Mussolini‘s Erbe und super Charging…😝
May 30, 2025 in Germany ⋅ ⛅ 17 °C
Nach 10.000 km in Australien im Auto wird der ultimative Kontrast fällig: zu Fuß von den Seealpen an die französische Küste mit nachfolgender Erkundung der Cevennen – das klingt nach vollkommener Entschleunigung und Schritt-für-Schritt entdeckendem Wandern in einer grandiosen Kulisse. Und das mit einem meiner besten und geschätztesten Freunde: Jörg!
Sonnencrème, Carbonwanderstöcke, Campari Spritz, Blasenpflaster, Powerbank, Offlinekartendownload - was geht mir nicht alles durch den Kopf, bevor wir starten. Was wir morgens um 05:00 tun (Danke, Jörg🤪)– und das ist auch gut so: wer Elektroauto fährt, der fährt UND lädt – und das dauert zuweilen. Und das Warten wird belohnt durch die grandioseste Alpenkulisse, die ich jemals jenseits der Überquerung der Schweizer Grenze in Basel gesehen habe : eine nicht enden wollende Kette schneebedeckter Alpengipfel in der Ferne – umrahmt von gleißend blauem, ungetrübten Himmel – wir haben eine grandiose Fahrt zum ersten Zwischenziel: Varese.
Und entdecken beim Gang zum vielgelobten Restaurant, dass der Italiener gerne auf Bürgersteige verzichtet und drücken uns an den Hauswänden entlang, um der sportlichen Fahrweise der italienischen Landbevölkerung zu entgehen. Belohnt werden wir mit einem fantastisch – italienischen Mehrgänge – Menü und einer florierenden Auswahl von alkoholischen Schweinereien, so dass wir auf dem Heimweg dem Taxi den Vorzug geben und der nächsten Etappe entgegenschlafen.
Und das wird der Start unserer Wanderung sein: das Dörfchen St. Dalmas de Tende, kurz nach Christi Geburt von Mönchen gegründet und nach einer wechselvollen Geschichte auf dem Grenzgebiet von Italien und Frankreich durch den Sturm Alex vor einigen Jahren erheblich beschädigt – wir schlafen im ehemaligen Kloster des Ortes und genießen dort den Luxus moderner Zeiten, obschon die Schwingung des Klosterlebens spürbar ist.
Zwischendurch und auf der Fahrt dorthin musste der Luxus einer kleinen Mittagspause in einem idyllischen, kleinen Restaurant in einer abgelegenen Ortschaft im Piemont drin sein – es war wunderbar!
Beeindruckend am Ankunftsort in St. Dalmas de Tende: mitten in diesem Ort steht ein fast schon grotesk gigantisches Gebäude. Ich forsche und Dr. Google sagt mir, dass Mussolini 1927 hier einen absurd großen Bahnhof errichtete, um den Einreisenden (Franzosen) zu zeigen, wo der italienische Hammer hängt – dieses Gebäude ist so grotesk wie Prora auf Rügen.
Leider ein geschlossener Lost Place, dennoch eine beeindruckende und monumentale Wucht von Architektur–Neoklassizismus. 13 (!) Gleise führten hier einst entlang, was auch die inadäquat erscheinende Größe der Eisenbahnbrücken hier erklärt. Diese Bahnen dienten zum Abtransport des Abraumes der ehemals in der Nähe befindlichen, großen Mine. In der die armen Mönche des Klosters als Zwangsarbeiter dienten, nachdem die Sarazenen das Kloster überfallen hatten. Wir sind vor einem Überfall sicher und freuen uns auf eine erholsame Nacht, um morgen die erste Wanderung anzutreten…Read more
L‘Auteur aujourdhui: Monsieur Jörg!
June 1, 2025 in France ⋅ ☁️ 23 °C
Der geniale Penguin-Poet Thomas gibt den literarischen Staffelstab für heute an mich, Jörg, weiter.
Wir sind in Frankreich, erstes Frühstück, erster Wandertag: warme Croissants und schlechter Kaffee erwarten uns im Kreuzgewölbe-Speiseraum des ehemaligen Klosterspeiseraums und jetzigen Hotels.
