Auf der Suche nach Abenteuern, neuen Kulturen, interessanten Menschen, überraschenden Gedanken und atemberaubender Natur, mache ich mich mit meinem Wohnmobil, dem BAMmobil auf Richtung Süden. Ab August geht’s dann für ein paar Monate nach Südamerika. Message
  • Day13

    Tayrona Nationalpark

    August 14 in Colombia ⋅ ⛅ 33 °C

    „Dieser Park gehört allen Kolumbianern. Allen die bereits verstorben sind und all denen die am Leben sind. Die meisten sind noch nicht geboren worden“
    Weisheit am Eingang des Nationalparkes.

    Ein Wochenende im Dschungel - der Wahnsinn. Bereichert mit so viele neuen Eindrücken, Bildern, Gerüchen und Geräuschen versuche ich die letzten Tage in Worte zu fassen. Mit dem Tayrona Nationalpark besuchten wir wohl den schönsten Ort Kolumbiens und blickten ganz aufgeregt auf unser neues Abenteuer, denn das wurde es in der Tat.
    Relativ früh machten wir uns gut ausgestattet auf den Weg zum Bus, der uns zum Shuttle brachte, um zum Haupteingang El Zaino zu gelangen. Dafür brauchten wir ca. anderthalb Stunden, bei nur 45km Wegstrecke. Im Bus gibt es schon ein erstes Highlight. Ein Mann, vermutlich aus dem indigenen Stamm der Kogi, steigte zu. Seine Erscheinung ist von einfacher, heller Kleidung und sehr bewundernswert. Ich bin sofort fasziniert und gleichzeitig voller Fragen: geht es dem noch übrig geblieben indigenem Volk gut? Wie leben sie und was heißt es für sie, mit einem, auf 16 Grad runter gekühlten Bus voller Gringos (Touris aus Mitteleuropa) in ihre marginal übrig gelassene Heimat zu fahren? Die Tairona-Indianer lebten seit Jahrtausenden in der Sierra Nevada und wurden im 17. Jhr. fast komplett von den Spaniern ausgelöscht. Die wenigen Überlebenden flohen in den Dschungel und zogen sich an die Hänge des Küstengebirges zurück. Die Kogi sehen die Tairona als ihre direkten Vorfahren an und sind zugleich das am wenigsten akkulturierte Volk im heutigen Tayrona Nationalpark. Der Mann wird nicht der Letzte sein, der ein Gefühl des Schames und zugleich Ehrfurcht bei uns beiden auslösen wird.

    Aber auch wir entscheiden uns dafür, in den Park zu fahren und die paradiesischen Strände aufzusuchen. Es lohnt sich früh da sein und viel Zeit einzuplanen, denn es gibt nur ca. 1.700 Tickets pro Tag und die Strände an denen man baden darf, sind begrenzt. Noch viel besser ist es, wenn man mind. eine Nacht (besser zwei) im Park verbringt, um einen Eindruck zu bekommen und die langen Wege meistern zu können. Wir bleiben auch über Nacht und reservieren uns Hängematten am Eingang. Es herrscht reges Treiben. Wir sind definitiv nicht die Einzigen, die in den Park wollen und es fühlt sich wie Massentourismus an. Wir zahlen unseren Eintritt, irgend eine Versicherung und lassen uns mit dem Minibus noch etwas weiter in den Dschungel fahren. Wir hofften sehr, dass mit dem Geld der Park unterstützt wird und das indigene Volk seinen Anteil davon bekommt.
    Es war ein irres Gefühl mitten in diesem Grün zu stehen, das so viele Nuancen hat und mit allen möglichen Formen und Gerüchen seine Bewunderung auf sich zieht. Von diesem Punkt hieß es zu Fuß, über Stock und Stein, den Hängemattenplatz finden. Es war schwül, tropisch und wir voll bepackt. Schon nach wenigen Metern blieben wir wie angewurzelt stehen, weil ein Äffchen im Baum saß. Noch nie war ich einem Affen so nah und dann noch in freier Wildnis (zumindest hoffe ich, dass diese das hier noch ist). Voller Bewunderung glotzten wir das kleine Kerlchen, ein Kapuzineraffe an, dass offensichtlich gern eine Banane bekommen hätte aber wie hielten uns zurück. Ein wunderbares Tier, an diesem magischen Ort. Wir stapften also weiter über Holzstege, Wurzeln und Matsch. Hielten immer wieder an, um Flora und Fauna zu bewundern. Sarah, die Biologin, war auch voller Faszination für alle Lebewesen und ich versuchte die Szenarien mit der Kamera einzufangen. Wir brauchten demnach drei Stunden zu unserem Schlafplatz und letztendlich zum Meer, um uns endlich zu erfrischen. Wir sind eben aber auch nicht wie so viele andere, die durch den Wald hetzen, um zum Strand zu kommen, um ihre Selfies zu machen, sondern wollen sehen und erleben. Die Strände des Nationalparks setzten zu der ganzen Dschungel-Schönheit noch einen oben drauf. Man läuft entlang der Küste, um zu den Badebuchten zu gelangen und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Wie drapiert liegen rund gelutschte Felsen am Strand herum und werden von Palmen und den grünen Bergen des Dschungels im Hintergrund umgeben. Es sieht aus wie auf Fotos von den Seychellen! Türkisblaues Meer schwingt sich an malerischen Strände, es ist warm und das Wasser einfach fantastisch. Man kann nicht überall baden, weil die Strömungen und Wellen zu stark sind oder Schildkröten an Land kommen. Die Wege von einem Strand zum Nächsten sind relativ lang und durch das humide Klima recht kräftezehrend. Am ersten Tag bleiben wir daher am nächstgelegenen und genießen die neuen Eindrücke. Dazu zählen auch unsere Beobachtungen der anderen BesucherInnen. Irritierender Weise gilt es wohl als völlig normal mit einer Musikbox und lautem Reggaeton durch einen Nationalpark zu laufen, um dann am Strand die knappeste Bademode zu präsentieren. Bikinis, die nur aus Stricken bestehen oder knappe bunte Badehosen scheinen das „Must-Have“ zu sein und wir fühlen uns mächtig underdressed. Die TikTok Szenen sorgen bei uns für große Unterhaltung aber lange kann man dem nicht zusehen. Es fing auch an zu regnen und gewittern, sodass wir unser Camp aufsuchten, um auch das Salzwasser abzuduschen. Wir fanden einen Schlauch in einer ziemlich heruntergekommenen Hütte, der uns Wasser von oben spendete und genossen die Abkühlung. Mittlerweile war es dunkel geworden und wir standen da, umgeben von den abgefahrensten Tierlauten, nackt, Glühwürmchen schwirrten umher und freuten uns unseres Lebens. Wir gingen relativ früh schlafen, weil es auch einfach umwerfend war, aus der Hängematte heraus den Geräuschen zu lauschen. Auch wenn die Bar des Camps laute Musik spielte, wurde diese zum Glück irgendwann abgedreht und das Gefühl mitten im Dschungel zu schlafen kam auf.

    Am nächsten Tag wollten wir ein paar mehr Strände sehen und hatten uns drei aufeinander folgende herausgesucht. Wir wussten jedoch, dass wir nicht den ganzen Tag Zeit hatten, da uns ja der zweistündige Fußmarsch zurück bevor stand und der Park 17:00 Uhr schloss. Klar, es wird hier ja (leider) jeden Tag 18:00 dunkel und da möchte man nicht mehr durch einen Dschungel laufen. Der erste Strand „La Piscina“ war der Traum einer jeden Liebhaberin eines Sommer Sonne Sonnenschein Strandes. Ich war im Himmel. Den bekanntesten und wohl schönsten Strand „Playa del Cabo“ wollten wir uns auch nicht entgehen lassen und stiefelten wieder 40 Minuten durch den Dschungel. Es erwartet uns eine Horde an Menschen, Zelte dicht an dicht gestellt, überfüllte Restaurants und Sardinenformationen am Strand. Ohne all das sicherlich ein Naturhighlight aber für uns definitiv nicht zum Bleiben gedacht. Also machten wir trotz überhitzten und schwitzigen Körpern kehrt und freuten uns umso mehr auf die Erfrischung. Die Sonne blieb uns bis zu unserem Aufbruch erhalten und so war es nicht ganz so schlimm, das kleine Paradies zu verlassen. 15:00 liefen wir schon wieder durch den Dschungel, um zum Ausgang zu gelangen. Es fing an zu Donnern und in Strömen zu gießen. Irgendwie fühlte ich mich an mein letztes halbes Jahr zurück erinnert, wo es oft vor kam, bei Gewitter zu wandern. Gerade aber in einem Dschungel wird die Stimmung dadurch nochmal verstärkt und wir freuten uns klitschnass zu werden. Wir nahmen uns vor, etwas schneller zu laufen und schafften es genau in zwei Stunden am Shuttlebus zu sein. Dennoch durften wir zwischendurch noch einmal Affen sehen und blieben stehen, um die Familie zu beobachten. Die trugen ihre kleinen Äffchen auf dem Rücken, sprangen von Ast zu Ast und tollten rum. Wunderbar anzusehen!

