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  • Day59

    E42 : Imrahor - Istanbul

    October 22, 2020 in Turkey ⋅ ☀️ 15 °C

    An meinem letzten Etappen-Tag werde ich mit Zigarettenrauch geweckt. Isimir, der Herr des Hauses, qualmte schon früh morgens eine Zigarette um wach zu werden. Seine Taktik funktionierte wunderbar, denn mit der Zigarette folgte auch das Geplapper, welches nun neben dem Zigarettenrauch auf mich einprasselte. Zuerst wollte ich noch so tun, als befände ich mich weiterhin im Tiefschlaf. Jedoch nützte dies nichts, im Gegenteil. Er plapperte einfach lauter und schneller :)

    Nachdem dann alle wach waren, wurden wir mit einem feinen Frühstück versorgt. Im Anschluss verabschiedet wir uns um früh aufzubrechen, damit wir dem scheinbar wahnsinnigen Verkehr von Istanbul nicht während den Top Stoßzeiten ausgesetzt sind. Der Weg war scheinbar einfach. Auf einer 3 spurigen Schnellstrasse ging es direkt mitten ins Herz nach Istanbul. Aus den 3 Spuren wurden aber bald 4 und später sogar 6. Der Verkehr nahm ebenfalls sehr rasch zu und so mussten wir wiederum mehrmals pausieren und auf eine günstige Gelegenheit warten, um die Spuren zu wechseln. Irgendwann entschieden wir uns jedoch, den mühesamen und langsamen Weg durch die hügeligen Strassen der Vorstadt in das Zentrum zu nehmen. Dies war im Nachhinein die beste Entscheidung, denn schon früh wurden wir hier auch von einer lokalen Persönlichkeit angesprochen. Urim war ein Strassenkünstler und ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs. Er ist laut eigener Aussagen nicht auf das Geld angewiesen und führt darum sein Puppentheater nur wann und wo er möchte auf. Als wir ihm dann sagten, dass wir ins Zentrum zur Fähre wollten, meinte er nur trocken: "Ok dudes, follow me"! Urim, welcher scheinbar in der ganzen Stadt bekannt und beliebt ist, navigierte uns im Eiltempo durch die Innenstadt. Slalom im Gegenverkehr, Abkürzungen über Fussballfelder, alles inklusive. Mehrmals Hintersinne ich mich, ob dieser Typ noch alle Tassen im Schrank hat und bewegte mich stehts zwischen Weinen und amüsiertem Lachen. Plötzlich standen wir aber mitten im belebtem Hafen und genossen die wundervolle Aussicht auf das neue Istanbul östlich des Bosporus. Nach einem finalen Bier, einer Zigarette und dutzenden Umarmungen mit Rachel und Felix trennten sich also nun unsere Wege und ich begab mich auf den Weg zum AirBnB Location.

    Die folgenden Tage standen vor allem im Fokus von Flug buchen, Fahrrad demontieren und verpacken und Side seeing! Da die ersten 3 Tage ein Dauerregen herrschte konnte ich mich auf die ersten 3 Punkte fokussieren. Ich habe mich nun auch gegen meine ursprüngliche Idee, das Fahrrad mittels einem Fahrradkarton am Flughafen aufzugeben, entschieden und habe den guten, alten Drahtesel nun stattdessen mit Frischhaltefolie, Karton und Klebeband in die richtige Passform gebracht. Da das Gewicht natürlich allgemein ein Thema war, kaufte ich mir eine Personenwaage, welche mir beim genauen abpacken sehr behilflich war. Ich reizte so jedes Gramm aus und konnte praktisch mein gesamtes Equipment wieder nach Hause nehmen.

    Am Mittwoch war es dann etwas schöner und ich konnte mir endlich die Stadt genauer unter die Lupe nehmen. Da Istanbul nicht nur riesig sondern auch extrem hügelig ist entschied ich mich aber gegen denn Fußmarsch und stieg stattdessen in das lokale Taxi. Die rund 30min Taxifahrt fühlte sich wie die neue Achterbahn im Europapark an. Keine Sicherheitsgurte vorhanden und der Fahrer raste mit beeindruckender Geschwindigkeit und Präzision durch den dichten Verkehr der Stadt. Ich bin jetzt noch völlig überrascht, wieso diese Fahrt zu keinerlei Blechschaden oder Verletzungen führte. Im Anschluss besuchte ich dann den riesigen Bazar von Istanbul. Auch hier wurde ich natürlich schnell als ahnungsloser Tourist identifiziert und so verfolgte man mich bald mit geschlachteten Ziegen, traditionellen, türkischen Hüten und Wasserpfeifen, welche man mir andrehen wollte. Anschliessend wollte ich dann noch die Hagia Sophia Moschee besuchen, diese ist derzeit jedoch wegen den Sicherheitsmassnahmen und diversen Umbauarbeiten nur während einem kleinen Zeitfenster besuchbar, welches ich leider verpasst habe.

    Stattdessen habe ich aber von meinem Action-Taxifahrer (ja, der stand immer noch vor dem Markt =) noch weiter in der Stadt und die lokalen Hotspots navigieren lassen. Ich spendierte ihm dann noch eine grosse Tasse Tee bedankte mich für die Rundtour mit dem integrierten Adrenalinfaktor.

    Heute morgen steht also die Heimreise und das definitive Ende meiner kleinen Reise an. Ein Freund des AirBnB-Hosts holte mich heute Morgen mit seinem Pickup ab und chauffierte mich zum Flughafen im Osten Istanbuls. Die Stadt ist wirklich wunderschön und in der Nacht extrem schön und stimmungsvoll beleuchtet.
    Nachdem ich nun mein Gepäck inkl. Fahrrad aufgeben konnte gönne ich mir nun noch ein Guete-Morge-Bier und freue mich auf das Sudelwetter in der Schweiz.

    Bis bald ;-)
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  • Day54

    E41 : Malko Tornovo - Imrahor

    October 17, 2020 in Turkey ⋅ ⛅ 18 °C

    Nicht wirklich erholt wache ich in meinem Bett auf, welches scheinbar für 160cm grosse Menschen gebaut wurde. Ein Sturm, welcher während der Nacht erneut wütete und duzenden Geräusche mittels Windspielen, Blechdächern und Fensterläden erzeugte, riss mich regelmässig aus dem Schlaf. Dazu kam, dass das Zimmer von den nassen Kleidern so eine hohe Luftfeuchtigkeit hatte, dass es mir vorkam als liege ich in einem Tropenwald.
    Glücklicherweise legte sich dann aber bis zum Morgen der Sturm und ein blauer Himmel zeigte sich.

    Heute stehen viele Höhenmeter auf dem Programm. So begrüssen uns auch gleich 500HM in den ersten 4km Strecke, hoch zum Grenzübergang in die Türkei. Da die Strasse aber 1A ist und wir lediglich auf zerbrochenes Glas auf der Fahrbahn achten müssen, kommen wir schnell vorwärts und erreichen kurz darauf den Grenzübergang.
    Auf der bulgarischen sowie auf der türkischen Seite wurden wir sehr freundlich und lustig empfangen. Der Bulgarische Zollwärter hat uns sogar mit seiner Kassenbelegrolle eine Art Ziel-Einfahrts-Band erstellt und jubelte uns schon früh entgegen. Auf der türkischen Seite war man dann aber ein wenig professioneller und man wartete mit den Fist-Bombs und Witzen zumindest solange ab, bis wir den Stempel im Pass hatten und der Drogenhund von meinen Chili-Würstchen in der Seitentasche abliess.
    Anschliessend ging es auf eine regelrechte Achterbahn der Strasse. Man kämpfte sich einen Hügel hoch und anschliessend fuhr man wieder vom Hügel runter. Dies wiederholte sich den ganzen Tag. Da die Strasse jedoch gut ausgebaut, breit und wenig befahren war, störte uns das nicht wirklich.
    Am Abend wollten wir eigentlich in Kirklareli sein, wo ich für uns ein AirBnB gebucht habe. Am Zielangekommen entschied sich der Hoster dann jedoch die Türe nicht zu öffnen und jegliche Kommunikation einzustellen....schade! Am nächsten Tag ging dann weiter nach Saray. Erneut stellt uns die Türkei auf die Probe und schmetterte uns Gegenwind und viele Höhenmeter entgegen. Wiederholt müssen wir pausieren und kurz abwarten, da der Gegenwind mit dem Verkehr zu gefährlich war. In Saray trafen wir uns dann mit einem Jungen, welcher bei seinen Eltern andere Fahrradtouristen aufnahm. Leider war die Unterkunft bereits besetzt, jedoch zeigte uns Ömer die Stadt und die versteckten, kulinarischen Restaurants welche wundervolle türkische Gerichte zubereiteten.
    Mit vollem Bauch und einem kleinen Bier ging es aber bald zurück in das Hotel. Der nächste Tag sollte die grösste Etappe meiner gesamten Reise werden. Das Ziel war ein Vorort von Instanbul welcher die Heimat von Anil, einem weiteren Host für Fahrradreisende, ist.
    120km und rund 1480HM stellten sich uns entgegen. Diesmal verlief der Weg tatsächlich auf einer 3 spurigen Autobahn. Da es in der Türkei sehr viele streunende Hunde gibt und sich diese auch einfach gut und gerne auf einer Autobahn verirren können, herrschte eine angenehme Stimmung bezüglich Fahrstil und Geschwindigkeit unserer motorisierten Gefährten. Rachel hatte auf der Strecke noch mehrere Pannen und während Felix diese beseitigte, sorgte ich dafür, dass uns die zum Teil sehr aggressiven Hunde nicht zu nahe kommen. Zum Zmittag gab es dann eine Art Käsewähen und zum Dessert Baklava, welches uns mit der nötigen Motivation für den Kampf gegen den Wind versorgte.
    In Imrohar angekommen legten wir uns dann zuerst einmal neben einem Supermarkt in den Schatten und chillten bis uns Anil dort abholte. Dieser führte uns in die Wohnung seines besten Freundes, wo wir die Nacht verbringen durften. Zum Essen gab es ein scharfes Pasta-Joghurt Gericht, welches natürlich auf dem Teppich im Schneidersitz zu einem heissen Chai-Tee getrunken gegessen wurde. Anschliessend wurde noch die Wasserpfeife in Betrieb genommen und Geschichten ausgetauscht. Der anstrengende Tag sah man jedoch jedem von uns an und so gingen wir alle früh ins Bett.

