• 19. Oktober

    October 19, 2023 in South Africa ⋅ 🌙 21 °C

    Heute habe ich ein nachträgliches Hochzeitstagsgeschenk für Uwe.

    Während meiner Urlaubsrecherchen bin ich auf einen Cobra Autovermieter gestoßen und dachte:
    Einen Tag lang mit einem Oldtimer unterwegs zu sein, könnte Uwe gefallen.
    Klar habe ich das erst mit ihm besprochen ob er die Idee tatsächlich gut findet, oder ob er irgendwelche Bedenken hat. Aber ich lag richtig. Er freut sich drauf.

    Heute ist es also soweit.
    Nach dem Frühstück fahren wir eine knappe halbe Stunde in den Stadtteil Paarden Eiland zum Anbieter "Cobra Car Hire".

    Das Autohaus gleicht mehr einer Werkstadt und liegt in einem Industriegebiet.
    Wir parken unseren Wagen vor dem Gebäude und sehen im Vorbeigehen einem Mitarbeiter dabei zu wie er mit einem weichen Tuch fast schon zärtlich eine Cobra poliert.

    Es stehen bereits sechs draußen und wir sind die ersten Kunden.
    Wir werden ins Büro gebeten und erledigen das Papierprozedere.

    Dann dürfen wir uns ein Fahrzeug aussuchen.
    Das heißt, Uwe darf das, es ist ja ein Geschenk für ihn.
    Er bekommt eine Instruktion und wir werden drauf aufmerksam gemacht, dass wir wegen der Baboons auf unsere Sachen aufpassen sollen. Witziger Hinweis bei einem offenen Fahrzeug.

    Wir fahren zunächst über den
    Chapmans Peak Drive.
    Die Aussicht flasht uns.
    Es fühlt sich surreal an.
    Uwe strahlt übers ganze Gesicht und ich muss mich entscheiden, ob ich lieber ihn ansehen soll, weil er so glücklich aussieht, oder ob ich die Aussicht genießen soll.

    Die Schalensitze sind erstaunlich bequem. Wir hatten Sorge, dass ich Rückenprobleme bekommen könnte. Aber nein, die Sitze halten meinen Rücken schön in Position.
    Das Wetter könnte heute auch nicht besser sein.

    Wir halten an mehreren View Points um die Aussicht zu genießen und Fotos zu machen.

    Die Cobra sorgt für Aufmerksamkeit. Immer wieder wird uns zugewunken.

    Wir fahren zum Boulders Beach und bitten den Parkplatzwächter darum, ein besonderes Auge auf die Cobra zu haben.
    So angetan wie er ist, hätten wir ihn wahrscheinlich nicht extra darum bitten müssen.

    Wir zahlen unseren Eintritt und sehen ersteinmal gar keine Pinguine. Und der Strand sieht auch nicht sonderlich schön aus.
    Wir müssen ein Stück gehen, dann sehen wir die berühmten runden Felsen.
    Um die Pinguine anzutreffen, müssen wir über kleinere und größere fast schon eiförmige Felsen klettern und das gestaltet sich abenteuerlicher als gedacht.

    Die Steine haben keine Ecken und Kanten. Sie sind elend glatt geschliffen. Nirgends kann man sich festhalten und hochziehen.
    Meine Sneakers finden keinen Halt und ich rutsche ständig weg. Also ziehe ich die Schuhe aus, aber so funktioniert es auch nicht besser.

    Meine Güte, mein Klettermanöver muss ganz schön plump aussehen. Aber bei den jungen Leuten sieht es auch nicht soooo graziös aus.

    Irgendwie schaffen wir es. Den Gedanken an den Rückweg schiebe ich beiseite.

    Aber jetzt sind wir an dem Strand, den man mit den Bildern vom Boulders Beach im Internet verbindet.
    Er ist viel kleiner als erwartet, doch wunderschön. Heute sind zu unserer Freude auch nicht viele Menschen da.

    Pinguine sehen wir nur vereinzelt, denn die eigentliche Kolonie ist viel weiter draußen und für Touristen nicht zugänglich.

    Die wenigen Tiere die wir sehen, lassen allerdings extrem viel Nähe zu. Ich könnte sie mühelos anfassen, was ich natürlich nicht tue. Die Tiere bleiben total entspannt.

    Wir genießen den Strand ein Weilchen, aber nicht allzu lange. Baden steht nicht auf unserer Wunschliste.
    Unser Fokus liegt heute mehr auf dem Fahren und auf schöne Aussichten.

    Bevor es mit dem Auto weiter geht, müssen wir wieder kraxeln.

    An der schwierigsten Stelle verzweifle ich. Dann sehe ich, dass es zwischen den Steinen eine Art Tunnel gibt, durch den man auf allen vieren auf die andere Seite krappeln kann.

    Ich probiere es oben drüber, schon der Gedanke, in meinem Alter zu krabbeln sagt mir, dass das nicht in Frage kommt.
    Aber was ich auch tue, ich finde auf den Felsen keinen Halt. Oben drüber wird nix.

    Egal wie das jetzt aussieht, hier kennt mich niemand.
    Ich entscheide mich doch für den peinlichen Weg: Augen zu und durch....

    Ich falle auf Hände und Knie, zieh den Kopf ein. An einer Stelle kann ich nicht einmal die Arme durchdrücken, weil der Durchgang sehr niedrig ist.
    Mit Schamesröte im Gesicht, ob dieser peinlichen Kiechaktion, komme ich auf der anderen Seite an.