    Einschließlich der zweistündigen Wanderung brauchten wir dann leider fünf Stunden zum Hostel. Es war ein großes Verkehrschaos nach Santa Marta, sodass wir im, mittlerweile schon gewohnt völlig übertrieben klimatisierten Bus fest saßen und wie verrückt froren. Völlig durchnässt stiegen wir in den abgekühlten Bus und die Klimaanlage pustete munter weiter. Es ist uns ein völliges Rätsel, wie man es bei dieser künstlichen Kälte noch kurzärmlig und bauchfrei aushalten kann, wo hingegen uns, eingepackt mit allem was geht, die Zähne klappern. Mal abgesehen von der Energieverschwendung… Sarahs Vermutung war, dass die schon mit einer klimatisierten Gebärmutter im Bauch aufwachsen und das Fruchtwasser runter gekühlt wird. Eine mir völlig logische Erklärung bei ganzjährigen Temperaturen über 30 Grad 😄
    Endlich angekommen im Hostel, wurden wir fast wie alte Bekannte begrüßt, man hatte uns vermisst und irgendwie tat es gut, ein wenig im hier und jetzt zurück zu sein. Es war irre aufregend und eine umwerfende Erfahrung, die mit einem Caipi von uns gefeiert wurde.

    Ich muss gestehen, dass ich den Dschungelaufenthalt im Vorhinein etwas romantisiert hatte, denn ich dachte, wir sind da alleine in einer Naturwildniss aber klar machen hier auch viele SüdamerikanerInnen Urlaub und wollen die Stände genießen. Ich hatte jedoch keine Gastronomie, Strom und Wifi erwartet. Wenn dann die geführten Touren von Menschen der indigenen Bevölkerung begleitet werden, die zum Kokosnuss-aufmachen benutzt werden, hinterlässt das einen faden Beigeschmack. Sicherlich haben sie dadurch die notwendigen Einnahmen aber warum das überhaupt notwendig ist, muss ich hier nicht erwähnen. Es fühlt sich so an, dass wir Weiße, die ihnen das Land weggenommen haben, nun auch noch den restlichen Platz streitig machen und sie dürfen unsere Sachen schleppen. Ich bin froh über solche Erfahrungen, in der Hoffnung, dass der Respekt für diese Kulturen wiederkehrt und dass man sich selbst immer wieder ins Bewusstsein ruft, was da damals durch den Kolonialismus passiert ist und nach wie vor passiert. Dadurch wächst hoffentlich die Demut bei Vielen und das unheimlich wichtige indigene Wissen wird anerkannt und geht nicht verloren.
    Read more

    Yvonne Pfeifer

    Einfach Wahnsinn, tolle Erlebnisse und sehr interessante Beschreibung ! Danke.

    Anna Pfeifer- Salten

    Bezaubernd

    Ameisenbär grunzt laut: Verrat. Es gibt schon wieder Blattsalat. Irres Video! [humania]

    2 more comments
     
  • Day10

    Santa Marta und die karibische Küste

    August 11 in Colombia ⋅ ⛅ 33 °C

    Da wir nun doch den Bus am Abend nach Santa Marta nahmen, wurde uns noch ein Tag in San Gil geschenkt. Wir fuhren zurück zum Hostel, machten uns ein reichhaltiges Obstfrühstück und planten zu einem Wasserfall „Juan Curi“ zu fahren. Er ist mit der höchste in Kolumbien und liegt mitten im Dschungel. Das Wasser braust hier insgesamt 250m in die Tiefe und das feuchte Klima ändert die Vegetation in einen tropischen Regenwald. Durch diesen muss man einen kleinen Pfad laufen, um zu den Wasserfällen zu gelangen. Wir sehen das erste Mal handgroße blaue Schmetterlinge und andere, sehr große Insekten. Sarah, die Wassernixe nutzt natürlich die Gelegenheit und springt in einen der Pools, an dem ein Wasserfall ins Becken braust. Mir ist es etwas zu kalt 😬 Ein kleiner magischer Ort, den wir wirklich ungern verpasst hätten.

    Als wir zurück in die Stadt wollen, laufen wir einfach schon mal ein Stück die Straßen entlang, da wir mittlerweile wissen, dass die Busse einfach anhalten, wenn man den Arm hebt. Das ist alles so angenehm unkompliziert. Der kleine Bus ist relativ voll, also stehen wir und können beobachten, wie ein Gruppe neben dem Fahrer mit ihm den Spaß ihres Lebens haben. Hier gibts keine Scheibe zum Fahrer und auch kein Schild auf dem steht „Bitte sprechen sie nicht mit dem Fahrer während des Fahrens“. Man sitzt und steht wo man will und auch wenn das alles etwas chaotischer ist, finde ich es so irre sympathisch. Just in time kommen wir wieder am Hostel an, kurz bevor ein Wolkenbruch die Stadt verdunkelt. Es gießt in Strömen und blitz und donnert. Wir sitzen trocken im Innenhof und genießen den Tropenregen, bevor es weitergehen soll. 19:30 ging es dann vom Busterminal an die karibische Küste Kolumbiens. Vor uns lag eine 14stündige Busfahrt, bei einer Strecke von ca. 600km. Der Bus war groß, geräumig und offensichtlich die Premiumklasse. Da er nicht voll war, hatten wir je zwei dick gepolsterte Sitze und konnten die Nacht so gut verbringen. Die Firma „expreso Brasilia“ kann ich nur empfehlen. Und es ist immer günstiger direkt am Terminal die Tickets zu kaufen, als diese online zu bestellen.
    Außer tanken, kurzer Polizeikontrollcheck und hier und da ein Zustieg, war die Fahrt wirklich spitze und zack ist man für 16€ am Meer. Am Ende hat sich alles so wunderbar gefügt, denn wir waren pünktlich am Morgen in Santa Marta und konnten vom Hostel direkt ins Meer springen. Das Hostel „Playa del Ritmo“ ist eine Empfehlung von einer guten Freundin und ist genau das, was ich mir erhofft hatte. Eine kleine Oase mit direktem Meerzugang, Zimmer mit Blick aufs Meer, sodass man nachts die Wellen hört, konstante 30 Grad, Beachbar und schön entspannter Lifestyle 😁 überall rennen Hunde und Katzen rum und die Leguane hängen in den Bäumen ab. Sogar Mini Kolibris gibt es hier. Von hier aus können wir die Gegend erkunden, den Nationalpark anschauen und die Stadt besichtigen.

    Am nächsten Tag nahmen wir uns letzteres zu erst vor und fuhren mit dem Bus in die Stadt Santa Marta, die doch 500.000 Einwohner hat. Ich dachte irgendwie an ein kleines Städtchen am Meer aber weit fehl geschlagen. Es war unheimlich viel Verkehr, alles hupt und blinkt und will zu erst durch. Aber auch hier wieder, der Busfahrer sah uns auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen, er bremste bevor wir überhaupt die Hand gehoben hatten und wartete, bis wir die Straßen überqueren konnten. Man wird begrüßt und angelächelt, sowieso von so ziemlich jedem. Es könnte so leicht sein, all diese lieben Gesten machen das Miteinander so einfach und liebevoll. Ich bzw. wir sind begeistert von den Menschen und es bestätigt sich mal wieder nicht das Vorurteil, man wäre hier nicht sicher. Zum einen habe ich das Gefühl, dass so viele schon vor mir mit dem Rucksack los gezogen sind, um Südamerika mit dem Fuße zu durchqueren und zum anderen gibt es mit Sicherheit Probleme und korrupte Systeme die das Land hat, aber das heißt nicht, dass das ganze Land so einem Stempel aufgedrückt bekommen sollte. Wir selbst können uns von all dem Hörensagen auch nicht befreien, denn unsere Korruption heißt einfach nur Lobbyismus und kriminelle Machenschaften sind auch nicht selten. Ich möchte damit sagen, wir fühlen uns hier sau wohl und willkommen, wir sind nicht leichtsinnig, zu Zweit und tragen das Herz auf der Zunge und das bekommen wir auch direkt gespiegelt.

    Als wir dann die Altstadt von Santa Marta erreicht hatten, fanden wir bunte Häuschen, Fassaden aus der Kolonialzeit und wunderschöne Innenhöfe. Überall tönt karibische Musik und man fühlt sich den ganzen Tag beschwingt. Ein wenig außerhalb der bekannten Straßen sieht man viel Armut, Menschen die auf der Straße liegen, betteln und irgendetwas verkaufen, um an Geld zu gelangen. Uns wird immer wieder gesagt, ihnen nichts zu geben, was mir sehr schwer fällt.
    In Santa Marta ist auf jeden Fall viel los und ich bin froh, dass wir unsere etwas abgelegene Oase haben. Wenn man am Morgen halb 8 in ein 28 Grad warmes Wasser hüpfen kann, ist das wahrlich ein Paradies, das man kaum fassen kann. Und wir setzen noch einen drauf. Morgen gehts für ein paar Tage in den naheliegenden Tayrona Nationalpark. Paradiesische Buchten, Wanderungen und Hängemattenschlafplatz wartet auf uns 🏝🍍🌊☀️
    Read more

    Sabine Bemme

    So glücklich, da freut man sich unweigerlich mit dir.🤩

    Yvonne Pfeifer

    Man sieht wie gut es euch beiden geht ! Tolle Fotos, super Bericht ! Ich fühle mit euch, wünsch interessante Erlebnisse im Nationalpark und freu mich jetzt schon auf weitere Info. LG Yvonne

    Anna Pfeifer- Salten

    WOW, traumhaft.