    Heute ist es also soweit. Wir fahren nach Istanbul ein, wo sich meine Wege mit denen von Rachel und Felix trennen werden. Das langersehnte Ziel ist zum Greifen nah und ich freue mich auf die wundervolle Stadt und die durchgängig rücksichtsvollen und übertrieben freundlichen Personen.

    35km sind noch zu absolvieren......35km bis zum lang ersehnten Döner Kebap made in Istanbul!
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  • Day50

    E38 : Schumen - Malko Tarnowo

    October 13, 2020 in Bulgaria ⋅ ⛅ 15 °C

    Ja, ich hab das Fässchen gefunden und ja, es hat gemundet!

    Die Strecken von Schumen nach Warna war ausnahmsweise eine wahre Augenweide. Ein schönes Panorama auf die umliegenden Hügel, die Umrisse des Balkangebirges, halbwegs fertiggestellte Wohnhäuser und vorhandene Strassensignalisation. Auch die Strassen waren erstaunlicherweise sehr intakt und luden zum zügigen Fahren ein.
    Voller Motivation auf die kommenden freien Tage sowie das erstmalige Erblicken des schwarzen Meeres pedalierte ich Richtung Warna. Die müden Beine waren heute komplette Nebensache und so erreichte ich auch wieder via kurzzeitigem Aufenthalt auf Autoschnellstrassen mein Zielort in Warna. An der Rezeption des Apartments wurde ich herzlich mit einem selbstgebrauten, hochprozentigen Shot begrüsst. Anschliessend gönnte ich mir wie schon geplant ein überteuertes Bier am Strand von Warna. Die hiesigen Restaurants und Bars heitern meine Stimmung im Eiltempo auf und ich erlebe eine regelrechte kulinarische Regeneration meines Körpers. Warna gefällt mir so sehr, dass ich auch ohne Weiteres 3 volle Tage die Stadt, den Strand und die Kultur erforschen möchte.
    Am letzten Abend hatte ich dann die glorreiche Idee, ein weiteres mal das Menü Surprise zu bestellen. Der Dartpfeil landete auf einer mit Fishfood überhäuften Platte. Ebenfalls anwesend: Monsieur Octopus!
    Der Tintenfisch und ich waren noch nie auf gleicher Augenhöhe, ich gab dem Saugnapf-Ding jedoch erneut eine Chance. Das Resultat: 2 weitere Tage in Warna, denn mein Magen/Darm rebellierten zum ersten Mal so richtig und wollten den Fremdkörper so schnell wie möglich entfernen..... am liebsten aus allen Körperöffnungen!
    Nach den zwei weiteren Tagen war ich aber wieder 100% da und die Reise konnte weitergehen. Der Plan ist einfach. Ich folge dem schwarzen Meer an der Küste so lange ich kann und werde dann irgendwo den Weg in das letzte Land, die ersehnte Türkei finden.
    Nach Kaffee und selbst gemachter Omelette sollte es auch schon losgehen, doch da kommt mir Rachel entgegengelaufen, welche sich extrem für das Bike am Eingang interessiert hatte. Schnell kamen wir ins Gespräch und es wurde klar, dass auch Sie auf 2 Räder und ihrem Freund Felix unterwegs war. Wir unterhalten uns den restlichen Vormittag und merkten schnell, dass wir zusammen harmonieren. Da die beiden aus Frankreich kommen, musste auch hier mein Englisch reichen, doch wir verstehen uns wirklich gut und so wird auch bald darauf beschlossen, eine kommende Etappe gemeinsam zu bestreiten. Da die beiden jedoch einen weiteren Tag in Warna bleiben möchten fuhr ich bereits ein wenig vor. In Burgas sollten wir uns dann aber treffen und anschliessend wird der Weg nach Malko Tarnowo gemeinsam absolviert...DEAL!
    Zuerst standen da aber noch 160km Strecke dazwischen, welche ich alleine zu absolvieren habe. Die erste Etappe konnte meine Stimmung auch trotz vielen Höhenmeter keinesfalls trüben. In Obzor , einer kleineren Stadt zwischen Warna und Burgas, machte ich dann Halt um die Strecke etwas lockerer zu gestalten. Eindrücklich war jedoch, dass auch hier unsere arabischen Freunde ihre Finger im Spiel hatten und mal die ganze Stadt in ein Sommerferienparadies verwandelt haben. Das Negative: Wir haben nicht mehr Sommer und so übernachte ich also in einer Art Geisterstadt. Praktisch alle Hotelanlagen sowie Restaurants sind geschlossen. Im Sommer leben hier scheinbar 20000 Menschen. Neben der Saison sind es noch knapp 200.
    Am nächsten Morgen stehe ich früh auf, damit ich den viel befahrenen Weg nach Burgas mit wenig Verkehr absolvieren kann. Die Stadt ist im Gegensatz zu Burgas nicht mehr wirklich touristisch. Hier dreht sich sehr viel um die Fischerei und den Import/Export am grossen Hafen. Dies wirkt sich auch sehr auf die Ordnung in der Stadt selbst aus. Es liegt wieder mehr Müll an den Strassenrändern, es stinkt zunehmend nach Urin und anderen auserwählten Düften. Ebenfalls sei die Kriminalität in der Stadt vergleichsweise sehr hoch. Darum entschloss ich mich für eine Kochsession im Wintergarten der Pension und gegen einen Spaziergang inkl. Nachtessen in der Stadt.
    Am nächsten Morgen standen sie also da, Felix und Rachel voller Elan mit einem dicken Smile im Gesicht.
    Die heutige Strecken beinhaltete viele Höhenmeter und später sollte es auch ein paar Tropfen Regen geben. Irgendwann wollte dann Petrus noch mehr und schüttelte seinen Regenschirm erneut aus. Aus Tropfen wurden Flutmassen und weil es so lustig war kämpften wir die letzten 25km mit extremen Gegenwind. Dieser überlies uns nicht einmal die Downhill Passagen vom Berg nach Malko ohne pedalieren zu müssen.
    In der Pension angekommen hüllten wir uns ,nach der verdienten, warmen Dusche, zuerst einmal in warme Kleider. Anschliessend ging es ins nahgelegene Restaurant und wir bestellten ein wahres Festmahl für uns drei. Rachel war vom Tag sehr ermüdet und begab sich bereits um 18:00Uhr in das warme Bett. Felix und ich bestellten dann noch ein paar Bierchen und hatten eine lustige Zeit zusammen.
    Alkohol hat auch was Gutes... er verbindet Menschen. Deswegen wurde auch bald beschlossen, dass unsere gemeinsame Reise hier nicht enden darf und wir weiterhin die Strassen gemeinsam unsicher machen.

    Morgen passieren wir also die Grenze in die Türkei. Für mich der letzte Grenzübergang mit Fahrrad auf dieser Tour. Ich hoffe natürlich, dass sich der Beamte im Zollhäuschen auch nicht wirklich für mich interessiert, in seinen definitiv vorhandenen Schnäuzer murmelt und mir die Barriere zügig öffnet!
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  • Day42

    E34 : Widin - Schumen

    October 5, 2020 in Bulgaria ⋅ ⛅ 21 °C

    Hmmm was gibt es zu erzählen? Zuerst einmal solltet ihr wissen, ich bin ein wenig fertig, ein wenig genervt und mein "Födle" macht nicht nur ein wenig weh! Der Grund dafür: Bulgarien!