Der Bus fährt uns pünktlich an den ersten Wanderstart, nach Tende. Ja, wir sind wirklich in Frankreich. Die typischen Platanengesäumten Plätze und kleinen Cafés empfangen uns nach Ausstieg aus dem Bus und zügig geht es, nachdem wir die engen mittelalterlichen Gassen des Dorfes verlassen, steil in - zu vielen (hechel) - Serpentinen den ersten Berghang hinauf durch saftig-grünen Wald und immer wieder - den ganzen Tag! - vorbei an grell-gelben Ginster-Plantagen (sagt Thomas)
Nach dem ersten großen Abstieg kommen wir in ein zweites wunderschönes Dörfchen (la Brigue). Ja, auch ein Touristenbus mit italienischen Tourist*innen ist schon da, die uns später, nach weiteren 4 Wanderkilometern, den Eintritt in die wunderschöne mittelalterliche Kapelle verstopfen. Eine Dame des Touristenbüros versperrt uns den Weg in die Kapelle mit dem Hinweis, zuerst solle doch die Gruppe noch ungestört einen 30-40 minütigen Vortrag hören dürfen. Wir warten, aber es lohnt sich. Die Kapelle ist vollkommen ausgemalt mit mittelalterlichen Fresken aus dem Leben Jesu, am eindrücklichsten die von mir noch nie so gesehene biblische Szene, in der Judas selbstmörderisch, mit schrecklich verzerrten Gesicht (so groß ist seine Verzweiflung über den an Jesus begangenen Verrat), am Baum hängt und der Teufel empfängt seine Seele, die den Körper so eben verlässt. Steht so nicht in der Bibel, zeigt aber, was die fromme Christenheit einem solchen Verräter gönnt.
Stark beeindruckt machen wir uns noch 8km auf den Heimweg und sind am Ende - nach cirka 21km - so was von platt. Nur noch vier bis fünf - kleine! - Flaschen Heineckenbier, eine warme Badewanne und ein leckeres Abendessen können helfen. Der Tag endet früh, kurz nach 21h, der Gesprächsstoff geht uns wegen erhöhter Müdigkeit aus. Morgen geht's ja weiter auf die nächsten 16 km. Wir freuen uns!Read more

TravelerDer Teufel wird auch eure Seelen holen, wenn ihr in Frankreich weiter Heineken trinkt ... mon dieux oder dieu oder djö

TravelerHätte ich auch nicht gedacht, dass ich so tief sinke. Zuerst kommt der Durst und dann die Moral, wie Brecht so trefflich formulierte... Unsere unfassbar ausgetrockneten Kehlen nach der Wanderung trafen auf eine Bierauswahl, die sich leider auf dieses "Bier" beschränkte.
Das Nepal von Frankreich…?
June 2, 2025 in France ⋅ ☁️ 23 °C
Ich zitiere: „Saorge ist nicht die geschäftige Metropole, in der man an jeder Straßenecke ein Abenteuer erlebt. Sie ist älter als die Römer und wurde auf einer Höhe von 319 bis 2680 m an eine Klippe gebaut. Es gibt 400 Einwohner, ein paar Sehenswürdigkeiten und eine Bar. Die endlosen Ausblicke, die Geschichte, die kleinen Terrassen, die engen Gassen und die steilen Berghänge sind der Grund, warum Sie hierher reisen. Dies sind auch die Gründe, warum viele Menschen diesen Ort mit Tibet oder Nepal vergleichen“.
Das klang spannend - und wir liefen hin. Dass dazwischen 16 km teils steilste Abstieg durch die raue Bergwelt der Seealpen lagen, haben wir erst mal wegignoriert. Aber was kann einem mit einem Frühstück aus leckerem Baguette 🥖, duftenden Croissants und der nicht aufzuhalten Motivation von zwei alten weißen Männern schon passieren?
Ein letzter Blick auf den monströsen Bahnhof in St. Dalmas de Tende und wir tauchen in einen alpinen Eichenhain hinein und sind immer wieder fasziniert von den Ausblicken in die schroffen und teils dramatischen Seealpen. Stille umgibt uns, Vogelgezwitscher und das rauschen der vielen, eiskalten Bäche, während wir uns Meter um Meter in die Höhe schrauben. – tatsächlich eine Idylle.
Und diese spiegelt sich wieder in den kleinen Dörfchen, die sich wie Adlernester in die Berge schmiegen – so klein, dass sie nicht mit Autos befahren werden können und voll mit poetischen und ungewollten (?) Installationen von Blumen, verrosteten Tischen und Stühlen und dem ein oder anderen uralten Dorfbrunnen – natürlich unweit einer romantisch–morbiden, kleinen Kirche.
