BertsBikeBook

Joined October 2017Living in: Deutschland, Solingen
  • Day75

    Danke Rike, dass Du mich sofort und durchgängig bei meinen Reiseplänen unterstützt und Dich drei Monate um Haus und Hof gekümmert hast - mit kaputter Heizung und umgestürzten Bäumen. Danke auch an Euch, Amelie, Christoph und Felix, für Eure liebevolle Reisebegleitung. Ihr seid die Besten. Do it your way and keep going.

    Danke an allen anderen Familienmitglieder und alle lieben Freunde für Euren vielfältigen, aufmunternden und netten travel support, ich freue mich auf Euch!

    Danke an das Edelweiss-Team für die sehr gute Reiseorganisation. Der Dank gilt natürlich insbesondere unseren Tourguides Marc, Oliver und Domenico, aber auch Gerhard und dem gesamten Backoffice-Team. Last not least: Thanks to all iron butt bikers of this world tour group: Phil, Will, Manfred, Bernd, Martin und Katrin - traveling with you was a privilege and pleasure.
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  • Day74

    Christoph weist mich auf eine Textstelle hin, die pointiert gegen das Reisen Stellung nimmt. Sie stammt aus Ralph Waldo Emersons "Von der Schönheit des Guten", ist also schon gut hundert Jahre alt:

    "Ich bin kein großer Fürsprecher des Reisens, denn ich bemerke, dass die Menschen in fremde Länder rennen, weil sie in ihrer Heimat nicht gut tun, und dass sie wieder in ihre Heimat zurückrennen, weil sie auch an den neuen Orten eine Null waren. Gewöhnlich reisen nur leichtfertige Charaktere. Wer bist Du denn, dass Du keine Aufgabe hast, die dich zu Hause zurückhält?
    ...
    Der Stoff aus dem die Länder gemacht sind, ist überall derselbe. Glaubst du wirklich, dass es irgendein Land gibt, in dem man nicht Milch kocht, Kinder wickelt, Reisig brennt und Fische kocht? Was irgendwo wahr ist, ist überall wahr. Und du kannst hingehen, wohin du willst, du kannst immer nur soviel Schönheit und Wert vorfinden, als du selbst mitbringst.
    ...
    Reisen ist des Narren Paradies. Unsere ersten Reisen zeigen uns, dass alle Orte gleich sind. Zu Hause träume ich davon, dass ich mich in Neapel, in Rom an Schönheit berauschen und meine Melancholie verlieren werde. Ich packe meinen Koffer, umarme meine Freunde, steche in See und wache glücklich in Neapel auf. Aber da sitzt noch immer neben mir jene starre, unerbittliche, unveränderte Tatsache meines traurigen Ich, vor der ich geflohen bin."

    Reist man also, weil man sonst nichts zustande bringt? Und ist die Welt überall gleich? Aus meiner Sicht: zweimal Nein.

    Sicherlich hat jeder Reisende andere Motive. Schon innerhalb unserer Bikergruppe gab es durchaus unterschiedlich Erwartungen und Antriebe. Aber eine Flucht vor dem "eigenen traurigen Ich", das war die Tour bei keinem der Teilnehmer. Ganz im Gegenteil: Sich in anderer, unvertrauter Situation neu zu erproben, das trifft es viel eher. Denn vieles muss auf einer solchen - zumindest für meine Verhältnisse sehr großen - Reise neu erlernt werden. Es gilt viel Praktisches zu bewältigen, die Speisekarte will entziffert, die Wäsche gewaschen, das Motorrad gecheckt, das Navi programmiert, das Wetter vorhergesagt und die Schotterstraße bewältigt werden. Zwar kehrt auch hier auf Dauer Routine ein, aber es fordert neu heraus. Und es tut gut, wenn es klappt.

    Vor allem aber: Die Welt ist keineswegs überall gleich. Das gegrillte Meerschweinchen, die kippelnde Fähre am Titicacasee, die Einsamkeit der Tankstellen in Patagonien ... es macht einen sprachlos vor Staunen. Noch mehr natürlich die Unterschiedlichkeit der "Lebenskonzepte", etwa des Melonenverkäufers auf seinem Fantasiegefährt, der deutschstämmigen Hildegard, die in Puyuhuapi ein Hotel betreibt, der kleinen Paola im SOS-Kinderdorf, des Punkfans Antonella auf dem Campingplatz oder der Pabstmädels in Trujillo - wenn diese Buntheit der Menschen nicht fasziniert, was denn dann? Und natürlich überwältigen auch die Anden, die Alpakas, die Riesenbromelien und noch so vieles mehr.