    Uwe gibt sich nicht die Blöse. Er schafft es mit ein paar Mal abrutschen oben drüber und erwartet mich auf der anderen Seite😃. Immerhin behauptet er nicht, dass er mich nicht kennt😆
    Aber schnell weg hier!

    Ah, falls es noch niemandem bewusst geworden ist: Wir sind die zwei alten Knochen, die später in den Sport-Flitzer einsteigen, in dem man beinahe bodentief sitzt.

    Zum Aussteigen brauche ich aber keinen High Lift, obwohl die ersten zwei Mal bei mir schon lächerlich ausgesehen haben dürften.
    Uwe schwingt sich sportlich elegant rein und raus.
    Aber diesbezüglich habe ich doch noch eine ansehnliche Technik gefunden😄

    Am Ausgang beschließen wir, noch den Steg hinter dem Strand entlang zu laufen und hoffen, dort mehr Frackträger anzutreffen.
    Hier wächst viel Gebüsch in dem etliche Tiere Schatten und Schutz finden.
    Leider riecht es ziemlich streng, was meine Entdeckerfreude ein wenig minimiert.

    Am Strand am Ende des Steges sollen wir nochmal Eintritt bezahlen.
    Das sehen wir allerdings nicht ein und kehren um.

    Unser Parkwächter steht neben der Cobra, als hätte er sich nicht weg bewegt.

    Er bekommt ein gutes Trinkgeld und wir verabschieden uns herzlich.

    Auf geht es jetzt zum Kap der guten Hoffnung.
    Die Fahrt gefällt uns sehr.

    Am Kap ist nichts los.
    Wir steigen aus und laufen ein paar Schritte runter zum Strand.
    Dort setzen wir uns auf einen Stein und verlieren uns im hypnotischen Wellenrauschen.

    Hier vergessen wir ein bisschen die Zeit, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Um 16.00 Uhr müssen wir das Auto zurück geben.

    Auf dem Rückweg kommen wir am Seaforth Restaurant in Simons Town vorbei.
    Hier machen wir Pause um eine Kleinigkeit zu Essen.
    Die Aussicht ist sehr schön.

    Gerade als unser Essen serviert wird, schaut Uwe auf die Uhr und erschrickt:
    "Schatz, wenn wir das Auto um 16.00 Uhr abgeben müssen, wird es extrem knapp".

    Ich antworte ganz entspannt: Macht nix, auf der Website heißt es, jede Zusatzstunde kostet extra. Dann zahle ich halt drauf.

    Uwe antwortet: "Okay, aber ich rufe an und sag bescheid."
    Am Telefon heißt es: Nach 16.00 Uhr ist niemand mehr da. Wir können das Auto dann morgen zurück bringen. Es muss aber unter einem Dach geparkt werden.

    Au waia, in unserem Guest House gibt es keine überdachten Parkplätze.
    Wenn wir unser Leihauto über Nacht im Industriegebiet an der Straße stehen lassen, haben wir morgen womöglich einen tiefergelegten Sportwagen ohne Reifen und Motor.

    Unser Herz rutscht eine Etage tiefer. Wie springen auf, zahlen und lassen das Essen unberührt stehen, was das Personal verwundert dastehen lässt. Wir deuten einen Notfall an und sprinten zum Wagen.

    Unterwegs beten wir was das Zeug hält, dass wir es bis 16.00 Uhr schaffen.
    Wie bestellt gibt es stockenden Verkehr.
    Wo es möglich ist, gibt Uwe Gas. Fahrspaß sieht definitiv anders aus.

    Vier Minuten vor vier stehen wir vor der Werkstatt und geben das Auto unversehrt zurück.
    Meine Güte, das war ein Nervenkitzel!

    Das letzte Stück zum B&B, fahren wir mit unserem Leihwagen wieder in aller Gemütlichkeit und sind zutiefst dankbar, dass wir es noch rechtzeitig geschafft haben .

    Nach einer Dusche und mit ordentlichem Sonnenbrand an allen unbedeckten Körperstellen, genießen wir später wieder an der Strandpromenade ein leckeres Dinner.

    Wir finden sogar, nur ein paar Meter vom Restaurant entfernt, einen freien Parkplatz und werden von einem sehr hilfsbereiten Parkplatzwächter eingewiesen.

    Als wir zurück kommen ist es stockdunkel. Schneller als wir schauen können, steht ein Teenie vor uns um das Trinkgeld zu kassieren.
    Wir wundern uns über die Hilfe die unser Wächter hat, weil wir ihn beim Ankommen gar nicht bemerkten.

    Uwe gibt ihm Trinkgeld.
    Im gleichen Moment kommt der andere Parkplatzwächer, auf den Jugendlichen einschimpfend angelaufen.
    Der Teenie gibt Versengeld und ist weg.
    Uwe und ich schauen dumm aus der Wäsche, weil wir uns so naiv haben reinlegen lassen.

    Aber natürlich bekommt der richtige Wächter trotzdem sein Trinkgeld.
    Das sind ja zum Glück nur Kleinbeträge und wir verbuchen es unter " Lehrgeld".

    Ein wunderschöner Tag geht zuende: Mit strahlendem Sonnenschein, tollen Aussichten, posierlichen Frackträgern, mit Hochleistungs- Klettersport, Adrenalin Kick und einer Lektion in Sachen Achtsamkeit .
    Das sind Abenteuer für drei Tage.

    Wir fallen glücklich und zufrieden ins Bett und spüren Wehmut, weil morgen unser letzter Urlaubstag anbricht, bevor wir übermorgen wieder gen Heimat fliegen.
    Read more