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  • Day48

    Auf in den Norden nach Lovina

    October 30, 2019 in Indonesia ⋅ ☀️ 29 °C

    Am nächsten Morgen klingelte der Wecker etwas früher als gewohnt, da wir vor unserer Abreise noch den in Ubud bekannten Campuhan Ridge Walk machten wollten. Also ließen wir uns nach dem Frühstück von den Jungs auf ihren Rollern zur Hauptstraße fahren und liefen los, den Schildern für den Walk folgend bis zum offiziellen "Beginn". Ab hier ging es dann auch relativ schnell bergauf, die Sonne begleitete uns wie immer mit maximaler Stärke und wir schwitzten demnach schon nach den ersten Metern wie verrückt :D! Nach weiteren 10 Gehminuten erreichten wir den Hügel Bukit Campuhan Ubud, von dem aus man einen schönen Panoramablick in die wilde Natur hatte. Überhaupt führte einen der kleine Weg kontinuierlich mitten durch die grüne Landschaft - zu beiden Gehwegseiten befanden sich Gräser, Pflanzen, Reisfelder, Dschungel und natürlich so einige Resorts an den Steilhängen, die mit diesem Ausblick sicher auch utopische Zimmerpreise verlangten.
    Nach ungefähr einer halben Stunde erreichten wir ein kleines Dorf mit zahlreichen Warungs, Künstlerateliers und weiteren Unterkünften. Da die Zeit ein wenig knapp war, kauften wir uns am "Endpunkt" eine Cola für den Kreislauf und traten schließlich wieder den Rückweg an.

    Nachdem wir wieder die Unterkunft erreichten, uns kurz erfrischten und schließlich unsere Backpacks aufschnallten, fuhren uns die Jungs zum Busbahnhof, wo um 12 Uhr der Perama Busshuttle von Ubud nach Lovina startete - die Fahrt sollte für die 75km ca. 2,5 Stunden dauern. Hier trafen wir auch wieder auf Rosan, die die halbe Strecke mitfuhr, um für ein paar Tage in den Dschungelbergen in Munduk ein wenig Ruhe zu finden. Die Fahrt war an sich sehr entspannt und der Ausblick auf beiden Seiten wahnsinnig interessant und schön! Zuerst fuhren wir durch einige Dörfer und kleinere Städte, vorbei an riesigen Reisfeldern, durch Wälder und schließlich auch noch in die Berge. Bali hat so einiges an Landschaftspanoramas zu bieten, die einem regelmäßig den Atem stocken lassen und mich persönlich immer wieder überraschen. In der Mitte der Insel gibt es drei Seen, die sich malerisch in die umliegende Hügellandschaft einbetten. Die Fahrt hier durch war aber wie immer sehr abenteuerlich - die Straßen waren teilweise sehr steil und eng, die Kurven entsprachen eher Serpentinen und der Verkehr war wie meistens für unsere Begriffe "nicht normal"! Überholt wird generell da, wo man denkt, dass es schon passt, kommt was entgegen, wird halt kräftig gehupt und irgendwie schlengelt man sich schon aneinander vorbei! Wir waren wie immer froh, uns entspannt auf den Rücksitzen zu befinden und die schöne Landschaft von da aus beobachten zu können!

    In Lovina an der Bushaltestelle angekommen, wurden wir mit einem kalten Getränk begrüßt und für umgerechnet 1€ pro Person in unsere Unterkunft chauffiert. Die nächsten drei Tage hatten wir uns unmittelbar am Meer im Hotel Suma eingebucht, wo wir schließlich in Mitten des großen Familientempels in einem der Gasthäuser unterkamen. Nachdem wir auch hier nach dem Check-In ein Begrüßungsgetränk erhielten, packten wir unsere Sachen aus und beschlossen den Rest des Tages am Pool zu verbringen. Am Abend gingen wir unsere kleine Straße auf und ab und suchten nach einer Möglichkeit zu essen - hierbei konnten wir schnell spüren, dass die Hauptsaison vorbei war und dass definitiv weniger Leute den Weg in den Norden auf sich nehmen - es war so ziemlich nirgends was los, die Restaurants teilweise komplett leer und die Straßen bis auf ein paar Ausnahmen absolut leise! Da sich gleich bei uns nebenan ein gemütliches Restaurant mit ein paar Gästen befand und man die Live Musik der kleinen Bar um die Ecke hören konnte, kehrten wir schließlich dort ein und ließen den Tag mit Fried Noodles und Mixed Fruit Shakes ausklingen.


    Am nächsten Morgen hieß es erstmal ausschlafen, gemütlich frühstücken und anschließend die Gegend von Lovina erkunden. Lovina ist genaugenommen keine Ortschaft sondern ein rund zehn Kilometer langer Küstenstreifen (der Name hat seinen Ursprung in den beiden englischen Wörtern "Love" und "Indonesia"), der aus insgesamt sieben Dörfern besteht. Die Gegend unterscheidet sich vom Süden insofern, dass man an der Nordküste die hellen Traumstrände und abenteuerliches Nightlife vergebens sucht - wir waren aber genau deswegen froh, hier zu sein und vielleicht auch mal eine andere Seite von Bali zu entdecken. Ein weiterer Grund, in den Norden zu fahren, sind für viele die Delphintouren, da man in Lovina zu 98% Delphine im offenen Meer sehen kann... aber dazu später mehr :)!

