• Durch das Reich der Millionäre Alvor nach Faro

    October 22 in Portugal ☀️ 17 °C

    Ich habe eine große Strecke vor mir. Leider macht das Rad jetzt hinten Faxen. Ich nehme es mitten auf der Straße in Alvor noch einmal auseinander und konsultiere meinen Franzi. Er entdeckt, dass die Kassette zu viel Spiel hat. Das bedeutet ich muss in eine Werkstatt. Aber das erledigen ich in Faro. Immerhin sind es letztendlich 96 km und 808 Höhenmeter gewesen.

    Immer wieder springt mir die Kette raus beim.szeilen Bergauf fahren. 😡😡😡😡

    Die Strecke ist an sich unglaublich schön, aber völlig unmoralisch. Ich fahre nur durch und rund um sog. Quintas, riesige Anwesen, riesige Baustellen für Luxusbehausungen, - Advertising "schön ab 1690 €/Monat... der Durchschnittslohn der Portugiesen ist bei 1400 Euro!!!
    Die Landschaft ist geprägt von Golfplätzen und wunderschönen Parks. Es wirkt sehr idyllisch in den kleinen, von warmen Steinmauern gesäumten Strässchen zu fahren. Wuchernde Bougenville, Steineichen, Palmen, sehr viel grüner Rasen. Überall arbeiten Farbige auf Rasen und in der Maintenance.
    Emsig sind Bauarbeiter hinter langen Werbeplakten auf mega Baustellen am Werken. 1000ende Unterkünfte in allen Wertlagen gibt es schon, Aber1000ende werden zusätzlich in die Landschaft geknallt.

    Vom Meer nicht viel über, wie an der Costa Brava oder der Cote Azur.
    In den Satellitenorten am Meer reiht sich ein Hochhaus ans andere. Ein Restaurant ans andere. Ein Ramschgeschäft ans andere. Reine Retortenstädte. Und Geisterstädte. Weil kein Mensch hier wohnt.
    Es ist erschreckend! Besonders weil ich mit dem Rad auch immer wieder in die 2. und 3. Reihe geschickt werde. Dort herrscht das komplette Elend. So Zwischendinge zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Die Sklaven der Gäste hausen hier. Es ist viel vergammelter als z.B. nördlich von Nazare.
    Oder Sagres.

    Die berühmte Algarve. Nein danke! Wieviel schöner war die Westküste!

    Und dann kommt man nach Faro. Aussen hui, innen arm. Die erste Reihe sauber, weiß, gepflegt... dahinter. Mangel. Armut.

    Warum läßt eine Regierung das zu, dass alles verkauft wird und das Land, das den Einheimischen zustehen würde, einfach verramscht wird.
    Wenn ich an die Gespräche mit den jungen Portugiesen und Portugiesinen denke, die mich ausgelacht haben, als ich sie fragte, ob sie in einem dieser schönen Altstadthäuser wohnt. Unleistbar!

    Nun, wie auf meinen anderen Reisen muss ich es einfach hinnehmen und mir "das Beste" herauspicken.

    Meine Unterkunft ist wieder ein hübsches Hostel. Wir sind nur zu 3. Und es ist sehr gemütlich. Der Besitzer ermöglicht mir ganz unkompliziert ein Rendezvous mit einer Fachwerkstätte und für 15 Euro wird mein Kassetten/Schaltdilemma hochprofessionel, freundlich und unmittelbar erledigt.

    Abends schaue ich mir noch ein bisschen Faro an, das ja nicht direkt am Meer liegt, sondern am Ria Formosa und somit direkt im Nationalpark.

    Bevor ich morgen Portugal verlasse, fällt mir noch der Porto Tonic ein, den mir die junge Frau im Dourotal empfohlen hat. Am Hafen, bei den Klängen eines sehr guten Musikers und einer Wärmelampe erledige ich diesen Punkt also auch noch. Er ist sehr köstlich und vielleicht mache ich so etwas einmal daheim. Ich bin übrigens auch Sangriafan, so wie er hier gemacht wird. Mit vielen Früchten.
    Read more