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  • Day60

    Generation Y auf Reisen

    March 1, 2018 in Chile ⋅ ⛅ 14 °C

    Sie machen es sich hinten auf dem Toyota Pickup bequem. Aus Hannover und aus Graz seien sie. Schon ziemlich lange unterwegs, vielleicht ein Jahr. Wie lange sie noch reisen wollten? Das könnten sie noch nicht sagen. Nach dem Studium hätten sie zwei Jahre gearbeitet, nein, nicht in einem Start-Up, was Soziales. Aber jetzt erst einmal Pause. Im Moment sei das Hitchhiken schwieriger, da sie aufgrund der chilenischen Sommerferien derzeit mit den Einheimischen konkurrierten. Aber irgendwie würde es immer weiter gehen ... Generation Y auf Reisen.

    Die Backpacker und die Rentner (inklusive einiger halbwegs rüstiger Motorradfahrer) haben Südamerika touristisch unter sich aufgeteilt. Üblicherweise bleibt man dabei streng unter sich. Denn die einen zieht es in die Hostels, die anderen in die Hotels. Die einen fahren Bus oder Trampen, die anderen Mietautos oder Enduro. Lediglich auf der Straße und beim Essen gibt es Berührungspunkte, aber die Annäherung erfolgt eher einseitig und nur von alt nach jung. Was sollte Generation Y auch mit den graubärtigen Babyboomern zu besprechen haben?

    Auf Bild 2 seht Ihr, warum die Carretera Austral immer wieder gesperrt ist. Denn wenn die Schotterstraße über viele Kilometer zwischen Berg und Wasser eingequetscht ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass ab und zu ein Erdrutsch ein Weiterkommen unmöglich macht. Fotografisch leider nicht festgehalten, aber dennoch wahr: Wir sehen an vielen Stellen die Spuren früherer "landslides".

    Während wir uns alle mittlerweile recht gut mit Schotterpisten arrangiert haben, liegt in einer Kurve ein mit seiner Suzuki gestürzter Amerikaner. Aus Boston, circa Ende 60. Er ist unter seinem Bike eingeklemmt, hat sich aber nicht wirklich etwas getan. Domenicos Frage, ob er Hilfe benötige, entbehrt nicht ein gewissen Komik. Seine Brille ist ihm von der Nase gerutscht und hat nur noch einen Bügel, der Drehverschluß zum Motoröl fehlt, wie überhaupt das gesamte Motoröl. Fahrzeug und Fahrer geben insgesamt ein bemitleidenswertes Bild ab. Nichtsdestotrotz: Nachdem wir ihn und das Bike wieder aufgerichtet haben, bleibt er amerikanisch entspannt. Das fehlende Windshield hätte er bereits bei einem früheren Sturz verloren. Nein, weitere Hilfe benötige er nicht, er hätte noch irgendwo Motoröl und käme auch sonst gut klar. Er wäre nur die Kurve etwas "zu konservativ" angegangen und hätte vielleicht die falschen Reifen. Und außerdem hätte die Carretera Austral auf YouTube irgendwie einfacher ausgesehen. Tatsächlich sehen wir ihn 100 km weiter am Nachmittag wieder. Ein echtes Stehaufmännchen!

    Irgendwann kommen wir doch wieder auf wunderbaren, fast neuen Asphalt, was vorteilhaft ist, weil man sich dann nicht nur auf das Fahren konzentrieren muss, sondern auch die herrlichen Landschaftsbilder genießen kann - mit bereits vielen vergletscherten Berggipfeln. Ein erster Vorgeschmack, denn die Berühmten liegen noch vor uns. Ich hoffe, Ihr erfreut Euch an den Bildern - ich melde mich morgen wieder, dann ist Ruhetag in Coyhayque.
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