    5 more comments
     
  • Day6

    San Gil - nur fliegen ist schöner

    August 7 in Colombia ⋅ ⛅ 27 °C

    Da wir in Guatavita bemerkt hatten, dass wir nicht auf direktem Wege nach San Gil kommen und zurück nach Bogota müssen, versuchten wir mit dem Bartyp des Hostels eine gute Busverbindung zu recherchieren. Alles mit Google translate und irgendwie nur mit gefährlichem Halbwissen, da der Typ etwas überfordert wirkte. Wir beschlossen früh aufzustehen und einfach den ersten Bus zu nehmen. Dass das Hostel dann doch nicht so der Knaller war, merkten wir nicht nur an dem überforderten Typen, sondern auch im Laufe des Abends. Unser Zimmer war eingekreist von der Reggaeton spielenden Bar und dem Freisitz mit dröhnenden 80igern, obwohl alle anderen Zimmer nicht belegt waren. Es gab keine Küche und die fast außen liegenden Duschen waren auch nur auf Sommer ausgelegt. Am Morgen merkten wir dann, dass wir eingeschlossen wurden und niemand im Hostel war. Wir suchten uns einen Weg nach draußen, schauten uns um und fanden den Schlüssel, um raus zukommen. Dazu musste man durch die Bar, die wir hätten Plündern können, weil ja niemand da war. 😁 Es blieb bei ein paar Wasser, Salzstreuern, Sarah nahm sich ein Dekostück als Souvenir mit und wir machten die Biege. An der Straße entschieden wir uns, eine Frau mit roter Fahne anzusprechen: „die wartet doch bestimmt auch auf einen Bus.“ und das tat sie auch, und sogar nach Bogotá. Aber es kam keiner. Mit Händen und Füßen konnten wir herausfinden, dass die Straßen aufgrund eines Radrennens gesperrt waren. Die Frau - Nydia versuchte ihre Tochter zu erreichen und Sarah holte für alle Kaffee. Die Tochter war schon im Zuge uns abzuholen und uns aus der Stadt zu fahren, da wurden die Straßen geöffnet und es kam ein Bus. Nydia war wirklich so bemüht und hat uns die Sicherheit gegeben, irgendwie aus der Stadt raus zukommen. Eine wirklich liebe Begegnung. Das gehört jetzt zum neuen Reisestil dazu: warten, laufen, Bus suchen und wieder warten, Bus fahren, Hostel suchen. Dabei trifft man aber immer die nettesten Menschen und kommt ins Gespräch!

    Nach San Gil waren es von Bogotá ca. 300km. Wir brauchten dafür gute 9 Stunden… einschließlich einer einstündigen Reifenpanne, ging es viele Stunden entlang auf einer mit Schlaglöchern übersäten Landstraße. Teilweise verließen wir unsere Sitze und hebten bei den starken Huggeln ab. Gegen 22:00 trafen wir dann ziemlich fertig beim Busterminal in San Gil ein. Ein Taxifahrer fuhr uns von dort in das hipste Viertel, zeigte uns ein wirklich cooles Hostel und wollte dafür nur 1€. Klar, dass man ewig von A nach B braucht, wenn das Land so riesig ist, es kaum gute Straßen gibt und die Busse im Durchschnitt 60kmh fahren. Ein bisschen bin ich in die Zeit des BamMobils zurück versetzt aber das war viel bequemer. An diese langen Busstrecken muss ich mich wirklich gewöhnen aber es ist spannend und genau richtig so, denn das alles ist irgendwie so echt.

    Am nächsten Tag machen wir uns auf, die Stadt und die Umgebung zu erkunden. San Gil ist nicht unbedingt dafür bekannt, eine schöne Stadt zu sein aber die Aktivitäten, die hier möglich sind, locken viele Touristen an. Allerdings lassen wir uns nicht die Markthallen entgegen. Es ist Sonntag, Feiertag und der neue kolumbianische Präsident wird vereidigt - dem entsprechend ist irre viel los. Von überall hört man kolumbianische Klänge, die Menschen preisen ihre Ware an und man sieht Früchte in ihrer wahren Größe und sie schmecken in ihrer unvergleichlichen Süße. Wir decken uns also für das Frühstück ein und tanzen durch die Straßen.
    Am Nachmittag suchen wir uns einen Bus nach Curiti, da in der Nähe des kleinen Städtchens der Fluss Quebrada fließt. Dieser hat sich seinen Weg ins Tal gebahnt und es entstand eine Kaskade aus natürlich Pools, Stromschnellen und kleinen Wasserfällen. Ein wunderschöner Ort, an dem sich Leute auf dicken Reifen ins Wasser stürzen und Abkühlung suchen. Wir finden einen kleinen eigenen Pool und sitzen mit Sonne im Gesicht im erwärmten Becken, singen das Lied aus dem Dschungelbuch und probieren es mit Gemütlichkeit ☺️ Um uns kreisen die Geier, die sich an den Resten der Leute erfreuen. Sehr spektakulär diesen Vögeln mal so nah zu sein und ihre große Flügelspannweite in der Luft zu betrachten. Mit einem kleinen Tuk Tuk fahren wir zurück in die Stadt und erfreuen uns später an tollem mexikanischen Essen.

    Voller Aufregung startet der nächste Morgen. Wir haben uns entschieden einen Gleitschirmflug zu machen und werden zum Startpunkt, mit kolumbianischer Gute-Laune-Musik, ins Hinterland gebracht. Ziel ist der Canyon Chicamocha, indem der gleichnamige Fluss fließt. Als wir nach einer Stunde auf der Plattform auf einer Höhe von ca. 1.500m ankommen, flattert das Herz ganz schön dolle. Sarah hat so einen Sprung schon mal gemacht aber unsere gemeinsame Vorfreude war riesig. Als wir sahen, über welche herrliche Landschaft wir fliegen würden, stieg die Spannung noch weiter an. Wir wurden in alles eingewiesen (zum Glück auf Englisch), anschließend ordentlich festgeschnallt und los ging’s. Die Thermik war wohl bestens geeignet, wir standen auf der abfallenden Wiese, mein Sprungmentor hinter mir angeschnallt, mit einem Ruck stellte er den Fallschirm auf, das Kommando lautete „losrennen“ und zack hebten wir vom Boden ab. Was ein unbeschreibliches Gefühl. Selten habe ich mich so frei gefühlt. Ich spürte den Wind, die Sonne auf meiner Haut und wie uns der Schirm immer weiter in die Höhe trug. Wir kamen bis auf ca. 2.600m und schwebten über dem wunderschönen Canyon. Dieser hat selbst bis zu 2.000m hohe Stellwände, sodass die die Schluchten imposant und tief wirken. Wir sind so hoch, dass ich das Gefühl habe die Wolken anfassen zu können. Immer mal wieder sehe ich Sarah und hoffe, sie hat den gleichen wunderbaren Flug wie ich (hatte sie auch ☺️). Zwischendurch fragt mich mein Flugbegleiter, ob wir mal etwas Action wollen und lässt den Schirm von rechts nach links schwingen oder schwebt strudelartig nach unten. Puh das ging gut ab und das Adrenalin schoss in die Höhe. Das Wetter war so gut, dass wir sogar den Berg El Cocuy und seine Schneespitze sahen. Er ist mit 4.900m einer der 5 höchsten Berge Kolumbiens. Langsam drehten wir unsere Runden, ich genoss jede Sekunde und den traumhaften Rundumblick, den man hatte. Langsam glitten wir nach ca. 25min wieder zur Plattform und landeten butterweich und voller Glück. Ich konnte noch gar nicht so richtig fassen, was da gerade passiert ist und fiel Sarah in die Arme, als sie auch wieder zurück kam. Wie schön, diesen besonderen Moment zu teilen! Wir beobachteten voller Faszination weitere Flüge, bis wir wieder aufbrachen und zurück durch die herrliche Landschaft, mit Bob Marley, Richtung San Gil fuhren. Ich bin so glücklich, das erleben zu dürfen!

