Die verfluchte Mütze (RoK)
October 10, 2019 in Ireland ⋅ ☁️ 14 °C
Doch noch bevor es dazu kommen konnte, begann unser Tag mit einem ausgewogenen Frühstück und Porridge. Ein traditionelles Frühstück in Irland und Umgebung und für uns absolut unverständlich.
Es schmeckt nach einfach gar nichts und nicht mal der Baileys, der dazu serviert wird, kann die Belanglosigkeit des Haferschleims wieder wettmachen.
Aber gut, man lernt ja bekanntlich aus seinen Fehlern und dieser wird uns sicher nicht noch einmal passieren - eine Erfahrung war es allemal Wert (immerhin gab's nen Gläschen Baileys dazu...).
Kurz vor 10 Uhr gesellte sich auch Xabi, der Spanier vom Tag zuvor, ins Esszimmer und Brigid überredete ihn (quasi) dazu, uns mit nach unten in die Stadt zu fahren, sodass wir von dort aus den von ihr gebuchten Bus zum Ring of Kerry nehmen könnten.
Natürlich willigte Xabi ein (er ist halt einfach zu höflich und Brigid zu überzeugend) und Brigid zeigte ihm noch einige Sehenswürdigkeiten, die er sich anschauen sollte.
Denn Xabi wollte auch den Ring of Kerry begutachten, jedoch mit dem Auto.
Durch Brigids ewige Erklärungen fuhren wir erst ziemlich spät los.
Darum beschlossen wir kurzerhand einfach gemeinsam mit dem Auto zu fahren (gut für uns und unsere Brieftaschen, denn so sparten wir je 30€ Busfahrt; schlecht für Brigid und ihre Provision). Wir stornierten also unsere Busfahrt vor Ort, was glücklicherweise klappte, und tuckerten zusammen mit Xabi los.
Unser erster Halt war ein Wasserfall, der bereits nach wenigen Schritten zu sehen war. Allerdings liefen wir noch gefühlt 800 Stufen weiter, bis wir über diesem auf einer kleinen Brücke ankamen. Dummerweise mussten wir die gesamten Stufen auch wieder runter...
Und dann ging es auf zum Ring of Kerry - eine 179 km lange Panoramaküstenstraße bzw. Rundstrecke, die durch verschiedenste Orte verläuft.
Und wir fuhren diese ab. Währenddessen erzählte uns Xabi allerhand lustige Anekdoten oder spannende Fakten über die spanische Geschichte und Sprache (bzw. über Basque, eine sehr komplexe Sprache). Immer wieder mussten wir jedoch das Gespräch unterbrechen, um zu stoppen und so die traumhafte Landschaft besser würdigen zu können.
(Ein besonders schöner Moment war zum Beispiel, als wir die Seeluft schnuppern durften und es zum ersten Mal auf dieser Reise wirklich salzig roch.)
Mittags besuchten wir einen Strand und eineinhalb Stunden später machten wir eine Pause in Waterblabliblupp (hab den Namen leider vergessen...Antonia meint, die Stadt würde Waterville heißen, also auf Deutsch Walter will...Scherz) und ich bekam endlich meine Portion Fish and Chips, die ich mir solange ersehnt hatte. Dort erzählte uns Xabi auch, was man einmal im Leben machen sollte und zwar einen Sinpa.
Wenn man einen Sinpa macht, geht man, ohne zu zahlen (Sin=ohne; pagar=zahlen).
Um das zu verhindern luden wir ihn ein. Nein, kleiner Spaß, deshalb natürlich nicht. Viel eher wollten wir uns so bei ihm bedanken, immerhin hatten wir durch ihn 60€ gespart, welche bei dem Wetter noch mehr wehgetan hätten.
Gegen Nachmittag kamen wir dann bei den Cliffs of Kerry an, bei denen wir fast weggeweht worden wären(ein Glück hatten wir beide Mützen!). Dort sahen wir auch eine der Inseln, auf denen der letzte Star Wars Teil gedreht wurde. Leider war es recht neblig, sodass man die Star Wars Insel (sie heißt sicherlich nicht so, aber gut) kaum sah, aber wir gaben uns dennoch zufrieden.
Und mit dieser Einstellung fuhren wir dann auch nach Killarney zurück (wobei ich die halbe Fahrt verschlief- laut Tons App hatten wir trotz der langen Autofahrt unser Schrittziel erreicht, also war mein Nickerchen mehr als gerechtfertigt!). Dort angekommen ging es aber nicht sofort zum B&B, sondern zunächst in die Stadt etwas trinken.
Ein kleiner Pub an der Ecke lachte uns geradezu an und der Fakt, dass ab 9 Uhr live Musik gespielt werden sollte, machte das Ganze noch sympathischer. Innen war es urig (und unglaublich warm), voller beschriebenen Dollarscheinen und Polizeiabzeichen von überall. Anscheinend war es auch von Einheimischen gut besucht, obwohl gefühlt überall Deutsche oder Amerikaner waren (merkt man ja auch an den Dollarscheinen).
Wir bestellten unsere Getränke und Xabi teilte uns mit, dass er kurz etwas Essen gehen würde. So blieben Tons und ich alleine an der Bar sitzen und schlurften unsere Cola Light bzw. Guinness.