Immer wieder stelle ich mir vor, wie es wäre, Jahrzehnte in einem dieser Dörfer zu leben. Schwer vorstellbar. Und doch ist die Ruhe hier verführerisch; man kann den Rhythmus des Lebens spüren als etwas, was hier einfach stattfindet und nicht kontrolliert wird von Uhren, Schaltern, digitalen Geräten.
Beine werden schwer, Füße brennen. Das Ziel im Tal – die verschlafene Stadt Fontan – ist bereits sichtbar, erscheint jedoch in weiter Ferne und unsere müden Gehirne kalkulieren, wie viele brennende Schritte es noch braucht, um zu einem kühlen Erfrischungsgetränk zu gelangen.
Doch jede Wanderung hat ein Ende und wir lassen uns erschöpft auf die Wartebank des Minibuses fallen, der uns nach Saorge bringen wird – diesem wunderschönen, verwunschenen, halb verlassenen Ort, der manchen verführt, dies hier als Nepal von Frankreich zu bezeichnen.
Die Stadt umschließt uns charmant, verführt uns irrlichternd in ihre engen Gassen und wir schaffen es tatsächlich, mitten in diesem verschlafenen Habitat einen Kaffee zu ergattern. Was für eine Wohltat! Die Eiskugeln und das kalte Bier lasse ich unerwähnt.
Es kann so einfach sein: abends kocht Lukas, unser Gastgeber, ein köstliches Dreigänge-Menü und wir sind einfach nur: zufrieden!😃Read more

Traveler
Bisschen WD-40 und Panzerband, und der ist wieder genau so fit wie dein Bus.

Thomas WimmersLeider ist der Bus gerade genauso fit wie dieser Traktor – nämlich nicht so richtig. Ich versuche es mal mit Tape und WD 40…🤭
Gottes Wandergemetzel…
June 3, 2025 in France ⋅ ☁️ 21 °C
Es ging harmlos los… - wie in dem bekannten Film und Bühnenstück. Mit einem dieser französischen Frühstücke, die einen mit ein paar Baguettescheibchen und Marmelade nicht wirklich mit den Kalorienreserven für einen Wandertag versorgen – aber wussten wir doch nach der Beschreibung des heutigen Abenteuers, dass uns nur eine kleine Regenerationstour erwartet – lächerliche 9 km. Das würden wir in kurzer Zeit wegatmen und beschlossen, auf Proviant zu verzichten.
Vorher kurz noch einen Abstecher in das beeindruckende, barocke Franziskanerkloster von Saorge, das liebevoll restauriert die authentisch erscheinende Atmosphäre eines solchen Klosters lebendig werden lässt. Und heute als Rückzugsort für Autor:innen dient, die sich der Kunst des Schreibens verschrieben haben (ein Wortspiel war hier nicht beabsichtigt…).
Würde ich schreiben wollen, dann würde ich es hier tun: der liebevoll gestaltete, alte Klostergarten zieht uns beide in den Bann – garniert mit einem fantastischen Ausblick in die Seealpen. Hier könnte man gut kreativ sein…
Wir sind aber eher aktiv und müssen dann lernen, was in der Wegbeschreibung „etwas ausgesetzt und teils mit Seilen gesichert“ bedeutet: heftigste, alpine Kraxelei unter immer höher stehender Sonne. Als kleinen Schmuckrand führen wir mehrfach das Verlaufen ein und kassieren so eine Menge unnötige Höhenmeter, weil Wege nicht eindeutig beschildert sind. Und Höhenmeter heißt hier wirklich: steilste Aufstieg über rutschige Fels- und Kiesuntergründe. Wir metzeln uns in Gottvertrauen ewige und nicht endenwollende Anstiege hoch. Fluchen verboten, Pfarrer vor mir… Gepeitscht von Ginsterbüschen und gegrillt von mediterraner Sonne gehen wir in den Überlebensmodus und halluzinieren Bier und Kuchen. Proviant? - überschätzt.