    Wir mieteten uns also wieder über das Hotel einen Roller und fuhren schließlich los Richtung Westen, entlang der Küste zu unserem ersten Stop, dem Brahma Vihara Arama Kloster - dem einzigen buddhistischen Kloster auf Bali. Dieses liegt am Fuße eines Berges und ist terassenförmig angelegt. Das Kloster wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren mit thailändischer Unterstützung erbaut und 1973 offiziell eingeweiht. Neben vorrangig buddhistischen Architekturelementen finden sich in der Anlage auch einige balinesisch-hinduistische Elemente wie bspw. die gespaltenen Eingangstore. In der Anlage finden sich diverse Buddha-Statuen mit unterschiedlichen Mudras (Handgesten Buddhas), mit Wächter-Statuen verzierte Steintreppen, Gebetshallen und Schreine sowie auf der mittleren Ebene ein goldener Stupa mit einer Lotusspitze und einem Lotussockel. Ein weiteres Heiligtum der Klosteranlage befindet sich auf der obersten Ebene am Ende des Klostergartens, zu dem eine schmale Steintreppe hinauf führt - die Miniaturversion des Borobudur auf Java, eine der größten und bedeutendsten buddhistischen Tempelanlagen ganz Südostasiens. Im Gegensatz zu dem Original durfte das Heiligtum hier betreten werden, was wir uns natürlich auch nicht entgehen ließen.

    Nach unserem andächtigen Spaziergang durch die Anlage gaben wir (ein wenig erleichtert, denn es ist wahnsinnig heiß darunter) unsere Sarongs zurück und schwangen uns auf den glühend heißen Rollersitz, auf zum nächsten Ziel: den heißen Quellen Air Panas Komala Tirta. Diese liegen nur einen Katzensprung vom Buddhistenkloster entfernt und werden auch Banjar Hot Springs genannt. Der Weg vom Parkplatz dahin war wie immer von zahlreichen Verkaufsständen gesäumt aber wir sind mittlerweile Profis im Ignorieren, auch wenn die Preise hier utopisch weit unten lagen (1€ für einen Sarong, in Ubud waren es um die 7€) ...!
    Die Anlage der Hot Springs umfasst drei verschiedene Wasserbecken, das größte misst etwa 12x15 Meter. An einer der beiden Längsseiten sprudelt das 38 Grad (!) warme, schwefel- und kaliumhaltige Wasser aus Naga-Mäulern in das steinerne Becken. Seitlich des Hauptbeckens befindet sich etwas erhöht ein schmales, nur knapp vier Meter breites Becken, das mitunter auch für rituelle Waschungen genutzt wird. Oberhalb der drei Badepools befinden sich ein Tempel und die heiligen Quellen, wobei dem hieraus entspringenden Thermalwasser bekannterweise eine heilende Wirkung bei bspw. Hautkrankheiten zugesprochen.

    Nach ein paar heißen Bädern (bei ebenso heißen Temperaturen :D) und einem kleinen Snack im Restaurant traten wir den Rückweg an, da am Himmel langsam aber sicher einige graue Wolken aufzogen. Während wir noch abwogen, ob uns der Nieselregen was ausmacht oder wir lieber warten sollten, dauerte es nur 5 Minuten bis aus dem Gesprenkel ein riesen Regenschauer wurde und da wir uns vorher optimistisch fürs Losfahren entschieden, waren wir in Null Komma Nichts schön durchnässt! Als wir dann fast nix mehr sahen und uns eingestehen mussten, dass es auch nicht mehr so sicher auf dem Roller war, stellten wir uns mit ein paar anderen unter das nächste Wellblechdach und suchten Schutz vorm Schauer. Dort standen wir dann auch... 10min...20min... 40min...und letzten Endes fast eine Stunde, es wollte nicht aufhören und so langsam wurde es auch unangenehm! Als wir unser nur noch 7km entferntes Hotel anriefen, hieß es, dass dort die Sonne scheint und wir losfahren sollen, es würde schon nach 2-3 km besser werden! Da wir selbst keine Lust mehr hatten weiter rumzustehen, folgten wir dem Rat und mussten feststellen, dass es wirklich verrückt war: nach 5 Minuten hörte es fast auf zu regnen und als wir ankamen, waren die Straßen trocken und die Sonne schien - vielen Dank dafür :) !

    Nachdem wir noch ein bisschen am Pool entspannten, spazierten wir später für den Sonnenuntergang bei uns am Meer entlang, begleitet von zwei Flaschen Bintang Bier und dem hoteleigenen Hund - wir tauften ihn liebevoll "Bob". Am Abend gingen wir in einem Warung um die Ecke etwas essen, denn heute hatten wir definitiv genug vom Roller fahren - morgen sollte es schließlich weiter zu ein paar Wasserfällen ins Hinterland gehen!
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