gespart und das dauert deswegen ein bisschen länger und ich stehe umsummt von hunderten von diesen Wespenartigen auf einer Trittleiter und Versuche, widerspenstige Verschlussbügel eben auch zu verschließen. Gedanken an einen qualvollen Wespengift – Tod– gepaart mit Blödheit – durchfluteten mein vom Schlafentzug vernebeltes Outback – Gehirn.

    Das sind ja so Situationen im Leben, wo es alternativlos wird. Wahrscheinlich war der Geist von John Holland mit mir und es geht gut. Pffff.

    Am Ende fahre ich von rückwärts durch eine Straßensperrung und muss realisieren, dass die von mir befahrene Route wegen der Buschfeuer inzwischen gesperrt wurde. Da hatte das innere Kind wohl doch eine gewisse Kompetenz… 🙈 Der Rest ist entspanntes Fahren und ich beschließe, in Kargoolie mal zu schauen, was eine der größten Goldmine der Welt macht – und vielleicht in den nächsten Tagen den Holland Track von Norden her in Angriff zu nehmen, falls das Wetter passt. I doubt it. Aber ein Zimmer mit Klimaanlage und eine D.U.S.C.H.E sind zu verführerisch. Es reicht noch zu einem wunderbaren Thai-Dinner und einem letzten Beitrag zu diesem Blog - juuute N8!💫
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