    In der Stadt San Gil gibt es einen kleinen geschützten Park, der uns einen Vorgeschmack gibt, wie schön die Natur in Kolumbien ist und wie toll es an der karibischen Küste sein muss. Die ist nämlich unser nächstes Ziel. Es wartet eine 14 stündige Busfahrt auf uns, um in Santa Marta anzukommen aber auch hier ist die Vorfreude riesig. Karibik, wir kommen 🌴🥑🐳 🌊

    Kleiner Nachtrag. Wir sind wieder im Hostel, wir wollten 7:30 den Bus vom Terminal nehmen. Der Bus fährt nicht 7:30 am Morgen, sondern am Abend 19:30 und über Nacht. Klar … in diesen Ländern sollte man auf „am“ und „pm“ achten. Absoluter Tourifehler. Man wie peinlich aber gut, dann haben wir noch einen schönen Tag in San Gil 😆 und schauen uns den Wasserfall Cascades de Juan Curi an.
    Read more

    Anna Pfeifer- Salten

    Liebe Nasti, liebe Sarah, ich bin jetzt drin und freue mich die Reise jetzt hautnah mitzuerleben. Die Reiseberichte sind spannend und aufschlussreich. Also, Anna/Tanne ist dabei. Liebe Grüße auch von Hubi😘🙋‍♀️

    B H

    Hey. Dein Blog steckt voller Adrenalin. Habe gerade das Atmen vergessen. Und jetzt die Karibik!! Whau

    Mario Wendorf

    Das mal nen Baum😍

     
  • Day3

    Bogotá

    August 4 in Colombia ⋅ ⛅ 15 °C

    Wahnsinn… wir sind in Kolumbien. Der Blick aus dem Hotelzimmer macht eine lange Anreise, mit etwas ungemütlichen Flugstunden, wieder wet. Man sieht es sofort: andere Vegetation, brausender Straßenlärm und buntes Treiben, wir sind jetzt auf einem anderen Kontinent.

    Für die erste Nacht, hatten wir uns ein Hotelzimmer gegönnt, um nicht gleich in die erste Tourifalle zu tappen. Nach ein paar Stunden Schlaf sagte dann früh am Morgen die biologische Uhr und der knurrende Magen, dass es Zeit war über das Frühstücksbuffet herzufallen und das taten wir auch. Als wir wiederum mit vollen Mägen auscheckten, machten wir uns auf den Weg zum ersten Hostel. Ein liebevolles, romantisches, südamerikanisches Paradies wartete auf uns und man musste aufpassen, dass nicht zum Standard zu erklären. Für‘s Ankommen in Bogotá jedoch ein Träumchen. Auch wenn hier Winter ist, gibt es kaum Räume die geschlossen sind, alles ist auf Sommer ausgerichtet, viele Pflanzen, bunte Wände und verschiedene Räume für Spiel, Spaß und Spannung. Am Tag erwarteten uns angenehme 18 Grad und wir machten uns bei Sonne-Wolken-Mix auf, die nähere Umgebung kennenzulernen. Die Stadt scheint super voll, als wäre ein besonderes Event aber man sagte uns, dass das ein normaler bogotanischer Mittwoch sei. Wir sehen verschiedene Baustile, hohe Glastürme, enge Gassen, schöne Hinterhöfe, bunte Fassaden, dreckige Ecken, Lamas, kleine Backsteinbauten, SchmuckverkäuferInnen, abgeranste urige Kneipen, bettelnde Menschen, viele Tauben und immer hört man irgendwo Musik. Am Abend genießen wir noch einen Drink an der Bar und fallen 22:00 ins Bett… der Jetleg und die Anfahrt steckte noch etwas in den Knochen.

    Am nächsten Tag meldeten wir uns für eine Free Walking Tour an, um die Stadt wirklich etwas kennenzulernen. 3 Stunden ging es durch die zentrale Stadt und das angrenzende hippe Kneipenviertel. Dabei haben wir allerdings nur einen Bruchteil gesehen, denn bei einer 10 Millionen Stadt, braucht man schon ein wenig mehr Zeit. Wir erfuhren viel über die Kriegsgeschichte des Landes, wie der Kolonialismus gewirkt hat und die Unabhängigkeit erkämpft wurde. Es war irgendwie schwer zu ertragen, gerade als Europäerin schäme ich mich ungemein über die furchtbaren Taten der Vergangenheit, auch wenn ich nicht beteiligt war. Irgendwie hat mir bei der Tour auch noch ein anderer Blickwinkel gefehlt: gibt es Subkulturen und wenn ja welche? Wie geht es dem Land aktuell? Was treibt die Menschen um? Viel erfahren wir darüber nicht. Aber wir lernen ein traditionelles Getränk: Chicha kennen und dürfen kosten. Bogotá liegt auf 2.600m und ist aktuell die am schnellsten wachsende Stadt der Welt, da alle aus dem Umland kommen und hier noch eine winzige Zukunftsperspektive sehen. Es gibt viele Obdachlose, die leider betteln müssen und man spürt, dass viele mit ihren Ideen versuchen etwas Geld zu machen. Entgegen anderen Aussage fühle ich mich jedoch nicht unsicher oder habe Angst in den Straßen. Die meisten Menschen erschienen mir wunderbar lebensfroh und offen für ein freundliches Lächeln. Sie helfen uns wann immer sie können, auch wenn so viele kein Englisch können.

    Am Nachmittag wollen wir die Stadt nochmal greifen und fahren auf einen heiligen Berg des indigenen Volkes namens Cerro de Monserrate auf 3.152m. Leider wurde der Berg zu Kolonialzeiten einfach mit der Aufstellung eines Kreuzes und dem Bau einer Kirche annektiert. Man erreicht den Berg über eine Seilbahn oder über viele Treppen, die wir nur hinunterlaufen. Die dünne Luft macht uns ganz schön zu schaffen und lässt uns tief durchatmen. Schnell bewegen war hier oben nicht möglich. Allerdings haut einen die Dimension der Stadt um. Wohin man auch seinen Blick über das Tal schweifen lässt: nur Stadt. Sie brummt von unten herauf und man spürt das pulsierende Leben.
    Dem Sonnenuntergang entgegen laufen wir den Berg wieder hinunter, bestaunen neue Pflanzen und laufen nochmal in das hippe Viertel, in dem wir Chicha kennengelernt haben. Eigentlich wird das Getränk „Spuckbier“ genannt, da es traditionell durch Fermentierung aus dem Speichel der indigen Frauen gewonnen wird, die den Mais (oder andere Pflanzen) kauen. Wir hatten wohl eine softe und gut schmeckende Variante (fermentierte Ananas mit Korn) bekommen, die wir direkt nochmal kauften. Es war viel los und an einer Ecke standen Welche am Mikrofon und unterhielten ein Publikum. Viele lachten, also setzen wir uns dazu. Es war, als würde wir beiden braunäugigen nicht auffallen und genossen die schöne Atmosphäre. Wir fielen dann wohl doch auf, denn irgendwann sprach uns der Typ am Mikrofon an und wir verstanden natürlich nur Bahnhof. Das merkte er schnell und wir waren für 5 Minuten sein Sketch. Es war wirklich witzig, alle lachten, wie gern hätten wir ihn verstanden. Wir lächelten und winkten einfach nur. Schön, so in das Leben in Kolumbien ein wenig einzutauchen.

    Nach einer unruhigen Nacht, da ein Typ im Zimmer ganze Wälder absägte (das gehört zum Backpacking wohl dazu, aber es ist echt nervend), machten wir uns nach Guatavita auf. Die Stadt liegt an einem sehr schönen Stausee und soll ein Zwischenstopp zu San Gil für uns sein. Wir brechen mit unseren schweren Rucksäcken auf und es fühlt sich an, als ob es jetzt richtig los geht: Bus suchen, umsteigen, öffentliches Netz verstehen und sich hier und da verirren. Im Bus selbst läuft das Ein- und Aussteigen wie folgt: man geht zum Fahrer, wenn man raus will, der öffnet die Tür, bremst so halb, man bezahlt halb im Flug nach draußen und schafft es gerade so auszusteigen, bevor er weiterfährt. Haltestellen gibt es nicht. Also stellt man sich an die Straße und winkt dem Bus zu, in dem man mitfahren möchte. Da man erst beim Aussteigen bezahlt, steigt man quasi in einen fast noch fahrenden Bus ein. Herrlich zu beobachten und alles wunderbar aufregend. Wir haben’s prima gemeistert und waren stolz wie Bolle.
    Am Abend merken wir, dass von Guatavita kein Bus nach San Gil fährt und wir zurück nach Bogotá müssen, darauf waren wir dann nicht mehr so stolz aber nehmen die Erfahrung, den schönen Ort und Sarah’s Badeerlebnis auf 2.600m Höhe gerne mit ☺️
    Read more

    He Nasti!!!! Wie herrlich, in Bogotá waren wir auch schon und der Blick vom Berg ist genau so, wie du ihn beschreibst. Viel Spass tolle Erlebnisse und Begegnungen. Bleibt Gesund, liebe Grüsse Jens und Katharina [JR + Katharina]

     
  • Day2

    Columbia calling

    August 3 in Colombia ⋅ ⛅ 18 °C

    Das Gefühl, das bei mir aufkommt, wenn ich an die letzten Monate denke, kann ich kaum beschreiben. Meine Dankbarkeit für all die Begegnungen, wunderschönen Landschaften, verrückten Aktionen, verliebten Momente, Erkenntnisse und verschiedenen Kulturen ist riesig und erfüllt mein Herz.
    Es pocht nun ganz doll bei dem Gedanken daran, dass diese wunderbare Zeit nicht zu Ende ist, sondern das nächste Abenteuer beginnt: SÜDAMERIKA. Ein Traum wird wahr und die Vorfreude ist riesig! Geplant ist Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Uruguay, Paraguay und Argentinien näher zu kommen und mit dem Rucksack zu erkunden. Ob das alles so klappt und in knapp 5 Monaten machbar ist, weiß ich jetzt noch nicht aber es wird mit Sicherheit wunderbar!
    Mit vielen Tipps für die Länder im Gepäck gehts erstmal nach Bogotá. Hier treffe ich mich im Hotel mit meiner lieben Freundin Sarah, die mich 4 Wochen begleiten wird. Auf uns wartet die karibische Küste, Yoga Retreat, der Tayrona Nationalpark, Dörfer in den Bergen, Wasserfälle, Kraterseen und sicherlich die ein oder andere chaotische Situation. Von Quito gehts dann für Sarah zurück und ich sammel Paul ein, der mich den Rest der Reise begleiten wird.

