Blodveimuseet
July 12, 2024 in Norway ⋅ ☁️ 13 °C
Auch etwas Kultur und Geschichte gehören zum Urlaub dazu. Wir besuchten das Blodveimuseet (= Blutwegmuseum). Dort waren wir die einzigen Gäste, es wurde sogar extra für uns aufgeschlossen.
Als Blutweg wird der 9 km lange Straßenabschnitt zwischen Langset und Rognan bezeichnet. Das Bauprojekt war 1940 noch vom norwegischen Straßenbauwesen in Angriff genommen worden, um eine Straßenverbindung ohne Fähren nach Norden zu verwirklichen. Am 30. Juli 1945 war dieses Ziel erreicht - zu einem hohen Preis an Menschenleben.
Die deutsche Besatzungsmacht richtete ab 1942 ihr besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der nordnorwegischen Infrastruktur. Der weitere Ausbau der nur halbfertigen Reichstrasse 50 (der heutigen E6) und der Bau einer Eisenbahn von Mo i Rana nach Kirkenes (die heute immerhin bis Bodø führt) wurden zu großen deutschen Bauprojekten im Norden. Enorme Ressourcen wurden eingesetzt, um Eisenbahn und Straße den Anforderungen des deutschen Militärs entsprechend fertigzustellen. Die Organisation Todt (OT), die die meisten militärischen Großbauprojekte in den besetzten Gebieten Europas realisierte und die sich ab dem Frühjahr 1942 auch in Norwegen etablierte, übernahm nach und nach die Kontrolle über den Ausbau des norwegischen Verkehrswesens.
Im Juli 1942 kam eine Gruppe von 463 jugoslawischen Gefangenen nach Botn im Saltdal. Sie waren keine regulären Kriegsgefangenen, sondern Menschen, die wegen Widerstandes gegen die deutsche Besatzungsmacht in ihrem Heimatland gefangen genommen worden waren. Die meisten von ihnen waren Serben. Vom Juli 1942 bis zum April 1943 hatte die SS die Verantwortung für die Bewachung der Gefangenen. In dieser Zeit waren auch Norweger als Bewacher eingesetzt. Im April 1943 übernahm die Wehrmacht diese Aufgabe.
"Wenn die Straße fertig ist, sollen die Gefangenen tot sein, nicht einer soll überleben", äußerte Hauptmann Weustenfeld im Dezember 1943. Insgesamt starben 347 Gefangene im Lager Botn. Die Hauptursachen waren Hunger, Krankheiten, Misshandlungen und Hinrichtungen. Die größte Massenhinrichtung fand am 26. November 1942 statt mit der Erschießung von 72 Gefangenen.
Anfang 1944 verbesserten sich die Bedingungen für die jugoslawischen Gefangenen in Botn wesentlich. Sie erhielten nun den Status von Kriegsgefangenen und konnten Pakete des Roten Kreuzes empfangen. In der Folgezeit starb kein Gefangener mehr. Im Juni 1944 wurden die Überlebenden zunächst in das Lager Pothus verlegt und im September in das Lager am Polarkreis. Nach Botn kamen im Sommer 1944 sowjetische Kriegsgefangene, die hier bis zum 8. Mai beim Straßenbau arbeiteten. 28 von ihnen starben noch im letzten Kriegsjahr.
Einigen Gefangenen (83 bei 130 bekannten Versuchen) gelang die Flucht aus den Gefangenenlagern. Sie gelangten auf selbst gebauten Skiern mit Hilfe norwegischen Grenzbeamter nach Schweden.Read more













