• Quokkas und Selfie-Queens

    1. marts 2025, Australien ⋅ 🌬 23 °C

    Was dem Rheinländer der Drachenfels, ist dem Perther „Rottnest Island“… besonders natürlich am Wochenende und da wir keine Wahl haben, machen wir da mit. Ausgestattet mit dem Privileg, vom Hotelbett quasi auf die Fähre zu fallen, sitzen wir – das Morgenlicht und den passenden, tief blauen Himmel genießend – schon früh auf dem Schiff und lassen uns vom Kommentar der freundlichen Guide–Frau (oder „Guidenden…?“) einlullen.

    Ich schrecke ein bisschen hoch, als sie mir den Preis der teuersten privaten Immobilie am Ende des Swan River nennt. Dieser Fluss verbindet das Meer mit dem zentralen Teil von Perth. Wir sind kurz vor dem Stadtteil Fremantle (manche sagen auch Freakmantle…). Hier docken riesige Containerschiffe an und das Ende der Stadt ist erreicht…

    56,2 Millionen $ kostete die Villa. Natürlich mit eigenem Bootsanleger und Golfplatz hinter dem Garten. Nicht, dass man es diesen Häusern nicht ansehen würde: die üppigen Rohstoffvorkommen und die Minenindustrie haben Westaustralien reich gemacht. Eine nicht enden wollende Folge von schönsten Häusern mit bestem Blick – da könnte man schon gut auch länger verweilen. Hier wohnen die Reichen, die Schönen und die ganz schön Reichen.

    Damit es zwischendurch nicht langweilig wird, turnt eine ganze Stunde lang eine nicht mehr ganz junge und hemmungslose Dame asiatischer Herkunft in einem dezent eidotterfarbenen Gewand um uns herum und gibt sich einem Dauerbeschuss von Selfies hin.

    Ich bin kurz vor Kontrollverlust und fantasiere zwischendurch, ihr den Selfiestick aus der Hand zu reißen damit wilde Dinge zu tun. Bei solchen Gelegenheiten frage ich mich immer, warum der liebe Gott die Steuerungsfunktionen des menschlichen Gehirns nicht auf Essen, Schlafen, Stoffwechsel und ein Hirnzentrum für Handybedienung reduziert hat. Das wäre wahrscheinlich ökologisch effizienter. Amüsant ist es aber trotzdem.

    Fremantle ist der bunteste und spannendste zusammenhänge Stadtteil in Australien, den ich bisher gesehen habe – doch dazu später mehr, denn zunächst geht es auf die Insel. Rottnest wurde von einem der vielen holländischen Entdecker (hier: Herrn Vlamingh) gefunden und da er die possierlichen Minibeuteltiere, die dort zu einer echten Plage geworden sind – die Quokkas – zunächst für Ratten hielt, taufte die Insel entsprechend: Rattennest. Woraus sich unschwer Rottnest ableiten lässt.

    Als vorbereitender Kulturschock auf Hongkong erwarten uns hier am Hafen gefühlte Massen von Leuten, Junggesellenabschiede und kurz habe ich mich gefragt, ob in Perth überhaupt noch einer ist. Da heißt es nur eins: flüchten…

    Ein wohlorganisiertes Bussystem auf der auch ökologisch spannenden Insel garantiert die Zufahrt zum westlichsten Punkt Australiens und natürlich geben wir uns dem hin. Und auch hier wieder: die Australier machen sich’s einfach wirklich schön. Selbst die Wartehäuschen für die Buslinie sind eine Design – Freunde; überall stilisierte Aborigine– Kunst. Überall Wasserspender. Gut gelaunte Busfahrer.

    Wir lassen uns treiben und verbringen relativ viel Zeit an einem wunderschönen Strand (ich weiß gar nicht, wie oft ich das schon geschrieben habe…) und genießen die Sonne, blauen Himmel und Glitzermeer.

    Schwitzende Touristen schieben Fahrräder über die unzähligen Hügel der Insel und wir sind froh, dem Bus den Vorzug gegeben zu haben. Und wer einen Schrittzähler auf der Smartwatch hat, der geht natürlich die letzten 2 km zu Fuß, damit die Uhr nicht meckert. Was sich lohnt. Entspannt dümpeln überall die Yachten der australischen Sozialhilfeempfänger und lassen einen manchmal denken, wie angenehm das Leben hier wäre…

    Und da ich mit dem Luca-Füxchen unterwegs bin, setzen uns auf der Rückfahrt nicht in die erste Reihe. Die Sitze sind schon nass. Und auf der Rückfahrt wissen wir warum: der Seegang erreicht nicht ganzes Niveau des Whale Watching – Schiffes, ist aber schon deftig.

    Wir schlängeln uns durch riesige Containerschiffe Richtung Fremantle durch und beschließen, dort auszusteigen. Und werden absorbiert von einem Samstagabendleben, das nicht ignoriert werden kann.

    Wir snacken uns durch Mexiko, Asien und krönen das Ganze mit einem Yo Chi (Frozen Joghurt). Der Laden ist so hip, dass mein Alter Jahrzehnte entfernt ist von demjenigen des Durchschnittsbesuchers. Ich warte nur drauf, dass mir einer den Rollstuhl reicht. Ist aber wirklich lecker… Uber-Taxinach Hause und vorm Schlagen das Gepäck noch dreißigmal umsortiert – denn morgen droht Hongkong… Sleep Well!💫
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