    Ich bin so neugierig wie es sein wird, wie werden die Menschen sein, wie fühlt sich die Kultur an, wie ist das Busreisen und Hostelsuchen, wie komme ich ohne Spanischkenntnisse zurecht und wie fühlt sich der Dschungel an.

    Es kann los gehen, ich bin sowas von bereit und voller Vorfreude 🧡☀️🌴
    Read more

    Ganz viel Spaß euch beiden! LG Franzi [Franzi]

    B H

    Bin mit Euch aufgeregt und in Vorfreude auf deine tollen Fotos.

    Mario Wendorf

    Du irre Nudel…bin gern dabei und echt übel neidisch…ganz viel Spaß und passt auf Euch auf…

    4 more comments
     
  • Day163

    Dolomiten

    July 19 in Italy ⋅ ⛅ 30 °C

    In der Gegend Veneto waren an den folgenden Tagen über 30 Grad angesagt, sodass wir uns entschieden nach Vas, weiter nördlich in Richtung Dolomiten zu fahren. Hier gibt es genügend klare Seen und Flüsse, die zum Abkühlen einladen und die etwas mildere Luft ist auch angenehmer für Nala. So fuhren wir an den Fluss Piave und den Lago Croce. Vom letzteren kann man die 3 Zinnen, die berühmten Bergspitzen im Sextner Dolomiten weit im hinteren Tal sehen. Der See hat eine fast unnatürlich türkise Farbe und ist ein wunderbarer Ort, um den Geburtstag von meinem Papa zu zelebrieren. Die Umgebung der Dolomiten schreien danach weitere Seen und Berge zu erkunden. Also fahren wir durch die malerische Berglandschaft Richtung Dürrensee, in den Nationalpark rein. Dieser ist irgendwie noch türkiser und liegt unmittelbar an den 3 Zinnen. Wir springen kurz rein und genießen das unerwartete Schlammbad, bei 30 Grad, auf 1500m Höhe. Der See trägt kaum noch Wasser sodass man direkt im Seegrund versinkt oder auf dem Bauch Richtung Mitte rutschen kann. Mein Papa und ich haben viel Freude dabei, dass Nala uns sogar retten möchte… Anschließend laufen wir noch ein wenig ins Tal hinein, um die Zinnen zu betrachten und stehen voll Bewunderung vor den Bergmassiven, die im Abendlicht erleuchtet werden. Ich kann gut verstehen, dass Menschen, die hier geboren sind, einfach nicht wegziehen können. Diese Berge haben etwas magisches und beeindrucken mich immer wieder zu tiefst!
    Eine naheliegender See, der Toblacher See komplettiert unser Traum-Wasser-Hopping und ist für uns mit seinem Uferrestaurant ein herrlicher Ort, um auf den Geburtstag von meinem Papa anzustoßen.
    Hoch sollen Beide leben!!

    Wir verbringen einen weiteren Tag in dieser herrlichen Berglandschaft, laufen ein wenig durch den Naturpark Fanes Sennes Prags und wollen uns eigentlich noch das absolute Natur Highlight, den Pragser Wildsee anschauen. Beim Ankommen wird uns jedoch klar, was so ein Massentourismus anrichtet. Es gibt nur eine Zufahrtsstraße und einfach keine Möglichkeit als Camper zu parken, überall Schranken und Einweiser, die dir ganz klar zu verstehen geben, kein Bock auf große Autos zu haben. Auf die höchst unfreundlichste Weise wurden wir weg geschickt und uns verging es, einen erneuten Versuch zu starten. Dann lieber nochmal etwas anderes suchen, kurz in einen Stausee reinspringen und die letzten Stunden bei Pizza und Vino genießen.
    Mit meinen Bruder und meiner Omi geht es abends Richtung Heimat und ich kann es so gar nicht glauben, dass das erste halbe Jahr sein Ende findet und das kurze Wiedersehen mit der Familie auch schon wieder zu Ende ist.

    Ich freue mich darauf alles sacken zu lassen und meinen Koffer, voll gepackt mit wunderbaren Erinnerungen, Erlebnissen, Fotografien, Begegnungen und Sehenswürdigkeiten voller Genuss auszupacken.
    Read more

    Unglaublich wunderbare Tage und Erlenisse, danke,danke Kussi,Kussi Omi [OMI]

     
  • Day159

    Vom Soča Tal nach Venedig

    July 15 in Italy ⋅ ☀️ 30 °C

    Nach einer ruhigen Nacht mit Voralpen-Panorama, fuhren wir südlich um den Triglav Nationalpark herum, um in das Soča Tal zu gelangen. An diesem Tag war der Weg das Ziel. Es ging die Berge hinauf und wieder herunter, es boten sich immer neue Blicke auf die grünen Ebenen und Wiesen und die Berge wurden immer imposanter. Auf halber Strecke stießen wir auf den Fluss Isonzo, der uns bis ins Tal begleiten sollte. Ein ganz klarer Fluss, der eine einzigartig türkise Farbe hat und sich durch die Täler schlängelt. Vor den Bergen Jalovec und Triglav weitet sich das Tal nochmal auf und wir machen einen Stopp, um zu rasten und am Fluss entlang zu laufen. Dabei laufen wir an den kleinen, wunderschönen Soča Trögen vorbei. Der Fluss hat sich hier so lange in den Stein gegraben, dass eine Schlucht entstanden ist und hier und da Wasserbecken hervor gebracht hat. Das karibisch blaue Wasser lädt zum Reinspringen und Baden ein. Jedoch nicht für uns, 10 Grad alpinischer Fluss muss nicht sein, aber es ist herrlich den Leuten dabei zu zusehen. An einigen Stellen haben sich Sandbänke gebildet, an denen wirklich nur noch die Palmen fehlen. An diesem Ort entdecken wir auch einen Campingplatz, der uns verlockt zu bleiben und mitten im Tal, umgeben von Bergen liegt. Es ist ein wunderbarer Ort. Am nächsten Morgen nutzen wir den Vormittag, um noch ein Stückchen weiter den Fluss entlang zu laufen, da ich mir unbedingt noch die großen Soča Tröge ansehen wollte. Ein kleiner Waldpfad lädt immer wieder dazu ein, an den Rand der Schlucht zu treten und das Wasser im Inneren zu bewundern. Ich muss sagen, dass ich in den letzten Monaten schon einige klare Flüsse und wunderbare Canyons gesehen habe aber dieses Wasser und die Umgebung ist wirklich besonders. Das Alpenpanorama macht es zusätzlich zu einem unvergesslichen Ort. Bis 12:00 mussten wir das Camp verlassen haben, sodass wir schweren Herzens unsere Sachen packten und aus der grünen Lunge Sloweniens verschwanden. Ein weiterer Traumweg führt uns raus aus dem Tal, Richtung Italien.