    Zwar ist richtig, dass erst die Fremde lehrt, was wir an Heimat besitzen (Fontane), aber durch eine solche Reise wird einem auch die eigene Heimat ein wenig fremder. Muss denn alles so sein wie zuhause und wie es immer war? So gesehen: Am Ende dieser herrlichen Tour weiß ich zwar, wo ich hingehöre, aber ein bißchen Südamerika bleibt möglicherweise doch an mir kleben. Hoffentlich.
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  • Day73

    Es ist oft ein Angang gewesen, abends - bei schwachem Licht, kleinem oder keinem Tisch, mit müden Augen und schlechtem Wifi - einen Footprint zu schreiben. Und mit dem Anspruch "jeden Tag einen Blogeintrag" setzt man sich selbst zweifellos unter Druck. Trotzdem: Es lohnt. Das Bloggen zwingt einen, sich zu fokussieren. Im Grunde kann pro Tag immer nur eine kleine Episode herausgepickt und ausgeführt werden. Das ist einerseits wenig. Andererseits kommt über eine Zeitspanne von fast 80 Tagen dadurch ein hübsches Reisetagebuch zusammen. Was bliebe, wenn man es nicht notiert hätte?

    Auch der Zwang, pro Tag nur maximal 10 Bilder hochladen zu können, ist hilfreich. Mit zunehmender Reisedauer habe ich immer weniger fotografiert. Dafür jedoch mehr geschaut und versucht, den Moment, Menschen, Landschaften, Orte, Klimazonen und die Vielfalt des südamerikanischen Lebens zu begreifen. Und dann erst das passende Bild zu machen.

    Je mehr Ihr wurdet bzw. je mehr Follower dazu kamen, desto stärker trieb mich der Gedanke um: Was könnte Euch interessieren? Vermeintliche Heldentaten des Bloggers natürlich nicht, ebensowenig schwärmerische Landschaftsbeschreibungen. So wurde der Blog im Grunde ein etwas ungeordnetes, eher assoziatives Gedankensammelsurium. Aber vielleicht ist es genau das, was den Reiz des Reisens ausmacht und den Kontrast zum Alltag und zum Berufsleben bildet: Nicht auf vorgezeichnetem Weg zum eineindeutigen Ziel zu gelangen, sondern Umwege zu machen, Unerwartetes zuzulassen und dadurch Neues zu entdecken. Reisen geht nicht geradeaus, Bloggen ebensowenig.

    Eines ist klar: Ohne Eure Likes und wohlwollenden, über alle Unzulänglichkeiten hinwegsehenden Kommentare hätte ich mich abends mehr als einmal lieber ins Bett gelegt und geschlafen, anstatt zu schreiben und Bilder zu selektieren. Danke, dass Ihr mich begleitet habt. Danke, dass Ihr mich angetrieben habt. All das hat meine Reise tiefer und intensiver gemacht. Ohne Euch hätte ich weniger gesehen.
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  • Day73

    Epilog 1: Faktencheck

    March 14 in Chile

    Der guten Ordnung halber: Laut GPS sind es 17.674 km geworden (der Tacho weist 300 km weniger auf, aber vermutlich ist das GPS verlässlicher). 320 Stunden auf dem Motorrad verteilen sich auf ungefähr 57 Fahrtage (bei etwa 15 Rasttagen), mithin waren es pro Tag etwa 5,6 Stunden auf dem Motorrad. Davon wiederum gut 1 Stunde ohne Fahrt (Baustellen, Tanken, Fotostopps, morgendliche Wartezeiten vor dem Hotel, ...). Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 68 km/h (in Fahrt) zeugt davon, dass in Südamerika weite Strecken frei von Verkehr oder Ortschaften sind (Patagonien!).

    Das Motorrad hat sehr gut durchgehalten. Abgesehen von den Verschleißteilen, die nach 11 Tkm in Santiago ersetzt wurden, ist im Grunde alles heile geblieben - von einer kaputten Glühbirne und einer fehlenden Schraube am Vorderrad einmal abgesehen. Erstaunlich, angesichts des permanenten Rüttelns und Schüttelns. Im Hafen steht es schon, morgen kommt es in den Container. Und dann schwimmt es erst einmal die nächsten sechs Wochen nach Deutschland zurück.
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  • Day72

    Little penguin is at home

    March 13 in Chile

    Letzter Fahrtag, von Rio Grande nach Punta Arenas. Über 400 km, mit Grenze, mit Fähre, mit starkem Wind. Aber es läuft wie geschmiert, und so bleibt Zeit für einen kleinen Abstecher in den Parque Pinguino Rey, Richtung Porvenir. Schließlich gilt es, die Mission zu erfüllen, die Rike uns und vor allem mir aufgetragen hat: "Bring den kleinen Königspinguin sicher zu seinen Artgenossen!"

