• Kitsch, Kloster und Kommerz

    6. marts 2025, Hong Kong ⋅ ☁️ 14 °C

    Auch wenn ich jetzt wieder von zu Hause aus schreibe, bin ich mit einem Fuß noch in den Vibes dieser Reise – und konnte gestern noch mal die ganze Bandbreite von Spiritualität in einer 7,5 Millionen–Stadt erleben, weil ich meine persönliche, kleine Erleuchtungs– Wallfahrt fortgesetzt habe.

    Als ich den Wong-Tai-Sin Tempel betrat, war ich zart geschockt – das fühlte sich wie eine Mischung aus Kirmes, Karneval und Kloster an. Dunstabzugshaube für Räucherstäbchen. Kitsch as Kitsch can, wenn man nicht eh schon schwindlig war von den ganzen Farben, Gerüchen, Wahrsagerständen, Koi Karpfen und den unvermeidliche Händlerbüdchen überall.

    Auch wenn das Luca–Füxchen nicht dabei ist, entdecke ich meinen eigenen kleinen Fux und damit auch das nur 1 km entfernte Chi Lin Kloster, welches von buddhistischen Nonnen betrieben wird. Eine ästhetische Augenweide, Stille, spirituelle Schönheit, ein gepflegter Bonsaipark, wirklich ein spiritueller Leckerbissen – wenn ich das mal so formulieren darf.

    Fotografieren war im Inneren verboten und ich habe es respektiert, auch wenn es meinem inneren teutonischen Touristen völlig widerstrebt. Und ich meine auch, schon ein kleines Erleuchtungskitzeln zu verspüren. So schräg hinter dem dritten Auge, glaube ich.

    Diese Superpower nutze ich, um auf verschlungene Wegen eine U-Bahn Station zu finden und mich in Richtung der ehemaligen „Walled City“ zu bewegen. Aus einem alten Militärfort aus dem 19. Jahrhundert wuchs bis in die Neunzigerjahre hinein ein vollkommen anarchisch Ghetto, dass man einfach mal googeln sollte. Wer die Fotos vom Monster Building gesehen hat, der wird das danach für ein Luxus – Resort halten.

    Abgesehen davon mäandere ich hier durch ein mir wirklich sehr authentisch erscheinendes Viertel, in dem nichts, aber auch nichts touristisches zu finden ist. Auch das eine Wohltat.

    Metro in die Stadt, einen kurzen Abstecher in das sehenswerte Space Museum und dann gönne ich mir noch das abendliche Laser - Lightshow Spektakel über dem Wasser zwischen den beiden Haupt – Stadtteilen: Hongkong Central und Kowloon. Langsam verstehe ich die Struktur der Stadt ein wenig. Eine durchaus komplexe Angelegenheit, die mit der Historie als britischer Kronkolonie zu tun hat – welche sich der allgemeine Chinese aus guten Gründen so erhalten hat, dass sie nach wie vor ein gewaltiger Handelsplatz ist.

    Nach über 80.000 Schritten in vier Tagen kann ich sicher sagen: diese Ausflug hat sich gelohnt, aber lieber wäre ich wieder im australischen Busch. Mir fällt es schwer, die ganze Fülle dieser fast zweimonatigen Reise zu begreifen, für die ich so dankbar bin – das wird noch ein bisschen dauern und ich bin froh, dass ich das alles aufgeschrieben habe.

    Und danke Euch an dieser Stelle für alle Kommentare und Bemerkungen – es hat Spaß gemacht, von euch begleitet zu werden. See you on the Road….🥰
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