    Hoch motiviert und gespannt darauf, was Bulgarien für mich auf Lager hat, starte ich also in Widin meine Tour an der Donau. Eigentlich sollte der Euro6 Radweg gut zu befahren sein. Tatsächlich war der Radweg dann früh zu Ende und es ging auf gängigen Hauptstrassen weiter. In Österreich habe ich mich noch wie ein Rohrspatz über die Radwege beschwert. In Bulgarien existieren nicht einmal welche, dafür sehen die Hauptstrassen dementsprechend schlimm aus, dass man am liebsten absteigen und neben dem Fahrrad laufen möchte. Der Westen von Bulgarien gilt ja als der "arme" Teil vom Land. Dies liegt hauptsächlich an den fehlenden Touristen und an den scheinbar unfähigen und korrupten Stadträten. Da der Alkoholpreis aber eher wieder ansteigt, sind nicht einmal die Serben an ein wenig Urlaub im Nachbarland interessiert. Das fehlende Geld zeigt sich überall. Strassen, Infrastruktur, Restaurants, Hotellerie. Auch die Menschen sind nicht mehr so freundlich und hilfsbereit wie noch in Serbien. Sie grüssen zwar lächelnd zurück, einem Gespräch weichen sie aber mit grossem Bogen aus und können dich auch sehr gut einfach ignorieren. Dies liegt aber hauptsächlich daran, dass praktisch niemand hier auch nur ein paar Worte englisch spricht oder versteht. Ich kann mich höchstens mit Mädchen im Alter von 12-16 Jahren unterhalten, da diese über eine Art Schmink-Englisch verfügen, welches sie von einer englischsprachigen Youtube-Influencerin gelernt haben. Wenn man also fragte, ob man hier im Dorf etwas essen kann, kam irgend eine zerstreute Antwort zurück und beinhaltete Wörter wie "French Nails" und "Shiny Lip gloss".
    Damit ich aber trotzdem etwas Anständiges zwischen den Zähnen hatte, habe ich zuerst viel von meinen Vorräten selber gekocht. Dies hat den Motor gefüttert und ebenfalls Gewicht und Platz gespart. So weit so gut.
    Ich wollte ja eher wieder mehr Challenge und habe mir die ersten Etappen anspruchsvoll gestaltet. So warteten also die 105km und 800HM auf mich. Was man links und rechts erblicken kann, ist sehr schnell gesehen da immer das Selbe. Gestrüpp, Müll, braches Ackerland, verfaulender Mais, Abfall, verlorene/zerfetzte Autoreifen und noch mehr Müll. Eine wahre Abwechslung sind dann aber die bissigen Hunde, welche wie blutrünstige Bestien nach deinen Waden, Füssen und Fahrradreifen lechzen.
    Boyan, der Betreiber vom Base Camp in Negotin, hat mir dringlichst geraten, dass ich mir in Bulgarien so schnell wie möglich einen ordentlichen Knüppel suche, damit ich den Hunden mit Schmackes auf die Rübe hauen kann. Damals konnte ich mir dies kaum vorstellen und wollte mir sowieso zuerst ein Bild von der oft-genannten Situation machen. Ja was soll ich sagen, es ist wirklich schlimm. Einen Knüppel habe ich mir jedoch noch nicht zugelegt, da ich zuerst einmal eine humanere Taktik ausprobieren wollte. In einem kleinen Supermarkt kaufte ich mir also Hunde-Guetzli und munitionierte diese in griffnähe auf, dass ich diese bei einem Sturmangriff der Vierbeiner schnellstmöglich zur Verfügung habe.
    Da fahr ich also gemütlich durch ein kleines Dorf und da fletscht doch plötzlich etwas im Gebüsch seine Zähne. Sofort die Guetzli in der Hand und zum "Ausstreuen" parat. Die 2 Hunde nehmen die Verfolgung auf, die Leckerli fallen auf den Boden, der eine Hund bleibt interessiert stehen.....der andere gibt die Verfolgung kurze Zeit später ebenfalls auf. Dann erklingt plötzlich mein Navi, da ich während der Verfolgungsjagt die Abzweigung verpasst und falsch gefahren bin. Also umkehren und wieder den Kötern entgegen. Nun standen da plötzlich 5 Hunde, welche scheinbar Lust auf weitere Guetzli hatten. Die Guetzli haben also ihren Zweck erreicht, lockten jedoch noch weitere Fiffis und Bellos an. Da ich hier nicht Pestalozzi raushängen und keine weiteren Leckerli entbehren kann, musste ich also doch mit Füssen und Geschrei die Hunde auf Abstand halten.
    Also noch einmal zusammengefasst:
    Unter dem Fahrrad = Schlaglöcher!
    Hinter dem Fahrrad = Bissige Agrohunde!
    Links und Rechts neben dem Fahrrad = Sehr viel Müll und immer das gleiche Panorama!
    Oben brennt die Sonne und von vorne hagelt es Steckmücken und anderes Krabelzeugs. Dazu kommt, dass die Luft durchgängig nach Rauch oder verfaultem Mais riecht. Das volle 360 Grad-4D-Programm!

    Ich denke ihr könnt mich verstehen wenn ich euch sage, dass mir die Lust an Bulgarien ziemlich schnell vergangen ist. Da meine Tour aber quer durch das gesamte Land bis hin zum schwarzen Meer verläuft, bekomme ich nach und nach eine Scheiss-Laune und bin zum ersten mal demotiviert. Ich entscheide mich, das Land so schnell wie möglich zu durchqueren und passe meine Streckenetappen erneut an. Neu möchte ich ca. 120km und 900HM im Schnitt fahren. So sollte ich bis in 6 Tagen auf der anderen Seite des Landes sein.

    Musik im Ohr, Wasserflaschen voll, Tour geladen und los gehts. Tag für Tag radle ich die Kilometer mit Mühe und Not runter. Ich bewege mich täglich an meinen physischen Grenzen und oft zittern meine Beine auch noch im Bett. Die Dulix-Creme leistet aber gute Dienste und so sind die Beine am nächsten Tag nach den ersten 30km wieder einigermassen warm. Im Gegensatz zum Hintern, welcher mittlerweile echt weh tut. Da es sich hier nicht um die übliche Scheuerwunde handelt sondern die Schlaglöcher und Vibrationen mir den Hintern windelweich hauen, hilft auch die Creme nicht wirklich viel.

    Auch heute hatte ich sehr viel Mühe dem Ziel näher zu kommen. 30km vor Schluss war es dann soweit. Nachdem ich einen steilen Hügel überstanden habe mich so richtig auf den Downhill und das "Ziehen lassen" gefreut habe, war meine Konzentration nicht on point.
    So sah ich das RIESENGROSSE SCHLAGLOCH viel zu spät und ich konnte nur noch probieren, das Vorderrad ruckartig anzuziehen um zumindest nicht vorne festzustecken und mich mit 50kmh auf die Strasse zu legen.
    Das Hinterrad hatte jedoch nicht so viel Glück. Der Aufprall war so heftig, dass eine weitere Speiche brach, an meinen Umwerfer (Schaltung am Hinterrad) einhackte und diesen beinahe komplett abriss. Das Schaltauge war ebenfalls total verbogen, ich konnte jedoch mit ein wenig Kraftaufwand das Fahrrad wieder einigermassen fahrfähig machen (ich hatte jedoch nur 3 Gänge). Ich denke, ihr könnt euch denken, wie meine Gefühlslage während dieser Situation war. Ach ja... Bulgarien hat ja noch etwas sehr gutes zu bieten: KEINE VELOMECHANIKER!
    Es ist echt nicht zum glauben. Es gibt zwar Fahrradhändler, diese verkaufen aber in erster Linie die Fahrräder nur und führen kleine Reparaturen durch. Diese fangen bei der Montage von Licht an und hören beim Aufziehen von neuen Reifen auf. Speichen reparieren, Rad zentrieren und Schaltauge richten war hier völlig fehl am Platz. So gab es für mich eigentlich nur eine Option. Ab in den Zug am nahgelegenen Bahnhof und wieder zurück in die Landesmitte. In Gorna befindet sich scheinbar eine der wenigen Werkstätten, welche die Pannen der Donauradfahrer bewältigen können. Nach einem kurzen Telefonat ging es dann auch schon los, auf die 120min Zugfahrt.
    Der Mechaniker hat mir keinen Scheiss erzählt. Im Eiltempo konnte er mir die fehlende Speiche ersetzen, das Rad zentrieren und auch ein neues Occasion-Schaltauge verbauen.
    Nun ging es wieder zurück an den Bahnhof. Da jedoch schon 16:00 war und es bald schon eindämmerte, löste ich das Ticket bis nach Schumen (welches das heutige Tagesziel ist).

