Pisstag mit Marine
November 11, 2019 in Ireland ⋅ 🌬 8 °C
Seit einer Woche sind wir nun bei Amelia und seit 10.Wochen in Irland. In dieser Zeit hat sich einiges verändert. Unser Gepäck, unsere Sprache (wir sprechen inzwischen teilweise miteinander unabsichtlich Englisch), das Wetter... Dinge entwickeln sich, man bekommt andere Sichtweisen, erweitert seinen Horizont. Aber trotz dieser ganzen Erfahrungen, Errungenschaften und Entwicklungen kommt man manchmal einfach nicht um eine bestimmte Art von Tag. Den Scheißtag. In einigen Beiträgen haben wir schon über so manch einen Scheißtag und dessen Auswirkungen auf unser Leben geschrieben, auch darüber, dass es diesen in verschiedener Art gibt. Den physischen Scheißtag, voll mit Kacke von Pferden und Co (in der letzten Woche gab es davon einen massiven Anstieg) und den um einiges belastenderen (obwohl Pferdeäpfel auch gut und viel wiegen können!), den psychischen Scheißtag. Letztere verursacht häufig unangebrachte Lachanfälle oder einen erhöhten Frustrationspegel, der zu unkontrollierten Fressattacken führen kann.
Was für ein Tag dieser Montag war, kann ich ehrlich gesagt noch nicht ganz sagen (Montage gelten generell eher als psychische Scheißtag, aber da wir das Wochenende über ebenfalls gearbeitet hatten, war der Unterschied nicht so groß).
Vermutlich würde ich diesen Tag eher als einen aufregenden Pisstag beschreiben. Und das begann schon am Morgen vor dem Frühstück. Der Wind war so stark, dass die Fenster im Esszimmer zitterten und wir die ganze Nacht über das laute Rauschen durch unser Fenster hören konnten. Und ich sollte es wissen, denn mein Schlafrhythmus ist inzwischen so beschissen (aha, sowohl psychisch als auch physisch blöd), dass ich um 5 Uhr Ställe hätte ausmisten können - der Wind und die quietschende Tür, die alle geweckt hätte hielten mich allerdings davon ab. Gegen 7 Uhr verließ ich dann aber doch mein warmes Bett und begab mich zu der sanitären Anlage schräg gegenüber (ich musste pinkeln...).
Sherlock begrüßte mich schon ungeduldig an der Badezimmertür (er hatte die Nacht im Bad verbracht). Ohne ihn groß Beachtung zu schenken, setzte mich auf den weißen Pott, um einem meiner Grundbedürfnisse nachzugehen.
Sherlock gesellte sich zu mir, aber ich war zu sehr mit...erleichtern (?) beschäftigt.
Dem Anschein nach hatte ich Sherlock inspiriert, denn sobald er bei mir war, verdrückte er sich unter meine Beine. Ich konnte kaum meinen fürchterlichen Gedanken beenden, da pisste mir die kleine Ratte auch schon ans Bein. Wäre es nicht 7 Uhr morgens gewesen (wo noch jeder am schlafen war), hätte ich das Häufchen von Hund vor mir, vermutlich im hohen Bogen gegen die nächste Wand gekickt (hätte ich nicht, aber lauter wäre ich schon geworden), aber ich war ja gerade mit einem ganz anderen Häufchen beschäftigt und so blieb es bei empörten Schnaufen, Bein anheben, um einen größeren Fleck auf meiner Hose zu verhindern und leisen aneinandergereihten Beleidigungen. Angepisst (im wahrsten Sinne des Wortes) verließ ich das Badezimmer und stapfte in unser Zimmer, wo ich geradewegs auf Tons und Marine traf und ihnen von meinem Scheißtag berichtete (oder eher Pisstag). Gut, die Hose musste eh mal gewaschen werden...
Nachdem ich aus dem Wäscheraum kam, erzählte Marine, dass sie ihren Flug unabsichtlich einen Monat zu früh gebucht hatte und das Hostel für Dublin storniert worden war und stellte meine Probleme recht schnell in den Schatten! (Armes Ding!)
Die Arbeit begann für mich um 10.30 Uhr mit den typischen Aufgaben, die im Stall eben anfielen, während Tons und Marine mit Mike erst später in den Wald gehen würden.