    Das ist nun gelungen, er hat tapfer 10 Wochen im Seitenkoffer ausgeharrt, sich ab und zu schon einmal in Südamerika umgesehen, aber erst hier - unter seinesgleichen - fühlt er sich richtig wohl, unser kleiner Stoffpinguin, der mittlerweile ja Bonpland heißt. Heimat ist eben da, wo Familie und Freunde sind. Und ohne Heimat ist alles ein Irrtum.

    Wir posieren noch ein wenig mit unserem Maskottchen und dann ist es soweit: Ich übergebe den Plüschvogel an Luis, den Park- und Pinguinwächter, mit der Bitte, ihn in einem geeigneten Moment einem Kind zu schenken. Denn der Pinguin bringt ja nun erwiesenermaßen Glück. Aber Luis findet ebenfalls sofort Gefallen an unserem Tierchen. Ob er ihn jemals wieder herausrückt?
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  • Day71

    La Sirena y el Capitan

    March 12 in Argentina

    Vorletzter Fahrtag. Start in Ushuaia, Ziel: Rio Grande, eine windige, unattraktive, militärgeprägte Küstenstadt, in die keiner so recht fahren möchte. Phil und Will entscheiden sich, den trostlosen Ort komplett auszulassen und rollen über 600 km zu unserem letzten Zielort Punta Arenas. Monkey Iron Butts. Alle anderen bauen noch einen Abstecher ein, zunächst zur Estancia Haberton und dann zu einem 20-Häuser-Nest namens Puerto Almanza. Von dort 100 km Luftlinie nach Süden, und wir stünden auf Kap Horn.

    Erneut lohnt sich der Ausflug, denn nach gut 40 km Waldweg durchs Nichts stehen wir plötzlich vor dem einzigen, aber zugleich verzauberten Restaurant weit und breit: La Sirena y el Capitan. Trotz TripAdvisor (!!!) gibt es keine weiteren Gäste, viel mehr als 15 hätten ohnehin keinen Platz, dafür jedoch fangfrischen Fisch: Lachs, Forelle, Seehecht - und gratinierte Jakobsmuscheln. Aus den Lautsprechern krächzt Lee Fields Soulballaden. Die Einrichtung dieser Villa Kunterbunt? Supergemütlich! Verstaubte Schallplatten, handgeschriebene Essensempfehlungen und Bilder von Fidel Castro und Che Guevara. Zur Krönung zerrt die Wirtin, nachdem sie gewahr wird, dass wir deutsch sprechen, ein fröhliches Mädel aus Fulda aus der Küche, die zusammen mit ihrem argentinischen Freund hier jobt - aber nur noch 10 Tage, dann beginnt die low season und die beiden ziehen weiter.
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  • Day70

    Unendlich? Endlich!

    March 11 in Argentina

    Katrins großartige Fahrbilder aus Patagonien und Feuerland (erneut: vielen Dank, Katrin!) verdienen einmal mehr einen eigenen Footprint. Und wenn man in dieser Landschaft so vor sich hinrollt, dann kommt unweigerlich und immer wieder der Gedanke "unendliche Weite" in einem hoch.

    Zugleich aber, nun da wir Südamerika komplett von Norden nach Süden durchfahren haben, empfinde ich das erste Mal die Welt doch als endlich. Denn es ist das eine, irgendwo hin zu fliegen und ein Stück unbekanntes Terrain zu erkunden ... wie groß der Radius auch sein mag, es bleibt das Gefühl, nur einen kleinen Ausschnitt gesehen zu haben. Doch einen Kontinent zu durchqueren, sozusagen von Meer zu Meer und in einem Zug, noch dazu so hautnah an Menschen, Landschaften und Klimazonen, wie es das Motorradfahren mit sich bringt, das ist etwas anders. Es lässt einen begreifen: So ein Kontinent ist sehr, sehr groß - aber dann ist doch auf einmal Schluß. Er fängt an und hört wieder auf. Einfach so.Read more

  • Day70

    Fin del Mundo - Selfie Time

    March 11 in Argentina

    Niemand benötigt einen zusätzlichen Stempel in seinem Reisepass. Trotzdem pilgern alle zum südlichsten Post- und Souvenirbüro der Erde und holen sich diese Trophäe. Für 50 argentinische Pesos. Beim freundlich lächelnden Postler mit Backenbart, der dafür auch noch ein Bild von sich selbst in das Reisedokument hineinklebt. Vielleicht ist das Lächeln auch gar nicht freundlich gemeint, sondern der Stempelmeister ist sich nur seiner Monopolsituation bewusst und überschlägt gerade seinen täglich anwachsenden Reichtum.