    Morgen steht also die letzte meiner Challenge-Etappen auf dem Plan. Ein letztes Mal gebe ich alles und beisse die 94km nach Warna durch. Dann werde ich hoffentlich irgendwo ein Fässchen Bier finden um mich damit gemütlich ans Meer setzen und meinen Hintern ausheilen lassen.
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  • Day38

    E29 : Pozarevac - Widin

    October 1, 2020 in Bulgaria ⋅ ☁️ 15 °C

    Die letzten Tage standen vor allem im Fokus von Regen, Wind, Sliwowitz, schönen Radwegen, streunenden Hunden und gutem Essen. Nun aber der Reihe nach.

    In Pozarevac startete ich mit einem guten Frühstück und Sonne, welche sich durch den bewölkten Himmel kämpften. Es wartet eine kurze Etappe von ca. 60km und 400HM, welche grösstenteils auf Hauptstrassen verlief. Wie ich schon erwähnt habe, sind die Serben sehr rücksichtsvolle Autofahrer (ich dachte nicht, dass ich sowas jemals schreiben würde) und das Fahrrad fahren macht richtig Spass. Auf dem Weg nach Golubac lagen mehrere sehr coole Locations welche sich wunderbar für ein Foto anboten. Ansonsten zeichnete sich das gleiche Bild ab wie schon so oft gesehen und ignoriert. Brachland soweit das Auge reicht. Überfahrene Tiere, Abfall neben und auf der Strasse, unvollständige oder schon wieder halb abgerissene Häuser und vertrocknete Maisfelder, da sich der serbische Bauer den Anbau von Mais leisten kann, jedoch die Ernte nicht. Mann schaut sich dauernd um, wird jedoch auch irgendwann gelangweilt vom Anblick. Die Autofahrer welche dann aber hupend auf dich zufahren, eine Vollbremsung machen und dir einen Flachmann Sliwowitz entgegenhalten haben dann die Stimmung aber mehrmals aufgeheitert. Ja, diese Situation trat wirklich mehrmals auf und mehrmals bedeutet in diesem Fall ca. alle 20km. Verdammt, dabei habe ich doch so solide gestartet und bis ca. Slowenien meinen Alkoholkonsum im "normalen" Rahmen gehalten. In Serbien ist dies schlichtweg unmöglich. Ich weiss nicht, ob die Serben so gerne Fahrradtouristen haben oder ob es doch an der serbischen Flagge lag, welche mir Aleksa an mein Fahrrad geklebt hat.
    Wie dem auch sei, um ca. 14:00Uhr bin ich dann in Golubac eingetroffen und konnte mich vor einem riesen Gewitter in Sicherheit bringen...in einem Hotel....dem schlechtesten, welches ich je gesehen habe (und ja, das Hotel in Milano, ist mir noch präsent!). Der Dauerregen will nicht aufhören und es sieht schwer danach aus, dass ich eine zweite Nacht in dieser absoluten Hölle von Hotelzimmer verbringen muss, denn ich war ja schliesslich wieder in einem Dorf, welches neben einem Alkoholladen und einem Kebapladen nur ein kleines Cafe, welches rund um die Uhr mit serbischen Anglern vollgestopft war, zu bieten hatte. Ja es hätte noch anderes gegeben, jedoch haben viele Geschäfte die Corona Krise und die fehlenden Touristen nicht überlebt und wurden daher geschlossen und in einem Fall auch schon geplündert.
    Am Dienstag wurde dann der Regen ruhiger und es gab auch vereinzelte Regenpausen. Völlig durchzaust packte ich meine sieben Sachen zusammen und rannte sprichwörtlich aus dem verlausten Hotel. Mein neues Ziel war Donji Milanovac welches wieder eine Strecke von ca. 60km und 900HM war. Ich wollte diesen Ort so schnell wie möglich verlassen und raste in Rekordzeit den wunderschönen Radweg an der Donau entlang. Immer wieder setzen heftige Regenschauer ein und zwangen mich ab und an, mich in einem der vielen kleineren Tunnels unterzustellen. Auch das Fahrrad meckerte wieder rum und es wurden wieder Reparaturen fällig. Beide grossen Bidonhalter für die 1.5l Wasserflaschen brachen fast gleichzeitig ab. Das Problem lies sich aber schnell mit einer Rolle Isolierband reparieren.

    In Donji angekommen traf ich auf 2 andere Fahrradtouristen aus Frankreich. Louis und Marc flogen mit dem Fahrrad nach Wien und fuhren nun via Ungarn und Serbien ebenfalls nach Bulgarien und wollen dort in Sofia wieder zurückreisen. Die beiden waren eher passiv unterwegs und schmuggelten sich vor ein paar Wochen auch durch Ungarn. Bei der Ausreise nach Serbien haben sie sich sogar unter einem Zaun durchgebuddelt. Als ich Ihnen dann gesagt habe, dass ich bisher alle Zollübergänge mehr oder weniger easy meistern konnten, fingen die beiden an ein wenig zu streiten und ich hörte Marc mehrmals "merde" sagen und lachen.
    Anschliessend zogen die beiden dann weiter. Da sie mit Gravelbikes ausgestattet waren und sehr leicht reisten, konnten sie natürlich länger und schneller reisen. Deshalb hängten die beiden noch ein paar Kilometer an. Ich übernachtete nun im bisher ersten Radwegapartment. Diese meist spartanisch aber zweckmässig eingerichteten kleinen Zimmer verfügen über alles, was das Bikerherz begehrt. Eine Waschmaschine inkl. Tumbler, eine kleine Gemeinschaftsküche, eine ausgerüstete Werkstatt und natürlich ein warmes und sauberes Bett mit Strom. Der Betreiber war nur kurz vor Ort, um den Gästen eine Art Power-Gulasch zuzubereiten. Wunderbares Essen!

    Am nächsten Morgen fuhr ich dann weiter Richtung Süden. Erneut standen 65km und ca. 1000HM auf dem Plan. Ich verlies also die Donau und begab mich auf die Passstrasse Richtung Negotin, eine kleine Stadt, welche sehr nahe am Grenzübergang Bregovo liegt. Auch hier hatte ich wieder ein Radwegapartment reserviert, da das "Basecamp for Adventure" in jeder Art von Literatur, welche ich über den Euro6 Radweg durchstöbert habe, dieses Camp als absolutes MUST SEE gekennzeichnet wurde. So war es dann auch. Bojan, der Betreiber hiess mich herzlich im Camp willkommen, welches mitten in der Stadt liegt. Das Camp besteht aus mehreren Häuser, welche einen grossen Garten für Campinggäste umschliessen. Das ganze Camp ist so liebevoll gestaltet und die Bewohner sind sehr freundlich und wollen sofort meine Erlebnisse erfragen. Nach dem Gespräch mit Erwlan (hoffe ist richtig so), ein Russe und Han, gebürtig Chinese, wurde mir bewusst, dass es sich bei meinem Abenteuer doch wirklich nur um ein abenteuerLI handelt. Erwlan, wahrscheinlich der einzige Russe welcher kein Vodka trinkt, ist seit 3 Jahren auf Fahrradreise und Han sogar 8 Jahre. Han ist eines Morgens in China aufgebrochen und wollte einfach die Welt sehen. Wo es ihm gefiel, da blieb er und finanzierte sich seinen Aufenthalt mit Musik, kleineren Arbeiten und Jonglieren in den jeweiligen Stadtzentren. In Georgien wurde er dann von einem Lastwagen erfasst und er brach sich zum Glück nur die Schulter. Sein Fahrrad sowie seine Instrumente wurden dabei völlig zerstört. Er reiste nach seiner Genesung eine Zeit zu Fuss weiter und klapperte so eine Stadt nach der anderen ab. In Istanbul hatte er dann genug Geld zusammen, um sich wieder ein Fahrrad zu kaufen und radelte nun im Sommer bis nach Nigrin. Im Camp lebt er schon seit 45 Tagen und hat viele Freundschaften geschlossen. Bojan hat mit den anderen Bewohner etwas Geld zusammengelegt und ihm eine Ukulele gekauft. Bojans Bruder und Han üben jeden Abend zusammen spielen und unterhalten das Camp. Am Lagerfeuer gibt es ebenfalls am Abend für alle Bewohner Gulasch, welcher von Nonans Frau zubereitet wird.