Ein betrunkener Mann neben uns begann plötzlich mit uns zu reden und wir waren uns zunächst nicht sicher, ob er lallte oder irisch sprach, denn wir verstanden erstmal kein Wort. Erst nach einigen wagen Fragen und Wiederholungen verstanden wir, was genau er uns so ungefähr mitteilen wollte. Er meinte, dass meine Mütze auf meinem Kopf aussähe, wie eine Kopfbedeckung, die man früher wohl getragen hätte (da meine Haare recht fettig waren, hielt ich es für sinnvoll meine Mütze auf dem Häuptchen zu lassen).
Zudem sähe ich damit aus wie seine Großmutter, dabei bekreuzigte er sich. Jaja Gott hab sie selig, ich war jedenfalls höchst irritiert (wir mussten uns echt das Lachen verkneifen) und nicht sicher, ob ich die Mütze nicht doch lieber in der Tasche verschwinden lassen sollte.
Allerdings zog ich sie nach kurzem Bedenken wieder auf, zur Freude des Betrunkenen (auf meine Frage, ob seine Großmutter wenigstens ne gute Frau gewesen sei, bekamen wir leider nur unverständliches Gebrabbel zu hören). Irgendwann kam er erneut zu uns gelaufen, sagte irgendwas (Lallisch oder Gälisch) und legte nickend 10€ vor uns.
Tons und ich wussten wirklich nicht genau, was wir tun sollten. Und als Tons mir dann offenbarte auf's Klo zu müssen und mich mit/ten in der bizarren Situation allein zu lassen, war ich hochgradig mit der Situation überfordert.
Tja, da saß ich nun, zur rechten und zur linken einen Stuhl frei, allein an der Bar, mit meinem leeren Cola Glas vor mir, einer Packung Zigaretten (von Xabi) und einem zerknüllte 10€ Schein.
Derweil war der betrunkene Mann erneut aufgestanden, sagte, ich solle es genießen und ging (und ließ mich völlig verwirrt zurück!). Nun denn. Immerhin hatten wir gelernt, dass ich aussehe wie eine Großmutter und sechzigjährige Männer gelbe Mützen toll finden.
Als Tons zurückkam wussten wir zunächst nicht, was genau wir mit dem Geld anstellen sollten. Aber irgendwann legte sich diese Schüchternheit. Die nächste Runde ging dann wohl auf mich. Ich lebte also meine Liebe zu Baileys aus uns Tons fand ihre zu ihm (obwohl sie sich ihr zweites Guinness gönnte).
Und dann kam schon der Nächste, der sich zu uns gesellte (inzwischen hatte die Musik schon angefangen zu spielen- das war echt mega cool!). Kevin, der Wissenschaftler, der "die Welt jeden Tag ein Stückchen rettet" (seine Worte, nicht meine), immerhin um die 40. Er fragte mich, ob mir kalt sei, weil ich eine Mütze trug (zu dem Zeitpunkt saß ich im T-Shirt auf dem Hocker).
Das war's. Die Mütze verschwand in der Tasche und wurde auch nicht wieder rausgeholt. Anscheinend lag ein Fluch auf ihr!
Wir redeten nicht lange mit Kevin (der übrigens findet, dass zu viele Menschen Psychologie studieren und ich deshalb Handwerker werden sollte...), denn Xabi gesellte sich wieder zu uns.
Nach einer weiteren halbe Stunde, machten wir uns bereit zu gehen und das hatten wir auch vor, wären da nicht noch die Getränke gewesen (die Cola und das Guinness von Xabi und Tons), die noch nicht bezahlt waren.
Da kam Xabi auf die Idee den Sinpa zu machen und Antonia stimmte zu...
Ich nicht, auf keinen Fall! Allerdings wusste ich inzwischen gut genug, dass sich Tons nicht von meiner moralischen inneren Stimme abhalten lassen würde- schon gar nicht, wenn Xabi (der uns heute Mittag übriggebliebene Pommes vom anderem Tisch angedreht hatte) mitmachte. Ich entschied mich also einen Deal vorzuschlagen. Ich würde raus gehen, um mich abzukühlen und auf sie zu warten. Nach 20 Sekunden sollten sie mir folgen (hoffentlich bezahlt) und mir keinesfalls sagen, ob sie gezahlt hatten oder nicht.
Die beiden willigten ein. Ich stand also auf und verließ schweren Herzens den Pub. Der Regen prasselte unablässig auf mich ein, genauso wie ein unglaubliches Gefühl der Schuld.
Glücklicherweise sah ich durch das Fenster aber, dass Tons den Geldbeutel rausgeholt hatte und erleichtert betrat ich wieder den Pub. Xabi war bei bester Laune.
Er sagte mir, dass er nie vorgehabt hatte, den Sinpa zu machen- es also lediglich ein Scherz war (ein Glück!)- Tons ihn allerdings durchgezogen hätte. "Okay, 20 Seconds" hatte sie zu ihm gesagt und er sie ganz verdutzt angeschaut.
Lachend verließen wir den Laden (natürlich haben wir uns noch von Kevin, dem Weltenretter, verabschiedet) und fuhren mit bester Laune zum B&B, wo es nach einer kalten Dusche ins Bett ging...
Eins war auf jeden Fall klar, die Mütze durfte nur mit Bedacht getragen werden...
Lieber Xabi;-)
Muchas gracias por un día inolvidable! Auf Wiedersehen, Agur! (Was it basque???)
Aaah and "Entschuldigung", your favorite German word :DRead more