Ich werde heute Abend den Hersteller unserer Wanderstöcke in das Nachtgebet einschließen. Und den Busfahrer, der mir gestern den A*sch rettete, in dem er noch kurz vor Abfahrt sah, dass ich meine Stöcke neben der Wartebank hatte liegen lassen… (mal abgesehen, dass er uns freundlicherweise umsonst mitnahm). Denn ohne Stöcke wär‘s nicht fein gewesen…
So erschöpft wie an keinem anderen Tag der Wanderung schleppen wir uns in die Mitte des historischen Ortes Breil-sur-Roya – um auch hier festzustellen, dass der Franzose um 16:00 Uhr gern schlicht und einfach alles, was irgendwie Essen oder Getränke verkaufen könnte, schließt. Wir kompensieren das mit jeweils vier Bier (@Heino: KEIN Heineken…). Danach tut dir dann nichts mehr weh. Man muss halt nur aufpassen, dass man vor dem Abendessen nicht einschläft, weil man sonst des nächtens hungrig aufwacht. Haben wir aber geschafft. Bonne Nuit!Read more

TravelerKlingt stark nach dem krakatschen Spaziergang- im Volksmund auch Todesmarsch genannt🤪

TravelerNa das klingt nach Abenteuer pur! Besonders die vier Bier 🫢🍻! Passt auf euch auf! Und weitere gute Erholung mit noch mehr Abenteuer! 👌🏻

Thomas WimmersGenau, das Bier waren Schwierigkeitsgrad VI… Und Dankedankedanke….🙏🏼👌🏻
Pause….
June 4, 2025 in France ⋅ 🌧 17 °C
Ächzende Muskelfasern, müde Leiber, fehlende Motivation – Mittwoch wird der Hingabe an das Nichtstun gewidmet. Gar nicht so schwierig übrigens.
Man nehme den Zustand nach Wandern, ein kaschemmenartiges Zimmer, teils strömenden Regen sowie Heizölgeruch im Treppenhaus - verbunden mit dem daraus resultierenden Impuls von Flucht - und findet sich dann bei einem Glas Weißwein mittags bei einer fetten Pizza Napolitaine wieder.
Die sofort einsetzende Betäubung aus Fett, Alkohol und Sardellen fördert ein zünftiges Schlafverhalten mitten am Tag und einen halben Roman später muss man schon wieder zum Abendessen.
Es gibt Schlimmeres.🥳🤭😝Read more
Treppenhelden nach Mangelernährung
June 6, 2025 in France ⋅ ☀️ 21 °C
Wer je versucht hat, sich ein Blick in die Seele Frankreichs zu verschaffen, in dem er dort ein Frühstück bestellt, weiß, dass die Uhren hier anders ticken: Glutenverseuchte Weizenorgie mit Zuckertsunami - so sieht ein französisches Frühstück aus. Wenn man Glück hat, erwischt man ein leckeres, aber lustvoll verfettetes Croissant. Das ist aber eher selten.
Und wer danach 1000 Tiefenmeter auf 600 Höhenmeter folgen lässt und sich dann auch noch verläuft und sich gefühlt vertikal nach unten bewegt (die Designer der Wanderwege hier lieben offensichtlich den freien Fall), der hätte sich schlicht mehr Frühstück gewünscht.
So bewältigen wir im kalorischen Mangel den Sinkflug des auf Geröll rutschenden Wanderers, denn die Organisatoren der Reise versuchen, uns mit ihrer Tour im Rekordtempo auf Meeresniveau zu bringen.
Nicht ohne vorher noch sowohl abends als auch morgens den vorletzten Ort unserer Übernachtungen zu erkunden: St Agnès – hoch über der Côte d‘Azur – ein altes Bergdorf, dass eher unfreiwillig wahrscheinlich Teil der Maginotlinie geworden ist: einer Bunkeranlage, die unter anderem gegen die bösen Deutschen errichtet wurde und großkalibrige Geschütze auf alles richten konnte, was der Grande Nation gefährlich wurde.
Diese viele Jahrzehnte alten, riesigen Bunker–Monster und Forts stehen völlig dystop in der wunderschönen Bergwelt der Seealpen, die nun langsam und immer noch schroff in das Meer abfällt. Wir fallen wegen der Steilheit der Wege gefühlt mit und sind froh, als wir endlich das Schloss der Grimaldis erreicht haben. Nuss– und Joghurteis sind eine adäquate Belohnung – zumal sie handgemacht besonders gut schmeckt.
