• Endlich wieder Wanderlust…

    June 10, 2025 in France ⋅ ☀️ 28 °C

    Der 9. Juni war es nicht wert, erwähnt zu werden – der Zustand der Vergammelung erreicht extreme Ausmaße und wir bewegten uns halbwegs zielgerichtet nur zwischen Bett, Küche und Esstisch. Der Côtes du Rhône musste ja auch noch weg.

    Erholte Muskelfibrillen verlangten nach Betätigung und Jörg hatte eine wunderbare Rundwanderweg gefunden; Komoot sei Dank. Allerdings einige Kilometer entfernt. Eine Fahrt in die Tiefen des Gorges du Tarne offenbarte eine canyonartige Landschaft, wie sie schöner in Amerika oder Kanada nicht sein könnte. Ein echtes Juwel!

    Ein malerisches Dorf nach dem anderen; Einblicke in eine uralte Flusslandschaft und schmalste Straßen begleiten uns zu unseren Zielort: St. Chély-du-Tarne. Tesla abgestellt, Rucksack und Stöcke angebracht und dann bewegen wir uns 400 Höhenmeter mit konstanten Uhrwerktempo nach oben – immer wieder stehenbleibend und die Einblicke in die Schlucht genießend. Und trinkend: die Temperaturen nähern sich der 30° Grenze. Wie schön, wenn der in Australien erworbene Hut auch hier Schatten spenden darf…

    Und als wir realisieren, dass die geplante Abkürzung nicht zu machen ist, seufzen wir ein bis zweimal tief durch und machen uns dann auf die 17 km – Komplettwanderung. Und werden belohnt: blumengeschmückte Wiesen, waldbrandverkohlte Sträucher, in der Tiefe liegender, glitzernder Fluss und eine Burgruine wechseln sich ab mit dichtem, vielfältigen und schattenspendendem Bewuchs und schaffen viele unvergessliche Eindrücke.

    17 km, die Wärme und viele Höhen – und Tiefenmeter fordern allerdings ihren Tribut und die vielen Kilometer ausgesetzten Weges erfordern voller Aufmerksamkeit – das macht müde.

    Wie schön wäre es (Achtung: Konjunktiv…) gewesen, sich jetzt nach der Wanderung bei einem kühlen Getränk im Schatten zu entspannen. Ich versuche, den Tesla zu öffnen und muss leider feststellen, dass das Auto schlicht nichts mehr tut. La Voiture est morte. Mit ein bisschen digitaler Überredungskunst gelingt es zwar noch, das Musk – Produkt zu öffnen, aber die Fehlermeldungen auf dem Display signalisieren eine leere Starterbatterie. Die eigentliche Fahrzeugbatterie ist noch voll. Irritation. Tesla – Telefonat. Abschleppwagen -Versprechen seitens Tesla. Jörg kann mit einem Taxi (übrigens ein Tesla…🤭) zum Glück in die Unterkunft fahren und ich harre des Abschleppwagens.

    Wie schön, wenn er kommt. Wie unschön, wenn der großflächig tätowierte, ketterauchende Fahrer nicht eine Silbe englisch spricht und einen französischen Akzent, der mir die Wanderschuhe auszieht.

    Aber das lässt sich noch steigern: vom Auftrag, den Tesla in das 160 km entfernte Montpellier zu bringen, weiß er nichts. Von Tesla irgendeine Ahnung: Fehlanzeige. Ich versuche, mittels YouTube Videos und unter Abwehr der nervigen Teenie – Tochter des Abschleppers, die ständig an unserem Auto herumfummelt, eine Lösung zu finden. Und lerne, dass man auch Elektroautos Starthilfe geben kann, es gibt hier ebenfalls – wie in jedem anderen Auto – eine Starterbatterie. Übrigens genau die, die über all‘ die elektronischen Funktionen wie Schlösser, Licht und Display herrscht. Der Wagen erwacht; keine Fehlermeldung. Abschleppunternehmer nach Hause geschickt und dann: Was tun?

    Mittlerweile ist es fast dunkel und die Vorstellung, auf einer der engen Bergstraßen liegen zu bleiben, ist keine gute. Ich verhandle mit der Besitzerin des einzigen Hotels am Ort und ergatterte eine 90 cm – Pritsche. Immerhin… hätte ich doch jetzt eine Zahnbürste. Und einen frischen Schlüpfer… Aber das wird alles kompensiert durch mein Glücksgefühl, eine vollgeladene Powerbank dabei zu haben. Wie das Ganze ausgehen würde, ohne telefonieren zu können – mag ich mir gar nicht vorstellen. Und hoffe auf den nächsten Morgen.😆😝
    Read more