    Schweren Herzens verlies ich heute das Camp und die Leute, mit welchen ich einen lustigen und trinkfreudigen Abend verbracht habe. Die Frau von Bojan hat mir noch mehrere kleine Küchlein als Snack gebacken und ein super Frühstück aufgetischt. Gestärkt ging es dann Richtung Grenzübergang, welcher so unspektakulär war, dass es schon langweilig war. Im Vergleich zu Kroatien-Serbien, wo ich beinahe Betteln und Lügen musste um zu passieren, empfing mich in Bulgarien ein gelangweilter Zollbeamter, welcher sich ca. 1min meine ID ansah, probierte meinen Namen in mehreren Anläufen auszusprechen, irgendwann aufgab und mir meine ID schon beinahe zurückwarf. Er schnaubte mir dann ein einfaches "GO" entgegen und öffnete die Schranke.
    Kaum hat man den Zoll passiert, zeichnet sich auch gleich die Armut von Westen Bulgariens ab. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass ein Dorf noch heruntergekommener aussehen kann, als einige Dörfer in Serbien......es kann!
    Ein ganzes Dorf, verwittert, kaum bewohnt, verschmutzt, bemalt, kein Strom, kein Wasser. Ich sah, wie Mensch und Tier aus Regentonnen tranken. Ein umfunktionierter Tanklastwagen versorgte die wenigen Menschen vor Ort mit sauberem Wasser. In Widin bin ich nun wieder auf die Donau und etwas mehr von Allem gestossen. Für umgerechnet 8 Franken bin ich hier in einem kleinen Schopf am Übernachten. Neben Strom und WLAN, habe ich sogar eine eigene Sauna, welche ich sogleich benutzte um mir klar zu machen, dass ich einfach nicht so wirklich der Sauna Typ bin.
    Die nächsten Tage folge ich wieder der Donau und möchte auch wieder einmal richtig Gas geben und mehr Strecke abstrampeln. Die Strecke sollte gut zu befahren und mehrheitlich flach sein. Auch das Wetter sollte sich nun wieder bessern, eventuell sogar Sonnencreme würdig! Mal schauen ;-)
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  • Day33

    E25 : Belgrad - Pozarevac

    September 26, 2020 in Serbia ⋅ ⛅ 21 °C

    Da wache ich also auf, in meinem King-Size-Bett. Eigentlich möchte ich das Apartment nicht verlassen, doch das Abenteuer muss schliesslich weitergehen. Ich schwinge mich auf meinen Drahtesel und radle durch die Ampel-übersähte Innenstadt von Belgrad. Immer Richtung Osten, immer der Donau entlang. Das erste Zwischenziel ist Kubin. Dort soll es einen sensationelles Hühnchen mit Aivar-Füllung geben. Ich überquere das erste Mal die 2km breite Donau und schliesse mich dem Radweg "Euro6" an. Der Radweg ist abwechslungsreich und die Strecke nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Oft gibt es Verzweigungen mit mehreren Richtungen/Möglichkeiten und die notwendigen Wegweiser fehlen (waren vorhanden, jedoch abmontiert, da Blech ein gesuchter Rohstoff und Baumaterial ist). So ist es also mehrmals vorgekommen, dass ich in eine Sackgasse navigiert habe. Im Nachhinein hätte ich spätestens dann, als sich der Untergrund von Erde zu Nägel, Draht und Glas durchmischtem Sand verändert hat, Verdacht schöpfen müssen und mein Navi checken. Naja, sind ja nur ein paar zusätzliche Kilometer.......dachte ich zumindest.

    Plötzlich macht sich erneut ein schwammiges Gefühl auf meinem Fahrrad bemerkbar. "NEEEEEEI... BITTE NED JETZT"

    Schnell war also klar, platter Reifen am Hinterrad. Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde und war natürlich Top vorbereitet....dachte ich.

    Das Hinterrad war schnell demontiert, der Schlauch ausgetauscht und zum Pumpen bereit.
    "DAMI!!!! WO ESCH MIS ÖBERGANGSVENTIL????"
    Zur Erklärung: Das Bike besitzt keine normalen Veloventile sondern die grossen Ventile, welche zum Beispiel auch am Autopneu zu finden sind. Da sowohl meine Mountainbikepumpe, wie auch Meine CO2-Kartuschen das kleine/normale Bikeventil verwenden, benötige ich ein Übergangsventil.
    Nachdem ich mein komplettes Inventar nach dem kleinen Übergangsventil durchsucht und nichts gefunden habe, war ich also doch da, wo ich nie sein wollte. Mitten im Nirgendwo 10km rundherum kein Haus oder Person, mit einem defekten Bike. Es bleibt mir also nichts übrig als zu schieben. Wenigstens erreiche ich schon bald eine asphaltierte Strasse. Nach 30min erreiche ich endlich eine Tankstelle mit Druckluftanschluss. Ich nutze die Gelegenheit und führe einen kleinen Service am Bike durch. Die Reifen sind schnell aufgepumpt, das Loch am alten Reifen lokalisiert und geflickt. Nach einem kleinen Orangina kanns auch schon weitergehen. Schliesslich habe ich genügend Zeit verlöffelt.

    10min später

    "JETZT NED IM ÄRNSCHT!"
    Diesmal war plötzlich der vordere Reifen platt. Die gleiche Situation, keine Tankstelle. Dafür ein kleiner Laden, vor welchem sich mehrere Personen das wohlverdiente Feierabendbier genehmigten. Die erste Person, welche ich ansprach und hilfesuchend auf meinen Vorderreifen klopfte, rannte sprichwörtlich nach Hause und holte dort eine rettende Luftpumpe. Währenddem konnte ich das Vorderrad demontieren und mit meinem reparierten Schlauch versehen. Das Problem konnte also schnell wieder behoben werden. Aleksa, ein Arbeiter, welcher mit seinen Kollegen vor dem Laden Bier trank, lud mich dann auf ein Bier ein und wollte mehr über mich erfahren. Da niemand weder Englisch noch Deutsch verstehen konnte, gestaltete sich das Gespräch mit den Jungs als wahre Herausforderung. Schliesslich musste ich dann aber nach dem 2 Dosenbier ein drittes ablehnen und wollte noch ein paar Kilometer gut machen.

    ........

    Erneut stand ich vor einem platten Reifen.
    Ich war ein wenig geschockt, konnte dies aber mit ein paar typisch schweizerischen Fluchwörter kaschieren.
    Dies bekam dann auch Aleksa wieder mit, brachte mir mein drittes Dosenbier und gab mir mit Zeichensprache zu verstehen, dass ich bei ihm und seiner Familie essen und übernachten darf.

    Wir luden also das Fahrrad in den alten Dacia von Aleksa.
    Wie in einem Actionfilm riss Aleksa ein paar Kabel unter dem Steuerrad hervor und wollte das Auto kurzschliessen. Die Zündung ging an, aber der Motor startete nicht. Aleksa rief seinen Kollegen herbei, diese stossen den Wagen zur Strasse und brachten den Motor zum brummen. Nun verstehe ich auch, wieso alle Kroaten und Serben dauernd ihre Autos mit laufendem Motor parkieren.

    Das Haus war nur wenige Minuten entfernt. Aleksa besitzt einen kleinen Bauernhof, arbeitet aber auf einem Kohlebagger. Seine Frau Rakka und sein Sohn Alexander warteten schon vor dem Haus und hiessen mich herzlich willkommen. Sofort wurde mir meine durchnässte Kleidung abgenommen und trockene Tücher gebracht. Nach einer kurzen Hofführung und persönlichen Begrüssung aller Hühner, Schweine, Hunde und Ziegen wurde das erste Glas Sliwowitz zusammen getrunken. Rakka zog sich in die Küche zurück und sorgte für einen himmlischen Duft, welcher sich im ganzen Haus verteilte. Bald darauf wurden wir zu Tisch gerufen und ich wurde erneut von der unendlichen Gastfreundschaft dieser Leute überfordert. Ein wahres Festmahl mit Chickenwings, Schnitzel, Wurst, Käse, diverse Salate, Ayvar, Auflauf und und und. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, dass dies alles nur für mich gekocht wurde und weder Aleksa, noch seine Familie davon essen würden.
    Die Situation war für mich so überfordernd, dass ich mehrmals Aleksa und Rakka aufforderte mir Gesellschaft am Tisch zu leisten. Alexander half mir die Kommunikation mittels Google Translate zu gewährleisten. Mir wurde erzählt, dass so ein Essen nur bei sehr speziellen Anlässen gekocht wird und der Gast immer zuerst essen darf. Mit jedem Bissen wurde mir erklärt, was ich gerade esse und wie das Tier hiess, welches dafür den Kopf hinhalten musste. Diese Situation war so unangenehm fremd für mich, dass ich total überfordert war und keine Worte mehr fand. Nachdem ich dann satt war, durfte ich ins Wohnzimmer und serbisches Fernsehen geniessen. Aleksa und seine Familie sind weit und breit die einzigen Leute, welche eine stabile Internetverbindung sowie über 50 TV Sender besitzen. Währenddem assen dann auch Aleksa, Rakka und Alexander etwas.
    Nach dem obligatorischen Sliwowitz nach dem Essen, durfte ich dann ins Badezimmer um mich zu waschen. Die Dusche bestand aus einer Badewanne und einem Eimer lauwarmen Wasser. Auch dies ist eine absolute Ausnahme, dass man mit warmen Wasser duschen / sich waschen kann. Anschliessend unterhielten wir uns noch ein wenig. Wenn es nach Aleksa ging, könnten wir den ganzen Abend Sliwowitz trinken. Leider war ich vom Tag dermassen müde, dass ich mich um ca. 22:00 ins Schnapszimmer zurückzog, wo mein Bett eingerichtet wurde. Dies war ein sehr emotionaler Tag. Es ist extrem eindrücklich zu sehen, wie eine Familie, welche eher bescheiden lebt, sofort alles für eine fremde Person hergeben würde, damit diese sich so wohl wie möglich fühlt. Diese Leute haben ein riesengrosses Herz!