    Ziel ist es an diesem Tag bis nach Vicenza zu kommen. Ich hatte mich im Vorhinein mit Paolo, meinen Werkstatthelden aus dem Frühjahr verabredet, da schon seit einigen Wochen der Kühlschrank nicht mehr geht. Bei mind. zehn Werkstätten im Balkan hatten wir versucht Hilfe zu bekommen, leider ohne Erfolg, weil sich niemand an diese Technik heran traute. Aber Paolo war zur Stelle und nahm uns direkt auf. Er schraubte hier, säuberte da und erneuerte die Kühlpaste. Leider am Ende ohne Erfolg. Ich setze also alles auf die heimische Werkstatt in Berlin und hoffe, dass dort der erfahrene Camper-Mechaniker eine Lösung findet. Danach fahren wir unweit zu unserer Schlafstelle, die ich ausgesucht hatte. Eine kleine Biofarm, die 4 Plätze für einen schmalen Taler für Camper anbietet. Um uns herum Erdbeer-, Spargel-, Zucchini- und Kürbisfelder. Daneben Obstgehölze und Mais, von den herkömmlichen Bauern. Trotz Stadtnähe fühlten wir uns wie in einer Enklave und genossen den Sonnenuntergang. Die Produkte kann man direkt bei dem netten Bauern kaufen und vielleicht sogar auf dem Feld mitmachen, wenn es einem danach ist. Die süße Melone lassen wir uns noch direkt am Abend schmecken!
    Vom Nachtlager aus können wir auch Vicenza erlaufen und machen uns bei über 30 Grad (Wir sind zurück in der Hitze…) am nächsten Tag auf zur Stadt. Nicht nur meine Omi ist hell auf begeistert, sondern auch für mich ist es schön die Stadt nochmal zu dieser Jahreszeit zu sehen. Man kann in viele Kirchen reingehen, oder sich die Palladio Basilika (ein must-see) ansehen. Diese Stadt ist traumhaft schön und kann immer wieder besichtigt werden, auch wenn es echt heiß war.
    Am nächsten Tag war es dann endlich soweit: der Rest der Familie, also meine Eltern und mein Bruder waren auf dem Weg, um uns in Venedig zu treffen. Wie immer fuhren wir auf die gegenüber liegende Halbinsel, nach Punta Sabbioni und fielen uns am Strand in die Arme. Nala jaulte rum und die Wiedersehensfreude war groß! Mit einem Sprizz in der Hand, aufs Meer blickend gab es dann so viel zu erzählen! Besonders meine Omi äußerte ihre Begeisterung über Slowenien, ein Land in das sie am liebsten wieder zurück fahren würde. Nach Venedig sind wir allerdings aus einem bestimmten Grund gefahren. Nicht nur, dass wir alle Fans sind und die Stadt mit besonderen Erinnerungen in unseren Herzen tragen, sondern meine Omi wollte ihren runden Geburtstag mit uns feiern. Nach einem schönen Frühstück fuhren wir mit den Vaporetto über die Lagune, schwebten durch die Stadt, hielten immer wieder an, genossen die Gassen und Brückenblicke, beobachteten Leuten und stießen immer wieder auf die Omi an. Abends kehrten wir auf einer wunderbaren Piazza in ein Restaurant ein, mischten den Laden ein wenig auf, aßen Gutes Essen und genossen das italienische Dasein. Ein wunderbarer Geburtstag!
    Read more

  • Day153

    Slowenien 2.0 - Ljubiliana und Bled

    July 9 in Slovenia ⋅ ⛅ 16 °C

    Anfang des Jahres, als ich auf dem Weg Richtung Balkan war, war der Drang nach Sonne so groß und die Temperaturen im Februar noch so kalt, dass ich mir nicht viel von Slowenien angesehen hatte. Nun aber habe ich mit meiner Omi erneut die Chance dazu, also habe ich uns für die 10 Tage ein paar Highlights rausgesucht und eine Route erstellt.
    Nach dem wir diesen wunderbaren Abend am See ohne Wasser aber mit Starkregen von oben genossen hatten, fuhren wir bei Sonnenschein zur Hauptstadt, um uns Ljubljana anzuschauen. In der grünsten Stadt Europas leben ca. 280.000 Einwohner. Die beschauliche und liebenswürdige Stadt scheint am Stadtrand architektonisch etwas zusammen gewürfelt und man erkennt viele Zeitepochen. Je näher man jedoch dem Fluss Ljubljanska kommt, werden die Häuser prunkvoller und romantischer. Alles ist saniert und hübsch gemacht. Viele große Jugendstil-Gebäude sind zu erkennen, aber auch klassizistische, noch gut erhaltene Gebäude rahmen die Gassen. Diese werden durch die Sonne erleuchtet und belebt durch die vielen Menschen. Es herrscht buntes Treiben, es gibt süße Läden, StraßenverkäuferInnen und einladenden Restaurants. Uns zieht es zu erst auf die hochgelegenen Burg, um die Stadt von oben zu erleben. Hier sieht man erst so richtig, wie traumhaft die Stadt von einer Bergkulisse eingebettet ist. Sicherlich auch im Winter ein wunderbarer Anblick. Seit 1919 ist die Stadt eine Studentenstadt. Man sieht viele junge Leute, die Stadt ist super sauber und radfreundlich, da in der Innenstadt keine Autos erlaubt sind. Mir hat die Stadt sehr gefallen, auch wenn sie auf mich fast den Eindruck einer zu romantisierten Filmkulisse macht.
    Wir fuhren weiter gen Norden, immer weiter Richtung Berge. In Slowenien muss ich mir wesentlich mehr Gedanken machen, wo wir stehen, als im Vergleich zum Balkan. Ich vermisse ein wenig die Unkompliziertheit. Es ist ähnlich wie in Kroatien, dass man als Camper nicht sehr erwünscht ist und es einem schwer gemacht wird, noch wild und an besonderen Orten zu Campen. Bei diesen Gedanken habe ich mich auch gefragt, was eigentlich der Balkan ist… gefühlt gehört Kroatien überhaupt nicht dazu und Slowenien fast nicht mehr. Aber woran liegt das? Dann fällt mir auch auf: im Balkan kann man stehen wo man will, zahlt für nichts irgendwas und ist umgeben von Müll. In Slowenien zahlt man einfach für alles, Parkgebühren und Eintrittspreise sind frech und man wird sofort von der Polizei weg geschickt, wenn man nur 2 Minuten zu lang seine Schnürsenkel auf einem Gelände zu gebunden hat. Dafür ist alles wie aus dem Ei gepellt. Kein Müll, wunderbare Nationalparks und liebevolle Städte. Wohin fährt man also? Welches Maß ist das Richtige? Und bedeutet es, wenn ein Land dem Westen irgendwann so nah ist, dass es dann den Balkan Flair verloren hat?
    Mit etwas Campererfahrung finden wir dennoch einen Waldplatz, der uns herrlich unter den Bäumen schlafen lässt. Unweit von unserem Nachtlager liegt die Stadt Bled, die an einem atemberaubenden See liegt, an dem wir den folgenden Tag verbringen. Dieser Ort ist einfach magisch! Man kann den See mit 6km Rundweg einerseits umlaufen und anderseits mit einem traditionellen Holzboot auf die Insel mit der Wallfahrtskirche fahren. Das kostet natürlich… langsam und ruhig schwebt das Boot über das Wasser und bringt uns zur Insel. Die Kirche selbst ist wohl von Innen, laut meiner Omi ein Flop, aber die Blicke über das Tal und den Fluss sind einmalig. Überall sind radfahrende Menschen, man kann an jeder Stelle in den glasklaren See springen und sich eine richtig gute Zeit machen. Wir können uns kaum trennen von diesem Ort, besichtigen eine weitere Kirche und genießen die Farben und das Licht und das Wasser. Wir versuchen wieder ein Nachtlager ohne Campingplatz zu ergattern und finden tatsächlich einen direkt am Fluss, an dem am Morgen das Rafting startet. Die netten Jungs erlauben uns dort zu stehen, aber warnen uns vor dem Morgen und der Polizei. Diese war dann 7:30 tatsächlich im Anmarsch. Sympathischer Weise weckte uns kurz vorher einer der Mitarbeiter, sodass wir bin in 5 Minuten das Weite suchten und die anderen Camper sahen, wie sie gerade zur Kasse gebeten wurden. Die Strafe beim wildcampen soll wohl bei 200€ pro Person liegen. Hatten wir echt nochmal Glück!

    Wir hatten uns für diesen Tag den Vintgar Klamm vorgenommen. Die im Landschaftsschutzgebiet liegende Schlucht wird von der Radovna durchflossen, die sich tief in den Felsen gegraben hat. Ein Holzpfad führt einen 500m entlang am Felsen, über Brücken, am fantastischen Wasser entlang, dass sich in die Tiefe stürzt. Der türkise Fluss wirkt fast künstlich in den Felsen geschmiegt. Überall plätschert es, unterschiedliche Felsformationen zeigen sich, ragen teilweise mächtig in die Höhe und in den entstandenen Pools schwimmen die Forellen. Auf dem Rückweg zum Parkplatz läuft man durch den Wald, oberhalb vom Klamm zurück und hat die ganze Zeit Natur pur. Ein traumhafter Ort in Slowenien, den ich so nicht vermutet hätte und der uns zum Staunen gebracht hat. Anschließend bleibt noch etwas Zeit, um weiter zum Bohinjsko See zu fahren. Die Wetterlage war nicht ganz so sonnig wie sonst aber die Wolken hüllten den See in ein besonderes Licht. Hier und da gab es an den grünen Berghängen einen Lichtspot zusehen, sodass die dramatische Szenerie perfekt schien. Es war mächtig viel los, wir schauten einem Beachvolleyball-Turnier zu und schlenderten am Ufer entlang. Aber auch hier: Parkgebühren die nach Abzocke schreien, auch wenn man nur ein Stündchen verweilen möchte (7€). Ich sah eine Familie zusammenpacken und hatte die Hoffnung, das Parkticket einfach teilen zu können und fragte vorsichtig an. Aber der nette Mann schenkte mir einfach sein Ticket mit den Worten: „Wir Slowenen machen das so.“ So nett! Ich kann mir gut vorstellen, dass denen die Preise auch bis zum Halse stehen. Um keinen Ärger zu bekommen oder Strafe zu bezahlen, Campen wir am Abend auf einem bezahlten Platz, wohin gefühlt jeder ausweichen muss aber alle gehen respektvoll miteinander um, da sich alle über die Strenge wundern. Dieser erlebnisreiche und wunderbare Naturtag macht jedoch alles wett. Unsere Tage sind gut gefüllt und meine Omi bzw. wir kommen aus dem Schwärmen nicht raus. So soll es sein. Wunderbares Slowenien!
    Read more