Zwischendurch fragen wir uns, was die Schönen und Reichen und ganz schön Reichen zu sich nehmen, die auf den dutzendweise vor Monaco liegenden Riesenyachten ihr Luxusleben fristen müssen. Denn wir lassen Monaco rechts liegen, haben es aber im Visier.
Das Mittelmeer glitzert verführerisch türkis und wir vergessen langsam, wie viele Treppen wir bis dorthin gelaufen sind. Und staunen immer wieder über die Villen im Zuckerbäckerstil, die sich über unseren Häuptern erheben, als wir dann zum Endspurt den Uferweg um das Cap Martin antreten.
Kulturschock ist das einzige Wort, was mir einfällt, als wir in den touristischen Supermix aus Cafés, Restaurants, Ferienwohnungen, Strandinsassen und Autos und immer wieder Autos eintauchen; entlang einer Unzahl von Hotels an der Promenade von Menton.
Meine multiplen Teilpersönlichkeiten sehnen sich sofort zurück zu den einsamen und vollkommen stillen Wegen auf den uralten, von Generationen von Bauern angelegten Terrassen in den Hängen der Seealpen, über die wir noch vor 4 Stunden gegangen sind – staunend über die unglaublich vielfältige Flora, die sich in ihrem bunten Frühlingsgewand vollkommen einmalig präsentiert.
Aber der Weg ans Meer ist final erwandert und wir belohnen uns noch mit einem marokkanischen Menü, um die heutigen 19 km gebührend zu feiern. Morgen um acht kommt das Taxi, dass uns in unser Ausgangs – Bergdorf zurückbringen wird. Schade, dass zumindest dieser Teil des Urlaubs vorbei ist – aber es geht ja weiter…😍🥳Read more

TravelerJetzt mal ehrlich, Jungs: Hat Luis Trenker jemals Stöcke gehabt? Ja, aber nur im Hochgebirge. Bisschen mehr Traditionsbewusstsein und Ehrgeiz hätte ich mir schon von Flachlandtirolern gewünscht. So, hab nen Termin am Büdchen ...

Thomas WimmersStrunzkopp! Natürlich hat Luis Trenker Stöcke gehabt, die hat er aber keinem gezeigt… und wer als höchste Erhebung das Gipfelkreuz im Trockenraum unter dem Dach hat, der muss mal gar nicht meckern…

TravelerDer Luis würde sich jetzt sehr ärgern ... dann aber großväterlich abwinken ob der eifrigen Stadtbubn ... gell, Luis? Gehens ein paar Meter und schon stöhnens, ja, pfürti, des Gebirge is halt net für jedermann gdacht. Is scho recht, Luis, sie habens versucht ...🧙♂️
Triviales Thema: Transfer Tag…
June 7, 2025 in France ⋅ ☀️ 19 °C
Wer nach einigen 1000 Tiefenmetern durch die wunderschönen Seealpen in Menton an der Côte d‘Azur wieder aufgetaucht ist, will am liebsten nur noch flüchten – zurück in Natur, Stille und ohne eine hektische Strandpromenade und alkoholisierte Tagestouristen: die Cevennen müssen es sein.
Eigentlich wären wir hiermit zurück zum Ausgangspunkt - dort, wo unser Auto steht; in St Dalmas de Tende: https://www.menton-riviera-merveilles.de/das-me… - fällt aber aus wegen issnich: Baustelle. So schade!
Also muss der Uber-Sergio mit seinem Vito ran, was auch ganz komfortabel ist. Und die Fahrt durch die wilden Seealpen in der Morgensonne:👌🏻
Zwischen Menton (wohin wir wieder zurückfahren müssen….) und Florac, unserem nächsten Ziel, liegen einige 100 km sonniger Autobahn – die perfekte Gelegenheit, die gequälten Muskelfasern einen Tag auszuruhen und sich dem Rhythmus von einer Mautstation zur nächsten hinzugeben… 😝
Irgendwann verlassen wir die Route Nationale und mäandern in einer hypnotischen Fahrt durch die sanften und dann immer schroffer werdenden Erhebungen der Cevennen – eine dünn besiedelte Landschaft an der Grenze zum Massif Central; viele verlassene Häuser säumen die Straßen und lassen ahnen, wie zurückgezogen das Leben hier sein kann.