    Am nächsten Morgen wurde ich früh von Aleksa geweckt. Er möchte mit mir Fischen gehen und auf dem Weg bei einem Fahrradhändler Schlauch und Luftpumpe einkaufen. Ein Kollege von Aleksa betreibt an der Donau ein Restaurant und bietet frisch gefangenen Fisch an. Als wir zugefahren sind, kehrte dieser direkt von seinem erfolgreichen Angelausflug zurück und übergab Aleksa 2 grosse Stuka-Fische. Weiter ging es zum Fahrrad-Mechaniker, welcher seine Kernkompetenzen eher beim Verkauf von Matratzen, Feuerwerk und Secondhand-Kleider hatte. Unter einem Regal zauberte der Herr jedoch eine kleine Luftpumpe hervor, welche den Eindruck erweckte, dass diese aus einer Tischbombe stammte. Ebenfalls wurden mir 2 Schläuche in die Hand gedrückt, welche in einer Chipstüte verpackt wurden. Ich beschwerte mich keinesfalls und bezahlte umgerechnet 2 Franken für das Equipment. Zuhause angekommen wurde dann das Fahrrad repariert. Ich untersuchte nun den Vorderreifen nach Fremdkörper und wurde fündig. ca. 6 ganz feine Dornen haben den Pneu durchstochen und somit auch den Schlauch beschädigt. Die Löcher am Schlauch waren so extrem klein, dass ich sie auch unter Wasser kaum fand. Ich bin jetzt noch nicht sicher, ob ich alle Löcher gefunden habe, jedoch habe ich schon 8 Reparaturpads verbracht. Notfall habe ich ja noch die Chips-Schläuche =)

    Ich wurde dann noch zum Mittagessen eingeladen, da es vor dem Mittag noch einmal stark anfing zu regnen. ca. 15:00 Uhr verabschiedete ich mich dann von Aleksa, Rakka und Alexander schweren Herzens und fuhr Richtung Osten weiter. In Pozarevac flüchtete ich dann vor dem erneut eintretenden Regen und konnte in einem Hostel unterkommen.

    Besten Dank erneut an Aleksa und seine wunderbare Familie. Solche Gastfreundschaft sieht man nicht alle Tage.

    Die nächsten Tage werde ich an der Donau verbringen und mehrheitlich wild campen. Die Grenze zu Bulgarien ist schon bald in Sicht.

    Weiter gehts!
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  • Day29

    E24 : Ruma - Belgrad

    September 22, 2020 in Serbia ⋅ ☀️ 25 °C

    Der Weg nach Belgrad gestaltet sich sehr abwechslungsreich. Die Leute arbeiten wieder aktiv, produktive Fabrikhallen sind wieder an der Tagesordnung. Die Hauptstrasse ist gut zu befahren. Es herrscht zwar viel Verkehr, jedoch sind die Serben sehr rücksichtsvoll auf der Strasse und getrauen sich auch auf einer breiten Fahrbahn nicht immer mich zu überholen, ohne das ich ihnen mit einem Winken dazu rate oder zeige, dass ich bereit bin...... dabei habe ich doch gar nicht soviel Sliwowitz getrunken. Da waren also die Kroaten viel chaotischer und streiften auch ab und an den Lenker oder die hintere Packtasche.

    Plötzlich duftete es herrlich nach Obstbrand und vertraute Gefühle von Früher, als wir regelmässig unser Obst auf dem Hof gebrannt haben, kamen hoch. Eine grosse Fabrik wo Obst zu feinem Schnaps verarbeitet wird, präsentierte sich Mitten in einem an Belgrad angrenzenden Dorf. Ich folgte dem Duft ohne auch nur ein wenig Einfluss auf meine Arme und Beine zu haben. Schliesslich empfing mich Tatjana, eine junge, hübsche Frau, welche die Anlieferung kontrollierte. Nach ein wenig Smalltalk konnte ich sogar die Waage bei der Anlieferung verwenden und ich konnte endlich Klarheit darüber schaffen, wieviel Kilogramm ich hier durch die Strassen bewege. Stolze 60kg für Fahrrad und Gepäck!

    Anschliessend ging es schnell. Die Vororte von Belgrad sind mit sehr guten Fahrradwegen ausgestattet und so war ich um Längen schneller im Kern der Stadt als ein Autofahrer. Vor der ersten Brücke über die Save traf ich dann auf Stojan. Er ist ebenfalls leidenschaftlicher Radfahrer und machte auch schon die eine oder andere 1000km Tour. Er interessierte sich extrem für mich und meine Tour und wollte mir ohne Wenn und Aber helfen, mich in der Stadt zurechtzufinden und eine gute Unterkunft zu finden. Da er sehr aufdringlich und übertrieben freundlich war und mich auch über ca. 10km wild verfolgt und belagert hat, schlichen sich bei mir Misstrauen und Abneigung ein. Im Nachhinein bereue ich diesen Moment zu tiefst. Er wollte mir wirklich nur helfen, tätigte duzend Telefonate, verhandelte mit Hotelmanager und hat mir schlussendlich eine Luxussuite mitten im Zentrum der Stadt zu einem Spottpreis arrangiert.
    Belgrad ist wunderschön und sehr grün. Überall ragen Bäume zwischen den Blocks und neben den Strassen hervor und sorgen für eine extrem angenehmes Klima und auf der Strasse und im Biergarten. Die Leute sind ganz im Gusto von Stojan sehr freundlich. Ich komme mehr und mehr davon weg, Google um rat zu bitten. Ich suche einen Barbier, welcher mir mein Gewucher auf und unter dem Kopf in Ordnung bringt, so frage ich einfach jemanden auf der Strasse. Immer wurde mir sofort geholfen und ich wurde meistens von den Leute persönlich zum gewünschten Ort gebracht. Mit den oft sehr spannenden Gesprächen auf dem Weg wurden auch Freundschaften geknüpft. So hat auch Raul, welcher mich zum Barbier gebracht hat, geschlagene 40min vor dem Shop gewartet, damit wir anschliessend zusammen ein Bier trinken konnten. Bier trinken und Spass haben, kann mit Belgrad hervorragend. Entlang der Save wurden ca. 20 Schiffe in Bars umgebaut, welche neben abwechslungsreicher Musik auch eine grosse Auswahl an Bier und Drinks anbieten können. Ebenso ist auch entlang des Donauradweges eine Flut von coolen Bars in einer alten Schiffswerft anzutreffen. Die coole und abwechslungsreiche Architektur rundet Alles noch ab und so kann ich mit gutem Gewissen sagen, fantastische Stadt!
    Darum habe ich mich auch ohne Gegenwehr für 3 Nächte überreden lassen. Ich werde also meine Tour und somit den Start auf dem ersehnten Donauradweg am Freitag fortsetzen.

    Bis dahin,
    Heide heide, Sliwowitz, aaaaaargh
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  • Day27

    E23 - Nijemci-Ruma

    September 20, 2020 in Serbia ⋅ ⛅ 25 °C

    In Nijemci wurde ich altmodisch vom krähenden Hahn geweckt. Dieser machte nämlich pünktlich um 05:15 im Hühnerstall nebenan Radau. So wirklich Lust zum weiterfahren habe ich nicht. Das unbequeme Sofa bot aber auch keine Argumente um noch weiter liegen zu bleiben.
    Ich erstelle also die Packung und pedalliere um 07:00 in den Dorfkern. Dort hoffte ich auf einen Kaffee, welcher nicht mit Nespresso-Konzentrat hergestellt wurde. In einer Bar wurde ich dann auch glücklich gestellt und teilte mir einen grossen Tisch mit einem Lastwagenfahrer, welcher bereits sein erstes Bier genoss.

    Um acht Uhr nahm ich dann die ersten 20km bis an den Grenzübergang zu Serbien auf mich.
    Der Verkehr war nicht wirklich präsent. Ich hatte eine Art Dejavu als ich die lange, gerade Strasse entlang fahre und einfach die einzige Person weit und breit bin. Hat etwas von Freiheit, bei einem Grenzübergang während einer Pandemie kann dies aber auch ein sehr schlechtes Zeichen sein. Vor dem Übergang liegt noch ein kleines Dorf mit dem obligatorischen Tankstellen/Alkoholladen. Ich halte an um mein Wasservorrat wieder aufzufüllen und erfahre beiläufig, dass der Zoll in Betrieb ist, aber erst um 13:00 öffnet.
    Schöne Sache, da sitze ich also 3h auf einem wackligen Plastikcampingstuhl und beobachte herumlaufende Hühner.