  • Day149

    Cioa lieber Balkan, Hallo Omi

    July 5 in Slovenia ⋅ ⛅ 27 °C

    Bevor meine Omi am 03.07. zu mir kam, hatte ich noch zwei Tage zur Vorbereitung. Also Waschen, BamMobil polieren und die letzte Zeit etwas Revue passieren lassen. Kaum zu glauben, dass mir bzw. uns so viele schöne Momente, Begegnungen und Landschaften zuteil geworden sind. Ich bin so dankbar!
    Kroatien machte es mir im Gegensatz dazu nicht so leicht, da es sich von einer sehr unfreundlichen Seite zeigte. Ich wurde nachts aus dem Mobil geklopft und geschüttelt, weil irgend ein Spast mit Wohnmobilen ein Problem hatte. Also musste ich mitten in der Nacht einen neuen Schlafplatz finden. Ehrlich gesagt hab ich einen Tag gebraucht, den Hass in seinen Augen zu verdrängen. Kurz darauf ist mir fast einer (mit Absicht) reingefahren, mit den Worten: „Er möchte abkassieren“ und man bekommt das Gefühl nicht los, (als Camper) völlig unerwünscht zu sein. Dazu die Touristen-abzockenden-Preise und grimmigen Menschen. Auch wenn ich im Frühjahr so ein ganz anderes Bild gewonnen hatte und die wunderbaren Küstenstädte mich begeistert haben, so war es doch in der Nebensaison. Ich würde nicht wieder in der Hauptsaison in diesem Land sein wollen, das Geld verändert leider alles. Ich hatte etwas Bammel, dass meine Omi den selben Eindruck haben könnte aber es gibt ja immer noch die kleinen Oasen, in die man flüchten kann und ich komme ja nach den letzten Monaten aus einer so ganz anderen Welt. Und so fanden wir auch einen Traumstellplatz in der Nähe von Zadar, ungestört, direkt am Meer, unter Kiefern und einfach nur herrlich. Wir hatten uns so viel zu erzählen und verbrachten den restlichen Tag am und im Wasser. Meine Omi wurde mit Wärme, einem phänomenalem Sonnenuntergang und Traum-Frühstücksplatz empfangen. Besser hätte ich es mir nicht wünschen können.
    Am nächsten Tag zeigte ich ihr Zadar, das nun auch mir, 3 Monate später, ganz anderes vor kam. Die vielen Touristen bringen natürlich Leben in eine Stadt, die warme Sonne erzeugt ein Urlaubsfeeling und die Cafés laden zum Verweilen ein. Nehmen wir alles mit, bis es Abend wird und meine Omi mehr und mehr ins Camperleben einsteigt: Wasser suchen, Abwasser ablassen, Kühlschrank füllen, Stellplatz suchen und draußen neben dem Mobil duschen. Das Meer begleitet uns auf der gesamten Fahrt Richtung Slowenien. Die Straße an der kroatischen Küste nochmal entlang fahren zu dürfen ist wunderbar und wir genießen es in vollen Zügen. Wenn es geht halten wir an und springen rein. Das Wasser hat mit 27 Grad Badewannentemperatur und zeigt sich von seiner klarsten und schönsten Seite. Durch die Hitze entstehen immer wieder Wolkenberge und lassen Regen vermuten aber über uns bleibt es sonnig und heiß.
    Am nächsten geht es dann endlich über die Grenze nach Slowenien Richtung Piran. Die kleine Märchenstadt möchte ich meiner Omi nicht vorenthalten. Nachdem wir nochmal ins Meer springen, schlendern wir durch die Gassen, gehen was schönes Essen und bewundern das Glitzern auf dem Meer. Man kann dieses Städtchen einfach immer wieder besuchen. Diesmal ist allerdings das Ufer und die Badestellen voller Menschen, die Restaurants sind gut gefüllt und es dröhnt laute Musik von hier und da. Was ein Kontrast zum März. An dem neuen Stellplatz in der Natur genießen wir den Sonnenuntergang, kuscheln uns ein, ich lese meiner Omi vor und wir schlafen selig zusammen im gemütlichen BamMobil.

    Durch den Regen in der Nacht hatte es sich endlich ein wenig abgekühlt. Meine Omi ist noch mehr eine Sonnenanbeterin, als ich und genießt die Hitze in vollen Zügen. Seit Wochen kenne ich jedoch nur über 33 Grad, sodass es zum Weiterfahren wirklich angenehm mit nur 25-27 Grad war. Unser Ziel ist die Höhlenburg Predjama. Von der Frilauer Ebene bis zu den Albanischen Alpen erstreckt sich das Dinarische Gebirge, dass zu einem Großteil aus Kalkstein besteht. Diese Karstlandschaft gehört zu einem Großteil zu Slowenien und wird hier als „Kras“ bezeichnet, wodurch man auch den Namen „Karst“ abgeleitet und behalten hat. Hier befindet sich auch die Burg. Sie hat eine unverkennbare Erscheinung und liegt beeindruckend in der 127m hohen Felsenwand, hinter der sich ein ganzes Höhlensystem verbirgt. Erste Bauabschnitte der Burg können auf das 12. Jhr. datiert werden. Sie hatte im Mittelalter einzig und allein den Schutzcharakter und stellte Annehmlichkeiten in den Hintergrund. Es war kühl, feucht, zugig und und recht dunkel. Wenn man durch die Räume und Höhlen geht, eine wirklich unangenehme Vorstellung, dort gewohnt zu haben. Die Fenster hatten damals noch keine Scheiben und die innenliegenden Höhlen und damit verbundenen klimatischen Verhältnisse waren eine Herausforderung für Mensch und Bauwerk. Die bekannteste Familie die dort mal gelebt hat, sind die Windischgrätz, die die Burg zu einem Jagdsitz erweiterten.

    Anschließend fuhren wir weiter zum Cerkniško See, bei dem wir feststellten, dass dieser im Sommer gar kein Wasser führt. Als wir uns aufmachten, um ein wenig durch die Feuchtgebiete zu laufen, spürten wir eine interessante Stimmung. Rundherum waren Gewitter, es brummelte und windete, die Wolken rotierten und schienen an den Bergen festgeklebt. Geradeso schaffen wir es nicht durchnässt zu werden und hörten dem Regen und dem Gewitter sicher im Mobil zu und freuten uns über unser tolles Timing. Die Natur, durch die wir fahren scheint sehr grün, weshalb es sicherlich häufig im Sommer solche Wolkenbrüche gibt. Der spontane Stellplatz am See stellt sich als Oase heraus. Die Sonne zeigte sich nochmal und hüllte alles in einen orangen Schleier, als es immer noch leicht nieselte. Die dahinter liegenden Berge stuften sich leicht bräunlich gen Horizont ab und wir saßen nur da und staunten über die Schönheit dieses Ortes.
    Read more

    B H

    Wie schön, dass Euch Ihr diese glücklichen , sonnigen, leichten Tage habt. Ich schicke Liebe Grüße an Omi.

    7/8/22Reply
    Mario Wendorf

    Der Baum 😍

    7/11/22Reply
    Fritzi V

    Wenn ich mal das Alter von deiner Oma erreicht habe, möchte ich mit meiner Enkeltochter auch mal so verreisen. Coole Omi 👏🏻