Und zurückgezogen ist es wirklich, unser tiny, tiny, tiny House – da findet die Camperseele Frieden. Gemütlicher Kleinstwohnraum – eingebettet in eine grandiose Natur, bei der sich zum abendlichen Sundowner direkt mal das Hausschaaf gesellt – neben den Katzen und einer Herde Kühen, die nur wenige Meter von uns entfernt ihr abendliches Dinner zu sich nehmen.
Wäre noch zu erwähnen „Pflaume“, der kleine Hund der beiden Nachbarinnen („Prune“ im Original…). Und die Tochter des Vermieters Jeremy, die ihre Irritation über unsere einen Tag zu frühe Ankunft gut zu verbergen weiß.
Ein kurzer Ausflug in den Supermarkt und dann gibt es Baguette, Rotwein, Käse – Frankreich will gefeiert werden! 🇫🇷 🥖 🍷 🧀Read more
Gammelfleisch meets Wohlgefühl
June 8, 2025 in France ⋅ ⛅ 20 °C
Nachdem Heidi uns mit ohne Foto unerwarteterweise harsch zurückgewiesen hatte, verfielen wir in einer mittelschwere, reaktive Depression - nicht ohne sofort eine Petition beim europäischen Gericht für Menschenrechte zu beantragen. Denn auch der alte weiße Cis-Mann hat eine Daseinsberechtigung. Abgelehnt; Heidi’s Vater Günther droht mit Rechtsbeistand. Was wiederum zu einer persistenten Paralyse führte, Übersetzung: wir bewegen unsere süßen kleinen Ä*sche an diesem Tag so gut wie gar nicht.
Fällt einem auch nicht schwer, wenn man an so einem schönen Ort wohnt: einschläferndes Bimmeln der Kuhglocken, einschläferndes Wiederkäuen der Kuhglockenträger, einschläferndes Murmeln des Baches, einschläfernder Wein, einschläfernder, sanfter provençalischer Wind…
Um die Depressionen zu therapieren, beschlossen wir, in Eigenregie zu handeln. Endlich konnten wir uns all die Persönlichkeitsstörungen und – Syndrome um die Ohren schmeißen, die wir jahrelang zurückgehalten hatten. Als die Addition der ICD Ziffern die niedrigen Hunderter – Zahlen erreichte, schwenkten wir auf medikamentöse Therapie um. Ein mittelteurer Côtes du Rhône überwand sofort die Blut-/Hirnschranke und führte zu ebenso mittelmäßiger geistiger Umnachtung, mittels derer wir uns mit letzter Kraft ins Dorf schleppten, um dort eine gastronomische Weihestätte zu suchen.
Florac erweist sich allerdings als verglühender Stern in den möglicherweise nicht mehr ganz so tourismusaffinen Cevennen und die vielen leerstehenden Geschäfte und teils morbiden Gebäude sind nicht so der wirkliche Motivator. Letztlich werden wir fündig, genießen die durchaus spannende französische Version von Hamburgern und wandern durch die Abenddämmerung nach Hause. Schön! Und einschläfernd. 🥱Read more
Endlich wieder Wanderlust…
June 10, 2025 in France ⋅ ☀️ 28 °C
Der 9. Juni war es nicht wert, erwähnt zu werden – der Zustand der Vergammelung erreicht extreme Ausmaße und wir bewegten uns halbwegs zielgerichtet nur zwischen Bett, Küche und Esstisch. Der Côtes du Rhône musste ja auch noch weg.
Erholte Muskelfibrillen verlangten nach Betätigung und Jörg hatte eine wunderbare Rundwanderweg gefunden; Komoot sei Dank. Allerdings einige Kilometer entfernt. Eine Fahrt in die Tiefen des Gorges du Tarne offenbarte eine canyonartige Landschaft, wie sie schöner in Amerika oder Kanada nicht sein könnte. Ein echtes Juwel!
Ein malerisches Dorf nach dem anderen; Einblicke in eine uralte Flusslandschaft und schmalste Straßen begleiten uns zu unseren Zielort: St. Chély-du-Tarne. Tesla abgestellt, Rucksack und Stöcke angebracht und dann bewegen wir uns 400 Höhenmeter mit konstanten Uhrwerktempo nach oben – immer wieder stehenbleibend und die Einblicke in die Schlucht genießend. Und trinkend: die Temperaturen nähern sich der 30° Grenze. Wie schön, wenn der in Australien erworbene Hut auch hier Schatten spenden darf…
Und als wir realisieren, dass die geplante Abkürzung nicht zu machen ist, seufzen wir ein bis zweimal tief durch und machen uns dann auf die 17 km – Komplettwanderung. Und werden belohnt: blumengeschmückte Wiesen, waldbrandverkohlte Sträucher, in der Tiefe liegender, glitzernder Fluss und eine Burgruine wechseln sich ab mit dichtem, vielfältigen und schattenspendendem Bewuchs und schaffen viele unvergessliche Eindrücke.