    Endlich stand der Zeiger kurz vor der 1 und ich machte mich auf vor die Schranke. Pünktlich wurden die Schranken dann auch gehoben und ich gelange an ein Häusschen in welchem 3 serbische Beamte sich den Platz streitig machten. Das Fensterchen wurde von einer Dame geöffnet, welche vor sich auf dem Schreibtisch die Pistole und ein belegtes Brötchen positioniert hatte. Nachdem ich mein Anliegen an die Dame geäussert hatte, begann erneut eine hitzige Diskussion mit den anderen Zollbeamten. Das Gespräch hörte sich jedoch zunehmend schlechter an und irgendwann hiess es, dass ich nicht einreisen dürfte, da ich mehr als 2 Tage in Kroatien war. Wenig später wurde aber dann das Gespräch noch einmal angeregt, da es plötzlich eventuell doch wieder funktioniert, wenn ich einen negativen Covid19 Test vorlegen könne. Dies konnte ich natürlich auch nicht. Die Frau hatte scheinbar wirklich Verbarmen mit mir und tätigte ein Telefonat. Anschliessend teilte Sie mir mit, dass ich passieren dürfte, wenn ich nicht in Serbien einreise, sondern lediglich Serbien als Durchreise verwende. Die Durchreise sei auf 24h begrenzt. Ich schaute sie dann ironisch an und zeigte auf mein Fahrrad. Sie lachte nur und meinte "This is your new challenge" und zwinkerte mir lachend zu.
    Ich nahm die Geste dankend an und radelte neben einer Kolonne von wartenden LKW vorbei Richtung Sid, das erste grössere Dorf in Serbien. An einer Tankstelle gönnte ich mir dann eine Dose Cola. Die Bezahlung nahm ich mit einer 2€ Münze vor und bekam dafür 10 Stück Dinar-Banknoten als Wechselgeld zurück. Ach ja, schon wieder eine neue Währung.

    Etwas nach Sid wurde dann ein Campingplatz an einem See ausgeschildert. Ich nutzte die Gelegenheit und begnügte mich dafür heute mit einer kurzen Tour (46km).
    Ich wurde nicht enttäuscht. Ein wunderschöner Campingplatz und herrliches Wetter. Leider keine Sanitären Anlagen, dafür mit Anwohner, welche scheinbar schlechte Erfahrungen mit den Campinggästen gemacht haben. Dies bekam meine Packtasche zu spüre, denn diese wurde von einem sichtlich genervten Anwohner gleich einmal durch die Gegend gekickt.
    Als ich ihn dann darauf ansprechen und die Situation entschärfen wollte, stiess ich schnell an meine Handlungsgrenzen. Der ältere Mann war extrem aggressiv und konnte kein Wort Englisch. Irgendwann stampfte der Herr dann weg und schrie andere Campinggäste an. Ich war immer noch perplex, fing dann aber trotzdem an mein Abendessen zuzubereiten. Dann tauchte plötzlich Ivan auf. Er ist Serbe und reist jedes Jahr 6000-8000km mit seinem Tourenrad umher. Er erklärte mir dann, dass der ältere Mann ein bekannter Chaot, zertifizierter Griesgram und Alkoholiker hier in der Gegend sei.
    Wir haben länger miteinander gesprochen und er konnte mir sehr viele Tipps für die Reise in Serbien mitgeben. Die Tour nach Istanbul ist er selbst auch schon mehrmals gefahren.
    Anschliessend verkroch ich mich dann auch schon ins Zelt.

    Heute Morgen genehmigte ich mir etwas mehr Zeit im Schlafsack. Ich wusste, dass ich nur knapp 60km nach Ruma vor mir hatte. Dies bereute ich schon früh, da ein stetiger Gegenwind mir die 60km wie 100km vorkommen lies. In Ruma angekommen, konnte ich seit längerer Zeit wieder eine Art von Luxus erkennen. Die Bewohner hatten wieder Markenkleider an, fuhren Elektrofahrräder und auch die Autos klangen nicht mehr wie Traktoren. Ich sah sogar auch einen recht neuen BWM, welcher an einer Kreuzung ein Burnout vollführte - natürlich mit Schweizer Nummernschild. In Ruma genehmigte ich mir dann ein neues 4 Sterne Hotel, wurde dann aber mit einem Raucherzimmer ausgestattet. Als ich das Zimmer dann nicht annehmen wollte, wurde mir gesagt, dass dies in Serbien ein Luxus sei, wenn man im Bett rauchen könne.
    Ich stellte dann klar, dass ich gerne in die rauchfreie Holzklasse wechseln würde.
    Die nette Dame konnte dies kaum verstehen, gab mir aber ein neues Zimmer, welches prompt die hälfte kostete. Komisches Land =)

    Morgen geht es weiter, noch ein letztes Mal über Hauptstrassen, bis nach Belgrad. Endlich, endlich, endlich treffe ich die Donau an.

    Ride on
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  • Day23

    E21 : Bjelovar - Nijemci

    September 16, 2020 in Croatia ⋅ ☁️ 23 °C

    Trink genug Wein, hat er gesagt. Das ist gesund, hat er gesagt.

    Der Tag nach der Casa Vinia begann ziemlich schlaff. Es ist schon eine Weile her, dass ich eine solche Menge Alkohol zu mir nahm. Ich fühle mich das erste Mal seit meiner Reise erschöpft und schwach wie Flasche leer.
    Aber rumjammern hilft hier überhaupt nichts. Ich hatte zwei Optionen. Entweder ich reisse mich zusammen, oder ich bleibe
    einen weiteren Tag in der Casa Vinia, betrinke mich erneut mit dem Gastgeber und am nächsten Tag geht es mir noch schlechter. Dafür gibts aber noch Wein....... hmmm eine schwierige Wahl.

    Trotz der liquiden Vorteile habe ich mich gegen einen weiteren Tag entschieden und fuhr Richtung Virovitica los.
    Der Weg, welcher mich auf Nebenstrassen durch kleine Dörfer führte, war abwechslungsreich und unterhaltsam. Heute war gefühlt das ganze Land mit Gartenarbeit beschäftigt. Das heisst, dass die Frauen den Vorplatz wischen, Blumen und Gardinen tränken und sogar Holz spalten, während der Mann sich den ganzen Tag mit einem Bier und einem Rasentrimmer die Zeit vertreibt.
    Auch die Rasenflächen zwischen Strasse und Radweg wird getrimmt. Dazu braucht der kroatische Mann jedoch kein Trimmer, sondern ein umfunktioniertes Mähwerk am Traktor. Mehrmals konnte ich hautnah den umherfliegenden Steinen ausweichen und schlussendlich auch beobachten, wie ein Auto von einem Stein getroffen wurde. Nachdem der Lenker ausgestiegen war, ging der Zirkus auch schon los.
    Man konnte sich in den Schatten setzen und zusehen, wie sich die beiden mindestens 5min anschriehen und wild mit den Händen rumfuchtelten. Das schöne an der Situation war jedoch, dass auch nach jeder Auseinandersetzung irgendwann der Zeitpunkt kam, an welchem beide involvierten Personen nichts mehr zu sagen wussten, sie sich schlussendlich umarmten und beide ihre Wege gingen.
    In Virovitica angekommen, navigierte mich das Navi direkt zur Gastfamilie, wo ich mich heute ausruhen könnte. Das Haus schien jedoch schon länger verlassen und war total verwittert. Der Service stand also scheinbar nicht mehr zu Verfügung und ich musste eine Alternative auftreiben. Nachdem ich mich dann in die nächstgelegene Bar mit WiFi begab, wies mich auch schon ein Schild darauf hin, dass die Bar welche den liebevollen Namen "WESTERN Lucky Luke" trug, auch Zimmer vermieten würde. Ich bezahlte also die 150 Kunas (umgerechnet ca. CHF 20.00) und betrat mein Zimmer.
    Naja für 20 Stutz kann man ja wirklich nicht viel erwarten, jedoch könnte das Zimmer in jedem Horrorfilm locker als Filmset dienen. Ich untersuchte kurz das Bett und entschied mich nach weniger als 10 Sekunden für den Schlafsack auf dem Boden. Wenigstens funktionierte die Dusche, wenn auch das meiste Wasser, neben der Duschwanne auftrat. Da ich über keine Küche verfügte, wollte ich dem Bar-Essen eine Chance geben. Die Bardame sowie die Speisekarte existierten lediglich in kroatischer Ausführung, darum musste ich mein altes Baustellen-Kroatisch hervorholen. Dementsprechend verwirrend war auch das Essen. Ein frittiertes Brot, 8 gegrillte Würstchen und eine kleine Schale Ayvar. Ich gönnte mir anschliessend ein Schluck von meinem Flachmann und desinfizierte meinen Magen erstmals mit Entlebucher Schnapps (Verena, der Schnapps ist jetzt aus. Bitte um Nachschub!)
    Am nächsten Tag gings weiter Richtung Osten bis zum Stättchen Orahovitica. Leider gab es dazwischen keinerlei Radwege sondern lediglich Tempo 80 Hauptstrassen zu bestaunen. Ebenfalls bewundernswert waren die Lastwagenfahrer, welche auch in Kurven ohne Probleme ein Überholmanöver starten können und mich ab und an in eine etwas missliche Lage brachte. Naja wenigstens hatte ich so wieder Gelegenheit, meine Mittelfinger so richtig zu strecken und dehnen. Etwas Gutes hatte die Hauptstrasse aber an sich. Das Reiseziel war sehr früh erreicht.

