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  • Day43

    Istanbul, die Zweite

    November 7, 2019 in Turkey ⋅ ☁️ 22 °C

    Ausschlafen ist herrlich und funktioniert erstaunlich gut in dieser Großstadt (Vielleicht macht sich auch der bedenkenlose Platz unterbewusst bemerkbar). Dadurch kommen wir zwar doch wieder später als geplant los, aber Reisen ist ja auch Urlaub.
    Wir nutzen den Morgen, um von unserem Stellplatz auf einen bewachten Parkplatz umzuziehen. Die 80 Lira pro Nacht sind uns dann doch zu teuer und auf diesem Parkplatz zahlen wir nur 10 Lira pro Tag. Ein Klo ist auch gleich zu finden, also alles fast genauso wie auf dem Stellplatz. Hier sehen wir auch das Auto von Gina und Luis erneut, die die Idee schon vor uns hatten. Direkt neben dem Parkplatz befindet sich eine Art Messe über Giresun, eine Stadt am schwarzen Meer. Wir sind pünktlich zur Eröffnung dort und dürfen traditionellen Tänzern zuschauen. Danach schlendern wir mit klingelnden Ohren (die Musik und Moderation war dermaßen unangemessen laut!! Und irgendwie höhenüberlastet und leicht übersteuert, wie man das klischeehaft aus dem Osten kennt, ähnliche der Müezzinrufe. Wieso wird da nicht mal in gescheite Technil an Mikros und Lautsprecher investiert? Ist ja ein wichtiger Bestandteil des Alltags) noch durch die Ausstellungshallen. Eine Halle dient nur zum Verkauf von Lebensmitteln von dort und wir erstehen einen Honig, Käse, der klasse Fäden auf Sandwich zieht (so angepriesen vom Verkäufer) und bekommen mangels Bargeld sogar noch Brot aus der Frucht des Johannisbrotbaumes geschenkt. Natürlich ist es jetzt schon früher nachmittag, aber dieser ungelante Besuch hat sich auf jedenfall gelohnt.

    Wir fahren direkt mit der Metro zum Taksim-Platz, wo das nächste Festival stattfindet. Diesmal handelt es sich um ein Festival der Künste und es wird von Nähkunst über kunstvolle Moscheen aus Keksen allerlei dargeboten. Die Stimmung ist klasse und es ist toll zu sehen, was so alles kreatives gemacht wird. Auch der Bau der Musikinstrumente, wie der Sitar, ist spannend. Auf dem Taksim-Platz selber treffen wir auch schon wieder auf viele Touristen und alles ist noch geschmückt, da erst am 29. Oktober der Tag der Republik war, also Gründung der Republik durch Atatürk. Eine Moschee wird auch gerade gebaut oder renoviert und bietet einen lustigen Anblick so innen komplett hohl. Vom Taksim-Platz aus schlendern wir den Fußgänger-Boulevard entlang, wo nun alle modernen Geschäfte vertreten sind. Auch hier findet man natürlich ein Madame-Tussaud-Museum, wie in jeder Haupstadt^^. Hier reihen sich auch interessanterweise viele Botschaften an einander und wir fragen uns, ob es eine Regel gibt, dass diese ihre Flaggen nicht zeigen dürfen. Türkei-Flaggen hängen hier nämlich überall, an jedem Gebäude, jedem Auto und jeder Straßenecke.
    Wir stoßen nun auch auf eine katholische Kirche zu Ehren Franziskus. Wirklich ein komisches Gefühl neben Moscheen und verschleierten Frauen durch ein Tor in eine christliche Kirche zu gelangen. Interessanterweise wird diese von Muslimen selber gemieden und zur Besichtigung finden sich dort nur Westeuropäer wieder. Sie wurde im Stil der Basilika in Assisi erbaut, was uns Pilger natürlich noch mehr freut.

    Schließlich erreichen wir den Galata-Turm, der sich schon durch die lange Warteschlange ankündigt. Jeder will einmal hinauf, um einen Blick auf den Bosporus und die Stadt von oben zu werfen. Der Turm selber ist 67 m hoch und überragt somit zumindest die umliegenden Häuser. Nach einer halben Stunde anstehen dürfen wir dann auch endlich hinauf, müssen aber zunächst stutzen, da uns 35 Lira pro Person doch sehr teuer erscheinen, nach dem die Internetrecherche noch 25 ergab, während Einheimische übrigens nur 10 TL zahlen. 35 TL sind umgerechnet 6 Euro, um einmal kurz auf einen Turm zu steigen. Naja, wir zahlen und fahren mit dem Lift hinauf in den 7. Stock. Die letzten zwei Stockwerke muss man durch ein Restaurant und Cafe laufen und erreicht schliesslich den Balkon, der den Turm einmal umrundet. Achtung, nichts für Leute mit Höhenangst. Die Balustrade ist nicht besonders hoch und durch die Menschenmassen wird man oft ungewollt weiter geschoben bzw. gegen den Rand gedrückt. Ungewollt haben wir es so getimet, dass wir zum Sonnenuntergang oben waren, wodurch sich alle Menschen auf der Westseite des Turms tummelten. Der Ausblick ist auf jedenfall gigantisch und lohnt sich wirklich. Man kann rundum alles erblicken und sieht die Ausmaße an Schönheit, die die einzelnen Moscheen mit sich bringen. Irgendwie haben wir es durch die Menschenmassen dann auch wieder zur Treppe geschafft und laufen diesmal alle Stockwerke nach unten.

    Durch enge Gassen geht es zur Galata-Brücke, die zweistöckig die Teile Europas über das goldene Horn verbindet. Oben fahren die Autos und die ganze Brücke steht voller Fischer. Unten reihen sich Restaurants und Buden aneinander und man sollte unbedingt die leckeren Makrelen-Brote („Balık Ekmek“) probieren. Haben wir auch getan und sind für gut befunden, aber Achtung: Gräten! Wir versuchen nun den Weg zurück zur Metro zu finden, was sich als schwierig erweist. Viele Türken helfen uns, aber leider sagt jeder etwas anderes. Interessanterweise können sie fast alle Deutsch und kein Englisch. Wir finden schließlich die Tram und danach den Marmaray-Zug, der Europa mit Asien verbindet und gelangen wieder zu unserem Parkplatz. Auf der Messe wird noch etwas Musik gespielt, aber das Ende ist für 20 Uhr angekündigt und daran scheinen sie sich wirklich zu halten. Es kehrt auch wirklich Ruhe auf dem Parkplatz ein und wir schlafen fast besser als neben dem Fußballplatz.
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