17 km, die Wärme und viele Höhen – und Tiefenmeter fordern allerdings ihren Tribut und die vielen Kilometer ausgesetzten Weges erfordern voller Aufmerksamkeit – das macht müde.
Wie schön wäre es (Achtung: Konjunktiv…) gewesen, sich jetzt nach der Wanderung bei einem kühlen Getränk im Schatten zu entspannen. Ich versuche, den Tesla zu öffnen und muss leider feststellen, dass das Auto schlicht nichts mehr tut. La Voiture est morte. Mit ein bisschen digitaler Überredungskunst gelingt es zwar noch, das Musk – Produkt zu öffnen, aber die Fehlermeldungen auf dem Display signalisieren eine leere Starterbatterie. Die eigentliche Fahrzeugbatterie ist noch voll. Irritation. Tesla – Telefonat. Abschleppwagen -Versprechen seitens Tesla. Jörg kann mit einem Taxi (übrigens ein Tesla…🤭) zum Glück in die Unterkunft fahren und ich harre des Abschleppwagens.
Wie schön, wenn er kommt. Wie unschön, wenn der großflächig tätowierte, ketterauchende Fahrer nicht eine Silbe englisch spricht und einen französischen Akzent, der mir die Wanderschuhe auszieht.
Aber das lässt sich noch steigern: vom Auftrag, den Tesla in das 160 km entfernte Montpellier zu bringen, weiß er nichts. Von Tesla irgendeine Ahnung: Fehlanzeige. Ich versuche, mittels YouTube Videos und unter Abwehr der nervigen Teenie – Tochter des Abschleppers, die ständig an unserem Auto herumfummelt, eine Lösung zu finden. Und lerne, dass man auch Elektroautos Starthilfe geben kann, es gibt hier ebenfalls – wie in jedem anderen Auto – eine Starterbatterie. Übrigens genau die, die über all‘ die elektronischen Funktionen wie Schlösser, Licht und Display herrscht. Der Wagen erwacht; keine Fehlermeldung. Abschleppunternehmer nach Hause geschickt und dann: Was tun?
Mittlerweile ist es fast dunkel und die Vorstellung, auf einer der engen Bergstraßen liegen zu bleiben, ist keine gute. Ich verhandle mit der Besitzerin des einzigen Hotels am Ort und ergatterte eine 90 cm – Pritsche. Immerhin… hätte ich doch jetzt eine Zahnbürste. Und einen frischen Schlüpfer… Aber das wird alles kompensiert durch mein Glücksgefühl, eine vollgeladene Powerbank dabei zu haben. Wie das Ganze ausgehen würde, ohne telefonieren zu können – mag ich mir gar nicht vorstellen. Und hoffe auf den nächsten Morgen.😆😝Read more
Tesla-Day in South France
June 11, 2025 in France ⋅ ☀️ 32 °C
Der Ort war ruhig. Die ständig kläffenden Hunde mal außen vorgelassen. Wahrscheinlich gibt es hier genauso viele Hunde wie Menschen. Ich erwache gerädert und muss feststellen, dass ich leider immer noch in St. Chély-du-Tarne sitze. Worüber auch ein Frühstück mit einem grandiosen Croissant nicht hinwegtäuscht.
Denn ich bin dominiert von dem Gefühl, was passiert, wenn ich nach dieser Nacht versuche, wieder in den Elektrohobel einzusteigen.
Siehe da: es funktioniert. Ich schraube mich über kleine Straßen aus dem Canyon heraus und bügele über die perfekte Autobahn Richtung Montpellier. Und verdränge den Gedanken daran, was man mit diesem Tag anderes hätte machen können, als zum Tesla Center in Montpellier zu fahren.
Dort angekommen gibt es immerhin Kaffee und kühle Getränke, sehr freundliche Mitarbeiter und eine sofortige Inspektion des Wagens.