Amelia mistete aus, während ich die Pferde fütterte und Snowflake auf die Koppel brachte. Zudem hatte Amelia mir aufgetragen Huggybear, ein kleines fettes Pony, das am Morgen von der Weide ausgebrochen war, in den Stall zu bringen und ihn anschließen zu säubern.
Leichter gesagt als getan!
Amelia selbst wusste nicht, wo genau sich der Kleine befand. Ein Glück wusste es Bruce, einer ihrer Helfer, und fuhr mich mit dem ATV (das war so cool!) nach oben zur Sandarena.
Allerdings stellte sich heraus, dass Huggybear um einiges mehr Kondition hatte als zunächst gedacht. Denn so richtig einfangen ließ er sich nicht. Stattdessen rannte er in der Arena umher und trat heftig aus (obwohl ich Meter von ihm entfernt war). Bruce reichte mir Heu über den Zaun mit den Worten "he's the devil" (= er ist der Teufel). So richtig glauben, wollte ich das nicht. Nach 20 Minuten erfolglosem Locken und Fangen, dachte ich nochmal über diese Aussage nach und nach weiteren 15 Minuten mit Bruce Hilfe und einem Koppelwechsel (weil Huggybear einfach auf eine andere Weide gerannt war, trotz Stromzaun!) stimmte ich ihm zu.
Huggybear war der Teufel! - und für mich, wie ein zweiter Sherlock!
45 Minuten dauerte die Aktion, bis ich mit dem Pony zurück zum Stall lief und begann die Scheiße aus seinem (für ihn) überdimensionalen Schweif zu popeln (mit den Händen...ohne Handschuhe...). Amelia verpasste ihm währenddessen einen Topfschnitt und zerstörte die Hälfte meiner Arbeit, als sie ihm den Schweif stutzte (die halbe Kacke war umsonst T.T). Dann wusch sie ihm die Beine, wobei ich eher zuschaute als assistierte. Und letztendlich kämmte ich erneut den Schweif, bevor es in die verdiente Pause ging.
Amelia erklärte mir, dass ich später Joshua und Bo striegeln sollte und sie währenddessen das schwedische Mädchen abholen würde. Denn heute sollte Nina, aus Schweden, eintreffen und für drei Wochen die Jadghunde umsorgen (und die Welpen ;( ).
Also kümmerte ich mich um Joshi, mit dem ich kurzerhand Freundschaft schloss. Bevor ich Bo striegeln konnte, kamen Marine und Tons aus dem Wald zurück, wo sie mit Mike und Bruce das Grundstück mit Stacheldrahtzäunen abgegrenzt hatten. Die beiden hatten den Tag über die Spule abwickeln müssen und kamen sich dabei vor, wie (ich zitiere:) "Lastenesel oder Arbeitspferde". Zwischendurch mussten sie immer wieder stehen bleiben, sodass der Draht unter Spannung stand, dabei wurden sie von Mike spaßeshalber rumkommandiert wie Soldaten.
Gemeinsam striegelten wir Bo, misteten und fütterten die Pferde, sodass wir gegen 5 Uhr fertig waren.
Nina ist wirklich sehr nett, war aber noch recht schüchtern als wir uns Abends ein bisschen mit ihr unterhielten, während wir auf das Essen warteten (Tipp am Rande: schaut euch niemals Essenvideos auf YouTube an, während ihr am Verhungern seid!).
Bevor wir allerdings durch zu wenig Nahrung starben, gab es Lasagne mit Pommes und wir füllten unsere leeren Mägen (...) auf.
Morgen und übermorgen hatten wir frei, weshalb wir uns entschieden Glendalough zu besuchen, einen Park einige Kilometer von Wicklow, und dort eine Nacht in einem Hostel in der Nähe unterzukommen. Aus diesem Grund reservierten wir ein Hostel und packten, bevor es zu Bett ging...
War das nun ein Scheißtag? Vermutlich doch eher ein Pisstag. War es trotzdem lustig? Ja, eigentlich schon- immerhin können auch Scheißtag unterhaltsam sein. Würde es der letzte Scheißtag sein? Ziemlich sicher nicht...Read more









Traveler
Wie süß ihr beiden!
Traveler
Herzig!!!
Traveler
Interessante Frisur