    Kurz vor Orahovitica wies mich dann ein Schild auf ein nahgelegener Campingplatz hin. Da mein Apartment in dieser "Stadt" sowieso eine eher schlechtere Bewertung hatte und das Wetter sowieso gut war, entschied ich mich für die Campingvariante. Der Platz entpuppte sich dann als ein künstlichen See, welcher als Badeort mit Sportplatz inkl. Jogging-Strecke ausgebaut wurde.
    Nach der extrem kalten Dusche und meinem frisch zubereiteten Essen wurde ich sogar noch mit Musik beschallt. Eine kleine Bar, welche am anderen Ufer des Sees lag, öffnete seine Tore. Leider war dies nur zum Zwecke einer Geburtstagsfeier und darum auch nicht für Aussenstehende zugänglich. Jedenfalls nicht das Bier, denn die Musik wurde von Minute zu Minute lauter und vertrieb schon früh die ersten Badegäste und Sporttreibenden.
    Da an einem Gewässer auch die eine oder andere Mücke zugange war, verkrümelte ich mich schon früh in das Zelt, welches Moskitosicher war, um etwas zu lesen. Irgendwann war dann jedoch der Zeitpunkt da, wo ich eigentlich müde war. Der kroatische Peter Reber, welcher aus den Lautsprecher ertönte, hatte da jedoch etwas dagegen. Ich hätte nie gedacht, dass ich innert 4h von wilder kroatischer Musik an meine psychischen Grenzen stosse. Schliesslich habe ich an Openairs schon mindestens 10h Cantina Band am Stück konsumiert.
    Um 24:00 Uhr ist dann aber offensichtlich auch der letzte Kroate sternhagelvoll vom Bank gekippt und die Musik mit ihm.

    Am nächsten Morgen wurde ich wie erwartet von Sonnenstrahlen und Kroaten mit Rasentrimmer geweckt. In Windeseile war das Fahrrad zusammengebaut und los gehts nach Dakovo. Hier habe ich mir ein modernes Apartment reservieren lassen. Die Stadt hat neben einem Dom viele Sehenswürdigkeiten und auch kulinarisch viel zu bieten und sei auf jeden Fall einen Besuch wert, wurde mir vom Winzer der Casa Vinia, welcher mich fast vergiftet hat, gesagt.
    Erneut muss ich mich mit Hauptstrassen zufrieden geben. Dieses Mal waren die Strassen jedoch nicht so sehr befahren und ich konnte die Fahrt auch geniessen. Nach ca. 3.5h Fahrtzeit kam ich dann in Dakovo an, wo mich auch kurze Zeit später der Eiegentümer des Apartments empfangen hat. Lachend hielt er mir seine Ghetto-Faust schon entgegen, als ich die Auffahrt bei ihm heraufgefahren kam. Nach der Fistbomb folgte dann eine kurze Umarmung und ein Kuss auf die Wange. Das war ein wenig komisch, aber naja. Das Apartment war dann aber das modernste was ich seit meiner Reise gesehen habe.
    Spiegel mit Touchscreen. Elektrisch-verstellbare Betten, klimatisierte Fussböden. Übertrieben sowas auf einem Abenteuer zu buchen, aber das Apartment war auch eher im günstigen Segment unterwegs. Eventuell wurde ja der Preise gesenkt, da es sich ca. 2km ausserhalb vom Zentrum der Stadt befand, oder der merkwürdigen Eigentümer mit seiner Frau, welche keine vordere Schneidezähne mehr hatte, meine Vorgänger mit seiner Knutscherei verärgert hat. Ich schlief dann so gut in dem grossen Bett, dass ich am nächsten Morgen nicht einmal daran dachte auf den Sattel zu springen und buchte noch einen weiteren Tag dazu. Gegen Mittag erreichte mich dann die Nachricht, dass die Ergebnisse der Wirtschaftsinformatikprüfung Zuhause im Briefkasten liegen würden. Also sofort eine Nachricht mit Aufgabe an meinen Bruder versendet und ab in den lokalen Spar um Bier und Knapperzeugs zum Feiern besorgen.
    Um ca. 18:00 Uhr erlöste mich dann Beat mit dem Anruf und dem positiven Bescheid und ich konnte endlich mein mittlerweile warmes Dosenbier geniessen. Heute Morgen bin ich nun aufgebrochen Richtung Nijemci. Dies ist ein kleines Dorf direkt neben der Grenze zu Serbien. Ich habe mir dieses "Kaff" ausgesucht, da es sich direkt zwischen zwei Grenzübergängen befindet und da ich immer noch nicht weiss, welcher Übergang für Radfahrer offen ist, hätte ich zu beiden eher einen kurzen Weg.
    Auch dieses Mal wurde ich kaum mit Fahrradwegen beschenkt. Zuerst folgte zwar eine staubige Offroadpiste welche viele Schlaglöcher hatte, anschliessend fuhr ich aber wieder auf Neben- und Hauptstrassen bis das Ortsschild Nijemci zu lesen war.
    Wie gewohnt setzte ich mich auch heute in die erste Bar, welche mir vor die Augen kam. Schnell kam ich mit Zelijko ins Gespräch, welcher der Eigentümer und bester Kunde der Bar war. Nachdem ich ihm in mehreren Anläufen erklärt habe was Raclette ist, wozu es dient, warum es geschmolzen wird und das anschliessend die Zimmer immer super duften, konnte ich auch ein paar Fragen stellen. Als ich ihn dann fragte, ob und wo ich nach Serbien reisen kann, verfiel die ganze Bar in ein lautes Gespräch und alle brüllten durcheinander. Eine riesen Diskussion und ich mitten drin. Als ich mich der Situation entziehen wollte zog mich Zelijko zurück und verkündete den anderen anwesenden Gästen scheinbar meine Absichten und zeigte auf mein Fahrrad. Erneut musste ich feststellen, wie mich eine ganze Kundschaft einer Bar auslachte und jeder wollte auch noch einmal an den Bremsen und Schalthebeln rumdrücken. Irgendwann wurde dann aber telefoniert und es kamen auch nützliche Informationen zum Vorschein.
    So sei die Einreise derzeit erlaubt, jedoch müsste man am Zoll einen Covid19-Test machen, welcher eventuell an einem Sonntag aber nicht durchgeführt werden könne. Ebenfalls sei die Situation derzeit so wechselhaft, dass sich die Lage bis am Montag wieder verändern kann. Ihr seht also, eigentlich weiss ich immer noch nichts.
    Ich übernachte heute in einem weiteren Apartment. Irgendwie möchte ich zwar mehr Campen, jedoch sind die Apartments hier so extrem günstig, dass mir der Zeltaufbau definitiv zu mühesam ist. Da es hier kaum Campingplätze gibt und eine Dusche nach der Radtour Wunder wirken kann, gönne ich mir die Apartment für CHF 10.00 solange ich kann :)

    Morgen werde ich die Grenze und somit auch die Donau ein erstes mal auskundschaften.

    Zitat Pirmin: "Kann ich hier irgendwo gesund essen?"
    Zitat Kroate: "Ja natürlich, da vorne gibt es frittierte Würstchen!"
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  • Day21

    E17 : Ludbreg - Bjelovar

    September 14, 2020 in Croatia ⋅ ☀️ 29 °C

    Nach der kurzen Aufregung in den letzten Etappen beschloss ich Kroatien zu geniessen und von meinem Challenge-Modus wenigsten für die paar Tage weg zu kommen. Stattdessen lege ich die folgenden Etappen auf Relaxen und Erholung aus. Das bedeutet im diesen Sinne ca. 50-60km und max 600HM pro Tag. Wenn alles rund läuft, wartet so auch immer eine schöne Übernachtungsmöglichkeit am Zielort auf mich. Heute habe ich mir das Ziel in Bjelovar gesetzt. Die Stadt wo die Einwohner das Bier aus einer 2l PET-Flasche trinken ;-)
    Hier holte ich auch meine verdiente 1000km-Pizza nach. Ein paar Kilometer ausserhalb Bjelovar befindet sich die Casa Vinia. Ein Weinbauer und Produzent welcher auf seinem Hof auch kroatische Küche und Übernachtungen anbietet. Das Team ist mega gastfreundlich und 2min nach meiner Ankunft hatte ich auch schon das erste Weinglas in der Hand.
    Später sollte es noch eine Weindegustation und mehrere Pfannen Fleisch geben, welche der Hausherr in seinem durchaus männlichen Ofen zubereitet.

    Morgen geht es weiter, immer Richtung Osten. Der Zielhafen ist Virovitica.
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