Und natürlich kommt es genauso, wie es kommen muss: keine Fehlermeldung. Alles gut, wie man mir versichert. Was mein Vertrauen in dieses Auto nicht wirklich stärkt. Aber watt willste maaache…
Ein kleines Mittagsgeschnuckel in einem unerwartet guten Restaurant im Industriegebiet (da lohnt es sich ja immer wieder in Frankreich zu sein. Und es wird hier deutlich mehr Alkohol zum Mittagslunch getrunken als in Deutschland…🤪) Der Franzose hat’s eben raus. Und lebt auch nicht kürzer als der Deutsche – eher im Gegenteil….
Irgendwann dann wieder Rückfahrt – durch die ebenso wieder grandiosen Cevennen in der Abendstimmung. Das hier ist wirklich eine Landschaft zum Wiederkommen. Ich freue mich auf Jörg und eine Dusche und ein gemeinsames Abendessen. Meine Wünsche gehen in Erfüllung und Dank einem unerschöpflichen Vorrat von Côtes du Rhône wird die Nacht zu einer tiefsten Erholung in Morpheus Armen: herrlich!
P.S. an alle, die jetzt schon ausholen, um über das Auto abzulästern: schreibt es auf, druckt es aus und lest es Euch durch und genießt es.
Und mehr auch nicht.😁😁😁Read more
La Fin: allet jut🥂
June 14, 2025 in France ⋅ ☀️ 28 °C
… will sagen: das auch elektrisch vollgeladene Auto bequemt sich und geziemt sich und nach einem weiteren Tag voll süßem Nichtstun im kleinen Steinhaus von Jeremie (unterbrochen von allfälligen Genusspausen, um die übriggebliebenen Bier-, Wein- und Käsevorräte zu vertilgen) könnte man gemütlich 500 Km fahren und übernachten.
Kann man auch lassen. Dann fährt man halt 1100 km durch, lernt drei weitere Tesla – Supercharger – Stationen kennen und freut sich auf ein kaltes Bier zu Hause.
Einig waren wir uns, dass wir das Gefühl hatten, viel, viel länger unterwegs gewesen zu sein. Woran es auch immer lag – an denen vielen Höhen– und gefühlt noch mehr Tiefenmetern, der Abwechslung durch die verschiedensten Aubergen, dem Potpourri an Hopfen– und traubenhaltigen Erfrischungsgetränken oder was auch immer: Freundschaft mit Wanderschaft zu verbinden tut gut und lässt diese zwei Wochen zu einer unvergesslichen Erinnerungen werden.
Nachdem wir entdeckt hatten, dass man unterwegs wunderbar Dr. Walter Ziegler auf YouTube lauschen kann, der einem in komprimiertester Form die Philosophien von (Achtung, Strunzmodus an) Wittgenstein, Sartres, Buddha, Kant oder Hegel erklärt, gerinnt die Fahrzeit fast zu einem kleinen, komprimierten Bildungsurlaub – aber das nur nebenbei. Dieser YouTube Kanal ist auf jeden Fall eine absolute Empfehlung.
Wie schade, dass diese zwei Wochen zu Ende sind: Ich bedanke mich bei Jörg für neue Wandersocken, Tiefgang–Gespräche, mitgenommene Weingläser, immer gute Laune, den besten und geduldigsten Beifahrer, Genusslust, Philosophie-Reflexionen und viele zehntausende Schritte voll Wanderlust – es war wunderbar!🍷🥂🍀Read more












































































































































Traveler
Schön wieder unterwegs....echt RentnerUrlaubsstress mit Männerfreundschaft....viel Spaß euch beiden bei dieser extraordiären Tour....
Thomas WimmersMerci, chère Birgitta!🙏🏼🥂
TravelerEs ist 21.50 Uhr, ich hatte einen langen Tag und fünf Kölsch ... ich lese das morgen nochmal, mein Hirn blockiert bei so vielen Buchstaben. Aber der Einstieg war schonmal 👍
TravelerIhr seid jetzt schon Influenza, weiter so ...