    Trotzdem, all das muss sein, auch das obligatorische Bild vor dem Holzschild, an dem die Ruta No. 3 final endet. Ein Gruß an alle, die schon hier waren (viele!) und heute vor allem an Heiko und Ulrike, die es vor noch nicht so langer Zeit im Rolli hierher geschafft haben. Chapeau!

    Ein paar Selfies dürfen nicht fehlen: Erst mit Marc und dann mit Domenico. Für unseren italienischen Tourguide setze ich extra die Sonnenbrille auf, nicht weil es so hell wäre, sondern um in Sachen Coolness etwas mithalten zu können. Denn Domenico hat wirklich in allen Lebenslagen seine Sonnenbrille auf, auch abends, auch im Regen, vermutlich auch wenn er schläft - sehr stylish.

    Auf dem Bild danach Bernd und Manfred, dann Will und Phil mit Martin und Katrin. Und das allerletzte Bild gehört Katrin und Martin, die schon einmal in Richtung Antarktis gucken, da sie ihre Reise dorthin noch fortsetzen.
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  • Day69

    Bitterkalt

    March 10 in Argentina

    Solingen liegt auf dem 51. Breitengrad Nord. Unser heutiger Zielort Ushuaia auf dem 54. Breitengrad Süd. Man kann an diesen Koordinaten ermessen, wie wenig Kraft die Sonne hier noch hat, um uns zu wärmen. Erneut hat es gefroren. Und Motorradfahren bei 0 Grad ist - wollen wir es einfach einmal offen ansprechen - kein reines Vergnügen.

    Aber andere hätten mehr Grund zur Klage: Julienne und Hervé auf ihrem Zweipersonenrad mit Sattel und Sitz müssen Kälte und Wind mit reiner Muskelkraft trotzen. Sie sind in Bogota gestartet, seit 12 Monaten unterwegs und kommen mit 500 Euro im Monat aus. Wenn kein günstiges Quartier verfügbar wäre, dann würde man im Zelt übernachten. In Ushuaia sei dann Schluß. Bevor es aber wieder in die Heimat nach Frankreich ginge, wolle man noch eben den Camino nach Santiago de Compostela radeln. Und all das sei noch gar nichts: sie wären einem Asiaten begegnet, der von Feuerland nach Alaska joggen wolle, in zwei bis drei Jahren. Gemessen an diesen Ausdauersportlern, von denen es hier einige gibt, sind wir Worldtour-Biker lächerliche Weicheier. Allerdings: Ist es nicht auch sehr langweilig, stundenlang durch die Pampa zu radeln oder laufen?

    Auch das Motorradpärchen aus Kolumbien ist bewundernswert. Sie haben nahezu die gleiche Strecke zurückgelegt wie wir, allerdings zu zweit auf einer 150 ccm Maschine, mit abenteuerlich verzurrtem Gepäck.

    Nach 420 km kommen wir unterkühlt in Ushuaia an, trotzdem wird für das Gruppenfoto tapfer gelächelt. Morgen noch ein paar km, und wir sind am "Ende der Welt". Es kommt in der Gruppe eine Stimmung der Erleichterung und des wohligen "we made it" auf, denn nun liegt nur noch eine vergleichsweise kleine Rückreisestrecke nach Punta Arenas vor uns. Von dort werden die Bikes dann zurück nach Hamburg verschifft.

    Eine abschließende Beobachtung: Der Falkland-Krieg ist hier, wo wir diesen im Grunde unbedeutenden und unwirtlichen Inseln näher kommen, noch äußerst präsent. Argentinien verlor 1982 die Auseinandersetzung mit England um die Malvinas, aber Straßenschilder und ein Denkmal in Ushuaia zeugen davon, dass man den Krieg weder vergessen hat noch als endgültig verloren ansieht. 649 Tote auf argentinischer Seite, 258 gefallenen Soldaten auf britischer Seite ... wie sinnlos war das denn?
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  • Day68

    Cerro Sombrero

    March 9 in Chile

    Was für ein verlassener Fleck. 500 Einwohner. Helden der Ölförderung, ein Mini-Industrieort, selten genug hier im Süden. Mit einem hübschen Namen: Cerro Sombrero, frei übersetzt: Hügel mit Hut. Es ist unglaublich still. Nicht nur auf dem Kirchplatz. Wo sind alle? Jeder in seinem Häuschen? Und warum haben fast alle einen Zaun darum herum? Wer sollte hier unbefugt eindringen wollen? Fragen über Fragen.Read more

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