    7/17/22Reply
    2 more comments
     
  • Day142

    Kosovo und seine Natur

    June 28 in Croatia ⋅ ☀️ 37 °C

    Viel Zeit bleibt uns leider für den Kosovo nicht, um wirklich ganz in das Land einzutauchen. Aber zwei Highlights wollen wir uns nicht entgegen lassen und lernen dann irgendwie doch mehr über das Land, als gedacht und entdecken mal wieder den wilden Balkan.
    Richtung Nordwesten gibt es die Mirusha-Wasserfälle, die sich als Kaskade entlang von 10km auf dem gleichnamigen Fluss ihren Weg talabwärts suchen. Dadurch entstehen auf ca. 80 Höhenmetern unterschiedliche Ebenen und 13 natürliche Pools, in denen man Baden kann. Steile Felswände ragen am Wasser empor und der Wasserlauf hat hier und da halb offene Höhlen und Schluchten entstehen lassen. Das 550 ha große Naturschutzgebiet ist bekannt für seine reichhaltige biologische Vielfalt und man fühlt sich ein bisschen wie im Urwald. Man kann zu den höher gelegenen Wasserbecken etwas abenteuerlich klettern, was wir auch tun. ☺️ Kleine Eisenbügel sind teilweise in die Felsen gehauen oder Seile an den Bäumen befestigt, an denen wir uns versuchen einen Weg nach oben zu bahnen. Auf den Ebenen sehen wir die unterschiedlichsten Szenerien: Kinder die im Wasser spielen, eine kleine anzunehmende Berühmtheit, die im wehenden Kleid vor einem Wasserfall ihr Musikvideo dreht und eine Männerrunde, die in der Sonne Grillen. Letztere empfehlen uns einen weiteren Aufstieg zum höchst gelegen Pool, der sich etwas weiter den Canyon rauf befindet. Nach beeindruckenden Blicken auf die Wasserfälle und die Felsen, versuchte Paul die steile Felswand hoch zu klettern, bei der hier und da ein Steigbügel schon fehlte oder Seile durchtrennt waren. Also machten wir kehrt und gesellten uns zu den Männern, die uns vorher schon zu sich eingeladen hatten. Die witzige Viererrunde schien mächtig Spaß zu haben und feierte den 16. Geburtstag des Halbstarken, der mit seinem Vater und zwei Freunden eine gute Zeit hatte. Sie teilten ihre Speisen mit uns und erzählten ihre Geschichte. Vor allem der Vater übte sein Deutsch, denn er lebte ab 1993 bis zum Ende des Kosovo-Kriegs in Deutschland. Er meinte, man hätte ihm damals so viel geholfen, dass er das auf immer den Deutschen zurück geben möchte. Zum Ende des Krieges hat er mit dem Deutschen Roten Kreuz versucht im Land die Spenden zu verteilen und konnte als Übersetzer fungieren und blieb schließlich, um eine Bar zu eröffnen. Er erzählt uns seine Sicht, wie der falsche Eindruck über den Kosovo entsteht. Russland zugewandtes Serbien scheint falsche Propaganda zu betreiben und verbreitet den Eindruck eines zerstörten, kriminellen, unsympathischen und nicht sicheren Kosovos. Bestätigen kann ich trotz des kurzen Aufenthalts im Land nichts davon. Andere Kosovaren, die zwar in Deutschland leben, allerdings im Heimatland Urlaub machten, erzählen uns über die selbe positive Entwicklung ihres Landes. Zum Beispiel scheint die gute Infrastruktur schon seit 10 Jahren so gut ausgebaut. Die albanischen Kosovaren sind unglaublich nett und hilfsbereit. Ihnen wurde von Fremden ein Land aufgedrückt, um Frieden zu bringen und versuchen wiederum ihren Frieden damit zu finden. Da z.B. die USA bestimmt haben, das der Kosovo nun so heißt wie er jetzt heißt, bedeutet das noch lange nicht, dass die dort Lebenden sich auch selbst so nennen wollen. Die gesagten Worte bringen mich zum nach- und umdenken. Wenn ein Land so ein schlechtes Image hat und keiner kommt, wie lange dauert es dann bis sich ein Land erholt und gut entwickelt? Es ist so spannend mal zu zuhören und einzutauchen. Und am Ende sind wir uns doch alle sehr ähnlich. Der 16-Jährige spielt die ganze Zeit mit seinen Muskeln, zeigt Paul seine Kickbox-Moves und springt wie wild ins Wasser. Er erinnert mich so an meinen Bruder: Massephase, beste Phase. Wir planschen im Wasser, hören dem Wind zu und warten auf das Gewitter. Zwischendurch rollt kurz einer mit muslimischen Glauben seine Matte aus und betet gen Mekka. Die anderen lachen darüber, akzeptieren gleichzeitig aber jegliche Form des Glaubens. Wir haben einen Heidenspaß zusammen, bis wir alle unter einem Felsvorsprung kauern und den Regen und das Gewitter abwarten. Eine wunderbare Begegnung.

    Als es etwas weniger regnet, rutschen wir den Weg wieder zurück und laufen durch den Matsch zum Mobil. Da sich schon die nächste Gewitterfront angekündigte, blieben wir im Nationalpark stehen und lauschten der Natur. Am nächsten Tag ging es noch ein bisschen weiter nördlich nach Peja, um den dort anliegenden Rugova Canyon zu bestaunen. Nahmen wir uns in den vergangenen Wochen immer viel Zeit für die Natur-Highlights, war diesmal nur ein kurzer Stopp drin. Allerdings mit einer abenteuerlichen Anfahrt durch die Felsen, und mit bereits besuchten atemberaubenden Schluchten im Gepäck. Der Ort selber war keinen Stopp wert, da die Stadt irgendwie keinen Flair hat aber wir aßen etwas und schauten nach, wo wir als nächstes schlafen könnten. Es sollte wieder über die Grenze gehen, um in Montenegro an der Tara zu nächtigen. Auf dem Weg dorthin wird uns wieder klar, warum Montenegro so ein absolutes Traumland war: die Landschaft ist umwerfend und man könnte stundenlang einfach nur durch die Gegend fahren. Richtung Sonnenuntergang erreichen wir den geplanten Stellplatz, der irgendwie keiner ist. Also rollen wir die schmale Straße noch etwas weiter runter, denn es findet sich ja immer was Besonderes und dem war auch so. Am Ende der Straße empfing uns eine Brücke, die über die Tara ging und eine Gruppe von Männern, die am Feuerchen saßen. Die Brücke schien wie gemacht für das BamMobil und mit zwei Betonrahmen ausgestattet, durch die das Mobil exakt durch passte. So dachten wir es uns zumindest. Nach kurzer Überlegung (und einem Raki), ob das überhaupt notwendig wäre, dennoch die Wiese auf der anderen Seite so verlockend war, entschieden wir uns dafür. Ich übernahm das Steuer, die Männer feixten und halfen mit das Mobil durch das Nadelöhr zu manövrieren. Es schien zu klappen, bis auf der anderen Seite der Brücke der Weg zur Wiese abfiel und der Arsch des Mobils zu weit nach oben ging, dass der Betonrahmen das Mobil einzuquetschen drohte. Also rückwärts auf der Minibrücke wieder zurück, nochmal durchfädeln und erstmal durchatmen. Manchmal muss ich über so manche Aktion schmunzeln und den Kopf schütteln, aber wir hätten sonst niemals die Boys aus Montenegro kennengelernt. Wir gossen Berliner Luft ein und bekamen Raki. Außerdem hatte Paul montenegrinische Volkslieder auf seinem Handy, die er interessehalber zu der Zeit mal abgespeichert hatte und lies diese über die Boombox erschallen. Die Gesichter der Männer strahlten und sie stimmten bei Kerzenschein mit ein. Über das Handy von einem konnten wir ein wenig kommunizieren aber an diesem Abend ging es auch ganz gut über Mimik und Gestik. Wir hatten viel Spaß! Ich bekam dann noch einen halben Heiratsantrag von einem, der erst später merkte, dass ich mit einem Partner reiste und war dann doch recht enttäuscht, da wohl montenegrinische Frauen nicht mit am Feuer sitzen, quatschten und trinken. Das Feuer und die warme Stimmung überließen sie uns dann später, und nach ein wenig rum rangieren hatten wir dann doch den besten Stellplatz unter Buchen und einem phänomenalem Sternenhimmel.
    Am Morgen sahen wir erst, wie klar das Wasser des Tara an dieser Stelle ist und sprangen als erstes in das 13 Grad kalte Wasser. Sehr kalt für mich aber umso erfrischender und einfach schön an diesem magischen Ort für sich zu sein. Nach einem herrlichen Frühstück ging es weiter nach Herzeg Novi, ein Städtchen, dass wir auf dem Hinweg durch Montenegro ausgelassen hatten. Wir standen direkt am Wasser, um so oft wie möglich hinein zu gehen, weil man bei 35 Grad aufwärts kaum etwas anderes machen kann. Dennoch schauen wir uns abends die Stadt an, nahmen ein bisschen Nachtleben und Kultur mit, da es auf dem Marktplatz ein Folklorefest mit Tanz und Gesang gab.
    Mit der Sonne und der Hitze fahren wir weiter Richtung Kroatien. Hier halten wir nochmal in Brela, dem Ort, der mir so gefallen hatte und mir Delfine schenkte. Die Temperaturen legen nochmal eine Schippe drauf und wir schlafen bei 25 Grad Nachts (!) in den Hängematten, unter den rauschenden Kiefern und verbringen ein paar Tage im wunderbar klarem Wasser. Wir merken an diesem Ort schnell, wieder im kapitalistischen Europa angekommen zu sein: kaum einer ist richtig echt freundlich und für eine Pommes am Strand zahlt man 12€ 😳😤 hier werden die Touris leider abgezockt und man kann nicht einfach irgendwo wild Campen, weil alles mit Schranken abgesperrt ist. Wie sehr schätze ich die zuvor besuchten Länder! Das gibt dem irgendwie einen kleinen faden Beigeschmack aber dieses 28 Grad warme Meer ist einfach umwerfend und der Stellplatz war herrlich für die letzten gemeinsamen Tage mit Paul. Was für wundervolle Monate liegen hinter mir bzw. uns.
    Nun warte ich auf meine neue Reisebegleiterin, meine Omi 🧡
    Read more

    B H

    Wunderschön

    7/3/22Reply
    B H

    Das könnte ein Zeichen sein

    7/3/22Reply
     

Join us:

FindPenguins for iOSFindPenguins for Android